Ich stehe ja ehrlich gesagt nicht so auf diese ganzen viralen YouTube-Homevideos deren Existenzberechtigung in den meisten Fällen primär darin besteht, sich über ihre Protagonisten lustig zu machen. Beim Nintendo-64-Kid ist das anders. Diesen kurzen Clip, der einen 9-Jährigen und seine 6-jährige Schwester bei ihrer überschwänglichen Freude über ein Nintendo 64 zu Weihnachten zeigt, habe ich schon immer geliebt. Wahrscheinlich liegt es vor allem daran, dass mich dieser Einminüter so sehr an meine eigene Videospiel-Begeisterung erinnert (in meinem Fall waren es eher Game Boy und SNES, die eine derartige Euphorie ausgelöst haben): Keine Schadenfreude, kein sich über andere Erheben; schlicht pure nostalgische Mitfreude über die kindliche Begeisterungsfähigkeit.
So als Nachgang zum Weihnachtsfest hat Mashable einen kurzen Bericht über die mittlerweile erwachsenen Nintendo 64 Kids veröffentlicht, inklusive schöner Zitate und Erinnerungen. Und dieser Bericht ist flankierend zu dem tollen Euphorie-Clip einfach mal verdammt lesenswert:
“It was a Nintendo! Video games equaled melted brains back then to most parents, and I had just gotten use to the idea that we’d probably never have one in our house,” Brandon tells Mashable. “So after the first rip of ironically golden wrapping paper, when we saw the beginning of the ‘Nin…,’ it caught me so off guard. I went through stages…like the initial shock, happiness, disbelief it was even real. By the time I started smacking the box, I didn’t even know what to do anymore. I was just super psyched.”
Gibt es in den Weiten des Internet leider nur auf englisch, ist aber dennoch mehr als sehenswert. Es finden sich ja wirklich eine ganze Menge herausragender Verfilmungen von Charles Dickens’ A Christmas Carol (1843) da draußen und dennoch gehört der Disney-Cartoon von 1983 nach wie vor zu denen, die mich am meisten bewegen. Scrooge wird in dieser Version – passenderweise – von Dagobert Duck verkörpert, dessen englischer Name Scrooge McDuck ist, natürlich angelehnt an die klassische Dickens-Figur. Seinen ersten Auftritt hatte Scrooge McDuck, der sich auch außerhalb von A Christmas Carol viele Eigenschaften mit dem berühmten Namenspatronen teilt, ebenfalls in einer Weihnachtsgeschichte, nämlich dem Comicheft Christmas on Bear Mountain (1947). In seinen Anfängen noch als eher unsympathisch charakterisiert, erarbeitete sich der reiche, geizige Grummelkopf schnell eine treue Fanbase und wurde von seinen Schöpfern daher peu à peu in einen sympathisch ambivalenten Charakter umgewandelt. Ich habe Dagobert schon immer geliebt, v.a. Dank der großartigen Serie und dem nicht minder großartigen FilmDucktales (1987 – 1990).
Schön, dass jemand an Weihnachten auch an all die New Yorker, Londoner und Berliner Hipster da draußen denkt… und an die Menschen, die einfach nur guten Indie Rock und Indie Pop zu schätzen wissen. Animal NY leistet dazu seinen Beitrag mit einem schicken, weihnachtlichen Holiday Album, auf dem Bands wie Interpol, The xx und Bon Iver bekannte Weihnachtsklassiker covern. Kann man machen.
The Snowman (1978) ist ein Kinderbuch von Raymond Briggs, in dem ein Schneemann auf magische Weise über Nacht zum Leben erwacht und den kindlichen Protagonisten mit auf eine fantastische Reise nimmt. Klingt profan, ist es aber keineswegs. Auf wundervolle Weise erzählt das Buch vom Sein und Vergehen, von Vorstellungskraft und Fantasie, ohne dabei jemals zu sentimental zu werden. Wenn ihr jungen Nachwuchs habt, praktisch eine essentielle Pflichtlektüre für den Winter. Ebenfalls mehr als eine bloße Adaption ist der gleichnamige Film aus dem Jahr 1982, in dem die Geschichte ebenso berührend wie wundervoll, ebenso warmherzig wie traurig in poetische Bilder getaucht wird, begleitet von der herausragenden Musik Howard Blakes. Vollkommen zurecht wurde der 20Minüter 1983 für den Oscar nominiert und rangiert auch regelmäßig weit oben, wenn es um die besten britischen TV-Produktionen geht. Und… wie sollte es auch anders sein: Er passt perfekt zum frühen Morgen des zweiten Weihnachtstags.
Und ich bin noch nicht einmal der größte Mr. Bean Fan, aber das ist jedes Jahr wieder Gold wert: Angefangen beim albernen Spieltrieb an der Krippe, über die kindliche Vorfreude am Weihnachtsmorgen, das tragikomische Schreiben der Weihnachtskarten an sich selbst bis hin zum klassischen Truthahn-Gag.
Vielleicht ist es die perfekte Mischung aus harmonischer Kalligraphie und rüdem Tonfall. Vielleicht ist es die stimmungsvolle Kombination aus Tradition und Nerdyness. Vielleicht ist es die herrlich sublime Dekonstruktion des Wunsches nach einem gediegenen Weihnachtsfest. Aber am wahrscheinlichsten meldet sich hier dann doch einfach nur mein pubertäres Selbst zu Wort… Egal, diese Calligraphuck-Weihnachtskarte ist einfach großartig!
Weihnachtsmusik… spezielle Weihnachtsmusik… Weihnachtsmusik, wie sie sein soll; fernab von jedem “Last Christmas”-Generve, jeder “Jingle Bells”-Niedlichkeit und jedem “Stille Nacht, Heilige Nacht”-Kitsch. Vingt Regards sur l’Enfant Jésus (1944) von Olivier Messiaen gilt laut Wikipedia als eine der wichtigsten Kompositionen des 20. Jahrhunderts. In seinen 20 Blicken auf das Jesus-Kind spielt der Avangardist mit dem Menschlichen und dem Göttlichen, variiert Themen und Motive und erschafft so ein eindrucksvolles Klangerlebnis auf dem Klavier. Heraus kommt nach den Worten des Komponisten ein “Komplex von Klängen, bestimmt für ständige Variation, als Folge abstrakt präexistent, dabei sehr konkret und leicht an seinen Farben zu erkennen.” Oder, um es kurz zu fassen: Einfach wundervolle, hochkomplexe und dennoch sehr empathische und mitreißende Musik.
Was wäre Weihnachten ohne grölende Wookies, eine singende Prinzessin Leia, saufende Monster in Mos Eisley und einen bizarren Zeichentrick-Kurzfilm, in dem Boba Fett seinen ersten Auftritt hat? Wahrscheinlich weitaus besinnlicher, aber auch weitaus weniger nerdy. Jaja, schon klar: Das Star Wars Holiday Special (1978) ist genau genommen nicht Christmas-related, zeigt aber wohl sehr gut, was an so vielen Weihnachtsspecials so gehörig falsch läuft. Im Grunde ist es sogar the Godfather of all bad Christmas Specials, eine total absurde Aneinanderreihung von miesen Subplots, unmotivierten Clips, unlustigen Comedy- und albernen Pathos-Einlagen. George Lucas selbst war über das Ergebnis so entsetzt, dass er – trotz okayer Einschaltquoten – versuchte jede weitere Veröffentlichung des Specials zu verhindern. Wohlgemerkt, wir reden hier von dem Mann, der für die dämlichen Star Wars Prequels und Indiana Jones 4 verantwortlich ist… nur um nochmal deutlich zu machen, wie verhunzt das Star Wars Holiday Special selbst im Vergleich zu diesen Big Fails ist. Wie dem auch sei, das Teil ist immer noch im Netz zu finden, und wer sich zum Fest die voll Ladung nerdy Trash gönnen will, der kommt an diesem abnormalen TV-Ereignis einfach nicht vorbei.
Hier darf einfach nicht viel erzählt werden, weil jede Erwähnung des Inhalts ein Spoiler zu viel sein könnte. Nur so viel: Woodland Critter Christmas (2004) gehört mit zu den besten Weihnachtsspecials, die es in der Serienlandschaft zu finden gibt… und ist natürlich genau das, was man von South Park erwartet. Mr. Hanky (totally overrated) kommt Gott sei Dank nicht darin vor. Stattdessen gibt es lustige, singende Tiere, einen verzweifelten Schüler, einen dreisten Erzähler, Abtreibungen, Satanismus und Santa Claus mit einer Shotgun. Wie gesagt, alles was man von South Park erwartet. Und viel mehr. Unbedingt anschauen!
Bei all den unzähligen medialen Verarbeitungen von Dr. Seuss’ How the Grinch Stole Christmas! (1957) hat ausgerechnet die Schlechteste in Deutschland die größte Popularität erreicht. Deshalb noch einmal für alle: Der Grinch-Film von 2000 mit Jim Carrey ist eine überdrehte Katastrophe im Vergleich zu all den wundervollen, warmherzigen Grinch-Adaptionen, die es da draußen zu finden gibt. Die schönste Version dürfte wohl immer noch das Weihnachtsspecial von Chuck Jones aus dem Jahr 1966 sein, in dem der große Boris Karloff nicht nur als Erzähler fungiert, sondern auch die gruselige Stimme des Grinchs übernimmt. Knapp aber wirklich nur ganz knapp dahinter platziert sich dann die wunderschöne, ordentlich mit der Vorstellungskraft der Zuschauer spielende Version von iMAGINEblank aus dem Jahr 2011. Manchmal braucht es eben nicht mehr als einen Zeichenblock, ein paar Stifte und einen gediegenen Erzähler. Ein kleines Meisterwerk der minimalistischen Animationskunst.
Während ich derzeit mit Freundin und Familie feiere, versuche ich trotzdem auch online ein wenig Weihnachtsstimmung zu verbreiten und hacke deswegen – gute sieben Tage vorher – ein bisschen Christmas-Content in den Seite360-Kalender. Stimmungsvoll ist definitiv der Disney-Film Der Esel von Bethlehem (1978), der im Original The Small One heißt. Verantwortlich für den warmherzigen 20Minüter zeichnet sich niemand geringeres als Don Bluth, der nach seiner Zeit bei Disney mit unabhängigen Produktionen wie Mrs. Brisby und das Geheimnis von NIMH (1982) oder Feivel, der Mauswanderer (1986) wahre Zeichentrickmeisterwerke produzierte, die sich in ihrer Ernsthaftigkeit und ihrem Respekt gegenüber dem Publikum angenehm von der kunterbunten, heilen Disney-Welt abheben. Seinen Hang zum erwachsenen, düsteren Einschlag merkt man Bluth durchaus auch im Esel von Bethlehem an, trotz seines enormen christlichen Einschlags. Der Film steckt voller Herzenswärme, bietet ein paar großartige Songs und eine schöne, runde Geschichte, deren Ende zwar ziemlich früh zu erahnen ist – und zudem Atheisten eventuell ein bisschen zu viel Christenkitsch sein könnte -, die aber dennoch als stimmungsvolles Drama zu begeistern weiß. Ein echter Weihnachtsklassiker, und einmal im Jahr kann man ja auch den Skeptiker/Zyniker/Pragmatiker in Einem skeptisch/zynisch/pragmatisch sein lassen und sich einfach an fantastischen Weihnachts-Sentimentalitäten erfreuen.