Schlagwort-Archiv: Tod

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Ende Neu Teil 1: Abschied

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Vor dem Neuanfang bedeutet zugleich Abschied. Abschied von alten Gewohnheiten, Kollegen und von einem Ort. In meinem Fall kommt leider noch eine sehr traurige Komponente dazu: Der Tod meines Vaters. Er ist friedlich am 25.April verstorben und muss sich nicht mehr weiter für seine Familie quälen; er selber sehnte sich schon länger, von der schweren Bürde der Krankheit und des Alters erlöst zu werden.

Ich bin nun 37 und eigentlich sollte 2016 das Jahr werden, in dem ich meinen Träumen von einer besseren Zukunft nachgehen wollte. Doch erstmal legt sich die Gegenwart wie Schlange um einen und erdrückt, beziehungsweise bedrückt so, dass man erst einmal kaum Luft bekommt. Ich habe in letzter Zeit das neue, sehr gute Buch von Benjamin von Stuckrad-Barre gelesen; diese Hommage an das Durchhalten und vor allem Udo Lindenberg bringt mich nun zu diesem Song. Ich kann gar nicht einmal behaupten, dass ich großer Udo-Fan bin oder war, aber wie mein Vater ist er eben schon immer da gewesen.

Durch die schweren Zeiten ist ein melancholischer Song, der am Schuss doch viel Hoffnung auf eine bessere Zeit gibt. Dabei habe ich derzeit nicht einmal eine Ahnung, wie die aussehen soll. Ich war 14 Jahre in einem falschen Leben, an das ich mich ekelhaft gewohnt habe und muss tatsächlich mit Ende 30 zu mir selbst finden, zu dem was ich eigentlich bin und was ich kann. Dazu fällt mir momentan erschreckend wenig ein, gerade das Können ist schwierig.

Ich habe keinen hohen Schulabschluss, habe mich zwar hier und dort ausprobiert, aber Perspektiven für einen Lebensunterhalt wirft das wenig bisher wenig auf. Schreiben wäre eine Sache, aber nach meiner Einschätzung ist das Talent vielleicht noch nicht groß genug, um es mal wirklich zu etwas zu bringen.

Ich schaue mich im Netz um und erkenne, das wird ein harter Weg, wenn ich es wirklich als freier Autor probieren will. Doch so viel mehr kann ich nicht. Es steht noch eine Möglichkeit als Fotograf an, aber auch hier fehlt mir das Spezialthema. Kurzum: Ich bin derzeit sehr unsicher und gerade erst habe ich eine Bezugsperson verloren.

Ich werde die nächste Zeit öfter einen Ende-Neu-Artikel schreiben. Ob es jemand liest? Keine Ahnung, aber es ist für mich wichtig und hoffentlich auch Teil einer Problemlösung, auch für den ein oder anderen Leser, der in einer ähnlichen Situation steckt.

Roadkill Funerals

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Die Künstlerin Maria Lonova Gribina bettet auf der Straße gefundene Tierkadaver in pittoreske Blumenarrangement und reproduziert damit fotografisch ein Ritual ihrer Kindheit: Die Beerdigung von zu Tode gefahrenen oder auf andere Weise der Straße zum Opfer gefallenen Tieren.

Over a summer holiday in the South of Sweden during bike trips to the beach, photographer Maria Lonova Gribina, encountered what anyone riding their bike near a busy road is bound to see — the unfortunate animals dashed by passing cars. The first was a bird. Far from being repulsed by its dormant form, she was reminded of her own childhood. „At the forest edge my brother and I buried birds and mice which had been throttled by a cat or had drowned in a pool,“ she says. „We decorated the graves with flowers. So in my photographs I decided to return to my first impressions of death.”

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Eine wunderschöne, romantische und auch würdevolle Auseinandersetzung mit dem alltäglichen Tod: Roadkill becomes art.

Maria Lonova Gribina Natura Morta: A Childhood Ritual Transforms Roadkill Into Art via Nerdcore

Kritik (an) der praktischen Vernunft – Rezension zu LIEBE von Michael Haneke

In seinem zweiten großen Hauptwerk, der Kritik der praktischen Vernunft (1788) versucht sich Immanuel Kant an der Frage “Was soll ich tun?” und entwirft dabei eine ethische Theorie, in der der vernunftbegabte Wille  zur zentralen Maxime für moralisch richtiges Handeln wird. Mit seinem Fokus auf dem Willen zur Beurteilung der Sittsamkeit spezifischer Handlungen gehört Kant zu den berühmtesten Verfechtern der Deontologie in der Geschichte der Moralphilosophie. Gut ist, was aus gutem Willen entsteht, am schärfsten vermutlich formuliert in der Einleitung zu seiner Grundlegung der Metaphysik der Sitten (1785), in der es heißt: “„Es ist überall nichts in der Welt, ja überhaupt auch außer derselben zu denken möglich, was ohne Einschränkung für gut könnte gehalten werden, als allein ein guter Wille.” Handlungen, die einzig und allein auf Liebe, auf bedingungsloser Zuneigung zu einem anderen Menschen basieren, können demzufolge nur gute, richtige Handlungen sein, vollkommen gleich wie ihr Ergebnis aussieht. Genau diese radikale Konsequenz aus einer deontologischen Ethik stellt Michael Haneke in seinem neuen Film Liebe (2012) dar: Eine Geschichte, die primär von absoluter Liebe handelt und deren Konsequenzen bis zum bitteren Ende verfolgt, darstellt und kritisch reflektiert.

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Trailerprogramm: ParaNorman, The Inkeepers, Into the Abyss, The Muppets, Das Fenster zum Sommer, The Secret World of Arrietty

ParaNorman [Chris Butler, Sam Fell]

Kleiner Junge, der mit dem Tod sprechen kann und es mit Zombies, Hexen, Geistern und uralten Flüchen aufnimmt, inszeniert als Stop-Motion-Film. das stinkt natürlich gewaltig nach Tim Burton und Henry Selick. Tatsächlich war für die Umsetzung dieses Animationsfilms das Studio Laika (Coraline) verantwortlich… einerseits. Andererseits, sieht das Resultat, dem Trailer nach zu urteilen, angenehm unburtonesk aus. Statt Gothic-Kitsch und Emo-Grusel scheint ParaNorman eher eine herrlich relaxte, coole und erdene Swing-Ästhetik zu bieten zu haben. Ich hoffe es zumindest. Denn von diesen ganzen Düsterromantik-Animationen habe ich schon länger die Schnauze voll. Irgendwie kann mir die Burton-Ästhetik einfach zu wenig Neues erzählen, auch wenn sie in der Vergangenheit für einige herausragende Meisterwerke gesorgt hat. Im Falle ParaNormans bin ich optimistisch und hoffe auf einen kleinen, netten Familienfilm, der sich auf neue Pfade jenseits der abgetrampelten Gothic/Emo/Fantasy-Welten begibt.

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Poetisches für den Sonntag: Last Moments of Life

Paul Kroeker hat mit seiner DSLR das Sterben einer Libelle auf Film gebannt. Nach eigenen Angaben ist er weder für deren Tod verantwortlich, noch hat er sie in irgendeiner Form gefangen gehalten. Stattdessen beobachtete er einfach ruhig mit seiner Kamera und schnitt den dokumentierten Todeskampf später zusammen, ergänzt durch Flashbacks und POVs. Herausgekommen ist ein ungemein trauriger, poetischer und zugleich kraftvoller Eindruck der letzten Atemzüge eines Lebewesens, perfekt komponiert und arrangiert. Kaum zu glauben, wie nah einem plötzlich ein “einfaches” Insekt sein kann.

Lake Winnipeg, Canada

The last moments of a Dragonfly’s life captured on film. I did not hold this insect captive, it was just laying like this on my deck.

Composer : Gustavo Santaolalla
from the Babel soundtrack

Thanks for watching!‏

via pewpewpew

Animated Short der Woche: Mortys

Der Tod (wie in Eine Zeit ohne Tod in weiblicher Form) wird mit den Vorzügen der modernen Technik konfrontiert, und zwar von ihrem Sohn, der sich nichts mehr wünscht, als dass seine Mutter etwas weniger Arbeit und dafür mehr Zeit für ihn hat. Mortys ist ein burtonesker, sehr schöner und kurzweiliger französischer Animationsfilm (englisch untertitelt), der mit leichtfüßigem Humor eine im Grunde genommen ziemlich düstere Geschichte erzählt.

“Au 21eme siecle, un conflit affectif et générationnel entre une mère et son fils à un détail près…La mère n’est autre que la Mort.”

Mortys est un film co-réalisé par, Gaëlle Lebègue (modélisation, blend shape, animation), Ness (direction artistique, décors, matte painting, caméra mapping, texture), Mathieu Vidal (character design, modélisation, blend shape, animation), Nicolas Villeneuve (direction de production, lighting, rendering, compositing) et produit par l’ESMA de Montpellier.

Mortys a remporté le second prix du jury de fin d’étude composé entre autres de Dreamworks, Framestore, Dneg, The Mill, Nwave, Chez Eddy, Mac Guff, Ilion, Ubisoft, Delapost…etc…

Mortys (Frankreich, 2011)

Regie: Gaëlle Lebègue

Idee: Mathieu Vidal

Offizielle Website

via Seitvertreib

Die besten Filme der 90er: Zumindest beachtenswert – “The Brave” (1995) von und mit Johnny Depp

Vielleicht nicht gerade einer der besten Filme der 90er, aber allemal sehens- und erinnerungswert ist das Regiedebüt von Johnny Depp, in dem der talentierte Allrounder nicht nur die Inszenierung sondern auch gleich die Hauptrolle übernahm und somit eine gediegene und interessante One-Man-Show ablieferte. Wer bei One-Man-Show in Verbindung mit dem Namen „Johnny Depp“  nur an Fluch der Karibik oder Dead Man denkt, sollte sich durch „The Brave“ von 1997 umgehend eines Besseren belehren lassen. Der von Depp verkörperte Protagonist dominiert auf eine originelle – dem Sterbenden in Dead Man nicht ganz unähnliche Art und Weise – den gesamten Film. Sprich, wir sehen hier den ruhigen, sensiblen, melancholischen,  Johnny Depp, der zugleich als aufopferungsvoller Kämpfer für das Wohl seiner Familie agiert.

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Am darauffolgenden Tag starb niemand – Rezension zu José Saramagos Roman “Eine Zeit ohne Tod” (2005)

Die Personifizierung des Todes hat eine lange literarische und mediale Tradition. Ob als Gevatter Tod der alle gleich macht im gleichnamigen Märchen der Gebrüder Grimm, als nüchterner schachspielender Sensemann in Ingmar Bergmans “Das siebente Siegel” oder als melancholischer Lebemann Joe Black, sobald der Tod menschliche Züge bekommt, sind einer parabolischen Verwertung Tür und Tor geöffnet. In seinem kleinen Roman “Eine Zeit ohne Tod” (250 Seiten) bediente sich auch José Saramago († 18. Juni 2010) der fabelhaften Möglichkeiten des tödlichen Gleichmachers und schuf damit eine ebenso spröde wie spannende Parabel auf die Grenzen des Lebens und ein originelles “Was wäre wenn…”-Szenario, in dem der Tod gegen seine eigene Profession aufbegehrt, indem er zuerst abwesend, schließlich prophetisch und zu guter Letzt menschlich ist.

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Kurzfilm der Woche: 11’09”01 . September 11

Infolge der Ereignisse des Samstags ein Kurzfilm über das Zusammenspiel von Leben und Tod aus dem Jahre 2002, der damals in Zusammenhang mit der Tragödie des 11. Septembers  2001 stand.

11’09”01 . September 11 . USA (USA 2002)

Regie: Sean Penn

Produzent: C.I.H Shorts Production

Dauer: 11 Minuten

Interview mit Sean Penn