Theaterbuch: MacBeth

popupbook

Zum Medium Buch ist das letzte Wort noch lange nicht gesprochen. Auch wenn es mehr als nur wahrscheinlich ist, dass der Siegeszug der eBooks peu à peu das Papier als primäres Medium für Textrezeption obsolet machen wird, gibt es für die Kombination aus Papier und Pappe durchaus noch Betätigungsfelder, die unmöglich in einem eReader zu reproduzieren sind… vor allem, wenn sich das Traditionsmedium für die Multimedialität öffnet: So gesehen im Theatre Book von Davy and Kristin McGuire. Mit Hilfe von Raumöffnung – wie man sie aus klassischen Faltbüchern kennt -, einem Projektor und einer Dramaturgie, die mehr dem Theaterbesuch als dem klassischen Leseprozess gleicht, wird das Papier zur Bühne, zum Medium für eine Inszenierung zwischen Tradition und Moderne, vielleicht sogar die größtmögliche Umsetzung des wagner’schen Universalkunstwerk-Gedankens in den – gar nicht so engen – Grenzen zweier Buchdeckel.

Noch handelt es sich bei dem so genannten Icebook nur um ein Konzept bzw. Prototypen. Sollte es zu mehr werden, wäre das aber tatsächlich die Möglichkeit, dem guten alten Bücherregal – mittlerweile wahrscheinlich viel zu sehr ein konservatives Bollwerk des traditionsbewussten Bildungsbürgertums gegen die Technisierung der künstlerischen Welt – zu neuem Glanz und einem neuen progressiven Selbstbewusstsein zu verhelfen. Ich will auf jeden Fall mehr davon!

‘Theatre Book – Macbeth’ is a battery powered cinematic pop-up book. The prototype book includes 6 pop-up pages designed like sets on a stage with actors projected onto the paper scenery. All technical equipment such as a micro projector and computer, batteries, loudspeakers and mirroring devices are integrated into the cover of the book in order to create a stand alone storytelling device, mixing the formats of books and theatre stages.The story is driven by the owner of the book who turns the pages and thus triggers video and sound to play out the scenes. In this prototype the story of Macbeth is being told through visuals and music/sound only.

The Ice Book (Danke fürs Finden, Johannes)

Franz Kafkas Verwandlung gespielt von einem Androiden

Als Gregor Samsa eines Morgens aus unruhigen Träumen erwachte, fand er sich in seinem Bett zu einem ungeheueren Roboter verwandelt…

Regisseur und Dramatiker Oriza Hirata hat gemeinsam mit dem Robotiker Hiroshi Ishiguro Franz Kafkas Parabel “Die Verwandlung” in einer Adaption für das digitale Zeitalter auf die Bühne gebracht. Der Protagonist Gregor Samsa wird in dieser Variante – La Metamorphose version Androide – von einem weißmaskierten, nackten Androiden verkörpert, während die restliche Besetzung aus menschlichen Schauspielern besteht. Das Stück soll auf französisch mit japanischen Untertiteln zuerst in Yokohama, später aber auch in Frankreich aufgeführt werden… und natürlich passt dieses Konzept der Reinterpretation des Kafka-Stoffes perfekt in das beginnende “Cyborg”-Zeitalter.

Hiroshi Ishiguro ist übrigens kein Unbekannter, wenn es um die Auslotung des Uncanny Valley und die Menschlichkeit der Robotik geht. Überzeugen könnt ihr euch davon in dem dctp-Beitrag “Doppelgänger und Avatare”, in dem es unter anderem um Ishiguros “Bühnen-Roboter” Maximal Human geht.

via The Telegraph

Dramatik des 19. Jahrhunderts: Naturalismus

Während ich an der Retrospektive der Filmdekaden der 90er Jahre und 00er Jahre jeweils ein gutes Jahr gesessen habe, habe ich jetzt doch tatsächlich zwei Jahrhunderte der Dramatik innerhalb einiger Wochen abgefrühstückt. Ähmmm… ja, irgendwie bin ich da stolz drauf, auch wenn es sich leicht als Kulturbanausentum auffassen ließe. Anyway, das ist erst einmal der letzte Artikel meines historisch/literaturwissenschaftlichen Trips. Ich werde zwar noch was raushauen zur Literatur mit der ich primär gearbeitet habe und auch meine Thesen noch hier reinkloppen, das soll es dann aber auch wirklich gewesen sein. Mit dem Naturalismus endet jetzt jedenfalls diese Epoche der Literatur und es beginnt zugleich auch eine Neue. Der Naturalismus wird gemeinhin als Beginn der literarischen Moderne gewertet, ist weit entfernt von der Dramen- und Theaterpraxis der vorangehenden Jahrhunderte, zugleich aber auch weit entfernt von der Praxis der Expressionisten oder Futuristen. Gleichzeitig gibt es sowohl zu dem einen oder anderen Verbindungslinien, sei es zum Realismus, sei es zum bürgerlichen Theater, sei es zu der Radikalität der Literatur des 20. Jahrhunderts. Insofern kann man zu diesem relativ engen Zeitraum konstatieren: Sonderstellung, ja… Vollkommene Autonomie, eher nicht. Und damit geht es auch gleich hinein in den engen Zeitraum von 1889 bis 1900.

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Dramatik des 19. Jahrhunderts: Restauration, Biedermeier und Vormärz

Zwei wesentliche Aspekte spielen sowohl beim Drama als auch Theater der Zeit von 1815 bis 1848 eine wesentliche Rolle: Das erste wäre die Frage nach Identität und Persönlichkeit, die Auseinandersetzung mit dem Genie und Individuum und die Entfremdung des Menschen von sich selbst. Der zweite Aspekt ist der des Historischen, die Auseinandersetzung mit der (real nicht vorhandenen) Nation als historisch gewachsenes Gebilde, die Postulierung eines Nationalstaates, die Betrachtung der Geschichte als schicksalshaftes Geschehen und die identitätsstiftende Kraft, die von dieser ausging. Beide Momente sind eng mit den Geschehnissen der damaligen Zeit verknüpft: Seien es die Erfahrungen der jungen Generation, die in den Befreiungskriegen gemacht wurden, die Konfrontation mit Krieg und Gewalt, die Enttäuschung über den Wiener Kongress, seien es die späteren Ereignisse wie die rigide Zensur in der Restaurationsepoche, der Patriotismus und Nationalismus, die deutsche Frage und schließlich die Kulmination dieser Motive in der Revolution von 1848… Immer ist es das außerdramatische Geschehen, der außertheatralische Kontext, der Formen der Dramaturgie und Theatralität bedingt und konstituiert. Insofern können wir in dieser Zeit durchaus von einem sich radikal mit der Außenwelt auseinandersetzenden Drama sprechen, vollkommen unabhängig davon, ob es für sich nun eine ästhetische Autonomie fordert, die Geschichte affiziert und zur Flucht nutzt oder das Zeitgeschehen reflektieren oder gar beeinflussen will. Während die Dramatik der Aufklärung und des Sturm und Drang immer wieder auf theoretischen Motiven der Philosophie und Gesellschaftskritik fußte und diese meist zur Erziehung des Publikums – losgelöst von der aktuellen politischen Situation – auf die Bühne brachte, sind die Dramaturgen der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts tief in die Geschehnisse ihrer Zeit involviert oder zumindest von diesen  maßgeblich beeinflusst.

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Dramatik des 18. und 19. Jahrhunderts: Heinrich von Kleist der Grenzgänger

Wenn wir uns Heinrich von Kleist (1777 – 1811) zuwenden, kommen wir um zwei wichtige Eigenschaften nicht herum, die ihn als klaren Grenzgänger zwischen den Epochen charakterisieren. Offensichtlich ist zum einen, dass Kleists Veröffentlichungen allesamt nach der Jahrhundertwende stattfanden. Sowohl seine Dramen als auch prosaische Werke entstanden nach dem Jahrhundertwechsel, fast alle wurden in einem engen Zeitraum zwischen 1805 und dem Jahr 1811 kurz vor seinem Selbstmord veröffentlicht. Gleichsam starb Kleist aber vor der großen Niederlage Napoleons, vor dem Wiener Kongress und damit auch vor dem Beginn der Restauration und Biedermeier-Zeit, die gemeinhin als Beginn des 19. Jahrhunderts markiert werden. Als zweites fällt auf, dass sich Kleist nicht so richtig einordnen lässt: Zeitlich fällt er irgendwie in die klassisch/romantische Epoche, bei der die Klassik einerseits als Abschluss des 18. Jahrhunderts gelesen werden kann, während die Romantik andererseits bereits den Beginn des 19. Jahrhunderts trägt. Kleists Dramen weisen zwar durchaus eine Nähe zu den Dramen Goethes und Schillers auf, scheinen aber zugleich über diese hinauszugehen, mitnichten den optimistischen Universalismus der Klassik zu tragen. Ich schlage daher vor Kleist nicht nur als epochalen Grenzgänger zu betrachten sondern ebenso als dezidierten Anti-Klassiker, der gerade in seiner Dramatik bereits Motive und Topoi der literarischen Moderne antizipiert.

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Dramatik im 18. Jahrhundert: Empfindsamkeit, Subjektivismus, Sturm & Drang und die Geniezeit

Spätestens jetzt, wenn wir zu den Empfindsamen, den Stürmern, den Drängern und den Verfechtern eines radikal autonomen Subjekts kommen, wird es ganz schön schwer, die Strukturierung der Epoche einigermaßen aufrecht zu halten. Das beginnt schon mit der Kategorisierung: Sturm und Drang? Geniezeit? Genieepoche? Subjektivismus? Anything Else? Das geht weiter mit der Datierung dieser Epoche: Wo setzen wir an? Bei der empfindsamen Literatur eines Klopstock? Bei den Irrationalisten? Bei der Philosophie und Ästhetik Herders? Oder greifen wir ganz weit zurück und finden den Appell an die Leidenschaften und die Ablehnung des Gottsched’schen Formbegriffs schon bei Nicolai und Mendelssohn (exemplarisch im Briefwechsel über das Trauerspiel mit Lessing)? Nicht minder kompliziert wird es, wenn wir uns die Gleichzeitigkeit der Ereignisse anschauen: Der Beginn des Sturm und Drang wird gerne auf Goethes Reise nach Straßburg im Jahre 1770 datiert, gerne auch ein bisschen vorgegriffen auf die Jahre 1767 oder 1768. In dieser Zeit etablierte sich gerade das Hamburger Nationaltheater, das voll und ganz dem Sinne der bürgerlichen Dramatik und des bürgerlichen Lust- und Trauerspiels diente. Lessing veröffentlichte Emilia Galotti 1772, seinen Nathan gar 1779 als der eigentliche Sturm und Drang schon fast am Ausklingen war. Ferner veröffnetlichten die Stürmer und Dränger auch bürgerliche Trauerspiele, der Spät-Stürmer Schiller zum Beispiel Kabale und Liebe (1784), Lenz den Hofmeister und die Soldaten. Im Folgenden will ich versuchen diesem Kuddelmuddel ein wenig Herr zu werden. Über Schiller (der einen eigenen Text spendiert bekommt) will ich mich dann zur Klassik und zum Ende des Jahrhunderts vorwurschteln.

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Dramatik im 18. Jahrhundert: Gotthold Ephraim Lessing II

Als Dramaturg und Berater des Hamburger Nationaltheater begleitete Lessing von 1767 bis 1769 die dort aufgeführten Stücke kritisch kommentierend und ironisch reflektierend. Das dabei entstandene Werk, die Hamburgische Dramaturgie (1767 – 1769) ist ganz ähnlich wie die Reflexion des Trauerspiels im Briefwechsel mit Nicolai und Mendelssohn kein geschlossenes theoretisches Werk. Stattdessen vermischen sich Literaturkritik mit Aufführungskritik mit allgemeinen Beobachtungen und theoretischen Überlegungen zum Drama und Theater. Gerade durch diese offene Form sind die zahllosen Aufsätze jedoch eine stilprägende Innovation der Theaterkritik überhaupt, wenn man so will eine frühe Form des Feuilleton, die Lessing sprachlich und inhaltlich auf dem Höhepunkt seines kritischen Schaffens zeigt.

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Dramatik im 18. Jahrhundert: Gotthold Ephraim Lessing (1729 – 1781)

Für die deutsche Dramatik des 18. Jahrhunderts nimmt Gotthold Ephraim Lessing gleich in zweierlei Hinsicht eine exponierte Stellung ein. Anhand seiner dramatischen Theorie sowie zweier exemplarischer Werke sorgt er an zwei markanten Schwellenjahrzehnten mindestens für eine Reformation wenn nicht gar Revolution der dramatischen Theorie und Praxis. Die erste dieser beiden Reformen ist die Etablierung einer bürgerlichen Tragödie, in der nicht nur das Publikum als bürgerlich vorausgesetzt wird, sondern auch die Protagonisten selbst zumindest ethisch und strukturell aus dem Bürgertum stammen. Dies programmatisch im Briefwechsel über das Trauerspiel (1757/1756) mit Moses Mendelssohn und Friedrich Nicolai bestimmt, findet seine Umsetzung in der ebenso prototypischen wie bereits problematisierenden und differenzierenden Tragödie Miss Sara Sampson (1755). Die zweite große Reformation Lessings ist die Kontrastierung des bürgerlichen Ethos im Zusammenstoß mit der Welt des Adels. Dies geschieht mit Emilia Galotti (1772) und liefert neue Impulse für ein dahin festgefahrenes, zur Formel verkommenes bürgerliches Trauerspiel. Neben diesen beiden Schwellenwerken stechen auch seine Theoretischen Schriften Hamburgische Dramaturgie (1767 – 1769) und Laokoon (1766) sowie seine Dramen Nathan der Weise (1779) und Minna von Barnhelm (1767) aus den Werken der damaligen Zeit hervor. Betrachtet man daneben noch seine Verdienste für die deutsche Shakespeare-Rezeption sowie seine Impulse für ein Nationaltheater, steht es außer Frage, dass er zu den wichtigsten Theoretikern und Praktikern der damaligen Zeit gehört. Das verdient natürlich mehr als einen Artikel, und so widme ich mich hier erst einmal seiner frühen Dramaturgie und Miss Sara Sampson um in einem folgenden Text zu den späteren Werken zu gelangen.

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Dramatik im 18. Jahrhundert: Das bürgerliche Trauerspiel

Während die normative Dramentheorie Gottscheds wichtige Impulse für die Etablierung eines bürgerlichen Theaters lieferte und diese auch in den rührenden Lustspielen und bürgerlichen Komödien der Gottschedin oder von Gellert umgesetzt wurden, findet die eigentliche Einkehr des bürgerlichen Protagonisten sowie der bürgerlichen Topoi in das Drama in Deutschland erst gute zwanzig Jahre später statt. Erst die Öffnung der Tragödie für bürgerliche Protagonisten sorgt auch für eine tatsächliche Öffnung dieser Gattung für ein bürgerliches Publikum. In Folge der Vorreiter dieser Dramenform entsteht eine ganze Reihe bürgerlicher Trauerspiele, die mal mehr, mal weniger formell gehalten sind und sich in Motiven, Topoi und Stilistiken stark ähneln. Natürlich spielt hierbei vor allem der Dreiklang Lessing, Lenz, Schiller eine exponierte Rolle, aber auch andere Dramatiker der Zeit wenden sich diesen Themen zu. Im Folgenden will ich mich vor allem auf die gemeinsamen Charakteristika des bürgerlichen Trauerspiels konzentrieren und auf einige Prototypen näher eingehen. Den großen, kanonisierten Dichtern werde ich zu einem späteren Zeitpunkt einzelne Artikel widmen.

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Dramatik im 18. Jahrhundert: Johann Christoph Gottsched (1700 – 1766)

Ich werde zum ersten großen, kanonisierten Dramatiker des 18. Jahrhunderts Johann Christoph Gottsched (1700–1766) etwas weniger schreiben als zu den folgenden Personen, da er zwar am Anfang einer Kette von Dramatikern steht, deren Ziel es war, ein Theater für den Bürger zu etablieren, allerdings selbst keine Tragödien mit bürgerlichen Protagonisten entwarf. Im Gegensatz zu dem ihm folgenden Vertretern eines bürgerlichen Trauerspiels steht das Tragödien-Konzept Gottscheds noch ganz in der Tradition der französischen Klassik, arbeitet noch mit der Ständeklausel (Tragödien mit adligen Protagonisten, Komödien mit bürgerlichen) und ist bei weitem nicht so stark auf ein emanzipiertes, bürgerliches Theater ausgerichtet wie das seiner Nachfolger. Ohnehin ist Gottsched weniger ein genuiner Dramatiker wie Lessing oder Schiller als viel mehr Theoretiker und vor allem Übersetzer. Sein berühmtestes Stück Sterbender Cato (1731) stammt zum Großteil nicht aus seiner eigenen Feder sondern ist eine Mischung verschiedener Übersetzungen und Inspirationen, was Lessing zu dem ätzenden Kommentar veranlasste, Gottsched habe hier “mit Kleister und Schere” gearbeitet. Dennoch ist Gottsched für viele Impulse für das Theater der Aufklärung verantwortlich und somit ein wichtiger Baustein zum Verständnis der Dramatik des 18. Jahrhunderts überhaupt.

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Dramatik im 18. Jahrhundert: Versuch einer allgemeinen Strukturierung

Also wie angedroht, nutze ich – während ich gleichzeitig die normale Bloggerei auf ein Minimum zurückschraube – Seite360 jetzt einfach mal kurz, um meine eigene Prüfungsvorbereitung in klare Bahnen zu lenken. Gleich zwei Vorwarnungen zu diesem Artikel: Erstens, das ist ein Experiment. Keine Ahnung, ob das funktioniert, ob es Sinn macht, ob sich überhaupt irgendjemand dafür interessiert. Wenn es nicht klappt, kann es sein, dass das der einzige Artikel zum Thema bleibt und ihr – falls Interesse besteht – auf andere Literatur ausweichen müsst. Zweitens, das ist wahrscheinlich der egoistischste Text, den ich je auf diesem Blog veröffentlicht habe und je veröffentlichen werde. Ich reflektiere hier ziemlich rough meine Recherche, sprich germanistische/literaturwissenschaftliche Fachtexte. Ich will zwar, gerade im Hinblick auf den Zweck als Vorbereitung für die einstündige mündliche Prüfung, versuchen, das alles auch für Laien verständlich und interessant zu gestalten, werde aber nicht um Fachtermini drumherum kommen und an der ein oder anderen Stelle so schreiben, dass ein wenig Backgroundwissen vorausgesetzt wird (auch wenn ich das zu vermeiden versuche).

Trotzdem, wie gesagt, das soll dennoch nicht ganz ohne Mehrwert für euch bleiben. Sprich, wenn ihr Interesse an ein wenig Literaturgeschichte habt, falls ihr vielleicht selbst Literaturwissenschaften studiert oder gerade in der Abi-Vorbereitung seid, kann es durchaus sein, dass ihr hier die ein oder andere nützliche Info hier rausnehmen könnt. Kommentare, Ergänzungen, Kritik etc. eurerseits wären natürlich auch cool. Also viel Spaß oder fröhliches Ignorieren…

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Crowdfunding-Projekt: Neue Bestuhlung für das grossartigste kleine Theater Berlins

So halb in eigener Sache: Ich habe in den letzten Jahren immer mal wieder, mal mehr mal gerade weniger im Theaterbereich gearbeitet. Eine Spielstätte, die ich dabei besonders beackert habe, ist das wirklich großartige Off-Theater Verlängertes Wohnzimmer in Berlin Friedrichshain. Die haben gerade eine Crowdfunding-Aktion am Laufen, um endlich, endlich, endlich die uralten, in sich zusammen fallenden Stühle für die Zuschauer zu ersetzen. Glaubt mir, ich spreche aus schmerzhafter eigener Erfahrung: Ein Ersatz für die Stühle ist dringend notwendig, geradezu geboten aus rein chiropraktischer Sicht. Und ich spreche ebenfalls aus eigener Erfahrung (sowohl vor, hinter als auch auf der Bühne), wenn ich sage: Jeder Cent Investition in dieses tolle Theater ist es wert. Um die Diskrepanz zwischen der Großartigkeit dieses vollkommen unabhängigen Off-Spielorts (allein die Open Stage!) und der defizitären Bestuhlung zu beenden, könnt ihr  bei VisionBakery einen kleinen finanziellen Beitrag leisten. Von 5€ Minispende bis zu 750€ Großunterstützung ist alles drin. Und wie gesagt, es lohnt sich.

Wir sind ein kleines Theater mit 60 Plätzen in Berlin Friedrichshain (www.theater-verlaengertes-wohnzimmer.de). Ohne öffentliche Förderung aber dafür mit umso mehr Enthusiasmus bringen wir Monat für Monat einen Spielplan mit um die 10 Vorstellungen auf die Beine. Gastspiele ebenso wie Eigenproduktionen. Finanziert durch unserer Mitglieder, die Veranstaltungen sowie Selbstausbeutung in Reinstform.

Alles ist wunderbar, nur leider bricht unsere Bestuhlung unter uns bzw. unseren Gästen zusammen. Neue Stühle müssen also her. Mindestens 2000 Euro benötigen wir dafür. Unsere Schauspieler, Regisseure, Kartenabreisser und vor allem die Gäste werden es Euch danken.

Neue Bestuhlung für das Theater Verlängertes Wohnzimmer (Crowdfunding-Projekt)

 

Links fürs Wochenende

Bühne frei für neue Kritiker

Philipp Ramer und Claudio Steiger betrachten neue Wege und Möglichkeiten des Kulturjournalismus, insbesondere der Theaterberichterstattung, im Netz. Dabei setzen sie sich vor allem kritisch mit dem neuen schweizer Portal Theaterkritik.ch auseinander.

Schwarz-Rot-Gold, Fleisch-Fleisch-Fleisch!

Rammstein, Deutschlands international erfolgreichste Band, hat ihr Schaffen kompiliert. Made in Germany 1995-2011 ist das Zeugnis eines Missverständnisses.

Nach Thomas Gottschalk: Serienspaß statt Pumapunkt-Jacketts

Das Ende von „Wetten, dass…“ könnte eine Chance sein. Jahrelang vernachlässigte US-Serien haben sich mittlerweile zu einer eigenen Kunstform entwickelt, die packend Folge für Folge unterhalten. Da braucht man keinen Gottschalk mehr.

Komponistenstile ganz stylisch – wem passt Stockis Schal?

Der Bad Blog of Musick begibt sich auf die Suche nach den Stars der Neuen Musik, und richtet seinen Blick dabei – ganz E-Musik-atypisch, dafür aber an Anlehnung an die Gottschalk-Frage – auf den Kleidungsstil der jeweiligen Protagonisten:

Schon etwas tot, aber nicht totgespielt und immer noch nicht komplett mit „Licht“ realisiert, harrt der Schal Stockhausens auf einen neuen papalen Träger. Die aktuelle Jugend trägt Schals zwar eher in Knoten, aber immerhin.

Hip Hop is deadish

Hip Hop ist nicht tot und riecht auch nicht schlecht. Nur ist es, wie viel zu oft, auch 2011 so, dass die spannenden Indie Scheiben untergehen, während der Mainstream sich an Acts wie Wiz Khalifa und LMFAO erfreut.

Gibbets 3

Nettes, ziemlich schräges Browsergame, bei dem es darum geht, Erhenkte – oder besser gesagt Hängende – von ihrem todbringenden Strick zu befreien. Ein wenig ne düstere Version von Angry Birds….

Letztes Jahr auf Seite360:

Not much… Jahresendzeitstimmung, und so. Rinko wagt auf der Suche nach den vielversprechendsten Newcomern einen Blick in das Jahr 2011 und widmet sich noch einmal den Gallagher-Brüdern, dieses Mal den Oasis-Alben der 00er Jahre.

Faust macht Schule in Berlin

Die Leute vom Kreartell, deren Käthchen von Heilbronn Inszenierung ich hier schon an anderer Stelle angeteasert habe, haben darauf hingewiesen, dass sie auch ihr erstes Stück wieder bzw. immer noch im Programm haben. Dabei handelt es sich um nichts weniger als DAS deutsche Drama überhaupt, Faust, der Tragödie erster Teil. Wie beim Käthchen setzt das Kreartell auch hier – nach einer Vorlage der Autorin Barbara Kindermann – auf eine unbekümmerte, jugendliche und modernisierte Inszenierung, die Respekt aber keine Angst vor dem Literaturklassiker hat. Ist zwar schon etwas länger her, dass ich der Faust-Inszenierung des Kreartells beiwohnen durfte, erinnere mich aber an einen unglaublich vergnüglichen und kurzweiligen Theaterabend, an dem der Stoff mehr als würdig repräsentiert wurde. Diese Woche Samstag am 19.11. ist das Ganze im Theater Verlängertes Wohnzimmer zu sehen. Darüber hinaus gibt es für Schulklassen die Möglichkeit, den Faust für Kinder und Jugendliche dort nach Reservierung Mittwochs oder Donnerstags Vormittags zu sehen. Weitere Infos unter faust-macht-schule.de.

„Die Kunst ist lang, Und kurz ist unser Leben“, denkt man bei so manch mehrstündiger „Faust“-Inszenierung. Das „theater-kreartell“ bringt diesen Klassiker humorvoll, modern und kurzweilig auf die Bühne. In einer überraschenden Verbindung von Sprech-, Bewegungs- und Objekttheater veranschaulichen vier Schauspieler in 70 Minuten Goethes Hauptwerk und zeigen dessen Aktualität: ob die Suche nach Lebenssinn, nach persönlichem Glück, ob Verführbarkeit oder die Verantwortung fürs eigene Handeln. Basierend auf Barbara Kindermanns „Goethes Faust für Kinder“ bewegt sich die Inszenierung gekonnt zwischen Originaltext und moderner Sprache, zwischen Ernst und Witz. Diese Kurzform des Original-„Faust“ ist nicht nur für junge Zuschauer attraktiv und baut Hemmungen vor der klassischen Literatur ab.

Käthchen von Heilbronn – Die Feuerprobe: Premiere in der Brotfabrik (Berlin)

Ich wollte den Platz hier dann auch noch schnell mal nutzen, um für einen Freund ein wenig die Werbetrommel zu rühren. Martin, der in meinem Kurzfilm Little Brother is watching you der Hauptdarsteller war, spielt in der Kreartell-Inszenierung Käthchen von Heilbronn – Die Feuerprobe mit. Anlässlich des Kleist-Jahrs soll das Drama um Liebe und Standesunterschiede eine ordentliche Generalüberholung erhalten: Frisch, jugendlich, modern, ohne Angst vor aber mit viel Respekt für das Original. Die Verantwortlichen haben bereits im letzten Jahr mit Faust einen Dramenklassiker herausragend neu interpretiert, wie auch beim Käthchen nach einer Vorlage der Autorin Barbara Kindermann:

Anlässlich des Kleist-Jahres 2011 ist dieser Klassiker noch heute aktuell, weil er Fragen stellt, die jeden zu jeder Zeit betreffen. Hier geht es um Schein und Sein, um die Kraft, eigene Lebensträume zu verwirklichen und darum, auf die eigene „innere Stimme“ zu hören, auch, wenn sich scheinbar die ganze Welt gegen uns stellt. Die Frage ans Stück und die Zuschauer lautet: „Was macht mich zum Kaiser, zur Kaiserin in meinem eigenen Leben – Habe ich das Selbstvertrauen mich so zu zeigen, wie ich bin?“

Es spielen: Nina Neubert, Ralf Daubner, Annette Krüger, Martin Hamann
Künstlerische Leitung: Kerstin Windt
Licht: Sophia Gross
Mitwirkung: Rebekka Köbernik, Julia Cepiuk, Sabrina Heffler


Termine: 22.10.
(Premiere) und 23.10., jeweils 19.00 Uhr,
in der Brotfabrik, Caligariplatz 1, 13086 Berlin

Eintritt: 10,-€/ erm. 7,-€

Kartenvorbestellung: 030/ 471 4001/-02
Verkehrsanbindung:
TRAM: M2 / M12 / M13 und BUS: 158 / 156 / 225
Haltestelle: Prenzlauer Allee/Ostseestr.
S-Bahn: Prenzlauer Allee (Ringbahn) – 10 Min. Fußweg

Weitere Abendtermine gibt es dann erst wieder im Februar im Theater “Verlängertes Wohnzimmer” (Frankfurter Allee 91, 10247 Berlin).

–> Weitere Infos auf der Website des Kreartell