Kurzfilm der Woche: Meshes of the Afternoon

Es ist mal wieder an der Zeit für einen kleinen Griff in die vermeintliche Mottenkiste. Meshes of the Afternoon (1943) zählt neben dem andalusischen Hund zu den großen Klassikern des surrealistischen Films. Ein enges, klaustrophobisches Szenario; eine traumatische, symbolüberfrachtete Handlung, die trotz zahlloser Hinweise zu keiner Lösung findet, eine zyklische Struktur, das Spiel mit Redundanzen, Déja-Vus und Variationen… Meshes of the Afternoon stellt so etwas wie die amerikanische Antwort auf den europäischen Experimentalfilm sowie das kontinentale surrealistische Kino dar und hat Regisseure von Jean-Luc Godard über Alfred Hitchcock bis David Lynch maßgeblich in ihrem Schaffen beeinflusst.

Meshes of the Afternoon (USA, 1943)

Regie und Darsteller: Maya Deren, Alexander Hammid

Drehbuch: Maya Deren

Musik: Teiji Ito

Filmabriss: Wer ist Hanna?, The Human Centipede (First Sequence), Die Tür

Tja, wer bei diesem Wetter seine Zeit mit Filmen vergeudet, ist natürlich selbst schuld… Umso ärgerlicher, wenn das bemusterte Material sich tatsächlich nach Zeitverschwendung anfühlt. Ganz so schlimmt kommt es mit den Werken unseres aktuellen Filmabriss nicht. Wer ist Hanna? (2011) entpuppt sich als spannender Thriller, dessen wenig originelle Handlung von der herausragenden Inszenierung abgefangen und abgefedert wird, The Human Centipede (2010) ist ohnehin schon so etwas wie ein Gaga-Ekel-Klassiker und Die Tür (2009) vermag es zumindest überdurchschnittliche Mystery-Unterhaltung zu generieren. Alle drei ausführlich durchleuchtet, nach dem Klick.

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Kurzfilm der Woche: Scenes from the Suburbs

In letzter Zeit sind wir ein wenig nachlässig geworden, geloben aber nicht nur Besserung sondern liefern mit eintägiger Verspätung ein wahres Goldstück von einem Kurzfilm nach. Der frischen Traumhochzeit zwischen Arcade Fire und Spike Jonze haben wir ja an anderer Stelle schon ausgiebig entgegen gefiebert. Der Film ist nun veröffentlicht. Und wahrscheinlich für nur wenige Tage auf MUBI zu sehen. Also schnell zuschlagen!

HIER DER FILM IN VOLLER LÄNGE

Director Spike Jonze teams up with Arcade Fire to create a 30 minute short film inspired by their critically acclaimed album, The Suburbs, and its themes of war and coming of age in suburbia.

Co-written by Jonze & Arcade Fire’s Win Butler & Will Butler, this companion piece to the album follows the narrator, living in a suburban dystopia, trying to piece together fragmented memories from when he was a teenager, and his experiences with his friends as they grow apart.

Scenes from the Suburbs (USA, Kanada 2011)

Regie: Spike Jonze

Musik: Arcade Fire

Animated Short der Woche: Zero

Wunderschöner Stop-Motion-Trickfilm über eine “Null” und deren Geschichte… Dabei besticht der Kurzfilm von Christopher Kezelos nicht nur durch fantastische Animationen, perfekte Kameraführung und eine wunderschöne, symbolistische Atmosphäre sondern ebenso durch eine spannende, universelle und humanistische Geschichte. Kein Wunder also, dass er bei unzähligen Festivals und Awards ordentlich abgeräumt hat. Weitere Informationen zu dem kleinen Meisterwerk gibt es auf der offiziellen Website des Films. Nach dem Klick reichen wir noch ein kurzes Making Of nach.

Born into a world of numbers, an oppressed zero discovers that through determination, courage, and love, nothing can be truly something.

Zero (2010)

Regie: Christopher Kezelos

Produktion: Christine Kezelos

Kamera: Matthew Horrex

Erzähler: Nicholas McKay

via Fubiz

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Kurzfilm der Woche: Peter in Radioland

Großartiger Hybrid aus intimem Dokumentarfilmporträt und symbolistischem Trip tief hinein in das Befinden des Protagonisten. In “Peter in Radioland” folgt Regisseurin Johanna Wagner ihrem Vater, der unter Depressionen leidet, sich im digitalen Zeitalter nicht mehr heimisch fühlt und sich in seine ganz eigene Welt zurückgezogen hat, in der er alte Radios sammelt und Vinyl-Platten lauscht. Ein fesselndes und spannendes Porträt an der Schnittstelle von Authentizität und artifizieller Brechung.

This documentary follows Peter, my father, who is 63 years old and on sick leave. He spends most of his time alone, in his bedroom, contemplating his past. Little makes sense to him anymore in a world made up of zeros and ones. He finds modern technology difficult and prefers to retreat into his analogue world, made up of his old vinyl records, projectors and long-wave radios. Comforted by these, his memories and his loving wife, Peter is left yearning for the old days.

With a mixture of stop-frame animation, super8 footage and observational video footage, this film shares with us a common fear of change portrayed through my father’s struggle to find his place in the digital world. Peter in Radioland was made in association with the Bridging the Gap Scheme 2009.

http://www.johannawagner.com/peter.html

Peter in Radioland  (Großbritannien 2009)

Regie: Johanna Wagner

Die besten Filme der 90er: Gedanken zu David Finchers “Fight Club”

Normalerweise werden an dieser Stelle ja Filme ausgelagert, die ich eher nicht so prall fand. Filme, die meiner Meinung nach eben gerade nicht zu den besten Filmen der 90er gehören, für deren Abwesenheit ich aber vermeintlich irgendeine Form der Rechtfertigung abgeben muss. Das ist in diesem Fall anders. Fight Club gehört nicht nur zu den besten Filmen der 90er Jahre sondern steht auch in meiner Alltime-Best-Of-List ziemlich weit oben. Dass ich mit dieser Meinung nicht alleine stehe, beweisen verschiedenste Umfragen zu den besten Filmen aller Zeiten, bei denen Fight Club regelmäßig weit vorne rangiert… vollkommen zurecht. Der Grund für diesen “Sonderartikel” ist ähnlich wie bei der Analyse von American Beauty ein anderer: Es gibt anscheinend ein Rezeptionsgefälle, das Fight Club nicht nur zu einem der besten sondern vor allem auch missverstandensten Filme aller Zeiten macht. Und eben genau jenes Missverständnis sorgt ironischerweise erst dafür, dass er so viele Anhänger für sich vereinen kann.

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Die 90er Jahre: Die besten Tragikomödien des Jahrzehnts I

So, sechs Komödienretrospektiven haben wir hinter uns gebracht (Parodien, Grotesken, Slacker, bitte, bitte, bitte…). Wenden wir uns nun der gekonnten Mischung aus Tragik und Komik zu. Wie schon bei den Komödien aufgefallen, ist es gar nicht so leicht das Genre der Tragikomödie einzugrenzen. Gelungene Komödien bieten immer auch tragische Momente, große Dramen haben auch oft genug ihre komischen Seiten. Und was sich dann genau dazwischen abspielt, ist eben oft auch eine Frage des persönlichen Geschmacks und Empfindens. Egal, diese Filme bieten – jeder für sich – genug fürs Herz, für die Sinne, zum Schmunzeln, manchmal auch zum Lachen und selbstverständlich zum Weinen. Komisch schön, tragisch schön, einfach nur schön… die besten des Jahrzehnts. Mit einem Lächeln und einer Träne Teil 1…

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Die 90er Jahre: Die besten Drogenfilme des Jahrzehnts

Wir unterbrechen die 90er Komödienretrospektive für ein kleines Subgenre, das in den 90ern jedoch omnipräsent war. Drogen waren der Pop dieses Jahrzehnts. Auf die eher düsteren 80er folgte eine hedonistische Dekade, in der möglichst lange, euphorisch und ekstatisch gefeiert wurde. Ectasy wurde schnell zur Modedroge Nr 1 und ebenso wie sich LSD auf das Wirken vieler Filmemacher der 60er auswirkte, hatten andere bewusstseinserweiternte Mittel Einfluss auf die 90er, in denen der sogenannte bleiche und ungesunde Heroin-Chic es sogar dank Models wie Kate Moss auf die Laufstege dieser Welt schaffte. Auch auf dem Plakat von Trainsspotting schaut uns ein kotzbleicher Ewan McGregor entgegen. Doch genau wie es in den Kriegsfilmen der Dekade nur selten wirkliche Gewinner gab, sind auch die hier nominierten Filme kein affirmatives Statement für Drogen, sondern zeigen gleichberechtigt sowohl ihre bewusstseinfördernde als auch destruktive Kraft.

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Am darauffolgenden Tag starb niemand – Rezension zu José Saramagos Roman “Eine Zeit ohne Tod” (2005)

Die Personifizierung des Todes hat eine lange literarische und mediale Tradition. Ob als Gevatter Tod der alle gleich macht im gleichnamigen Märchen der Gebrüder Grimm, als nüchterner schachspielender Sensemann in Ingmar Bergmans “Das siebente Siegel” oder als melancholischer Lebemann Joe Black, sobald der Tod menschliche Züge bekommt, sind einer parabolischen Verwertung Tür und Tor geöffnet. In seinem kleinen Roman “Eine Zeit ohne Tod” (250 Seiten) bediente sich auch José Saramago († 18. Juni 2010) der fabelhaften Möglichkeiten des tödlichen Gleichmachers und schuf damit eine ebenso spröde wie spannende Parabel auf die Grenzen des Lebens und ein originelles “Was wäre wenn…”-Szenario, in dem der Tod gegen seine eigene Profession aufbegehrt, indem er zuerst abwesend, schließlich prophetisch und zu guter Letzt menschlich ist.

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Die 90er Jahre: Die besten Satiren, Grotesken und schwarzen Komödien des Jahrzehnts

Okay… Hier soll es wirklich böse, bizarr, grotesk, allerdings dennoch und gerade deswegen urkomisch werden. Und um das gleich klarzustellen: Wenn an dieser Stelle von schwarzen Komödien die Rede ist, dann ist auch wirklich schwarz gemeint. Pechschwarz! Nicht der sadistische Fäkalhumor, der sich als böse tarnt, um zu verbergen, dass er doch nur moralinsaure Teenager- und Massenunterhaltung aus Hollywood ist… nein, nein… gemeint ist das Lachen, das dir im Halse stecken bleibt und dort noch Tage später schmerzt. Das Lachen, das weh tut, weil es die eigene Amoralität, den eigenen Sadismus, die ureigenen dunkelsten Seiten des Menschen enttarnt. Böse gehässig und eben doch zum Schreien komisch, oder zum Leiden komisch, zum Erschrecken komisch, whatever. Die besten des Jahrzehnts: Wir haben euch gewarnt.

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Die 90er Jahre: Die besten Episodenfilme und Composite Films des Jahrzehnts

Geschichten über Geschichten… Verwoben, versponnen, (un)zusammenhängend, episodisch, fragmentiert und doch immer in einen Kontext gesetzt, der über eine bloße Aneinanderreihung von Kurzfilmen hinausgeht. Nachdem uns schon viele Episodenfilme der 00er Jahre begeistert haben, gibt es auch in den 90ern eine Menge Komponiertes und Collagiertes zu entdecken. Die besten Episodenfilme des Jahrzehnts, direkt nach dem Klick.

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Filmabend: Dream a little Dream

Das Kino ist nicht nur im metaphorischen Sinn der Ort der Träume, sondern kann dies auch wortwörtlich sein. Der Traum ist ein Motiv, das zahlreiche Filmmacher inspiriert hat: Von Tarkowskij über Fellini bis hin zu Craven und Nolan. Für unseren Filmabend unter dem Titel “Dream a little Dream” haben wir uns einen Kurzfilmklassiker sowie drei Langfilme gekrallt, die sich auf unterschiedlichste Weise mit Träumen und Alpträumen auseinandersetzen. Dazu gibt es feine asiatische Küche, seditative meditative Drinks und passende musikalische Untermalung. Dream a little Dream with us…

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90er vs. 00er – Battle of the Kinojahrzehnts IV: Horror, Mystery und Surreales

Nachdem das knisternde und r0mantische Kino sich als Stärke der 00er Jahre entpuppte und dieses sogar kurzfristig in Führung brachte, wenden wir uns an dieser Stelle den dunklen Seiten der cineastischen Jahrzehnte zu. Horror, Mystery, Surreales, fernab von dieser Welt und doch inmitten unserer Wirklichkeit beheimatet: Verzerrt, abseitig, erschreckend, absurd, beängstigend und der Realität auf grausame Weise ein Schnippchen schlagend. Die Besten der Bösartigen treffen sich hier zum Duell. Welches Jahrzehnt hat uns mehr und besser Angst gemacht? Welches hat uns besser verwirrt und zur Verzweiflung getrieben? Welches hat die stärkeren Rätsel aufgeworfen, die mächtigeren Paradoxien erschaffen? Im Angesicht der Geister, Dämonen und des Wahns wollen wir sehen, wie lange das brüchige Unentschieden (5:5) im Zweikampf der Filmjahrzehnte noch aufrecht zu halten ist.

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Die 90er Jahre: Die besten surrealen Filme und die besten Mysteryfilme des Jahrzehnts

Das Mystery-Genre war in den 90ern – ebenso wie der Surrealismus seit jeher – eine filmische Gattung die eher an der Peripherie stattfand. Für ein Massenpublikum waren die Themen der Filme meist zu obskur, die Erzählhaltungen zu distanziert. Aber abseits von Hollywood gelang es dem Genre dennoch sich eine treue Fangemeinde zu erarbeiten. Insbesondere die Filme von David Lynch – der auch in den 00er Jahren überfleißig war – haben sich zu echten Kultfilmen der Szene entwickelt. Und dann gab es da natürlich noch den berühmten Mysteryboom in der zweiten Hälfte der Dekade: Angestachelt durch die TV-Erfolge von Akte X und schließlich den Höhepunkt mit dem Kassenschlager und Instantklassiker “The sixth Sense” erlebend. Ironischerweise brachte die folgende Schwemme an Mystery-Epigonen keinen einzigen herauragenden Genrebeitrag hervor, stattdessen nicht viel mehr als ein müde Reihe an Plagiaten, die in die 00er Jahre hinüberschwappten, um das Publikum dort zu langweilen. Anyway, trotz des subkulturellen Flairs des Mystery, trotz der praktischen Nichtvorhandenheit des Surrealismus in den Kinosälen, gibt es hier auch in den 90ern so manches Entdeckenswertes. Wir haben es gesammelt…

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Die 90er Jahre: Die besten Zeichentrickfilme des Jahrzehnts II

Dass die 90er Jahre keineswegs ein rein amerikanisches Zeichentrickjahrzehnt waren, hatte die letzte Trickfilmretrospektive bereits unter Beweis gestellt. Hier sind die USA sogar in der Unterzahl. Dominiert werden die 90er Zeichentrickklassiker von Asien – selbstredend insbesondere dem Studio Ghibli. Aber auch eine klassische Disney-Produktion hat sich hierher verirrt, und sogar ein unglaublich bezaubernder Hybrid aus traditioneller Zeichentrickkunst und Up-to-Date-Computeranimationen.

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