Schlagwort-Archiv: Symbolismus

Animated Short: Birdboy

Neben den ganzen eskapistischen, ästhetizistischen, lustigen und epischen Shorts hat sich in meinem RSS-Reader noch jenes kleines Meisterwerk eingefunden, das ich hiermit mal kurzerhand zu meinem favorisierten Kurzfilm der letzten Monate erkläre. Birdboy ist eine ziemlich verstörende, düstere und hochintelligente Parabel, in deren surrealistischen Welt verschiedenste Topoi in eine (alp)traumhafte Geschichte verpackt werden: Gesellschaftliche Missstände, universelle Träume, Traumatisierungen, Kindheitsängste, Kindheitsverlust und zumindest ein klein wenig Hoffnung kreisen in dieser dystopischen, symbolistischen Geschichte um die kleine Maus Dinki, die im Außenseiter Birboy einen stummen Verbündeten findet. Unbedingt ansehen, wird nicht so schnell vergessen!

A short film directed by Pedro Rivero and Alberto Vázquez
based upon the graphic novel PSICONAUTAS by Alberto Vázquez

Written & Direction : Pedro Rivero, Alberto Vázquez alberto-vazquez.blogspot.com/
Character design: Sebas Fábrega
Story/animatic: Santi Riscos (santicomic.blogspot.com)
Visual development Artist: Khris Cembe (khriscembe.blogspot.com)
Animation: Postoma Studio (Santi, Sebas, Khris) postoma-studio.blogspot.com
Postproduction: Santi Justribó
Editing: Iván Miñambres (UNIKO) uniko.com.es/
Music: Suso Sáiz
Sound: Cinemar

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Die 80er Jahre: Die besten Fantasyfilme und Märchen des Jahrzehnts III

Für unsere letzte Fantasy-Retrospektive wagen wir noch einmal den Blick in die Traumfabrik: Mit Spielbergs E.T., Reitmans Ghostbusters und Marshalls Big zeigt Hollywood, wie sich große Mainstream-Fantasy mit gehobener Qualität produzieren lässt. Für das Big Budget Independent-Kino ist aber auch noch genug Platz, und wer könnte dieses in den 80er Jahren besser vertreten als der Meister des Emo Grusels Tim Beetlejuice Burton höchstpersönlich? Der bekommt auch gleich noch Konkurrenz durch die wunderbare, sträflich unterbewertete Klassiker-Fortsetzung Return to Oz. Und wenn es etwas europäischer, arthausiger und anspruchsvoller sein soll… Wim Wenders poetisches Fantasy-Drama Der Himmel über Berlin und das neuseeländische Düster-Epos The Navigator sorgen für die notwendige Abwechslung zum amerikanischen Bombast-Programm. Egal ob Studio-Produkt oder unabhängiges Kunstwerk, sehenswert sind alle hier genannten Filme, auch wenn wir im Anschluss gerne wieder über die ein oder andere Nennung (und Nicht-Nennung) streiten können.

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Links fürs Wochenende

Wissen muss frei sein

Interessanter und aufklärender Artikel über die Machenschaften von Wissenschaftsverlagen, insbesondere über den Verlag REED ELSEVIER.

Literatur: Wenn Philosophen Romane lesen

Heute bedienen sich Theoretiker wie Axel Honneth frei in der Literatur, um ihre Diagnosen zu belegen. Dürfen sie das? Oder wird die Kunst zur Magd der Wissenschaft?

David Foster Wallace im ZDF-Interview

Wallace hat “Infinite Jest” (“Unendlicher Spaß”) geschrieben, welches ich bisher nur geschafft habe anzulesen. Hier der Direktlink zu  Teil 1 des Interviews, die anderen Teile findet man ja denn da.

Diesen Kuss der ganzen Welt

Herausragender Text beim Perlentaucher über die Sinnfrage nach dem geistigen Eigentum und dem Urheberrecht:

Ist ein Werk in der Welt, gehört es ihr auch. Thomas Mann kann nicht in die Nationalbibliothek gehen und auf die Herausgabe desZauberbergs” drängen, weil er den Schluss überarbeiten will. Er kann Leser nicht auffordern, das Werk zu vernichten, weil es ihm nicht mehr gefällt. Anders als Prantl behauptet, hat nicht einmal der Urheber ein “richtiges Eigentum” an seinem Werk. Ein Werk ist Übereignung: Diesen Kuss der ganzen Welt.

Passend dazu auch: Acta oder der Schutz der Raubritter.

Bravo, Viva!

Courage von unerwarteter Stelle. Die Social-Media-Redakteuere von Viva gehen auf Facebook gegen homophobe Kommentare vor: “Homophobe Kommentare werden sofort gelöscht! “Schwul” ist keine Beleidigung und sollte auch nicht als eine verwendet werden. In Extremfällen müssen wir User leider bannen und melden”. Siehe dazu auch die Stellungnahme von Viva selbst.

Promises (Browsergame)

Nettes kleines Fünf-Minuten-Rätsel mit bitterer, zynischer Pointe am Schluss…

Wir, die Netzkinder

Der polnische Dichter Piotr Czerski über die Netzkultur, die digitalen Natives und deren Wahrnehmung als eigene Generation.

Falls das an irgendwem vorbei gegangen ist:

Letztes Jahr auf Seite360:

Immer noch stehen die besten Filme der 90er Jahre auf dem Programm: In dieser Woche sind es die besten Mysteryfilme und gleich zwei Mal die besten Zeichentrickfilme, die unter die Lupe genommen werden. Ohnehin sind wir alle ein wenig wehmütig und schwelgen in vergangenen Meisterwerken. Marcus analysiert Jeder stirbt für sich allein von Hans Fallada, Rinko widmet sich den besten elektronischen Alben der 90er Jahre und Florian gedenkt den großartigen Aereogramme sowie Christoph Schlingensief. Aktuell passiert aber auch einiges: Banksy sprayt Hollywood, Kim Jong kuckt Einhörner, Radiohead veröffentlichen The King of Limbs und auch darüber hinaus hat der Februar ein paar hörenswerte, musikalische Perlen zu bieten.

Die besten Fantasyfilme und Märchen der 80er: Wo bleibt “Die unendliche Geschichte”?

Um die Antwort gleich vorweg zu nehmen: Die Unendliche Geschichte wird hier nicht bei den besten Fantasyfilmen und Märchen der 80er Jahre auftauchen. Das bedeutet nicht, dass ich die Verfilmung von Michael Endes gleichnamigem Roman für einen miesen Film halte, keineswegs, aber es fehlt ihm doch ein gutes Stück, um in meinem cineastischen Kanon zu landen. Dabei standen die die Verfilmung dieses wundervollen Märchens im Jahr 1984 eigentlich unter einem guten Vorzeichen. Michael Endes Vorlage von 1979 gehört mit zu den besten fantastischen Romanen, die das 20. Jahrhundert hervorgebracht hat, Regisseur Wolfgang Petersen hatte drei Jahre zuvor mit Das Boot (1981) bewiesen, dass er sich perfekt darauf verstand Hollywood und europäisches Kino unter einen Hut zu bringen, mit Finanziers aus Deutschland und den USA gab es ein ordentliches Budget-Fundament für die Umsetzung der Märchenwelt Phantasiens und mit Limahl war für den Titelsong ein damals ziemlich populärer Musiker am Start. Also wie konnte es so weit kommen, dass selbst Michael Ende derart unglücklich war, dass er seinen Namen aus dem Film streichen ließ, dass zahllose Freunde der Vorlage unzufrieden, so wie ich mit dem Gefühl eines Stückes Kindheit beraubt zu sein, den Kinosaal verließen?

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Die 80er Jahre: Die besten Fantasyfilme und Märchen des Jahrzehnts II

Fantasy und Märchen die Zweite: Dieses Mal klammern wir das fantastische Kino aus Europa mit den amerikanischen Vertretern des Genres ein: Zum einen skurril Satirisches mit den Hexen von Eastwick, zum anderen versponnen Unterhaltsames bei Liebling, ich habe die Kinder geschrumpft. Die großartige Astrid Lindgren steuert dagegen poetische, stille Meisterwerke mit Ronja Räubertochter und Mio, mein Mio bei. Michael Ende ist auch mit von der Partie, mit der großartigen, ebenso poetischen Allegorie Momo. Und dann darf es auch mal richtig schräg werden: Jan Švankmajers Alice ist wohl eine der dunkelsten, abstrusesten Märchen-Interpretationen der Filmgeschichte überhaupt, während Terry Jones’ Erik der Wikinger tief im Sagenschatz der nordischen Mythologie wühlt und daraus einen herrlich grotesken Mix aus Monty Python und Wickie und die starken Männer zaubert.

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Die besten Fantasyfilme und Märchen der 80er: Paperhouse – Alpträume werden wahr

Dass ich zu Paperhouse jetzt doch noch ein paar Worte über die Kurzrezension der ersten 80er Retrospektive hinaus verlieren muss, liegt daran, dass mich dieser Film als Kind entscheidend geprägt hat. Er war nicht der erste “Horrorfilm”, den ich gesehen habe, aber mit Sicherheit der, der mir auf längere Sicht die meiste Angst eingejagt, ja mich sogar bis in meine Träume verfolgt hat. David Cronenbergs Die Fliege (1986)? Pustekuchen. Die Miniserie Es (1990), die bei so vielen Horror-Zuschauern meiner Generation Ängste ausgelöst und Traumata verursacht hat? Lachhaft. Nein, mein persönliches Grusel-Trauma ist dieser Fantasy/Märchen/Psychoanalyse-Hybrid von 1988, und wenn ich meine Filmrezipienten-Vita durchstöbere, komme ich wohl sogar zu dem Fazit, dass kein Film – davor und danach – mir eine solche Angst eingejagt hat, wie diese Auseinandersetzung mit Traum, Alptraum und der beginnenden Pubertät.

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Die 80er Jahre: Die besten Fantasyfilme und Märchen des Jahrzehnts I

Die 80er waren ein Jahrzehnt der großen cineastischen Meisterwerke, aber ebenso auch ein Jahrzehnt der cineastischen Peinlichkeiten. In kaum einer anderen Dekade liegen verquaste Cheesyness und große ästhetische Reife so dich beieinander. Fast in jedem Film der Zeit findet man sie, die 80’s Ingredienzen, denen der Lauf der Zeigt nicht gut getan hat: Glitzernd, funkelnd, synthetisch albern… und retrospektiv betrachtet mitunter mehr als peinlich. Gerade das Fantasy-Genre bietet überbordernde Möglichkeiten, um all das bis zum Exzess auszuspielen, was die 80er so charmant trashig machte. Dementsprechend lautet die Frage in unserer ersten 80er Retrospektive nicht nur “Was waren die großen Meisterwerke des Fantasyfilms?” sondern im selben Maße auch “Funktionieren diese noch in unserer Zeit?”. Und fürwahr, es gibt mehr als genug große Märchen und fantastische Filme, die man sich auch heute noch ohne Schamgefühl, mit viel Vergnügen oder gar echter Ergriffenheit geben kann… genug Meisterwerke für gleich mehrere Best-Of-Aufstellungen. In der ersten begegnen wir unorthodoxen Rotkäppchen-Interpretationen in der Zeit der Wölfe, genießen Märchen-Romantik am Tag des Falken, reisen durch die Zeit mit den Time Bandits, landen in einem alptraumhaften Paperhouse und gönnen uns größenwahnsinnige Lügenmärchen von Münchhausen persönlich.

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Zum zehnten Todestag von Astrid Lindgren…

Die Brüder Löwenherz > Mio mein Mio > Ronja Räubertochter > Pippi Langstrumpf > Michel > Wir Kinder aus Bullerbü…

…zumindest meiner Meinung nach. Ich denke, ich kann auch ziemlich gut verorten, warum ich das so sehe. Astrid Lindgren war auf jeden Fall eine große Autorin, eine der talentiertesten, empathischsten und poetischsten Kinderbuchautoren des 20. Jahrhunderts und weit darüber hinaus. Die 1907 geborene und 2002 gestorbene Erzählerin hat mit ihren Büchern – und zum großen Teil auch deren Verfilmungen – das gesamte Jahrhundert geprägt. Kaum ein Kind, dass nicht schon mal von Pippi Langstrumpf (1945) und deren Verfilmungen aus den späten 60ern und frühen 70ern gehört hat, kaum ein “Lausbub” der sich nicht Michel aus Lönneberga (seit 1963) zum Vorbild genommen hat, und kaum jemand der nicht mit Wir Kinder aus Bullerbü (1947) wunderbar nostalgische Moment durchlebt, unabhängig davon, ob diese wunderbaren Erzählungen tatsächlich seine eigene Kindheit widergespiegelt haben.

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Trailerprogramm: Prometheus, The Hobbit, Bad Ass, John Carter, Keyhole, Schilf, Mars et Avril, MIB 3, The Theatre Bizarre, A Monster Calls

So, Winternickerchen ist vorbei… und damit zurück zur Seite360-Normalität. Irgendwann im Frühherbst dieses Jahres haben wir damit angefangen, Trailer zu kommenden Filmen in einzelne, wöchentliche Artikel zu hauen, die meistens Dienstags veröffentlicht wurden. Das will ich versuchen in der Form auch nächstes Jahr weiter zu führen, einfach weil es irgendwie doch mehr Sinn macht, kommende Filme und spannende Trailer geballt zusammen zu fassen, anstatt das Blog täglich mit einzelnen Artikeln, die nur einen Trailer enthalten, zuzuspammen. Da die letzten Wochen diesbezüglich nicht viel bis gar nichts gelaufen ist, gibt es einiges nachzuholen… Sprich, ne Menge frischer und weniger frischer Trailer folgen nach dem Klick.

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Poetisches für den Sonntag: Alice im Wunderland illustriert von Salvador Dali

Im Jahre 1969 ließ der Verlag Random House den surrealistischen Maler Salvador Dali Lewis Carrolls Alice im Wunderland (1864) illustrieren. Die dabei entstandenen Zeichnungen erinnern nicht zuletzt an Dalis Beiträge zu dem surrealen Disney-Film Destino (1945 – 2003) und bilden eine wunderbare Melange aus verspielter Zeichenkunst, Symbolismus und den klassischen surrealen Dali-Trademarks. Oben seht ihr Down the Rabbit Hole, weitere dieser tollen Zeichnungen gibt es beim Retronauten (wo sonst) zu bewundern. Und nach dem Klick folgt noch ein kleiner Videoguide zu dem Buch selbst.

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Animated Short der Woche: Der kleinere Raum

Düstere, surreale und ziemlich verstörende Stop-Motion-Impressionen von Cristobal Leon und Nina Wehrle (itsrainingelephants.ch).

In a room there is a box. In the box there is a forest. In the forest there is a lost child. Living beings made of paper appear and vanish in “Der Kleinere Raum”. We developed the narrative structure of this film spontaneously step by step and created the whole film in an intense working phase within one month. The Smaller Room was shown in more than 25 international film- and animation festivals. The film was two times special mentioned by the jury and won a prize in Animanima Serbia.

Der Kleinere Raum (Schweiz, 2009)

Regie: Nina Wehrle, Cristobal Leon Dooner

via Lostateminor

Poetisches für den Sonntag: A closed World – Browsergame mit LGBT-Content

Homosexuelle Themen und Transgender-Topics sind rar in der Computer- und Videospielszene. Das faszinierende Browsergame A Closed World setzt sich ganz offensiv mit sexuellen Orientierungen jenseits der Heteronormativität auseinander und verwirklicht LGBT-Topoi in einem faszinierenden, wunderschönen, poetischen und nachdenklichen Rollenspiel. Auf dem Weg durch den Wald wird der Spieler mit seiner eigenen Geschlechterrolle, seinen sexuellen Bedürfnissen und vor allem den Gefahren konfrontiert, die von der Außenwelt aber auch ihm selbst ausgehen. Im Kampf gegen die inneren und äußeren Dämonen kann er sich mit den Waffen der Logik, Leidenschaft und Moral verteidigen. A closed world ist ungemein berührend, steckt voller Emotionalität und ergreifendem Symbolismus. Spielenswert für jeden Freund experimenteller, origineller Spiele, vollkommen unabhängig von den eigenen sexuellen Präferenzen.

A Closed World was created to be a digital game with LGBTQ-friendly content, something that’s very uncommon in games right now. Game designers and marketing professionals alike have cited a number of reasons for this, ranging from a perception of institutional homophobia in game culture to a genuine desire on the part of game designers to “get it right” and create games with compelling queer content, rather than feeling that the element is merely “tacked on” in the end. The goal of this research was to present the design team with the challenge of creating a game that had this compelling queer content, and to observe the ideas and hardships they considered and encountered along the way, so that we could learn more about how to approach those challenges in other design contexts. The project left the ultimate message of the game open to the creators; what was important to discover were the challenges the team faced trying to include queer content in the game, and the strategies they used to tell the story they wanted to tell. The result is a game that asks us to carefully consider what we think of as “normal,” and what is needed to live in the world and be true to one’s self.

–> Play A closed World online via Indiegames.com

Filmabriss: Dogtooth, Beautiful, Bedingungslos

Nachdem es im letzten Filmabriss das volle Blockbuster-Programm mit Harry Potter, Super 8, und Planet der Affen Prevolution gab, verlassen wir dieses Mal die vorgewärmten Kinosessel und schauen uns im Videotheken-Regal in der Arthaus- und Independent-Film-Abteilung um. Ich weiß gar nicht, ob einer von den drei hier rezensierten Filmen eine Kinoauswertung hatte. Tendenziell wohl eher nicht. Auf jeden Fall liegen sie derzeit (relativ) frisch in der Videothek meines Vertrauens und bilden ein gutes Kontrastprogramm zu lauten, mainstreamigen Blockbuster-Orgien: Dogtooth eine verstörende, surreale Parabel in der Tradition des europäischen Autorenkinos, Beautiful ein düsterer Mysterythriller, der gerne das Blue Velvet des neuen Jahrtausends wäre, und Bedingungslos, in dem Ole Bornedahl (Nightwatch) mit perfider Montagetechnik den Zuschauer in einem alptraumhaften Sog gefangen nimmt. Was können die drei filmischen Ausreißer und lohnt sich für sie der Gang zur Videothek?

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Die 90er Jahre: Die besten Filmdramen des Jahrzehnts V

90er Filmdrama die Fünfte… Auch dieses Mal geht es auf eine Reise durch Länder und deren Mentalitäten. Im ersten Teil der Drei Farben Blau sucht Krzysztof Kieślowski in Frankreich nach dem Motiv der Freiheit und findet es in einer ästhetizierten Entwicklungsgeschichte. In Hitlerjunge Salomon sucht Agnieszka Holland nach den Gesichtern der Deutschen im Nationalsozialismus gesehen durch die Augen eines Juden, und in den beiden Independent-Dramen My private Idaho und Good Will Hunting versucht Gus Van Sant, sich den Außenseitern der amerikanischen Gesellschaft anzunähern. Gesellschaftliche Strukturen werden auch in Festen und Wiedersehen in Howards End aufgedeckt, in Rote Laterne führt die Unterdrückung des Ichs direkt in die Katastrophe und in Ein Herz im Winter gibt es trotz aller Fremd- und Selbstgeißelung doch wieder so etwas wie Hoffnung. Große Dramen vom Indie-Kino bis zum Historienepos, nach dem Klick.

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Kurzfilm der Woche: Meshes of the Afternoon

Es ist mal wieder an der Zeit für einen kleinen Griff in die vermeintliche Mottenkiste. Meshes of the Afternoon (1943) zählt neben dem andalusischen Hund zu den großen Klassikern des surrealistischen Films. Ein enges, klaustrophobisches Szenario; eine traumatische, symbolüberfrachtete Handlung, die trotz zahlloser Hinweise zu keiner Lösung findet, eine zyklische Struktur, das Spiel mit Redundanzen, Déja-Vus und Variationen… Meshes of the Afternoon stellt so etwas wie die amerikanische Antwort auf den europäischen Experimentalfilm sowie das kontinentale surrealistische Kino dar und hat Regisseure von Jean-Luc Godard über Alfred Hitchcock bis David Lynch maßgeblich in ihrem Schaffen beeinflusst.

Meshes of the Afternoon (USA, 1943)

Regie und Darsteller: Maya Deren, Alexander Hammid

Drehbuch: Maya Deren

Musik: Teiji Ito