Die Dankesrede von Dunja Hayali zur Verleihung der Goldenen Kamera 2016

Ich schaue mir diese ganzen Selbstbeweihräucherungsshows des deutschen Films und Fernsehens ja überhaupt nicht gerne an (und erweitere das gerne auch auf Hollywood), die Dankesrede von Dunja Hayali beim Gewinn der Goldenen Kamera (Beste Information) ist aber wirklich sehr ehrlich, sehr bewegend, mehr als sehenswert und wird gerade vollkommen zurecht in allen vernünftigen Ecken dieses Internets rumgereicht. “Aber wenn Sie sich rassistisch äußern, dann sind sie verdammt noch mal ein Rassist. Fertig!” Word!

Danke Dunja

Ein verstecktes Kinderzimmer in den Schächten der Wiener U-Bahn

3ca1a6693dDas ist so ein Netzfundstück, bei dem man erst einmal nicht weiß, was man dazu schreiben soll, weswegen es in meinem Browser seit mittlerweile einem Monat als offener Tab rumgeistert: Ein (anscheinend anonymer) Künstler hat bereits 2012 in den Schächten der Wiener U-Bahn ein mehr oder weniger bewohnbares Kinderzimmer eingerichtet, inklusive Kuscheltiere und Straßenteppich. Im Interview mit The Gap spricht er über die Intention und Gestaltung des Projekts:

Ein Kinderzimmer unter der Erde ist natürlich ein schwieriges Thema. Das Zimmer einer erwachsenen Person würde ein eindeutigeres Bild abgeben, dies galt es aber zu vermeiden. Gerade die Ambiguität eines unterirdischen Kinderzimmers reizte mich. Es ging neben der Frage nach prekärer Nutzung von Räumen und der Verschiebung der Grenzen des öffentlichen Raums auch darum, Geschehnisse zu bearbeiten, die in Österreich in den vergangenen Jahren aufgedeckt wurden.

Abgesehen davon ist ein unterirdisch gelegenes, fensterloses Kinderzimmer – auch ohne die Assoziationen, die in Österreich vermutlich hervorgerufen werden – ein interessantes Bild. Es muss nicht zwangsläufig als eine Form von Gefangenschaft verstanden werden. Es kann auch als Versteck in einem Endzeit- oder Fluchtszenario interpretiert werden.

Spannend wird das Ganze nicht zuletzt dadurch, dass die künstlerische Installation als sozialkritischer Ansatz sich in diesem Fall bereits durch ihr Konzept selbst demontiert: Als unauffindbare, ergo nicht rezipierbare Installation – ist das Verstecktsein doch bereits in ihr Konzept selbst eingeschrieben – kann sie nicht viel mehr als ein unerhörter Kommentar bleiben, ein stummer Schrei, von dem nur ein mediales Abbild bleibt:

Eine künstlerische Intervention vor Ort hat eine andere Präsenz, als ein medial gefilterter Ansatz wie etwa eine rein filmische Aufarbeitung. An diesem Raum gehen Tag für Tag hunderte Menschen vorbei. Das ist eine real existierende Situation, nur eine Handbreit entfernt vom Alltag der Menschen in Wien – kein Filmstudio. Das Dokumentationsvideo wurde zu einer Art Prothese des Raums, die die Entdeckung dieses Ortes eventuell erst ermöglicht und ihn einem größeren Publikum näher bringt. Die Vergänglichkeit der Installation macht die Videodokumentation unverzichtbar.

Doch auch die Videodokumentation des Projekts bleibt letzten Endes vage, reduziert sich auf die Entdeckung des unspezifisch verorteten Raumes, auf das bloße Abtasten seiner Präsenz, ohne weitere Antworten zu liefern. Das Projekt lebt geradezu davon, dass es seine Existenz in einer Nichtpräsenz offenbart… Ähmmm, ja… schwurbel, schwurbel… Ihr seht schon: Ich weiß immer noch nicht genau, was ich dazu schreiben soll. Eindrucksvoll bleibt es in jedem Fall.

Maulwurf-Kunst im Wiener Untergrund via KFMW

Vulva-Künstlerin für 3D-Modellierung ihrer Vagina verhaftet

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Die Meldung ist zwar schon eine Woche alt, hier drin haben wollte ich sie aber auf jeden Fall noch. Also erst einmal zur Künstlerin: Die Japanerin Megumi Igarashi macht ganz und gar herausragende Arbeiten, in denen immer ein 3D-Abdruck ihrer Vagina im Vordergrund Hintergrund steht. Um die Anatomie des weiblichen Geschlechts entwirft sie dabei Landschaften, Dioramen, Roboter oder auch mal ein ganzes 1:1-Kanu, das selbst für den praktischen Einsatz tauglich ist. Die Arbeiten sollten nicht nur eine Verarbeitung der Selbstzweifel bezüglich der eigenen Anatomie sein, sondern darüber hinaus auch eine Auseinandersetzung mit Mystifizierungen oder gar Verteufelungen des weiblichen Geschlechts in einem Land, das ansonsten eine ziemlich florierende Porno-Kultur besitzt. Ziel war es dabei ein Stück Gewöhnlichkeit, ein Stück “Pop” in der Betrachtung und Reflexion der weiblichen Genitalien zu etablieren.

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Da die Realität ein Arschloch ist, hat sie Megumi Igarashi mittlerweile eingeholt. Letzte Woche wurde die Künstlerin für das Versenden eines digitalen 3D-Modells ihrer Vagina verhaftet, da es sich dabei um obszönes, pornografisches Material handeln würde. Es gibt bereits eine Petition, die sich für die Künstlerin einsetzt, die mit ihrer Aktion die Doppelstandards im japanischen Pornographie-Verständnis enttarnt hat und nun auch noch (unfreiwillig) als Exempel für die rigide, regressive Durchsetzung dieser Standards herhalten muss.

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via Spoon & Tamago

Filmabriss: Captain Phillips, 12 Years a Slave, Snowpiercer, Trance – Gefährliche Erinnerung

Tom Hanks

Unbedingt mal wieder Zeit für einen aktuellen Filmabriss… Irgendwie tut es mir derzeit um so ziemlich jeden Film leid, den ich sehe und zu dem ich es nicht schaffe, wenigstens ein oder zwei Zeilen zu Papier zu bringen; liegt nicht nur daran, dass ich das Gefühl habe, Seite360 giere nach Content, sondern auch einfach weil das Niederschreiben mir selbst hilft meine Meinung zu dem entsprechenden Film zu verarbeiten und zu fixieren, auch über den (ähnlichen) Effekt eines  Nach-Kinobesuch-Gesprächs hinaus. Hier also jetzt ein paar kurze Gedanken zu einigen Filmen, die ich in den letzten Wochen/Monaten gesehen habe. Keine tiefgründige Analyse, keine umfangreiche Auseinandersetzung, nur ein oder zwei Cents, die ich glaube zu den Werken noch loswerden zu müssen. Dieses Mal sind die Big Budget Großprojekte an der Reihe: Zweimal Oscar-Gewinner in Captain Phillips und 12 Years a Slave, einmal stilsicherer Heist-Mindfuck in Trance, und einmal groteske Weltuntergangsphantasien zwischen Korea und Traumfabrik in Snowpiercer. 2014 ist btw. bis dato ein verdammt gutes Filmjahr.

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Musikvideo der Woche: Santigold – The Keepers

We’re the keepers, while we sleep in America. Our house is burning down, our house is burning down.

Santigold – The Keepers (2012)

Regie: Santi White

Album: Master of My Make-Believe