Warum improvisierte Musik so langweilig ist…

Spannende Performance von Diego Chamy, die zwischen Improvisation und Kalkül schön das Nervenzentrum der Rezipienten fickt. Let the description do the rest:

by Diego Chamy (concept, performance), with Jean-Luc-Guionnet (alto saxophone) and Seijiro Murayama (percussion). Previously performed with Mathias Pontévia (percussion) and Nusch Werchowska (objects) at alberto ukebana, Berlin, November 18, 2008, and with Christof Kurzmann (laptop) and Seijiro Murayama (percussion) during the “Nine Lives” concert series at Ausland, Berlin, July 10, 2009.

Description of the action:

The program indicates an improvisation by three musicians/performers, but I do not appear on stage until after the others have played for some time. I tell the audience that before coming to the theater I had received an unusual email from a friend I had invited to the performance. In this email, which I read out loud, my friend says that he’s fed up with improvised music and asks me to give him a good reason to come to the concert. He also proposes that I ask the audience why improvised music is so boring. I tell the audience I have accepted my friend’s proposal and have prepared a list of questions to ask them. As I present these questions, it becomes clear that they are all rhetorical in nature. The two musicians continue playing throughout. After my last question, a member of the audience suggests that I sing a song, which I proceed to do. (In fact, I had planned to sing a song after asking these questions, and it is purely coincidental that an audience member makes this request.)

Some ideas:

A rhetorical question is not so much a question as a device used to assert or deny something. In this performance I don’t look for interesting answers from the audience. If this were my intention I would have chosen other types of questions (or I would have let the audience ask their own questions). The point here is not whether “improvised music” is boring or not. The point is the mixture of confusion and disappointment generated by someone making this statement and “hiding” it in the form of a question. Another interesting aspect to these questions is the stupidity carried within their generalizations. One can speak about John’s music, Peter’s music, and so on, but “improvised music,” insofar as it is a generalization, doesn’t help us think creatively. Nonetheless, in their stupidity, I find the raw use of generalizations and the flagrant use of rhetorical questions somehow interesting. The same goes for the “comparison” I make between the music being performed on stage and the song I sing at the end of the video.

Extra information:

I performed this action three times. The first two times, the musicians I worked with didn’t know what I was going to do. (I only asked them if I could speak while they played, and they agreed.) The third time (presented here) was a reenactment of the first two actions: the musicians (Jean-Luc and Seijiro Murayama) understood my concept and kindly agreed to play the role of “musicians,” trying genuinely to play their own music and see if it was possible to achieve the tension that was present during the first two performances. To reinforce this act, I asked Seijiro to throw a chair at me immediately after the performance while the audience was clapping. Seijiro did not (or could not) perform this action, but in the video it’s possible to see the tension generated after the audience claps: Seijiro remains seated on stage, looking troubled, knowing that he has to throw his chair at me. For some reason he doesn’t do it.

In the video:

Diego Chamy (concept)
Jean Luc Guionnet (alto saxophone)
Seijiro Murayama (percussion)

Performed at the INSTAL Festival, Tramway, Glasgow, U.K. November 12, 2010.

via Kulturtechno

Animated Short der Woche: Battle Deadline

Turbulenter, amüsanter und schlicht atemloser Kurzfilm über eine Animationsschule, den Kampf der Trickfilmschöpfer und ebenso den Kampf ihrer Trickfilmgeschöpfe.

This is an art school where students bring their animation to life. In order to graduate each students must create an animated short within given amount of time. But meeting that deadline is not a simple task.

Battle Deadline by John Cody Kim via Kraftfuttermischwerk

SciFi Filmabriss: The Congress, Interstellar, Young Ones, Apollo 18, Alles eine Frage der Zeit

bg

Zum Start von 2015 und Rückblick auf das vergangene Jahr, noch einmal Science Fiction satt. Nicht alle der hier rezensierten Filme stammen aus dem Jahr 2014, aber alle habe ich irgendwann in den letzten Monaten gesehen. Und so ziemlich alle – abgesehen von Interstellar – findet Ihr auch mittlerweile in eurer Videothek des Vertrauens. Wenn es also für das Ende von 2014, für den Beginn von 2015 noch einmal futuristisch, spacig, prophetisch werden soll, werdet Ihr hier bestimmt den ein oder anderen potentiellen Kandidaten für einen gemütlichen Filmabend zwischen den Jahren zum Jahresauftakt finden.

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Introducing… Barbara

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Seit nunmehr zwei Wochen sprengt eine gewisse Barbara (ichwillanonymbleiben) mein Facebook und seit ein paar Tagen, stolpere ich auch immer öfter in meinem Feed-Reader über sie…. und das vollkommen zurecht. Die minimalistischen, selbstgestalteten Plakate Barbaras gehören zu den besten Real Life Urban Hacks, die es derzeit im Internet zu sehen gibt. Zwischen albernen Kalauern, poetischer Prosa und wundervoller Meta-Meta-Streetart pendelnd, verschönert und kommentiert Barbara die Straßen ihre Heimatstadt und lässt uns alle online – leider nur via Facebook – daran teilhaben. Groß!

Auf Urban Shit findet sich ein knappes Interview mit Barbara, die darin zwar über ihre Motivation berichtet, ansonsten aber Gott sei Dank weiterhin ein Mysterium bleibt. Ein paar meiner Lieblings-Barbaras folgen noch nach dem Klick.

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Filmabriss (2012er Recap IV): Cabin in the Woods, Looper, Twixt, John dies at the end

Material für den nächsten Filmabend zu Hause… und für die Nerd-Fraktion. Die folgenden Rezensionen kümmern sich ein wenig, wenn auch nicht ausschließlich, um die Direct-to-DVD Ecke des Jahres 2012. Ziemlich frisch reingerauscht ist – zumindest bei uns in der Ecke – John dies at the End, der versucht einen neuen Rekord an verwursteten Genres aufzustellen. Ebenfalls direkt auf DVD ist Copollas 2011er Spuk/Pulp-Drama Twixt gelandet, während sowohl Looper als auch The Cabin in the Woods zwar im Kino liefen, im Grunde genommen aber auch für einen Heimkinoabend weitaus geeigneter sind als für ein großes Lichtspielhaus. Wie die Filme sich auf dem TV, Sofa in Front, bewährt haben, erfahrt ihr nach dem Klick…

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Streetart Removal Man becomes Streetart

Okay, einerseits ist es schon ätzend, jemanden, der nur seinen Job macht, derart gegen seinen Willen als Streetart ins Licht der Öffentlichkeit zu rücken. Andererseits ist das metamedial gesehen natürlich ganz große Kunst: Die Zerstörung von Kunst wird selbst in Kunst transformiert und an der Stelle des zerstörten Kunstwerks fixiert… mit Sicherheit – wie immer bei Streetart – nicht für die Ewigkeit, dafür aber mit tollen Möglichkeiten der selbstreferenziellen Radikalisierung. Oder wie Nerdcore-René schreibt:

Wenn DS jetzt noch denselben Streetart-Removal-Man beim Wegmachen der Streetart-Removal-Man-Streetart fotografiert und davon ebenfalls ein Piece an dieselbe Stelle klebt, verneige ich mich vor dem ersten rekursiven Streetart-Piece der Welt.

DS Streetart Removal Man via Nerdcore

Breaking the Fourth Wall (Supercut)

Hübscher Supercut mit Filmszenen, in denen der Zuschauer direkt angesprochen wird. Natürlich fehlen da unzählige Filmszenen von Stalker bis zu Wayne’s World, aber Nitpicking geht natürlich immer und muss meistens nicht sein.

via

Poetisches für den Sonntag: Günter Brus – Selbstbemalung

Der österreichische Künstler Günter Brus gelangte vom Expressionismus beeinflusst über die informelle Malerei französischer Prägung in den 60er Jahren schließlich zur Aktionskunst, in der er sich intensiv dem eigenen Körper als Leinwand, Kunstobjekt und Kunstwerk an und für sich widmete. Genau in diesen Zeitraum fällt auch seine beeindruckende Selbstbemalung, eine ganze Serie von künstlerischen Aktionen, bei denen er sich selbst zur Leinwand machte und dieses Framing zugleich auf nahezu brutale Weise aufbrach. Es ist mehr als beeindruckend, wie Brus in seiner Körperzeichnung jede Versuchung der egomanischen, narzistischen Kunst umschifft, indem er sich weniger zum Kunstwerk stilisiert, als viel mehr den physischen und psychischen Bruch des Künstlers bei der Kunstproduktion ins Zentrum rückt, indem die Selbstbemalung zur Selbstzerstörung und zur Dekonstruktion des kunstschaffenden Ichs wird. Durch die Auflösung des Framings wird so die Fragilität der Künstlerseele und die destruktive Kraft der Kunstproduktion offenbar.

So wurde die Aktion spätestens bei ihren folgenden Ausgeburten Selbstverstümmelung, Starrkrampf, Tranfusion und Tortur zu einer Thematisierung des selbstverletzenden Verhaltens, das einer jeden Kunstschöpfung innewohnt. Der Künstler schneidet ein Stück seines eigenen Fleischs heraus, um es als Kunstwerk der Öffentlichkeit darzubieten. Diese ist um das Werk bereichert, der Künstler indes hat ein Stück von sich selbst unwiederruflich für immer verloren…

Meta-Game: Atum

Ich glaube, wenn es um aktuelle Indie-Spiele geht, betone ich hin und wieder ganz gerne, wie sehr ich auf Meta-Games stehe. Jaja, ich bin nun mal ein Kind der Postmoderne und für mich kann es nie selbstreferenziell genug sein, eigentlich vollkommen egal um welches Medium es sich handelt. Das kostenlose Browsergame Atum spielt folgerichtig genau in der Liga, in der ich mich am wohlsten fühle. Als Hybrid zwischen 3D Point&Klick Adventure in Ego-Perspektive (Ebene 1) und klassischem 2D-Plattformer (Ebene 2) gelingt es dem atmosphärisch schicken Spielspiel raffiniert, zwischen beiden Ebenen zu interagieren und dabei immer wieder zu überraschen. Auf Ebene 1 seid ihr ein traditioneller Spieler, der sich anschickt, das PC-Game Atum zu spielen. In diesem wiederum – und damit auf Ebene 2 – steuert ihr einen Geheimagenten (?), der ganz klassisch von links nach rechts laufen muss. Und wie beide Ebenen dann zusammenlaufen… das muss man einfach selbst erlebt haben.

Atum (Browsergame) via Superlevel

3D-Illusionen von Ramon Bruin

Mit viel zeichnerischem Können, einem genauen fotografischen Blick und der raffinierten Anordnung von zweidimensionaler Zeichnung und dem Medium Papier im dreidimensionalen Raum gelingen dem Künstler Ramon Bruin herausragende Bilder, die geschickt Dreidimensionalität vorgaukeln und mit den Sehgewohnheiten des Betrachters Schabernack treiben. Natürlich ist das alles herrlich metamedial, selbstreferenziell und so weiter… vor allem aber auch verdammt schön anzuschauen und auf großartige Weise dem künstlerischen Spieltrieb folgend.

Weitere 3D-Zeichnungen von Ramon Bruin via thaeger

Rahmen im Rahmen

Der Künstler Taylor Holland hat für sein Projekt Fra[mes] hochauflösende Fotos von Gemälde im Louvre geschossen, deren Rahmenornamente multipliziert und diese wiederum in das Innere der Rahmen geshoppt. Herausgekommen sind Bilderrahmen, die sich selbst ausstellen, allerdings nur selten in geordnetem Minimalismus sondern zumeist in einem sich selbst referierenden, selbst auflösenden Chaos. Die Verzierung der Präsentationsfläche wird zu ihrem eigenen Ausstellungsobjekt, das Framing wird zur Kunst an und für sich. Eine faszinierende Auseinandersetzung mit der Wirkung von Rahmenbedingungen und Kontextualisierungen der Kunst im musealen Milieu und eine nicht zuletzt auch bissige Abrechnung mit dem Ausstellungsfetisch der postkulturellen Epoche.

using high-resolution digital photographs of ornate frames at the louvre museum in paris as source material, i have taken frames and digitally filled them with the content of themselves.

this project was born of the idea that, on several visits to the louvre, i was often more interested in the artistic merit of the frame than the art itself. the result hopefully challenges the viewer’s notion not only of what art is, but the viewer’s own perceptions about where to find and appreciate art in various settings such as the louvre.

Fra[mes] by Taylor Holland via Minimal exposition

Die 80er Jahre: Die besten Epen und Historienfilme des Jahrzehnts II

Nachdem wir uns im letzten Artikel doch primär in mittelalterlichen Gefilden und archaischen Gefilden bewegt haben, geht es nun mitten hinein in die Historie der Neuzeit. Angefangen bei der Genie-Epoche und bei den großen klassischen Musikern Wolfgang Amadeus Mozart und Niccolò Paganini, die sehr eigenwillige nichtsdestotrotz mitreißende Biografien spendiert bekommen -, über den Freiheitskampf in Indien von Gandhi, den Kampf gegen die Apartheid in Schrei nach Freiheit bis hin zum Leben von Pu Yi, Der letzte Kaiser Chinas. Und einen kleinen Schlenker in die Antike gibt es dann auch noch: Die letzte Versuchung Christi als eigenständige, originäre Interpretation des Martyrium von Jesus Christus. Es wird eigenwillig, anders, stilverliebt… und vor allem episch. Nach dem Klick.

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Update or Die! – Schmelzende Skulpturen von Urs Fischer

Ich liebe ästhetische Apokalypsen: Wenn die Kunst in sich zusammenstürzt bis nur noch ein kläglicher Widerschein ihres einstigen Glanzes übrig ist, wird sie mit ihrer eigenen Rolle als Spiegelbild der menschlichen Bedürfnisse und mit ihrer Ohnmacht gegenüber Produzent und Rezipient konfrontiert. Die Apokalypse eines Kunstwerkes ist eine beinahe essentielle Erfahrung, stürzt sie doch das vermeintliche genialistische Original hinab in einen dionysischen Urgrund, zerstört dessen Künstlichkeit und entblößt so dessen Abhängigkeit vom eigentlichen Medium und menschlichen Umgang mit diesem. Genau deswegen liebe ich Rejected, The Fall oder eben die Melting Wax Sculptures von Urs Fischer, die ohnmächtig ihrer eigenen Vergänglichkeit gegenüber beinahe so etwas wie schmerzhafte Empathie mit dem wahrgenommenen, sterbenden Kunstwerk auslösen. Das Werk, es leidet unter seinem Zerfall… Hier gibt es noch einen spannenden Guardian-Artikel zu den Skulpturen… Gespenstisch:

Fischer’s candle-man haunted me later when I was walking the decaying streets of Venice. It will haunt me for a long time. It is a beautiful, funny, frightening emblem of time’s fatal arrow.

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