Klassiker des selbstreflexiven Kinos – Klappe die Sechste: Robert Altmans "The Player" (1992)

Normalerweise beleuchten Meta-Filme den kreativen Schaffungsprozess: Klassiker des selbstreflexiven Kinos nutzen den Blick der Regisseure, der Crew oder gar des Rezipienten, um die Möglichkeiten des Films auszuloten, aufzuzeigen und in kreisförmigen Bewegungen zu ihrer Ader zurückzuführen. Aber das Konzept des Films als Kunst, als Erweiterung des Geistes und als Medium zwischen Realität und Fiktion wird dabei konstant aufrecht erhalten. Mit seinem 1992er Film „The Player“ beschreitet Robert Altman einen anderen Weg: Film als Produkt, Film als Kommerz, Film als Tod der Kreativität. Willkommen in Hollywood. The Player ist ein zynischer Abgesang auf die Mechanismen des Big Business und die Ohnmacht der daran beteiligten Künstler.

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201 – Happy Birthday South Park

Eigentlich wäre es schon vor sieben Tagen an der Zeit gewesen. Aber da die zweihundertste Ausgabe der anarchischen Trickserie “South Park” ein Zweiteiler ist, können auch diese Woche noch Glückwünsche verteilt werden. Eine Doppelfolge also zum Jubiläum, und was für eine… Die Macher Trey Parker und Matt Stone gehen für die 200. und 201. Folge nicht den Weg, den Serien meist traditionell beschreiten – nämlich eine Best-Of-Clipshow zu veröffentlichen – sondern langen gleich in die Vollen. Bei all jenen, die jemals in der Kleinstadt auf die Schippe genommen wurden, bei all jenen, die sich darüber mokierten und nicht zuletzt auch bei jenen, die sich darüber mokierten, dass sich so viele über das Auf die Schippe Nehmen mokierten. Meta-Meta-Meta-South-Park… oder so ähnlich. Jedenfalls ein mehr als würdiges Jubiläum.

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Star Wars Uncut – Die Weltraumsaga erstrahlt in neuem Glanz

Manche Ideen sind einfach zu genial, um wahr zu sein…so wie die von Casey Pugh. Der Blogger und Sci-Fi-Fan zerlegte Star Wars in 15Sekunden-Schnipsel, damit diese von Fans, Hobbyfilmern und Nerds aus der ganzen Welt nachgedreht werden konnten…. und so war Star Wars Uncut geboren. Ziel des Projektes ist es einen vollständiges Remake von Star Wars aus den Mini-Einzelszenen zusammenzubasteln. Jeder darf mitmachen. Und entsprechend vielfältig sind dann auch die Interpretationen des Science Fiction Klassikers: Lego-Stop-Motions, Actionfiguren, wackelige Homevideos, Zeichentrickclips, Flash-Animationen, ambitionierte Nachverfilmungen des Originals… alles was mit (und auch ohne) Kamera möglich ist, ist vertreten. Und das erstaunliche: Die einzelnen, krass divergierenden Szenen fügen sich wunderbar zu einem harmonischen Ganzen.

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Die Freude am Nichts-Tun – Rezension zu Jakob Heins "Herr Jensen steigt aus" (2006)

Es scheint, als haben die Soziologen und Meinungsforscher, die Medien und Marktoptimisten einer ganzen Generation allzu hastig einen gewissen Stempel aufgedrückt. Die späten 70er und frühen 80er Jahrgänge, in der Jugend durch die 90er und beginnenden 00er sozialisiert galten lange Zeit als die Generation Karriere, die Generation Praktikum, die Verkörperung eines Arrangements mit neoliberalen Systemen und Werten. Kurzerhand wurden wir Kinder dieser Zeit zu den ideologielosen Aufsteigern erklärt, zu den im Leben verankerten, die sich von  den rebellischen Idealen der 68er ebenso distanzieren wie von der hohlen Spaßgesellschaft der 90er. Neue alte Werte stünden in unserem Mittelpunkt: Karriere, Erfolg, Familie, vielleicht auch Projekte für die etwas Orientierungsloseren… aber doch seien wir eine Generation der Tat, der Individualität und der Arbeit an sich selbst. Vielleicht war dies zu kurz gedacht. Denn nicht erst seit der großen Wirtschaftskrise hat sich eine Schattenkultur entwickelt, die so gar nicht in das Bild der aufstrebenden Jugend fügen will, die aber auch weit entfernt ist vom Idealismus ihrer Eltern-Generation. Die Rede ist von der Generation Kapitualtion, der Generation Langeweile, der Generation Tatenlosigkeit, der Generation resignativer Zynismus, deren Sprachrohre am ehesten noch Tocotronic und Rainald Grebe sind, deren genaue kulturelle Verortung ab nach wie vor aussteht. Jakob Hein hat mit seinem Roman “Herr Jensen steigt aus” 2006 versucht, ihnen ein simples aber dennoch greifbares Gesicht zu geben.

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Avatar II – My big fat Pandora versus the deathly hallows striking back at Muriel’s lethal Weapon: Reloaded!

Eigentlich wollte ich mir ja bezüglich Avatar-Lästereien selbst einen Maulkorb verpassen. Aber dieser satirische Trailer parodiert nicht nur gekonnt den Cameron’schen Größenwahn, sondern beweist  darüber hinaus in einigen Szenen eindrucksvoll, dass Avatar ohne CGI-Leuchtlandschaften und Motion Capturing vielleicht sogar besser ausgesehen hätte… Lustig ist er allemal.

Gefunden bei den fünf Filmfreunden

Viel Lärm um…? – Rezension zu Martin Walsers "Tod eines Kritikers" (2002)

Hans Lach habe offenbar sofort gegen Hans Ehrlkönig tätlich werden wollen. Als ihn zwei Butler hinausbeförderten, habe er ausgerufen: Die Zeit des Hinnehmens ist vorbei. Diese Ausdrucksweise habe unter den Gästen, die samt und sonders mit Literatur und Medien und Politik zu tun hätten, mehr als Befremden, eigentlich schon Abscheu und Bestürzung ausgelöst, schließlich sei allgemein bekannt, dass André Ehrl-König zu seinen Vorfahren auch Juden zähle, darunter auch Opfer des Holocaust.

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South Park, Staffel 14: Weiter gehts in Colorado…

Nach einer langen Wartezeit startet in zwei Tagen am 17.3. endlich die vierzehnte Staffel der anarchischen Zeichentrickserie South Park. Die Macher Trey Parker und Matt Stone gaben bereits bekannt, dass die erste Folge Sexual Healing sich voll und ganz den sexuellen Entgleisungen Tiger Woods widmen soll. Die Zuschauer dürfen sich wohl allem Anschein nach auf eine erneut grandiose Staffel mit allen klassischen Ingridenzien der Kultserie freuen: Anarchischer Humor, aktuelle Themen, derbe Wortwitze und viele Backpfeifen Richtung Politik, Popkultur und US-Prominenz.

Eine kleine Sneak Peek auf Youtube heizt die Vorfreude umso mehr an:

Schlingensief-Retrospektive I – „Terror 2000“ (1992)

Meine Damen und Herren, liebe Jungen und Mädchen, genießen Sie mit uns in den nächsten Minuten eine Welt voller Liebe, Angst, Sexualität und Tod. Genießen Sie mit uns die Welt, in der wir leben. Gute Unterhaltung.

Christoph Schlingensief ist dank Bayreuth und der Medialisierung / Theatralisierung seiner eigenen Krebserkrankung mittlerweile endlich in der Hochkultur angekommen. Völlig zurecht wird er von Feuilletons und Kulturinteressierten umworben und seine Arbeiten zählen zu den wichtigsten Beiträgen der deutschen Kulturlandschaft. Das dies allerdings nicht immer so war, zeigt Teil 1 unserer Schlingensief-Retrospektive: Der 1992 veröffentlichte Film „Terror 2000“

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Rezension zu Tarantinos "Inglourious Basterds"

Quentin Tarantino hat mit seinen Filmen ja schon so manche Schauspielerkarriere kräftig angekurbelt. John Travolta und Uma Thurman können davon sicher ein Lied singen. Und auch „Inglourious Basterds“ dürfte für einen Darsteller ein enormes Sprungbrett darstellen. Gemeint ist nicht Brad Pitt, der eh schon lange im Olymp weilt und der es abgesehen davon auch gar nicht verdient hätte, für seinen routiniert kühlen Auftritt in „Inglourious Basterds“ größere Lorbeeren zu ernten, sondern der Österreicher Christoph Waltz. Trotz einiger Auszeichnungen (u.a. den „Adolf-Grimme-Preis“) und diverser Rollen in Kino- und Fernsehfilmen wird Waltz für die meisten ein unbeschriebenes Blatt sein, was sich in den kommenden Monaten gewaltig ändern dürfte. Seine Darstellung des „Judenjägers“ Hans Landa hat ihm nicht nur den Preis für den „Besten Darsteller“ bei den Internationalen Filmfestspielen von Cannes eingebracht, sondern schreit auch geradezu nach einer Oscar Nominierung, für die übrigens Kritikerguru Roger Ebert vehement plädiert. Verdient hätte Christoph Waltz eine Nominierung schon allein deswegen, da er den Dreh- und Angelpunkt des neuen Tarantino darstellt. An dieser Stelle wird nun auch deutlich, warum „Inglourious Basterds“ einen eher schwächeren Film im Schaffenswerk von Tarantino darstellt:

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Er kam, sah und schockierte (Rezension zu Cohens "Borat")

boratPlakat

Jagshemash!

Und mein Name Johannes. Ich bin sehr aufregend, sehr aufregend, denn ich euch heut erzählen über ein Films, das euch Lachens macht wie nie zuvor, obwohl es euch Weinens machen sollte. Klingen interessant? Passen auf:

Es kann ja so einfach sein, einen erfolgreichen Film zu drehen. Man erfindet eine Kunstfigur, vereint in ihr alle Klischees, die die Mottenkiste so ausspuckt, schickt sie in die ferne „U.S. und A.“ und lässt das Übrige mehr oder weniger auf sich zukommen. So geschehen beim britischen Komiker Sacha Baron Cohen, der in der Rolle des frauenfeindlichen, antisemitischen Steinzeit – Reporters Borat aus Kasachstan quer durch die Staaten reiste und dort vorgab, für das kasachische Fernsehen zu filmen, damit sein Heimatland vom „American Way of Life“ lernen kann. Aus diesem Filmmaterial bastelte Cohen schließlich einen der kontroversesten Filme der letzten Jahre, zog sich den Unmut von Privatpersonen wie Regierungen zu, und all das nur, weil in bester „Michael Moore“ – Manier einige Dinge ans Tageslicht kamen, die nicht so ganz in unsere Spaßgesellschaft passen wollen. Na ja, und natürlich auch aufgrund der Tatsache, dass es an allen Ecken und Enden vor Schweinereien nur so wimmelt. weiterlesen