Schlagwort-Archiv: Radio

Aufklärung für Kinder von Walter Benjamin

Der Walter Benjamin war ein Guter, ein wirklich Guter. Dafür, dass sein Aura-Begriff von konservativen Kunst-Metaphysikern vollkommen überintrepretiert wird, kann er jedenfalls nicht, denn über Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit (Partnerlink) hinaus hat er sich immer als kritischer Weiterführer aufgeklärter Gedanken im Geiste eines dialektischen Materialismus verstanden, ohne dabei jemals zu ideologisch zu werden. Ganz im Gegenteil: Benjamin gehörte zu den wenigen Anti-Ideologen, den differenzierten Beobachtern und Kritikern moderner Erscheinungen und ist damit auch in unserer heutigen postpostpostmodernen Zeit immer noch unendlich wertvoll. Ebenfalls in der Rolle des kritischen Aufklärers hat er von 1929 – 1932 in der Jugendstunde des Berliner Rundfunks aus seinen Texten gelesen.

Der Journalist Harald Wiese hat diese Texte wiederentdeckt und unterlegt mit eleganter Musik von Ulrich Mückenberger neu eingelesen. Das Ergebnis sind wunderbare philosophische Kleinode für Kinder und Jugendliche, die man aber auch sehr gut jenseits des 18. Lebensjahres genießen kann… Und das beste: Bei ubu gibt es das alles kostenlos als MP3s zum Downloaden und Hören.

Aufklärung für Kinder von Walter Benjamin (MP3s) via Ruhrbarone

Kurzfilm der Woche: Peter in Radioland

Großartiger Hybrid aus intimem Dokumentarfilmporträt und symbolistischem Trip tief hinein in das Befinden des Protagonisten. In “Peter in Radioland” folgt Regisseurin Johanna Wagner ihrem Vater, der unter Depressionen leidet, sich im digitalen Zeitalter nicht mehr heimisch fühlt und sich in seine ganz eigene Welt zurückgezogen hat, in der er alte Radios sammelt und Vinyl-Platten lauscht. Ein fesselndes und spannendes Porträt an der Schnittstelle von Authentizität und artifizieller Brechung.

This documentary follows Peter, my father, who is 63 years old and on sick leave. He spends most of his time alone, in his bedroom, contemplating his past. Little makes sense to him anymore in a world made up of zeros and ones. He finds modern technology difficult and prefers to retreat into his analogue world, made up of his old vinyl records, projectors and long-wave radios. Comforted by these, his memories and his loving wife, Peter is left yearning for the old days.

With a mixture of stop-frame animation, super8 footage and observational video footage, this film shares with us a common fear of change portrayed through my father’s struggle to find his place in the digital world. Peter in Radioland was made in association with the Bridging the Gap Scheme 2009.

http://www.johannawagner.com/peter.html

Peter in Radioland  (Großbritannien 2009)

Regie: Johanna Wagner

Zombiefilm Pontypool auf Arte+7 online

Vor kurzem noch in eine Reihe von aktuellen Zombiefilmen gestellt, die dem Genre neue Impulse geben, wurde Pontypool vorgestern auf Arte ausgestrahlt… und ist – Freude, Freude – daher für die nächsten 7 6 Tage auf Arte+7 im Stream verfügbar. Der kanadische Film hat zwar gerade gegen Ende seine Schwächen und kann seine Low Budget Herkunft nie so ganz verbergen, begeistert aber über weite Strecken als grimmiger Zombiestreifen, bei dem sich der Schrecken größtenteils akustisch und durch vage Informationshäppchen entwickelt. Also ansehen, so lange noch die Möglichkeit dazu besteht!

Direktlink via Nerdcore

Und wo ich gerade dabei bin, kann ich via Filmfreunde noch schnell auf das auf dem Film basierende Hörspiel der BBC hinweisen, das wie der Film viel zu lange an mir vorbeigegangen ist. Habe noch nicht reingehört, aber als “Radiofeature” funktioniert das Teil vielleicht sogar noch besser als visuell:

Worldplay: Pontypool for World Drama

 

Rapid Music Movements – Retrospektive zum neuem R.E.M. Album “Collapse Into Now”

Die Welt dreht sich weiter und R.E.M. veröffentlichen wieder ein neues Album. Seit nunmehr fast 30 Jahren erfreuen die Alternative-Rocker ihre Fans mit regelmäßigen, neuen Veröffentlichungen: Mal laut und kratzbürstig, mal experimentell, mal mit Pop und Harmonie flirtend, mal mit großem Stadionrock Gestus und dann wieder ganz zurückgezogen, melancholisch und nachdenklich. Über ein Dutzend Gründe, sich ihrer Discographie genauer anzunehmen…

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Introducing…Ted Williams – The “Homeless man w/golden radio voice”

Jaja, wir sind natürlich schon wieder zu spät dran. Eigentlich nur ein paar Stunden, was ja in Internet-Zeitrechnung schon eine halbe Ewigkeit ist. Die Story von Ted Williams, der durch Drogengeschichten auf der Straße landet, ist erstmal tragisch und eigentlich die übliche “Karriere” einesObdachlosen. Wenn aber schon am Anfang des Videos Ted als “Mann mit der goldenen Radiostimme” angekündigt wird und wir später einem älteren Mann mit genau dieser Stimme hören, ist das eine tolle kleine Geschichte, die fast schon so sehr nach Hollywood klingt, daß man einen Fake vermuten könnte. Für Ted Williams scheint es jedenfalls nach dieser Youtube-Erfolgsstory wieder nach oben zu gehen:

Well everyone. You can give yourselves and Ted a high-five. He’s being given offers hand-over-fist over the air. He’ll be set for life.

My request to all. Whenever you run across a story such as this, don’t assume it’ll take a life of its own, on its own. It won’t. It can’t. There are too many other stories that drown out the one before it.

You need to spend time to get that story and its word out to many. If you care, you’ll do it.

Keep the faith, pay forward and always lend a hand; even if you’re the one who needs it.

God bless Mr. Williams. I’m sure we’ll be seeing more of him for sometime to come.

Hier nun das Video, welches erst vor ein paar Tagen on ging und aktuell schon knapp 5 Mio. Clicks hat.

via Nerdcore

Die 00er Jahre: Die besten Pop-Alben des Jahrzehnts I

Wir unterbrechen unsere Reihe der vergessendsten Alben der 00er kurz für das genaue Gegenteil. In diesem zweiteiligen Special wollen wir euch die besten Pop-Alben des vergangenen Jahrzehnts vorstellen. Da Popmusik zu definieren, ein Mammutprojekt darstellt und es zu dem Thema ebenso viele Experten wie Meinungen gibt, begnügen wir uns zur Einleitung mit einer kleinen Checkliste, die ohne Anspruch auf Allgemeingültigkeit, unsere Definition von Pop für die hier genannten Alben deutlich machen soll. Und dann geht es auch gleich zur Sache: Mit einem frischen  britischen Comicteam, Helden der Neuen Neuen Deutschen Welle, einer jungen Songwriterin, Funk und Soul von der Insel, sympathischem Folk-Pop, den Gestrandeten des Brit-Pop, einem elektronischen Spielplatz und einem abtrünnigen Ex-Boygroup-Boy. Alles frei nach dem Motto: Gebt uns Melodien, gebt uns Hooklines, gebt uns Ohrwürmer, gebt uns Hits, gebt uns Musik für die Massen!

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