Schlagwort-Archiv: Poststrukturalismus

(Ich setze das mal in eine Klammer…

( entre )

…denn so macht es auch Gregory Edelein mit so ziemlich allem, was er auf freier Wildbahn findet. Uns wurde irgendwann mal (zumindest soweit ich mich erinnere in der Schule) erklärt, dass Klammern meist ein schlechtes Stilmittel in einem Text sind (und meist auch ein Zeichen dafür, dass der Autor seine Gedanken nicht richtig sortieren kann). Ich sehe das anders: Klammern sind ein perfektes (Stil-)Mittel, um Einschübe vorzunehmen, ohne mit diesen einen ganzen Text zu überrennen (das haben sie übrigens auch mit ihrem – möglicherweise etwas eleganteren, poetischen – Pendant, den einschiebenden Gedankenstrichen gemeinsam).

Im Grunde genommen kann die akademische und kulturelle Welt gar nicht genug Klammern und Gedankeneinschübe besitzen (ganz zu schweigen von großartigen Denkern wie Derrida, die (zumindest scheint es mitunter so) ihre gesamte Philosophie einzig auf Klammern aufbauen). In diesem Sinne: Danke, Herr Edelein.

Interventions Paysage via Kulturtechno )

Kurzfilm der Woche: Fragments

Shewwww… da hat jemand die poststrukturalistischen Theorien des fragmentierten Subjekts aber ziemlich wörtlich genommen. Hugo Bravos Fragments ist ein spannend umgesetzter, minimalistisch inszenierter Kampf zwischen zwei Menschen, in einer Welt, die zerfällt und dabei die Subjekte permanent mit sich mitreißt. Klingt zu abstrakt? Ist es auch… aber gerade deswegen entsteht aus dem minimalistischen Setting, trotz der Kürze, eine unfassbar epische Auseinandersetzung mit Ich, Anderem und Welt.

Realisierung und Konzept: Hugo Bravo.
Produktion : Dimitri Cohen-Tanugi, Alexis Laffaille, Pierre Razetto, Morgane Souris.
Schauspieler: Pierre Razetto und Mehdi Leffad.

via Seitvertreib

Eine Bibel ohne Gott…

…und zwar im wahrsten Sinne des Wortes. Die Künstlerin Jessica Wohl hat aus einer Bibel das Wort Gott ausgeschnitten, konsequent auf jeder einzelnen Seite. Das Ergebnis, die Godless Bible (2008) beweist nicht nur, wie omnipräsent der Schöpfer im heiligen Werk ist, das jetzt von zahllosen leeren Stellen gesäumt wird, sondern ist darüber hinaus auch eine faszinierende Versuchsanordnung, die den wesentlichen Bestandteil einer Mythologie aus dieser entfernt und dadurch den Blick auf die Peripherie öffnet. Quasi eine radikale Dekonstruktion der christlichen Metaphysik, indem die weißen Flecken, die die Strukturierung eines Werkes vorgeben, ohne selbst in den Vordergrund zu drängen (Derrida) mit Gewalt erzeugt werden. Jessica Wohls eigene Erklärung des Projekts dagegen ist von einem sehr konkreten, weniger poststrukturalistischen Gedankengang geprägt:

I believe that God is invisible. We may see proof of God’s existence, but we don’t see God himself.  I made a bible that mimics reality. I wanted to know what becomes of the bible if “God” can no longer be seen in it.

via We like that

Die 00er Jahre: Die besten Dokumentarfilme des Jahrzehnts I

Bevor wir unsere 00er-Filmretrospektive endgültig dicht machen, widmen wir uns den großen nonfiktionalen Filmen des Jahrzehnts. Es gab viele spannende, interessante, mal mehr, mal weniger authentische, mal mehr, mal weniger stilisierte Dokumentarfilme in diesem Jahrzehnt. Naturbetrachtungen ebenso wie Medien- und Kulturgeschichtsstunden, Pop-Reflexionen, politisch engagierte Werke und vieles dazwischen. Die besten dieser Filmgattung passen – wie sollte es auch anders sein – nicht in einen Artikel und so gibt es in Kürze noch einen kleinen Nachschlag. Hier auf jeden Fall schonmal die erste Portion Realistisches, Wahres und Dennoch Schönes. Die besten Dokumentarfilme des Jahrzehnts, wie immer nach dem Klick.

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Intertextuelles Plagiatspanorama – Die endgültig allerletzte Meinung zu Helene Hegemann

(von Florian Bayer)

Dieser Text ist ein Plagiat! Dieser Text ist nicht selbst geschrieben. Er ist ein intertextuelles Panorama. Er enthält ohne genaue Quellenangaben Textschnipsel, Sätze und ganze Absätze von folgenden Autoren und Institutionen: DPA, Daniel Haas, David Hugendick, Pulp Fiction, Tocotronic, Louis Borges, Peter Kordt, Bob Dylan, Deef Pirmasens, Florian Bayer, die Gefühlskonserve, Ursula März, Jaques Derrida, Johann Wolfgang von Goethe, Jürgen Graf, BILD, Airen, FAZ, Gelnhäuser Tagesblatt, Christof Kerkmann, Die Zeit, Spiegel, Miguel de Unamuno, Christoph Menke, Stern, evangelisch.de, Dirk von Lowtzow, Helene Hegemann, wikipedia.de, Burghart Schmidt und Friedrich Schiller.

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"Geiles Buch, Hammeralbum, Scheiß Film!" – Subjektivität und Objektivität in der Bewertung von Kunstwerken

Es ist immer wieder die selbe Leier: Egal ob Film- Musik- oder Literaturkritik, die Frage nach der objektiven Klasse eines Kunstwerks schwebt drohend im Raum. Wie ein Damoklesschwert hängt sie über dem Medium der Kritik und immer wenn man glaubt endlich in der Postpostmoderne angekommen zu sein, wo alles relativ, subjektiv und rezipientenabhängig ist, kommt irgendjemand daher und sticht gnadenlos mit dem Objektivitätsschwert zu. Wenn man Staubsauger, Mikrowellen und Plasmafernseher objektiv bewerten kann, indem man Emissionen, Bildwiederholungsraten und physikalische Leistung misst, wieso dann auch nicht Kunstwerke? Immerhin besteht die ganze abendländische Tradition der Kunstrezeption in der Suche nach dem objektiven Qualitätsmerkmal: das Gute, das Schöne und das Wahre, Kunst mal als Natur – x, mal als Natur + x, mal als Supranaturalismus aber immer Kunst mit dem Anspruch die objektiv richtige Kunst zu sein. Und darüber will sich das 21. Jahrhundert tatsächlich erheben? Plötzlich heißt es: Subjektivismus, jede Kritik ist subjektiv, jedes Werturteil rezipientenabhängig, jeder Geschmack hat seine Berechtigung und so weiter und so fort. Die Subjektivität hat Einzug in die Ästhetik gefunden und das Damoklesschwert des Objektiven wird stumpfer und stumpfer. Jeder ist nun Kritiker, jeder hat sein eigenes Urteil, seine eigene Meinung, die ihm viel wert ist und die professionelle Kritik – wenn es denn jemals so etwas gab – verliert immer weiter an Boden.

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