Animated Short der Woche: Good Books – Metamorphosis

Hunter S. Thompson trifft auf Franz Kafka in diesem großartigen, visuell und inhaltlich beeindruckenden Short, der zwar nur ein Commercial für den Online Buchhandel Good Books ist, dafür aber ungemein künstlerisch und anspruchsvoll daher kommt. Good Books gehört dann auch tatsächlich, wie der Name schon sagt, zu den Guten, gehen doch 100% ihres Retail Profits an Charity Projekte von Oxfam International. Was es zu sehen gibt, ist also große Unterhaltung für eine tolle Sache… und das ist jetzt doch echt Mal ne Aufnahme in die Animated Shorts der Woche wert.

It is not very often that we have the opportunity to create a graphic equivalent of a drug fueled rant bringing all of our collective skills to bear. And it is almost unfathomable that we could actually do something like this and benefit a good cause.

The Buck team dug deep, channeling our inner gonzo, to direct and produce this homage promoting Good Books, the online bookseller that passes all its profits through to Oxfam. A big thanks to String Theory in NZ for bringing us this script, Antfood for their amazing audio stylings, to Thor for giving his voice and to all the artists who made this something we are proud of.

via Open Culture

Links fürs Wochenende

Der Tod und das Social Web

Thomas Gigold über die Rolle der digitalen Sphäre am Ende des Lebens.

Die Grass-Debatte:

Puh, da gibt es so viel, dass ich gar nicht weiß, wo ich anfangen soll. Nee, okay… eigentlich ist es klar. Natürlich erstmal mit dem Gedicht selbst, Was gesagt werden muss. Einen guten Kommentar gibt es von Josef Joffe, der sich Gedanken über den innerlichen Antisemitismus Grass’ macht: Der Antisemitismus will raus. Etwas handwerklicher geht da Frank Schirrmacher vor, der das Gedicht auseinander nimmt und unter dem Titel Was Grass uns sagen will eine mögliche Interpretation anbietet.

Die SZ selbst stellt noch einmal einen kleinen Überblick der empörten Reaktionen zusammen, die auf Grass in den letzten Tagen hereingeprasselt sind. Laut dem Postillon haben die Vereinten Nationen ein Tinten- und Pfeifentabakembargo über Grass verhängt. Broder stellt fest, Günther Grass sei zwar nicht ganz dicht, aber ein Dichter, während einer der wenigen wohlwollenden Kommentare von Thomas Nehls stammt. Dieser verlangt Friedenspreis statt Schelte für den in der Kritik stehenden Lyriker. Dieser hat selbst natürlich auch nochmal reagiert (siehe Video unten), woraufhin Arno Frank feststellt, dass sich Grass nur noch weiter in seinem selbstverzapften Unsinn verstrickt. Und Broder langt in diesem Fall auch nochmal nach: “Ein autoritärer Knochen spielt verfolgte Unschuld”… Meiner Meinung nach summa summarum viel zu viel Aufregung um ein politisch eindimensionales, unterdurchschnittliches Gedicht.

Sensationalist Movie Posters, 1956-1973

Futter für die Augen vom Retronauten

Eine kurze Geschichte vom Kopieren und Kapieren

Wolfgang Messer begibt sich auf eine kleine Zeitreise in die Geschichte der analogen und digitalen Kopie des 20. Jahrhunderts:

Kein (Urheber-, Nutzungs-, Lizenz-, Leistungsschutz-, Anti-Produktpiraterie-)Recht der Welt – und sei es auch noch so neu und genial konstruiert – wird die Zeit komplett zurück drehen können. Es wird allenfalls noch notdürftig ein paar Wunden verbinden und Brüche schienen, aber nichts mehr wirklich heilen. Möglicherweise richtet es stattdessen sogar neuen Schaden an. Viele Chancen vertan und wenig kapiert, schon lange.

Gottes geliebte Söhne

Er ist homosexuell und Kandidat für das Priesteramt. Die katholische Kirche sieht das nicht vor, sie nennt sein Leben „ungeordnet“. Anvertrauen kann sich der junge Mann niemandem – und ringt mit seiner Berufung.

Die sixtinische Kapelle online

Ein wenig Besinnung für die feierlichen Ostertage, inklusive sakraler Klänge und interaktiver Features.

Machen Pornofilme Religiöse (un-)glücklich?

Pornofilme werden von glücklich Verheirateten seltener angeschaut und machen auch nicht wirklich glücklich. Aber massiv beeinträchtigen sie das Lebensglück (nur) jener, die glauben, dass solche Filme zu verdammen seien – und sie dennoch anschauen.

Die Handelsblatt-Debatte:

Das Handelsblatt, das Autoren auch gerne mal Kriegserklärungen an die Netzgemeinde schreiben lässt – hat unter dem Slogan Mein Kopf gehört mir die Statements von “mehr als hundert Vertreter aus Kunst, Medien, Wirtschaft, Wissenschaft und Politik” zu Urheberrecht und geistigem Eigentum veröffentlicht. Reaktionen aus der “Netzwelt” ließen natürlich nicht lange auf sich warten: So stellt Marcel Weiss auf Neunetz fest, dass sich unter den 100 Handelsblatt-Kreativen gerade mal 26 Kreativschaffende, dafür aber 47 Manager befinden und spricht von einer kompletten Selbstdemontage des Handelsblatt, während  Markus Beckedahl dem Wirtschaftsmagazin Kampagnen”journalismus” vom Feinsten attestiert. Schön bissig nimmt Thomas Knüwer den zu den Promi-Statements veröffentlichten Artikel auseinander: Das Handelsblatt schwurbelt durch die unreale Welt lautet sein Fazit.

Auch Dirk von Gehlen meldet sich zu Wort: Vom Wissen der Wichser, ebenso Stefan Niggemeier, der passend feststellt Euren Kopf habt ihr längst verloren und den Verantwortlichen der Kampagne einige weitere lesenswerte Links ans Herz legt. Eine ebenfalls gute Linksammlung haben die Piraten auf Google+ zusammengestellt, während Richard Gutjahr zum anschwelenden Twitter-Shitstorm verschmitzt feststellt:

Letztes Jahr auf Seite360:

Florian sinniert über Grenzen und Möglichkeiten des aktuellen Zombiefilms und sucht in der Veröffentlichungsflut des Jahres 2011 nach hörenswerten Alben für den April. Fündig wird er bei den Mountain Goats, Za!, Explosions in the Sky und Colin Stetson. Für den nötigen Schub Nostalgie sorgen die besten Komödien der 90er Jahre. Ansonsten freuen wir uns alle so wie dieses Jahr (ähmm) am schönen Wetter und geben uns diversen Frühlingsgefühlen hin.

Die 80er Jahre: Die besten Horrorfilme des Jahrzehnts VI

Die besten Horrorfilme der 80er Jahre… Klappe die Sechste und Letzte. Wir verabschieden das Jahrzehnt mit einer ganz hochkarätigen Riege an wirklich, wirklich, wirklich abgefuckten Filmen. So dürfen nun auch die Surrealisten vorbeischauen, so zum beispiel Alejandro Jodorowsky, der sich bei Santa Sangre munter bei Hitchcock, Giallo, sich selbst und wahrscheinlich unzähligen LSD-Fantasien bedient. Oder Bigas Luna, der in Angustia die vierte Wand und die selbstzufriedene Sicherheit der Zuschauer komplett einreißt. Für weitere WTFs ist auch Pfui Teufel – Daddy ist ein Kannibale gut, der sich nicht so ganz für ein Genre entscheiden kann und deswegen gleich ein Dutzend davon in einem satirischen Horrortrip für sich vereinnahmt. Ebenfalls diffus, nicht nur im Hinblick auf die Genrewahl, ist Već viđeno, der gemeinhin als Klassiker des serbischen Horrorfilms rezipiert wird (was auch durchaus Sinn macht, weswegen er hier ebenfalls auftaucht), dabei aber in seiner politischen Mischung aus Kafkaeskem Wahn, Satire, Psychodrama, Psychothriller und Gore-Alptraum weitaus mehr ist als bloßes Genrekino. Zu guter Letzt gibt es mit dem Horror-Alligator doch noch etwas bodenständigeren, nichtsdestotrotz grandiosen, Tierhorror zu sehen. Also noch einmal Atem anhalten, Klicken und demnächst wieder in die Videothek rennen. Nicht nur die besten, sondern auch die ungewöhnlichsten Horrorfilme der 80er Jahre folgen nach dem Break.

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Happy Birthday, Akira Kurosawa

Wohl kaum ein anderer Regisseur konnte so geschickt westliche Narration mit östlicher Stilistik verbinden, wie der großartige japanische Regisseur Akira Kurosawa (* 1910; † 1998). Aus Klassikern der europäischen Kulturgeschichte wie Maxim Gorkis Nachtasyl (1901), Fjodor Dostojewskis Der Idiot (1868) und William Shakespeares Macbeth (1623) inszenierte er verwobene, verspielte Filme, große Epen und kleine, menschliche Geschichten. Dabei verbanden seine Filme immer historische Ereignisse mit aktuellen, zeitgeschichtlichen Fragen und universellen Topoi: So wie im Klassiker Die sieben Samurai (1954), in dem Eastern und Western eine fantastische Melange eingehen, während im Hintergrund Themen wie Ehre, Stolz und kriegerische Mentalitäten abgehandelt werden. Es ist kaum ein Zufall, dass dieser Film vom Westen nicht nur zahllos rezipiert sondern auch gleich adaptiert wurde, am stärksten wohl in dem Quasi-Remake Die glorreichen Sieben (1960).

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Garfield the Deconstructor

Bei diesen ganzen postpostmodernen Pop-Art Mashups spielt ja auch immer ein wenig die Musik der inhaltsleeren Referenzgeilheit im Hintergrund mit. Bei den Garfield-Dekonstruktionen von Tim Head jedoch sieht die Sache vielleicht ein bisschen anders aus: Wenn sich die Pop- und Comic-Ikone auf einem klassischen Gemälde wie der Mona Lisa oder dem ikonographischen Foto der rauchenden Türme des World Trade Centers ausbreitet, eröffnen sich gleich ein Dutzend Subtexte: Von einer Kritik an der destruktiven Ader der eben genannten Mashup-Kunst über eine generelle Auseinandersetzung mit der Lazyness der amerikanischen Popkultur bis hin zu einer Darstellung der subversiven Ader, die das Mashup-Prinzip per se in sich birgt.

Anyway, wem das zu viel Subtext ist, der kann diese – im Grunde ziemlich radikalen – Garfield-Dekonstruktionen auch einfach als schicke Prints bei Tim Head bestellen und an seine Wand zwischen Olly Moss und Banksy-Prints hängen. Ich warte weiter auf den Print, auf dem Garfield einen Garfiel-minus-Garfield Comicstrip okkupiert.

via

Animated Short der Woche: Plato

Irgendwie schon ein bisschen schade, dass unsere cineastischen Weekly-Rubriken derzeit so unschön brach liegen… daher gibt es heute das volle Short-Programm… Naja, nicht zuletzt auch deswegen, weil ich meinen RSS-Reader ein wenig säubern will und bei den labeled News noch ne Menge Shorts rumzuliegen habe. Los gehts mit dem mehrfach ausgezeichneten Plato von Léonard Cohen (der nichts mit dem Suzanne-Sänger zu schaffen hat): Ein postmoderner, wunderbar selbstreferenzieller Zeichentrick-Trip zwischen zwei und drei Dimensionen:

Falling up, tumbling sideways, profound flatness and zigzagging lines. Hey, man! Where’s your cube? Welcome to Plato, somewhere between anamorphosis of reality and severity of imagination.

Techniques utilisées : Animation traditionnelle papier et volume
Logiciels : Final Cut, After Effect
Réalisation, scénario, graphisme et montage : Léonard Cohen
Musique : Romain Blanc-Tailleur, Pierre Bertaud du Chazaud, Mikaël Charry
Bruitages, Mixage : Quentin Romanet
Production : EnsAD/La Ménagerie/XBO films

via Seitvertreib

Empathie und Neugierde als Konzept – Alexander Kluge zum Achtzigsten

Ich würde gerne behaupten, dass mein erster Kontakt zu Alexander Kluge im Schauen des Meisterwerks Die Artisten in der Zirkuskuppel: ratlos (1968) bestand, oder im Lesen des Klassikers Öffentlichkeit und Erfahrung (1972). Ich befürchte aber, dass ich wie so viele andere meiner Generation auf Kluge zum ersten mal im Fernsehen gestoßen bin. Und sei das nicht schlimm genug auch noch im Privatfernsehen, irgendwann im Nachtprogramm beim Zappen zwischen Tutti Frutti und Schulmädchen-”Reportagen”… und wahrscheinlich ebenfalls verbunden mit der Frage: “Was soll das? Ich will Stoff für meine frühpubertären Hormone, keinen Mann, der im Mönchskostüm zum fünften Evangelium befragt wird!” Der Mann im Mönchskostüm war Peter Berling, und Alexander Kluge existierte seinerzeit für mich nur als Stimme hinter der Kamera, die mit skurrilen und intelligenten Nachfragen den Historiker in seiner Rolle immer wieder ordentlich in die Bredouille brachte.

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Blood Piss Blues – Düstere Gemälde aus der Ader des Künstlers

Mit Körpersäften zu malen ist sicherlich nicht DIE neuste Erfindung der postmodernen Künste. Insofern dürfte das dann auch nur eine kleine Randnotiz zu den wirklich herausragenden Werken von Vinicius Quesada wert sein. Dieser entwirft aus Blut und Urin grotesk-grausame, düstere und mitunter auch surreale Gemälde, die zwischen Postmoderne, Pop Art und diabolischem Naturalismus pendeln. Erstaunlich ist dabei nicht nur die Qualität seines Outputs, sondern ebenso die Qualität. Auf Vinicius Quesadas Website und in seinem Flickr gibt es unzählige der morbiden Bilder, die auch vollkommen ohne die “Randnotiz” als eigenständige Kunstwerke funktionieren. Trotz seines provokanten künstlerischen Stils gibt sich der Maler selbst übrigens angenehm geerdet und philantropisch:

I’ve been taking a break since March, saving some blood. People often want to offer me their blood, but I advise them to donate it to blood banks, which need it much more than art.

via My modern Metropolis, via Flavorwire

Links fürs Wochenende

R.I.P. Zdeněk Miler

Schöner – relativ kurzer, für Nerdcore-Verhältnisse ziemlich langer – Nachruf auf den Erfinder des kleinen Maulwurfs.

Eine Sozialistin die im Sozialismus aneckte

Nachruf auf die diese Woche ebenfalls verstorbene Autorin Christa Wolf.

Sprache diskriminiert

Grundsätzliche Überlegungen zu Sexismus und genereller Diskriminierung in der deutschen Sprache:

Sprache „kann“ nicht nur diskriminieren, Sprache diskriminiert. Und wir diskriminieren durch Sprache, jedes Mal, wenn wir den Mund aufmachen.

Mythos Mozart-Effekt

Und ein weiterer bildungsbürgerlicher Mythos, mit dem ich groß geworden bin, wird mit der Realität konfrontiert. Wir werden nämlich keineswegs schlauer, nur dadurch, dass wir Mozart hören. Auweia, wenn das mein Vater erfährt…

YouTube & GEMA: Ein Appell mit Bitte um Unterstützung

Bewegen tut sich hinsichtlich des Streits zwischen Google und der GEMA jedoch auch nach vielen, vielen Monaten anscheinend gar nichts. Ich bilde mir aber inzwischen durch viele Gespräche ein wenig mehr Durchblick in der Sache ein und glaube, dass es eine Lösung gibt, wenn sich beide Parteien einen Ruck geben. Um diesen Ruck etwas zu forcieren, skizziere ich einen Lösungsansatz in den nächsten Absätzen und bitte durch Verlinkungen dieses Artikels und durch kurze Kommentare um Eure Unterstützung. Ich werde sowohl die GEMA als auch Google um Stellungnahmen zu diesem Artikel bitten, denn vielleicht können wir als Musik- und Netznutzer für ein wenig Druck sorgen.

Kids react

Großartiger YouTube-Channel, den ich seltsamerweise erst vor kurzem entdeckt habe. Kinder von fünf bis dreizehn Jahren reagieren auf virale Videos (wie die Annoying Orange), Meme (wie Planking), Netzstars (wie Rebecca Black) und sonstige Filme (Trailer, Nachrichten etc…). Einfach nur großartig, zumal die kommentierenden Kinder ziemlich schlagfertig, intelligent und witzig sind. Teens react gibt es auch, von den selben Machern, kommt aber an dieses tolle Format nicht heran.

100 Regeln für Filmbösewichte

Ich weiß: Das ist alt. Richtig alt. Ich glaube ich habe diesen Text zum ersten Mal in meiner Schulzeit gelesen (und die is schon en bissel her, ne) und bin jetzt eigentlich nur deswegen drüber gestolpert. Egal, das funktioniert nach wie vor und ist auch heute noch sau komisch. Falls ihr das also in der Websteinzeit verschlafen habt, lest es unbedingt… Es lohnt sich.

Nostalgia Critic MUSICAL REVIEW: Moulin Rouge:

Letztes Jahr auf Seite360:

Zur Erinnerung an Leslie Nielsen (der im November letzten Jahres starb) gibt es ein kleines Best-Of seiner lustigsten Auftritte. Rinko erinnert sich in unserer Nu Metal Retrospektive an die Genre-Pioniere Limp Bizkit und widmet sich noch einmal ausführlich den 90er Jahre Alben von Oasis.

Klassiker der bildenden Künste fotografisch nachgestellt

Das Blog BOOOOOOOM! hat zur großen Remake-Aktion aufgerufen und zahllose Fotografen haben daran teilgenommen. Heraus gekommen ist eine schier unüberschaubare Anzahl großartiger Fotos, die Klassiker der Bildenden Künste von Botticelli über Dali und Beuys bis hin zu Kahlo nachstellen. Manchmal erstaunlich originalgetreu, manchmal dekonstruktivistisch, putzig gebrochen, manchmal sachte modernisiert oder in einem zeitgenössischen Kontext gesetzt. Oben seht ihr Leonardo Da Vincis Das Abendmahl (1498) im Original, darunter das Remake von Kiran McCandless. Eine kleine Auswahl meiner persönlichen Favorites gibt es dann auch noch nach dem Klick. Die Liste auf BOOOOOOOM! selbst ist aber wirklich so unglaublich lang, dass ein Vorbeisurfen an dieser Stelle unbedingt zu empfehlen ist.

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Mysteriöse, postimpressionistische Gemälde von Geoffrey Johnson

Zwischen klassischem, prämodernen Impressionismus und verspielter, narrativer Pop-Art, zwischen Melancholie und Mysterium, zwischen grau verschleierten Sepia-Tönen und dichten, satten Farbgebungen… Die mysteriösen, apollinischen Gemälde von Geoffrey Johnson pendeln stets sowohl zwischen den Stilmitteln als auch Inhalten. Faszinierende, hermetische Puzzles, auf denen der Schein zum Sein wird…

Weitere Gemälde von Geoffrey Johnson in der Hubert Gallery

via The Fox Is Black

Eine Bibel ohne Gott…

…und zwar im wahrsten Sinne des Wortes. Die Künstlerin Jessica Wohl hat aus einer Bibel das Wort Gott ausgeschnitten, konsequent auf jeder einzelnen Seite. Das Ergebnis, die Godless Bible (2008) beweist nicht nur, wie omnipräsent der Schöpfer im heiligen Werk ist, das jetzt von zahllosen leeren Stellen gesäumt wird, sondern ist darüber hinaus auch eine faszinierende Versuchsanordnung, die den wesentlichen Bestandteil einer Mythologie aus dieser entfernt und dadurch den Blick auf die Peripherie öffnet. Quasi eine radikale Dekonstruktion der christlichen Metaphysik, indem die weißen Flecken, die die Strukturierung eines Werkes vorgeben, ohne selbst in den Vordergrund zu drängen (Derrida) mit Gewalt erzeugt werden. Jessica Wohls eigene Erklärung des Projekts dagegen ist von einem sehr konkreten, weniger poststrukturalistischen Gedankengang geprägt:

I believe that God is invisible. We may see proof of God’s existence, but we don’t see God himself.  I made a bible that mimics reality. I wanted to know what becomes of the bible if “God” can no longer be seen in it.

via We like that

Links fürs Wochenende

Postmoderne, Peinlichkeiten und die allmächtige Ironie

Nina Pauer untersucht für die ZEIT unter dem Titel “Wenn Ironie zum Zwang wird” die Mechanismen der Peinlichkeit und Ironie im postmodernen Diskurs und macht einen Schlenker von aktuellen Casting-Shows zum 80er- und 90er Trash-Revival. Dies veranlasst Lukas Heinser zu einer ziemlich interessanten, ausführlichen und angenehm abschweifenden Antwort unter dem Titel Auf der Straße zur Ironie-Hölle.

Einer zum Reden

Interview von Verena Reygers mit dem Hip Hop Hoffnungsträger Casper:

Casper gilt im HipHop-Kosmos als braver Rapper. Deswegen wollen Frauen nach den Konzerten auch nur eins: ihm ihre Lebensgeschichte erzählen

Video Games then and now

Schöne Zusammenstellung vom Retronauten, in der Klassiker der Videospielgeschichte mit ihren aktuellen Äquivalenten verglichen werden.

Vorher gründlich googeln: Wie die Filmarbeit wahrgenommen wird

Es fällt ja nicht allzu schwer, über die Dunkelheit zu klagen, die hinter den gleißenden Scheinwerfern herrscht. Gelegentlich richtet dann aber doch mal jemand die Kamera in die schattigeren Bereiche und zeigt, dass nicht alles nur so toll ist wie angehende Top-Models und Superstars sich das vorstellen. Das geschah bislang zwar eher selten, in diesem bereits auslaufenden Jahr aber schon mehrmals, weshalb ich versucht bin, einen Trend darin sehen zu wollen …

Das totale Archiv

Spannender, mehrteiliger kulturwissenschaftlicher Essay von Johannes Kreidler, der nach eigener Aussage von einer Fachzeitschrift für Musik und Ästhetik “als “stalinistisch”, “medienfaschistisch” und “neoliberal” abgelehnt” wurde.

Allgemeine Feststellungen zur Buchsituation

Müssen wir uns Sorgen darüber machen, dass Sascha Lobo mittlerweile Stammgast bei unseren Links fürs Wochenende ist? Nicht so lange er so hervorragende, pointierte Artikel schreibt. Dieses Mal im eigenen – leider immer etwas verwaisten – Blog zum Thema E-Books und Verlage in Deutschland.

Banalitäten versteht man nur in der Muttersprache

Ein gut gelaunter, selbstbewusster Dieter Thomas Heck verteidigt den Schlager, die deutsche Sprache in der Musik und sein gesamtes Lebenswerk.

Lemmings Returns (Flashgame)

Großartige Browservariante des klassischen Lemmings. Nur zeichnen und löschen, um die suizidalen Grünschöpfe zum Ausgang zu begleiten. Rockt.

Letztes Jahr auf Seite360:

Mit einem Blick auf die Vorreiter des Genres beginnt unsere Nu-Metal-Retrospektive (die dann wieder ziemlich ins Stocken geraten ist). Marcus lernt, was während einer Zombie-Attacke zu tun ist, Florian geniesst passend zu Halloween die Black Francis Variante von Paul Wegeners Golem und rezensiert die besten Filme der 00er Jahre für Musikliebhaber.

Arno Schmidt zum An- und Ausziehen

Arno Schmidt (* 1914;   † 1979), der mit Werken wie Leviathan (1949), Schwarze Spiegel (1951) und Die Gelehrtenrepublik (1957) zu den größten Dystopikern des 20. Jahrhunderts gehört, muss man nicht immer verstehen, um ihn lieben zu können. Werke wie das monumentale, dreispaltige Referenzspiel Zettel’s Traum (1970) sind einfach mal derart anders, dass sie… ähmmm… einfach nur noch anders, fern jeglicher Kategorisierung sind. Dennoch und gerade deswegen gehört der Autor zwischen Avantgarde, Pop, Experimentierkunst und zerfetzter Anti-Poesie zu den größten Dichtern der Postmoderne und des 20. Jahrhunderts. Den Sinn dieser Anziehpuppe von Ralf Zeigermann muss man übrigens auch nicht unbedingt verstehen. Genial ist sie trotzdem. Das Bastelset kommt als PDF… und macht vielleicht auch ein wenig Lust, sich in Schmidts beeindruckendes, alles andere als einfaches Lebenswerk hineinzulesen.

Herr Schmidt läßt sich wahlweise mit einer Wildlederjacke mit Fellkragen oder der berühmten grünen Lederjacke (mit Fernglas) ausstatten. Dazu gibt es natürlich eine Katze sowie die Yashica 44 (nicht ganz maßstabsgetreu) zum Umhängen.

Arno Schmidt Anziepuppe (PDF) via Kotzendes Einhorn