Hörenswertes, Januar 2016: David Bowie, Tortoise, Savages, Fjørt

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Der Januar ist fast vorbei und ich kann erst einmal hinter mein Vorhaben, 2016 wieder mehr musikalische Neuveröffentlichungen zu hören, einen Haken setzen. Im Januarrückblick feiere ich das neue Savages-Album Adore Life, genieße das jüngste Werk der Postrock-Inititalzünder Tortoise und entdecke mit Fjørt eine Band, deren Namen ich bis dato noch überhaupt nicht gehört habe. Und dann gibt es noch David Bowie… und der durfte mich kurz vor seinem Tod noch einmal richtig wegpusten. …Ja, der Januar war ein verdammt guter musikalischer Monat. Und ein “Hört euch das mal an!” kann ich hinter jede der folgenden Besprechungen setzen.

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Die 90er Jahre: Die besten Postrock-Alben des Jahrzehnts II

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Also, Butter bei die Fische: Was ist denn dieser DHL-Rock nun genau? Ich persönlich bin ja ein großer Fan der Definition von Simon Reynolds, der in die Schublade Post-Rock (Post Rock? Postrock? Whatvever!) all das steckt, was sich mit “using rock instrumentation for non-rock purposes” umschreiben lässt. Oder um es noch abstrakter auszudrücken: Rock, der nicht nach Rock klingt. Oder zumindest nicht nach Rock N Roll. Aber dann sind wir schon bei nem ziemlichen Allgemeinplatz angekommen.

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Hörenswertes Herbst 2012 II: Converge, Swans, The Mountain Goats, Dinosaur Jr, Portico Quartet

Lauter gute alte Freunde…

So kann der zweite Hörenswert-Artikel für den Herbst zusammengefasst werden. Ihr wisst schon, die Typen, die man einfach schon immer mochte, die man aber irgendwie trotzdem eine Zeit lang gar nicht mehr auf dem Plan hatte. Und dann sind sie plötzlich wieder da. Man freut sich, quatscht mit ihnen, feiert mit ihnen, und so plötzlich wie sie gekommen sind verschwinden sie auch wieder. Aber zumindest lassen sie ein gutes Gefühl zurück. Vielleicht denkt man sich sogar: “Ja, die könnte ich bei Gelegenheit mal wieder anrufen.” , und vergisst sie dann doch wieder ein wenig… zumindest bis zur nächsten großartigen Zusammenkunft.

John Darnielle sorgt mit den Mountain Goats für gemütliche amerikanische Lagerfeuerstimmung, Dinosaur Jr lassen an die guten alten Zeiten zurückdenken, als alles noch irgendwie easy war, die Swans dagegen erinnern einen daran, dass es immer noch ein Stück abgehobener geht und mit dem Portico Quartet kann man sich schlicht und ergreifend wohlfühlen, wenn auch auf sehr spezielle Weise. Achja, und dann gibt es natürlich Converge, die wieder einmal keine Ruhe, kein Punkt und kein Komma kennen und dich blutend auf dem angesengten Wohnzimmerteppich liegen lassen. “Bis zum nächsten Mal!” ruft man ihnen dennoch fröhlich hinterher, während man einen ausgeschlagenen Zahn ausspuckt und die blauen Flecken zählt. So ist das eben mit guten Freunden…

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Die 90er Jahre: Die besten deutschen Alben des Jahrzehnts VI

Zwei Rückblicke zu den besten deutschen Alben der 90er habe ich noch in petto. Im vorletzten Teil unserer Retrospektive dominiert wieder die deutschsprachige Musik… aber nicht nur. Ganz ohne Vocals kommen die Doom Jazzer von Bohren & der Club of Gore aus, die bereits vor ihrem Meisterwerk Black Earth die Schönheit der Stille entdecken, während The Notwist für den gewissen angelsächsischen Touch sorgen. Deutschpunk darf natürlich nicht vergessen werden, in diesem Fall vertreten durch Slime, die amtlichen 80er Punk Rock von der Straße zelebrieren, diesen aber mit Metal und Noise gehörig in die Mangel nehmen. Auch die Boxhamsters spielen keineswegs klassischen Deutschpunk und schielen stattdessen lieber Richtung Hamburger Schule und Postrock-Euphorie mit Pop-Attitüde. So etwas wie die Hamburger Vorschule (ähmmm) gibt es dann auch noch, und zwar von der grandiosen, prophetischen Kolossalen Jugend. Und wirklich klassische deutsche Musik hat der Barde Konstantin Wecker im Gepäck, wenn er auf famose Weise Berthold Brecht interpetiert.

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Hörenswertes September 2011 III: dEUS, Male Bonding, Dum Dum Girls, Nils Petter Molvaer

Der Herbst hinterlässt die ersten Spuren… keine Sorge. Es sind nur kleine, kaum zu sehende Fußabdrücke, die die bereits prophetisch traumwandelnde Melancholie im vom Sommer noch erhitzten Sand hinterlässt. Und einmal – mindestens einmal – darf noch die Schönheit des Spätsommers genossen werden. dEUS finden auf Keep you close zu alter Form und hochemotionalem Indie Rock zurück. Die Dum Dum Girls schämen sich ebenfalls – trotz erhöhten Coolness-Faktors – nicht wegen ihrer pathetischen Momente. Und mit Male Bonding dürfen sogar noch einmal die Surfbretter hervor genommen werden, vielleicht nicht unbedingt um auf den Wellen zu reiten, aber immerhin um mit relaxter Pop-Punk-Pose noch einmal ein bisschen heißen Sand aufzuwirbeln. Achja, und endlich, endlich, endlich darf ich wieder gediegenen Jazz abfeiern, der im unglaublich beeindruckenden Fusion-Gewand von Nils Petter Molvaer daher kommt. Rock N Roll, alternative Glücksgefühle, Herz-Rhythmus-Klänge und dunkel glänzende Post-Jazz-Abgesänge gibt es nach dem Klick.

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Hörenswertes: April 2011: Explosions in the Sky, Za!, The Mountain Goats, Colin Stetson

Nein… Heute wird an dieser Stelle mal nicht über das Wetter gejammert… Warum sollten wir auch, wenn uns die Tage so heiße Musik auf den Tisch bringen? Richtig feurig wird es mit wüstem, chaotischen Hack-Zappa-Prog von Za! und ihrem musikalischen Bastard Megaflow, sowie ambivalentem Post-Jazz vom Arcade Fire Saxophonisten Colin Stetson. Explosions in the Sky machen wieder einmal was sie am besten können, gediegenen, atmosphärischen Postrock und John Darnielle lässt auf All Eternal Deck erneut die etwas lauteren Seiten von The Mountain Goats zum Vorschein kommen, freilich ohne auf wunderschöne subtile Songwriterballaden zu verzichten.

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Hörenswertes: März 2011

Der Frühling kriecht ganz langsam hervor und lässt sich vom Winter doch wieder verschrecken, um kurz darauf eine erneute Offensive zu wagen. Wir reagieren auf dieses Wechselbad der metereologischen Gefühler, indem wir uns in unser stilles Kämmerlein zurückziehen und interessante Musik hören: Avantgardistischer Fusion von Syntony, mächtiger Drone von Earth, kurzweiliger Electro-Pop von Yelle, Kuschelsound von The Pain of being pure at Heart, sattsam bekannter Retro Rock N Roll von den Vaccines und entspannter Pop Jazz von Avishai Cohen.

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Kid C? – Rezension zu Radioheads “The King of Limbs”

Als pünktlich zur Jahrtausendwende der neuste Radiohead-Output Kid A angekündigt wurde, geschah dies jenseits jeglicher Normen der Musikindustrie: Keine Singleauskopplungen, keine Musikvideos, keine Interviews, stattdessen nur ein Haufen Blips, die eine irritierte, ratlose aber umso neugierige Hörerschaft zurückließen. Nachdem Radiohead 2003 ihre Arbeit mit EMI beendet hatten, veröffentlichten sie erst vier Jahre später ihr neustes Album “In Rainbows”: In Eigenregie, vorerst nur als digitalen Download, dem Hörer überlassend, wieviel er für das Material zahlen wollte….Und jetzt das. Innerhalb einer Woche wird ein neues Album angekündigt, ein Musikvideo veröffentlicht und das Album sogar einen Tag vor regulärem Verkauf online gestellt.

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Im Kopf eklektisch, im Herzen frei – Das neue Album des Jazzpianisten Jason Moran: Ten

Déja-Vu-Alben sind im postmodernen Jazz keine Seltenheit. Man hat eben seine Ikonen und Vorbilder und scheut sich auch nicht diese zu verarbeiten, mit ihnen sie zu spielen und ihren Meisterwerken zu huldigen. So auch zu hören bei dem Pianisten Jason Moran, der nach Art in Residence (2006) satte vier Jahre gewartet hat, um neues Material zu präsentieren. Auf Ten tut er genau das. Und auch wenn sich der Begriff “neu” ohne Schwierigkeiten relativieren lässt, angesichts der zahlreichen Cover-Versionen, Reminiszenzen und Motivreanimationen, so ist Ten trotz allen Eklektizismus  doch ein fantastisches, frisches und originelles Album geworden.

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Soundgewänder – Rezension zu dem neuen Album von Kayo Dot: ‘Coyote’

Wohin soll denn die Reise gehen…? Die Avantgarde-Metaller Kayo Dot haben nach dem gefeierten Postrock-Metal-Bastard Dowsing Anemone with Copper Tongue einen extremen Wandel durchgemacht. Weg von den deftigen Postmetalgitarren, weg vom Geschreie und Gekeife, weg von der Agression hin zu einem fast schon anschmiegsamen experimentellen Postjazzgewaber auf ihrer dritten Langspielplatte Blue Lambency Downward. Das verschreckte die Fans der avantgardistischen Band gar nicht so sehr, was im Nachhinein betrachtet aber nur allzu logisch erscheint. Immerhin waren Kayo Dot schon immer weit entfernt von wüstem Testosteron-Geballer. Stattdessen wohnte ihrem harten, kompormisslosen Sound seit jeher etwas Fragiles, Melancholisches und auch Schönes inne. Da schien es nur konsequent, die Härte zurück zu fahren und sich mehr auf die zerbrechlichen Soundkonstruktionen zu fokussieren. Aber damit war die Reise noch nicht zu Ende, wie das nun 2010 veröffentlichte, konsequent weitergedachte “Coyote” unter Beweis stellt.

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Jazz an der Schwelle… – "Isla", das neue Album vom Portico Quartet

Dieser Text könnte ebenso gut bei den vergessenen Alben des letzten Jahrzehnts stehen, wie er ein Hinweis auf eine interessante Neuveröffentlichung abseits gängiger Konventionen sein könnte. Gegen Ende des letzten Dezenniums, gerade mal vor einem halben Jahr erschien mit dem zweiten Album des Portico Quartets „Isla“ ein Jazz-Output, der sich konsequent vom Jazz wegbewegt und sich allen möglichen Arten und Abarten postmoderner Musik, vom Pop über den Postrock bis hin zu avantgardistischer E-Musik öffnet. Isla ist nicht nur ein einzigartiges Stück Post Jazz, sondern beweist auch, dass die klassischste Form der U-Musik (eine Kategorisierung die in diesem Fall mehr als unangebracht ist) immer noch überraschen und mitreißen kann.

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