Kurzfilm der Woche: Berlin Walk

berlin-walk

Berlin, wie man es als Berliner viel zu selten zu Gesicht bekommt: Entschleunigt, verträumt, magisch realistisch. Scheint mit der Realität der Metropole auf den ersten Blick nicht viel zu tun zu haben. Und doch, wenn man an einem lauen Sommerabend in einer stillen Ecke des Treptower Parks oder des Tempelhofer Felds liegt und die letzten Sonnenstrahlen mit den Augen einfängt, bekommt man ein wenig was von genau dieser urbanen, antiurbanen Magie zu spüren. Und dann merkt man auch: Vielleicht ist weniger die Stadt daran schuld, dass man diese Magie so selten zu greifen bekommt, als viel mehr das eigene Blickfeld. Von Vitùc.

A two day walk through Berlin. Inspiring city, great people, great atmosphere!
Filmed handheld with the 7D + 24m 1.4 (60 fps to 25)
Wonderful music by Reid Willis: April Illuminating

Berlin Walk by Vitùc via Gilly

Die 80er Jahre: Die besten Epen und Historienfilme des Jahrzehnts III

Einen über Episches und Historisches aus den 80ern habe ich noch, auch dieses mal mit gewisser Schubladen- und Kategorien-Unschärfe. Natürlich ist Highlander dann doch auch ziemlich viel Fantasy-, Action- und Blockbuster-Kino. Natürlich ist Fitzcarraldo auch irgendwie Abenteuerfilm und Drama. Natürlich kann man über die Historizität von Am Anfang war das Feuer streiten. Und natürlich ist Au revoir, les enfants in erster Linie eine Tragödie historischen Ausmaßes gespiegelt in einem sehr persönlichen Kindheitsporträt. Zumindest auf das epische Moment von Die Bounty können wir uns einigen, oder? Auch wenn sich da natürlich wiederum eine Diskussion über die Qualität von Roger Donaldsons Historienepos anbietet. Well, ohne Streit wäre es ja auch ziemlich langweilig.

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Update or Die! – Big Business

Ich weiß noch nicht genau, ob ich diese Porträts aus Geldscheinen faszinierend, unheimlich oder gar abstoßend finden soll. Die Idee hat auf jeden Fall was für sich: Die chinesische Kreativagentur Senseteam schnippelte, klebte und gestaltete, was das Zeug hält und gewann für die Zweckentfremdung der Wertpapiere schließlich sogar einen Preis für Kunstdesign in Hong Kong. Kapitalismuskritik, Vermenschlichung des Unmenschlichen, das Einschreiben des Einzelschicksals in die anonymen Währungseinheiten? Wahrscheinlich von all dem ein bisschen was… Wenn ich in die starren, leblosen Gesichter der Porträtierten schaue, bliebt mir jedoch tatsächlich nicht viel anderes übrig, als das Ergebnis schlichtweg gruselig zu finden… Vielleicht ja auch genau die richtige, einzig angebrachte Reaktion. Weitere Infos und Bilder bei Designboom.

via

Die 90er Jahre: Die besten Dokumentarfilme des Jahrzehnts I

Wie schon in der 00er-Filmretrospektive können wir uns, nachdem wir den fiktionalen Stoff hinter uns gebracht haben, der Realität widmen. Es gab einige großartige Dokumentarfilme in den 90er Jahren, aber ich befürchte auch hier habe ich Nachholbedarf. Die zwölf Filme, die jetzt – und im anschließenden zweiten Teil – folgen sind es aber allesamt wert gesehen zu werden. Es geht hinab in die Tiefen und Untiefen der deutschen Filmgeschichte, festgehalten in einem künstlerischen und menschlichen Porträt Leni Riefenstahls, weit hinein in die Befindlichkeiten Amerikas: Legendäre Boxkämpfe beim Rumble in the Jungle, legendäre Comickunst und Exzentrik von Robert Crumb, legendäre Filmgeschichte bei Francis Ford Coppolas Reise in die Hearts of the Darkness… und daneben gibt es auch noch einen Blick auf die kleinen großen Momente, die Glocken aus der Tiefe des russischen Glaubens und Aberglaubens und die Amerikanischen Träume, die an der harten, kapitalistischen Realität scheitern.

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Die 90er Jahre: Die besten Filme für Musikliebhaber

Wie schon bei den 00er-Filmretrospektiven gibt es auch für die 90er noch einen kleinen Nachschlag für Musikliebhaber. Warum dieser im Vergleich zu den letzten beiden so dünn ausfällt… I don’t know. Vielleicht waren die 90er im Gegensatz zu den 00ern einfach nicht das große Jahrzehnt für Musikfilme, vielleicht habe ich diesbezüglich auch einfach noch verdammt viel Nachholbedarf. Falls ihr an dieser Stelle also dieses oder jenes Meisterwerk vermisst, habt keine Scheu davor, diese Lücke in den Kommentaren lauthals kundzutun. Nach dem Klick gibts dann erstmal Nostalgie mit den Beatles, ein eindrucksvolles Neil Young Musikerporträt von Jim Jarmusch, Videoclipästhetik auf Filmlänge, Radiohead auf der Suche nach sich selbst, zwei Slacker in  Wayne’s World, sowie Abgesänge auf den Glam Rock, den Grunge und das 18. Jahrhundert.

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Kissed Portraits by Natalie Irish

Für ihre ikonographischen Porträts von Marilyn Monroe, Jimy Hendrix und sich selbst benötigt Natalie Irish Geduld, Lippenstift und gut trainierte Lippen. Die entzückenden Werke entstehen nämlich im wahrsten Sinne des Wortes mit viel Liebe; Schmatzer für Schmatzer, Kuss für Kuss kreiert Irish wunderschöne, leicht kitschige und irgendwie vor allem niedliche Persönlichkeitsporträts. Oben die geküsste Norma Jean, unten das Video zu einem geküssten Selbstporträt. Sweet!

via Scene360°

Weinkorken-Porträts von Scott Gundersen

Weinkorken sind wunderbare Gegenstände, und als Ästhet ziehe ich die aus Kork auch immer noch  jedem Kunststoffverschluss vor, unabhängig von ihrer Praktikablität. So ein Stück rundes Kork ist einfach ein Unikat, das nach dem Plopp bereits die Versprechung des Weingenusses in sich trägt. Scott Gundersen stellt großartige Porträts aus Weinkorken her: Für das obige Bild “Grace” hat er sagenhafte 9217 Korken in 50 Stunden liebevoll zusammengesetzt, um ein realistisches Abbild der Porträtierten zu erzeugen. Das sieht nicht nur verdammt schick aus, sondern ist auch wunderbar ökologisch/ökonomische Kunst (das Werk selbst ist praktisch 100% Recycling), in die die individuelle Schönheit der einzelnen Weinkorken nach wie vor eingeschrieben ist. Das untere Timelapse-Video dokumentiert den akribischen Schaffensprozess dieses Werkes auf eindrucksvolle Weise. Und Scott Gundersen selbst scheint auch nicht nur die Verschlüsse des Weins zu schätzen:

I nearly always leave the corks as they come. The one exception to this is some of the corks that make up the hair on my piece “Grace”. Because the hair was so dark (and corks that dark are difficult to find), I boiled down a red wine and darkened some of those (hair) corks with the concentrated wine. Other than that all the corks are as they come to me and I prefer it that way. The process of darkening corks is long and messy and honestly I rather drink the wine than apply it to an already beautiful cork.

…So, jetzt habe ich auch Lust auf ein Glas guten Rotwein!

via Feingut

Die 90er Jahre: Die besten Filmdramen des Jahrzehnts III

Wo waren wir noch gleich stehen geblieben…? Genau! Die besten Dramen der 90er Jahre gehen in die dritte Runde. Mit Jonathan Demme und Steven Spielberg fahren wir noch einmal Hollywood-Geschütze auf. Zwei sensible Themen – einmal HIV in Philadelphia, einmal die Vernichtung der europäischen Juden in Schindlers Liste – die für Hollywood-Verhältnisse erstaunlich sensibel, wenn auch nicht ohne Traumfabrik-Pathos, umgesetzt wurden. Aber auch die kleinen Filme abseits des großen Geschäfts kommen zu ihrem Recht: Das furiose Psychogramm Shine, das sarkastische Familiendrama Der Eissturm und Mike Leighs düstere Großstadtapokalypse Nackt beweisen, dass auch jenseits des großen Budgets herausragende Filme produziert werden. Und mit David Lynchs The Straight Story hat sich gar ein Regisseur im Dramen-Genre verirrt, den man dort so gar nicht vermuten würde. Alle Filme, inklusive Kurzreview und Trailer nach dem Klick.

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Heroin aus der Steckdose? – Dokumentation zum Phänomen “World of Warcraft”

Die Dokumentation “Heroin aus der Steckdose? – Spielen und Leben in zwei Welten” von Daniel Debray setzt sich mit dem Phänomen World of Warcraft und dessen Spielern auseinander. Porträtiert werden Menschen, die mal mehr mal weniger Zeit in den virtuellen Welten des berühmten MMORPG verbringen. Der halbstündige Film ist im Rahmen einer Bachelor-Thesis entstanden und kommt angenehm klischeefrei daher, spult im Gegensatz zu viel zu vielen anderen Dokumentationen über das Thema nicht das Standardprogramm von Sucht und Verwahrlosung ab, sondern konzentriert sich auf die Faszination, die das Online Rollenspiel auf seine Nutzer ausübt. Sehenswert!

Bildschirmspiele haben eine große Faszinationskraft auf ihre Spieler. Woher diese Faszinationskraft kommt, welche individuellen Emotionen, Erfahrungen und Verbindungen die Spieler mit der virtuellen Welt koppeln und welche Gefahren gerade Online-Rollenspiele für den User beinhalten können zeigt dieser Dokumentarfilm. Er portraitiert wertfrei und möglichst objektiv das Leben zweier Spieler, die das Rollenspiel „World of Warcraft“ als wichtigen Bestandteil in ihr Leben integrieren und viel Zeit in der virtuellen Welt verbringen.

via Superlevel

Teil 2 und 3 nach dem Klick… weiterlesen

Berliner Street Artist Evol bei Arte “Künstler Hautnah”

Arte hat derzeit schon seit Längerem ein ausgesprochenes Faible für Street Art und Urban Art. Die Sendung “Künstler Hautnah” folgt in diesem Fall dem Berliner Street Artist Evol und spendiert ihm ein halbstündiges Porträt. Ich selbst habe bis jetzt nur kurz reingeschaut, hau das jetzt aber gleich mal als Erinnerung für mich selbst hier rein und werde es mir bestimmt die Tage in voller Länge zu Gemüte führen.

Er gilt als Star der deutschen Streetart-Szene: Der 1972 geborene Künstler mit dem Namen Evol lebt in seiner Wahlheimat Berlin und gehört der jungen deutschen Kunstszene an. Sein Künstlername Evol geht auf einen Zufall zurück: So hieß die Marke seiner Turnschuhe, die er gerade trug, als er nach einem Namen für sich suchte.

Seit nunmehr 20 Jahren gestaltet Evol seine Werke vor allem mit Schablonen und Sprühdosen. Evol lässt sich bei seinen Bildern immer von der Stadt anregen und zeigt vor allem Straßenszenen, anonyme Wohnkomplexe und unbebautes Gelände. Pappe, Mülltonnen, Leuchtschilder und Stromkästen sind das Ausgangsmaterial für seine Kunstwerke, mit denen er kleine Stadtgeschichten erzählt. Seine Bilder zeigen häufig auch Häuser, die nach der Wende aufgegeben wurden. Vor allem um deren Schönheit festzuhalten, die es einmal gegeben habe, wie er sagt.

Dabei verfolgt er weniger einen nostalgischen, als einen stark dokumentarischen Ansatz, der auf das Alltägliche, nicht auf das Spektakuläre setzt. Basis sind Fotos, die auf Evols ausgedehnten Erkundungsgängen durch die Stadt entstehen. Mit seiner Kunst will er die Aufmerksamkeit des Betrachters auf das Stadtleben lenken und daran erinnern, dass viele Gebäude einmal ein besseres Leben versprachen.
Claire Laboreys Film zeigt Evol in seinem Atelier in Berlin. Hier schafft er Werke, die nicht nur für die Installation im städtischen Raum, sondern auch für Galerien bestimmt sind. Die Kamera folgt ihm außerdem durch die Straßen bis zu einem Abrissgebiet, das er gerade “neu gestaltet”.

via KFMW

Kurzfilm der Woche: Peter in Radioland

Großartiger Hybrid aus intimem Dokumentarfilmporträt und symbolistischem Trip tief hinein in das Befinden des Protagonisten. In “Peter in Radioland” folgt Regisseurin Johanna Wagner ihrem Vater, der unter Depressionen leidet, sich im digitalen Zeitalter nicht mehr heimisch fühlt und sich in seine ganz eigene Welt zurückgezogen hat, in der er alte Radios sammelt und Vinyl-Platten lauscht. Ein fesselndes und spannendes Porträt an der Schnittstelle von Authentizität und artifizieller Brechung.

This documentary follows Peter, my father, who is 63 years old and on sick leave. He spends most of his time alone, in his bedroom, contemplating his past. Little makes sense to him anymore in a world made up of zeros and ones. He finds modern technology difficult and prefers to retreat into his analogue world, made up of his old vinyl records, projectors and long-wave radios. Comforted by these, his memories and his loving wife, Peter is left yearning for the old days.

With a mixture of stop-frame animation, super8 footage and observational video footage, this film shares with us a common fear of change portrayed through my father’s struggle to find his place in the digital world. Peter in Radioland was made in association with the Bridging the Gap Scheme 2009.

http://www.johannawagner.com/peter.html

Peter in Radioland  (Großbritannien 2009)

Regie: Johanna Wagner