Goodbye David Bowie

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Es ist schon ein merkwürdiger Zufall: Einen Tag vor Bowies Tod habe ich sein neustes – und letztes – Album Blackstar in aller Ruhe einmal komplett durchgehört… und es hat mich schlicht umgehauen. Überraschend umgehauen. Überraschend im Sinne von: “Oh mein Gott. Den hatte ich gerade gar nicht auf dem Schirm! What a fucking masterpiece!” Ich habe ehrlich gesagt David Bowies Veröffentlichungen nie entgegengefiebert, sie nie aktiv begleitet. Die Musik des Chamäleons des Pop hatte immer etwas Unantastbares für mich, etwas – ja ich weiß, das ist im Falle Bowies alles andere als originell – Außerirdisches. Und so war ich auch nie im engsten Sinne des Wortes Fan dieses Ausnahmekünstlers. Was jedoch im Umkehrschluss nicht bedeutet, dass ich ihn nicht ausgiebig und viel gehört hätte.

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Die 90er Jahre: Die besten Pop-Alben des Jahrzehnts IV

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Ich setze mal da an, wo Rinko bei der letzten 90er Pop-Retrospektive aufgehört hat… und kann einfach nicht anders als zu sagen: Da fehlt aber noch ein bisschen etwas! Pop zu mögen ist ja spätestens seit Beginn des neuen Jahrtausends wieder ein Indiz für Coolness. In den 90ern sah das jedoch noch komplett anders aus. Nicht nur, dass man in dieser Dekade – im Gegensatz zu den 80ern und 00ern – als Pophörer quasi dazu prädestiniert war, von Grungern, Punks und Metalheads mit einer Gitarre erschlagen zu werden, dies hatte auch seine Berechtigung. Denn wirklich coolen Pop – im ureigentlichsten Sinne des Wortes – gab es in diesem Jahrzehnt einfach nicht. Und so müssen wir für diesen Artikel einmal ganz tief durchatmen und uns auf unsere absolute Uncoolness besinnen, können dabei aber feststellen, dass auch uncoole Musik verdammt gut sein kann; so wie bei den absoluten uncoolen Genesis, angeführt vom komplett uncoolen Phil Collins, oder bei Dido, die trotz Gastauftritt bei Eminem noch nie cool war. Und dann gibt es natürlich noch Robbie Williams, bei dem man damals eine Zeit lang nicht genau wusste, ob man ihn cool finden durfte, eine Frage die dann spätestens im vergleich mit dem anderen großen Boygroup-Aussteiger Justin Timberlake negativ beantwortet werden konnte.

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Die 90er: Die besten Emo-Alben des Jahrzehnts II

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Ich war ehrlich gesagt etwas sehr hart mit dem 00er-Jahre-Emo und irgendwie verorte ich viele der guten Alben aus diesem Jahrzehnt merkwürdigerweise in der vorausgehenden Dekade. Natürlich will ich hier nicht die Großartigkeit von Bands New End Original oder Talking Back Sunday diskreditieren, aber irgendwann drehten die 00er doch in den wenig guten Kram, der einer ganzen Szene einen Schlag verpasste, von dem sie sich lange nicht mehr erholte.

So, nun aber wieder zurück zu den 90ern. Die Get Up Kids leiten also auch den zweiten Teil ein: Okay, genauer gesagt nur ein Teil von Ihnen mit dem nicht minder tollen Sideproject The New Amsterdams. Etwas mehr auf die Ohren gibt es von New Found Glory, denen wir vielleicht auch etwas Blink 182 und viele andere Pop-Punker zu verdanken haben. Mineral und Cristie Frint Dive versuchen derweil ihren Ruf wiederherzustellen und zeigen sich als Innovatoren.

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Das James Bond Titelstück von Radiohead

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…den wollte ich doch noch schnell hier ins Blog kleben. Ursprünglich sollten anscheinend Radiohead den Titelsong zum neuen James Bond Film Spectre schreiben. Das von ihnen aufgenommene Stück schien den Machern allerdings nicht sonderlich zuzusagen und so entschieden diese kurzerhand um… zu Gunsten von Sam Smith (Sarkastischen Applaus bitte an dieser Stelle einfügen).

Als Weihnachtsgeschenk an die Fans haben Radiohead den Song die letzten Tage aber dennoch veröffentlicht und zwar vollkommen kostenlos über Soundcloud. Für nen Bond-Film könnte der zwar ein bisschen mehr Sex-Appeal haben (Ach kommt schon Jungs, ich weiß dass ihr das könnt), aber neues Material von Radiohead nehme ich dennoch immer gerne mit Kusshand. Und den Spectre ziehe ich mir rein, sobald es ihn kostenlos oder als 1,99€ Leihversion auf Netflix oder Amazon gibt.

Last year we were asked to write a theme tune for the Bond movie Spectre. Yes we were. It didn’t work out, but became something of our own, which we love very much. As the year closes we thought you might like to hear it. Merry Christmas. May the force be with you.

Radiohead’s Spectre Song via Maik

Beklopptes Mashup ist bekloppt (Linkin Park vs. Smash Mouth)

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This shouldn’t work, why does this work? – Der Titel sagt eigentlich schon alles. Bastard Pop kann vieles: Begeistern, rocken, verblüffen… aber auch – wie in diesem Fall – schlicht erheitern. Mit Genregrößen wie den Kleptones oder Girl Talk kann es dieser irre Mashup-Song zwar nicht aufnehmen, aber es ist allemal ordentlich überraschend, wie der Gute Laune Fun-Punk von Smash Mouth mit dem pathetischen Nu Metal von Linkin Park harmoniert. Allein der Pfeifpart… Gold!

via Maik

Deutschrap und so #28: Maeckes – Würgegriff des Glücks

Ich sags mal so, wie es ist: Deutschsprachiger Post Rap ist mein neuer persönlicher Hype, und da kann es mir auch gestohlen bleiben, dass ich derzeit wohl der einzige Mensch bin, der diesen Ausdruck, diese Kategorie, – ja mein Gott! – diese Schublade benutzt. Maeckes sortiert sich hier jedenfalls perfekt ein: Mit seinen nachdenklichen Lyrics, seinen 1/3 poppigen, 1/3 postpunkigen, 1/3 postrockigen Soundteppichen, seinen deepen Beats und seinem Hang zur poetisch/philosophischen Exquisität, die man im deutschsprachigen Hip Hop sonst nur selten findet.

Maeckes hört man nicht beim Bong- sondern beim Pfeiferauchen, nicht beim Dosenbier sondern beim erlesenen Scotch, nicht in den Baggy-Pants sondern im samtenen Morgenmantel. Wem das jetzt zu elaboriert bildungsbürgerlich klingt, der hat vollkommen recht und daher schleudert “Würgegriff des Glücks” dem Verfasser dieser selbstverliebten Beschreibung dann auch gleich mal ein gepflegtes “Fick dich und deine prätentiöse Attitüde” entgegen. Feinste Line: “Lebst du noch oder stirbst du schon? / Wir reden sinnbehaftet, / verlieren während Szenen, nicht blinzeln! / Lassen nichts aus den Augen, bis auf die Tränen eines Cineasten / Wir sind atommüllsicher halt kleinbürgerlich beschützt / vor dem Würgegriff des Glücks.”

Deutschrap und so #20: Die Firma – Scheiß auf die Hookline

Die Firma war damals Ende der 90er extrem beliebt in meiner Social Bubble und so habe ich zwangsläufig ziemlich oft in ihre Songs reinhören müssen. Die hatten aber auch was, allein schon weil sie alles anders zu machen schienen als der Rest der damals schon recht vitalen Deutschrap-Szene: Weder Pop-Verliebtheit, noch Weed Gechille, weder Punk- noch Gangsterattitüde. Die Firma spielte ihren eigenen Style, den ich gewillt bin, am ehesten als “Großes Kino” zu bezeichnen: Deep Storytelling, Big Pathos, ein Hauch von Conspiration and Third Eye und eine epische, cineastische Gesamtatmosphäre, die immer mehr von allem demonstrieren und dominieren will . Klar, die Jungs hatten auch ihre Downer, wie das zuckersüße Liebesgedicht in Rap-Dur “Die Eine”, aber es dominierten dann doch die breiten, monumentalen und gewaltigen Sounds.

Ein wenig mehr Selbstironie, ein wenig mehr Bescheidenheit und Augenzwinkern hätte den Kölnern sicher gut zu Gesicht gestanden (und vor allem viel viel weniger Dualismen. Mein Gott, bei denen ging wirklich nichts ohne Dualismen!). Aber mit Scheiß auf die Hookline haben sie alles richtig gemacht. Ein elegischer Abgesang auf die Regeln des Business, ein epischer Bastard aus Rap und Pop, mit einer – Oh, the Irony! – eingängigen Hookline, die von fast experimentellen Dissonanzen zerschossen wird. Passt. Fetzt! Und verleitete mich damals gar dazu, mir das ganze Album zuzulegen, auch wenn mir der Überpathos der Band und die Vorliebe für pathetische, schwere pseudophilosophische Geschichten, Illuminati und Babylon ziemlich schnell auf den Sack gingen. Feinste Line: Was dich interessiert, das ist die Anzahl von verkauften CD’s, / fischst nach Kohle in WC’s, / belanglose LP’s, HipHop Nachwuchs Protegees / und Klischees, wir haben unsere eigenes Konzept, / die Firma, jetzt weißt du, wer hier rappt!”

Deutschrap und so #15: Tobsucht – Zum Lachen In Den Keller Gehen

Habe ich hier das Wort “Pop” gehört? Oh ja, Pop Baby! Ohne Gangsta-Attitüde, ohne politisches Sendungsbewusstsein, und auch ohne derbe Party-Ideologie und anarchischen Hedonismus. Stattdessen die perfekte Vermählung von Rap-Strophe mit Pop-Hookline, Ohrwurmcharakter, (gedämpfte) Emotionen, überraschend deepe Lyrics und süßes, charmantes Augenzwinkern in Richtung Alternative Rock.

Mit Zum Lachen In Den Keller Gehen landeten Tobsucht Ende der 90er einen fetten g’schnitten Brot Song, der sich auch auf diverse Bravo Hits und The Dome Sampler verirrte. Es blieb jedoch beim One Hit Wonder. Abgesehen von dieser einen Single gab es nicht viel zu hören von den sympathischen Hessen und ihr Wikipediaartikel ist mittlerweile – wegen mangelnder Relevanz – gelöscht worden. Diesen kleinen Sommerhit wird aber niemand, der Ende der 90er in seinen Teenjahren war, vergessen.

Mittlerweile haben sich die Überlebenden des Projekts zu Nekta zusammengefunden und machen in dieser neuen Formation extrem guten Electro Swing, der es sogar bis in die amerikanische TV-Landschaft geschafft hat und auf diversen Tanzflächen national und international ordentlich rockt. Ein Happy End, wie es das Pop Business ruhig öfter vertragen könnte. Feinste Line: “Du sagst die Zeit ist Einheit, Zukunft, Vergangenheit, / Wird sein, mag sein, kann sein, ist so lang vorbei. / Du zeigst mit dem Finger auf die Uhr. / Wie zum Beweis, denn die stimmt immer. / Da bleibst du stur.”

Deutschrap und so #10: Die Fantastischen Vier – Populär

Wie ich im Ausgangspost zu dieser Serie bereits schrieb: Ich habe in den 90ern echt wenig Hip Hop gehört. Aber unter meinen ersten selbstgekauften CDs stand neben der …And justice for all, Nevermind und Punk in Drublic mit Lauschgift ein Brett von einem Hip Hop Album, das ich täglich einlegen konnte, ohne befürchten zu müssen, dadurch meine Just Guitar Music Realness zu verlieren. Das lag nicht zuletzt an dem darauf befindlichen Rap-Monster Populär, ein Track, der sich auch auf diversen Crossover-Samplern sehr gut gemacht hätte und zu dessen In Your Face Hookline sogar ordentlich gepogt werden konnte (ehrlich, ich habs ausprobiert).

Auch abgesehen von diesem Übersong, von diesem hochkarätigen Rock/Pop/Rap-Bastard ist Lauschgift ein absolutes Meisterwerk; eine Scheibe, die ich auch heute noch gerne einlege und über deren Songs ihr deswegen gezwungenermaßen in dieser Serie noch ein oder zwei mal stolpern werdet. Deal with it, ihr elenden Hip Hop Puristen!

Feinste Line: “Doch irgendwann sind sie dran und dann kennt sie keiner mehr! / Gestern niemand, morgen tot und dazwischen was?  / POPULÄR!”

Deutschrap und so #5: Marteria – Kids (2 Finger an den Kopf)

Gibt es eigentlich so etwas wie fetten, larmoyanten Wohlstandsrap? Also ‘fett’ im ursprünglich, antibürgerlichen, pejorativen Sinne, nicht im meliorativen, den der Terminus dem Hip Hop zu verdanken hat. Wenn es so etwas gibt, gehört dieser Song von Marteria zu seinen feinsten Vertretern, wenn es dieses Subgenre nicht gibt, müsste es für Kids (2 Finger an den Kopf) erfunden werden. Der gebürtige Rostocker, jetzt Friedrichshain-Kreuzberger Marteria beweint in diesem fantastischen Pop/Rap-Bastard die Gentrifizierung in seinem Block, die auch vor den Freunden nicht halt gemacht hat. Das Gejammere ist natürlich höchst ironisch, reverse und doppelironisch, bis dem Hörer schwindelig wird; so wie es sonst nur die großen Jungs von der Hamburger Schule hinkriegen. In den Zwanzigern findet man so einen Song dann wohl meistens zum Kotzen, in den Dreißigern kann man darüber lachen oder weinen, je nachdem wo man gerade steht, bzw. je nachdem wie viel Selbstironie man für den eigenen Lifestyle im Gepäck hat.

Aber auch abgesehen vom Inhalt, geht der Song einfach sau gut ab, hat eine verdammt fiese, sich im Gehörgang festklammernde Hookline und wird von einem sehr charmanten Auftritt eines echt sexy Rappers in Begleitung von zwei echt sexy Rapperinnen flankiert. Feinste Line? Natürlich die Hook: “Alle haben nen Job – ich hab Langeweile! / Keiner hat mehr Bock auf Kiffen, Saufen, Feiern / So ist das hier im Block, Tag ein Tag aus / Halt mir zwei Finger an den Kopf und mach: Peng! Peng! Peng! Peng!” Abgesehen von der sollte aber auch unbedingt noch dieses Kleinod deutscher Dichtkunst genannt werden: “Alle spielen jetzt Golf, jeder fährt Passat / Keiner tätowiert sich Wu-Tang auf’n Arsch”

Endlich? – Ryan Adams covert “Summer of 69″ von Bryan Adams

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Wenn es eine Frage gibt, die den wahren Songwriter-Fan vom uninformierten Radiohörer separiert, dann ist es wohl diese: “Was ist dein Lieblingssong von Ryan Adams?”. Es müssen die ersten Buchstaben des Vornamens nicht einmal genuschelt werden, um dem Banausen ein wie aus der Pistole geschossenes “Summer of 69″ zu entlocken. 30 Jahre Konditionierung durch einen großen Radiohit können leider so einiges ausmachen.

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Antilopen Gang – Verliebt

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Zu leugnen, dass die deutsche Hip Hop Kultur ein ernstes Homophobie-Problem hat, ist wahrscheinlich noch schwieriger, als zu leugnen, dass die Videospielszene ein ernstes Sexismusproblem hat. Anyway, Ende Februar gab es diese Geschichte von Bass Sultan Hengzt und seinem neuen Albencover, auf dem sich (*shocking!) zwei Männer küssen. Dass so etwas homophobe Dreckskommentare anzieht, war irgendwie abzusehen. Eher nicht abzusehen war, dass es für das Artwork unmittelbar darauf Rückendeckung von einer anderen Hip Hop Combo geben würde: Die Antilopen Gang, die letztes Jahr schon mit ihrem extrem coolen Hit Beate Zschäpe hört U2 positiv aufgefallen sind, haben für ihren neusten Videoclip “Verliebt” nicht nur Fettes Brot sondern auch Feine Sahne Fischfilet und die Goldenen Zitronen zum Dreh eingeladen und knutschen dann auch mal gleich zu Beginn des Clips ordentlich gegen Intoleranz und Engstirnigkeit.

Auch abgesehen davon gilt: Coole Lyrics, eine saubere Mischung aus Pop, Hip Hop und Punk, eine schöne Freundeskreis-Reminiszenz und dazu noch ne lässige, undogmatische, antiideologische und zugleich herrlich anarchische Polit-Attitüde. Gangster, Gepose und Street Credibility nerven. So geht guter Deutschrap!

via Testspiel

Hörenswertes: Scott Walker & Sunno))), Marianne Faithfull, Damien Rice, Pink Floyd, TV on The Radio

fluchtpunkthafen

Au revoir, auf Wiedersehen
goodbye, tschüss und baba
es ist soweit, adiós, au revoir
(Ja Panik- Au Revoir)

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Hörenswertes: Coldplay, Lana del Rey, Alt-J, Royksopp & Robyn, Mastodon, Honeyblood, Dexter

Ja ich war faul und habe trotzdem direkt noch eine zweite Ausrede im Gepäck: So richtig große Sachen sind ja in in den letzten Monaten nicht raus gekommen. Jungle wurden mir empfohlen, aber haben einfach nicht überzeugt, La Roux finde ich im zweiten Versuch nach dem nervtötenden Debüt auch nicht besser und überhaupt…ach nee, wir wollen ja nicht meckern, hat sich doch letzten Endes was Altbewährtes Hörenswertes gefunden. Rise Against sind immer noch die Könige unter den Stadion-Punkern, Lana Del Rey zeigt uns die Welt hinter dem schönen Schein, Coldplay sind wieder traurig und zum Ende gibt es sogar Blut, Schweiß und Honig. Wohl bekommt`s!

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