John Bramblitt, der blinde Maler

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Mit 30 Jahren erblindete John Bramblitt vollkommen. Aufgrund einer Epilepsie, unter der er bereits seit seiner Kindheit litt, hatte er schon die Jahre zuvor sukzessive an Sehkraft eingebüßt, mit ihrem finalen Totalverlust gewann er schließlich allerdings etwas anderes: Die Freude am Malen.

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Introducing… POSE

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BURN

In den Arbeiten des Chicagoer Künstlers POSE (Jordan Nickel) verschmelzen Comickunst, Pop Art und der kritischen Energie von Graffiti mit der defigurativen Attitüde eines Francis Bacon zu einer angenehmen Aufdringlichkeit. Seine Dekonstruktionen dokumentieren einerseits die beginnende Übermacht des Bildes im 20. Jahrhundert, andererseits unterläuft er die simplifizierten, fast ikonischen Comicbilder, indem er sie mit Facetten ihrer selbst vollstopft. Es ist ein bisschen wie ein Comicstrip minus Strip. Die Bilder sind auf dem ersten Blick nicht sequenziert, ihre Grenzen verwischen, sie selbst fallen ineinander und saugen die Aufmerksamkeit des Rezipienten ein. Damit legt POSE etwas entscheidendes offen: die gravitative Kraft von “Bedeutung”. Auf einer anderen Ebene huldigt er gewissermaßen den Comic- und Pop Art-Figuren, indem er ihnen, entgegen ihrer anfänglichen Einfachheit, eine Komplexität zuspricht. Es sind wirklich tolle Bilder. Auf seiner website hellopose gibt es noch mehr davon.

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Doll 2

 

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via artnau

 

FFO ART

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Wow! Einfach nur wow! Es ist echt verflucht lange her, dass ich aktuelle, derart beeindruckende, alles wegknallende Bildende Kunst gesehen habe. FFO’s Thema sind menschliche Beziehungen in allen erdenklichen Formen. Wie der anonyme Künstler, die anonyme Künstlerin dies in ihrem/seinem Tumblr umsetzt, sprengt aber jeglichen körperlichen und mentalen Rahmen:

Is this real? Or has this been happening inside my head?” 
Of course it is happening inside your head, but why on earth should that mean that it is not real?”

Körper werden destruiert und dekonstruiert, zerfließen mit der Umgebung, mit den Mitkörpern, werden aufgesprengt und in anatomisch nackte Monstren verwandelt. Surrealismus und Romantik treffen sich zum gemeinsamen Walzer, Erotik, Morbidität, Sehnsucht und Zynismus geben sich ein Stelldichein und dazwischen weiß der Betrachter nie, ob er sich gerade in einem Pop-Universe, einer pittoresken postmodernen Modenschau oder doch nur im Gehirn eines extrem dissoziativen Künstlers befindet. Anyway, ganz ganz große Kunst und mit das beste was mir in letzter Zeit auf Tumblr über den Weg gelaufen ist.

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FFO ART via doktorsblog

Super Flemish – What if the Hulk was a Duke

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Großartige Serie von Sacha Goldberger, der Superhelden, Super-Villains und Ikonen aus dem Star Wars Universum im Stil von europäischen Gemälden des 16. Jahrhunderts gemalt hat. Seine Bilder sind nicht nur wundervolle Mashups aus Pop und traditioneller Malerei, sondern zudem superdetailliert und ein wahrer Schmaus für die Augen.

Die Bilder wurden vor kurzem – neben den ebenfalls grandiosen Superhelden-Omis in der School Gallery Paris ausgestellt. Surft auf jeden Fall zu Goldbergers Website um weitere tolle Bilder dieser Serie bestaunen zu können.

Sacha’s discovery of these characters, which goes back to childhood, gave birth to a desire
to re-appropriate them, to take them back to a time forming the cornerstone of modern western art. Sacha wants to confront these icons of American culture with contemporary painters of the Flemish school. The collection demonstrates the use of 17 century techniques counterpointing light and shadow to illustrate nobility and fragility of the super powerful of all times. It also invites you to celebrate the heroes of your childhood. These characters have become icons to reveal their humanity: tired of having to save the world without respite, promised to a destiny of endless immortality, forever trapped in their character.
The superheroes often live their lives cloaked in anonymity. These portraits give them a chance to « fix » their narcissism denied. By the temporal disturbance they produce, these images allow us to discover, under the patina of time, an unexpected melancholy of those who are to be invincible.

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Super Flemish via Dangerous Minds

Watch her Back!

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Großartige Zeichnungen von Danny Galieote: 50’s Feel Good popstilisierte Gemälde von Frauen, die hinter ihrem Rücken das richtige Werkzeug verbergen, um dem Patriarchat ein blutiges Ende zu setzen. Jetzt kann man hinter diesen Bildern, je nachdem wie einem ist, Misogynie oder aber auch eine feministische Botschaft vermuten… ich würde sie am ehesten mit einem Freud’schen Double-Spin erklären: Natürlich sind hier ganz ganz klassische Ängste des Mannes dargestellt; und diese werden in ein so überdrehtes – und leider Gotte doch so reales – sexistisches Setting verpflanzt, dass sie umso deutlicher zeigen, wie Maskulinismus und Anti-Feminismus v.a. durch irrationale Ängste vor Verlust des eigenen Status Quo geprägt sind. Sweet!

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Women fighting back via boing boing

Gekritzelte Superhelden-Dekonstruktionen von Hardy Hinrichs

Der spielerische, postmodern verspielte Umgang mit klassischen Ikonen ist ja per se schon mal großartig. Und wenn dann auch noch ein gewisser Nerd-Faktor mit ins Spiel kommt, ist definitiv die Grenze zur Genialität überschritten. So geschehen bei Hardy Hinrichs, der Superhelden des 20. Jahrhunderts aus ihrem pathetischen Comic-Ambiente herausreißt und in einen neuen, im besten Sinne des Wortes kindlich naiven Kontext rückt. Seine liebevoll gekritzelten Superheroes sind weniger Weltenretter und Rächer im Kampf gegen das Böse als viel mehr niedliche Kleinkinderfantasien, deren Diskrepanz zwischen Ambition und zeichnerischer Wirklichkeit gar einen leicht melancholischen Hauch versprüht. Übergroße Köpfe, süße Gesten, Kaffeeflecken… und schon ist die entzückende Trivialität hinter jedem Heldenmut entlarvt. Ganz fantastisch!

Superhero by Hardy Hinrichs via thaeger

Poetisches für den Sonntag: Gedruckte Skulpturen von Eric Van Straaten

Dass 3D-Drucker als Schnittstelle zwischen digitaler und analoger Welt seit mindestens einem Jahr DAS Thema überhaupt sind, muss wohl nicht extra betont werden. Ebenso wenig, dass immer mehr Digital Artists dieses neue Spiel- und Werkzeug für sich entdecken. Eric Van Straaten nutzt es für wunderbar verspielte, entzückende und zugleich grotesk verschnörkelte 3D-Skulpturen, die Decadence mit Pop mit Disney mit Art déco mit Lolita-Fantasy-Romantik kreuzen. Schick.

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Lädierte Pokemon von Justin White

Ich bin ja definitiv zu alt, um Pokemon in meiner Kindheit mitgemacht zu haben. Das hat mich allerdings nicht davon abgehalten, mich damals mit der Anime-Serie, den Spielen und dem ganzen Merchandising-Hype drumherum auseinanderzusetzen. Meine Quintessenz als spießiger Erwachsener: Pokemon ist schon so etwas wie die Kinderversion eines Hahnen- oder Hundekampfes. Unschuldige, eigentlich friedliebende Tiere werden von überehrgeizigen Kids eingefangen und in gigantischen Arenen zu brutalen Kämpfen gezwungen. Insofern fangen Justin Whites verspielte Grafiken schon ganz gut das amoralische Moment und den Sadismus ein, der in dieser Franchise verdeckt bis offen propagiert wird.

Natürlich könnte ich jetzt noch über die ganzen Marktmechanismen lästern, die hinter dem Konzept stecken, musste ich doch während meines Zivildiensts immer wieder feststellen, wie Grundschulkinder ordentlich Geld in Sammelkarten etc. investiert haben und beim Feilschen um Pikachu und Konsorten echte marktwirtschaftliche Erbarmungslosigkeit unter Beweis stellten. Aber andererseits hatten wir in unserer Kindheit halt die Panini-Sammelkarten, Murmeln und Stickeralben… und die waren so rein kapitalismustechnisch auch nicht viel anderes. Jetzt aber genug vom Fabulieren: Mein Lieblings-Pokemon war immer Bisasam und diese Bilder sind einfach awesome.

Busted Pokemon by Justin White via Who killed Bambi?

Heilige Superhelden von Igor Scalisi Palminteri

Dass die Ikonographie der Superhelden im 20. und 21. Jahrhundert sowohl ästhetisch als auch strukturell sehr viel mit der Darstellung klassischer Heiligen-Ikonen gemein hat, dürfte jedem Freund der Marvel’schen und DC’schen Recken bekannt sein. Sei es die Märtyrer-Ästhetik eines Batman, die Erlöser-Metaphorik, die ihm vom Himmel gesandten Superman steckt, oder die “Große Macht, große Verantwortung”-Metaphorik des zum Helden mutierten Spider-Man. Superhelden gehören mit zu den signifikantesten, säkularreligiösen Erscheinungen des “Pop-Zeitalters”. Umso erstaunlicher, dass bisher noch niemand auf diese Idee gekommen ist: Der italienische Künstler   Igor Scalisi Palminteri bemalt Heiligenfiguren im Stil klassischer Comic-Helden und erschafft so eine gewaltige und zugleich ironisch gebrochene Bildästhetik der postmodernen, pop-modernen Heldenverehrung. Andererseits kann man diese großartigen Figuren auch einfach nur “nerdy” nennen…

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Klassische Gemälde als Collagen aus Lifestyle-Magazinen

Der in Sau Paolo geborene, mittlerweile in Brooklyn lebende Künstler Vik Muniz erstellt faszinierende Reproduktionen berühmter, klassischer Gemälde aus dem 19. und 20. Jahrhundert. Es ist ungemein faszinierend, wie die derzeit in der Galerie Xippas in Paris ausgestellten Collagen ins Detail gehen, wie sie Linie um Linie von solchen berühmten Gemälden wie Van Goghs Sternennacht (das hatten wir ja schon öfter hier als postmoderne Reproduktion) nachzeichnen, aus Text und Bild und Story Kunst bilden und zugleich in ein fragmentiertes, ironisches Spiel übergeben. Zweifellos große Collagen-Kunst, die auch den zweiten, dritten und vierten genaueren Blick wert ist.

via Flavorwire (wo es noch ein bisschen mehr zu sehen gibt)

Update or Die! – Fin de Siècle de Pop

Die Gebrüder Marvellin aus Milan haben 2011 ein Projekt ins Leben gerufen, in dem alte Fotos mit ikonischen Masken, von Superhelden wie Catwoman bis hin zu Fimmonstern wie Hannibal Lector, aufgehübscht werden. Pop Art trifft Art Déco trifft Jahrtausendwechsel trifft Vintage Fotografie… Irgendwo zwischen faszinierend, spooky und lässig zu verorten…

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Animated Short der Woche: Good Books – Metamorphosis

Hunter S. Thompson trifft auf Franz Kafka in diesem großartigen, visuell und inhaltlich beeindruckenden Short, der zwar nur ein Commercial für den Online Buchhandel Good Books ist, dafür aber ungemein künstlerisch und anspruchsvoll daher kommt. Good Books gehört dann auch tatsächlich, wie der Name schon sagt, zu den Guten, gehen doch 100% ihres Retail Profits an Charity Projekte von Oxfam International. Was es zu sehen gibt, ist also große Unterhaltung für eine tolle Sache… und das ist jetzt doch echt Mal ne Aufnahme in die Animated Shorts der Woche wert.

It is not very often that we have the opportunity to create a graphic equivalent of a drug fueled rant bringing all of our collective skills to bear. And it is almost unfathomable that we could actually do something like this and benefit a good cause.

The Buck team dug deep, channeling our inner gonzo, to direct and produce this homage promoting Good Books, the online bookseller that passes all its profits through to Oxfam. A big thanks to String Theory in NZ for bringing us this script, Antfood for their amazing audio stylings, to Thor for giving his voice and to all the artists who made this something we are proud of.

via Open Culture

Lego Imagine – Alles nur geklaut?

Derzeit geistert die Plakat-Kampagne von Jung von Matt für Lego durch diverse Design-Blogs. Unter dem Slogan Imagine werden bekannte TV-Ikonen wie die Simpsons, die Schlümpfe oder Ernie und Bert im minimalistischen Klötzchen-Design nachgebaut. Es hat nicht lange gedauert, bis die ersten Leser ihren Unmut darüber äußerten, dass die ganze Kampagne nicht im geringsten originell, im Prinzip sogar geklaut wäre. Ganz so weit würde ich nicht gehen. Die Inspiration durch minimalistische Pixel-Ikonen, die schon längere Zeit durchs Netz geistern, ist zwar offensichtlich, aber mehr als etwas über das Klassische hinausgehende Inspiration – wie sie in der heutigen Kunst- und Design-Welt zu Hauf vorkommt – ist der vermeintliche Ideenklau dann doch nicht. Da finde ich den High Fidelity Rip-Off der Ergo-Werbung weitaus ätzender, zumal die Lego-Kampagne selbst in ihrem vergnügten Minimalismus und dem Bogenschlag von Tradition bis zu Pop-Art mehr als gelungen ist. Überzeugt euch aber am besten selbst nach dem Klick…

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