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“Gutmenschlichkeit in DeiGsicht” – Interview mit form/prim

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Ich hatte die Tage ein sehr interessantes Interview mit form/prim. Es ging nicht um Deluxe-Boxen, Sneaker und Marken-Klamotten, sondern um Gutmenschlichkeit, Polit-Rap Underground und Diskurs.


Hallo form! Ich habe der “Urknall war ein Inside-Job” angehört und würde es als Polit-Rap einordnen. Kannst du mit dieser Schublade leben?

Ich kann damit leben, sonst wäre ich ja schon tot. Ich habe natürlich etwas dagegen, weil dieser Begriff ganz viele Sachen umfasst, mit denen ich nichts zu tun habe, aber die Leute brauchen ja immer ganz arg viel Hilfestellung, Anhaltspunkte, Unterstützung und Orientierung in dieser crazy bösen, unübersichtlichen, schrecklichen Welt. Wenn sie also sonst weinen, sollen sie sich eben an “Polit-Rap” festhalten. Es trifft halt nicht den Punkt, aber was tut das schon? Ich sag lieber “Powerrap mit der Kraft der Gutmenschlichkeit in DeiGsicht, du Furzknolle”, aber das ist auch wieder zu lang. Und ja, ich habe politische Vorstellungen, aber das thront nicht über allem. Zuallererst muss es geil sein. Künstlerisch interessant, unterhaltsam, innovativ und sowas. Das ist mein Anspruch an Rap. Natürlich hab ich auch einen Anspruch an die Inhalte, aber das darf niemals zu Lasten des Styles gehen. Es gibt ja z.B. gerade in klassisch politischen oder in manchen HipHap-HipHop-Kreisen extrem konservative Vorstellungen davon, was Rap sein soll. Leute, die sonst überall den Fortschritt fordern, sind in Sachen Beats mega hängengeblieben auf New York 1996, wollen, dass sich alles immer schön ordentlich am Ende reimt und heulen rum, wenn ihre Erwartungen nicht erfüllt werden. Das ist wack, das ist rückgratlos, das macht den Fußball kaputt. Das hat vielleicht was mit deren Midlife-Crisis zu tun, aber eben nichts mit Freshness. Und für mich hat HipHop aber viel mehr mit Letzterem gemein. Seid eigen. Traut euch doch mal was, ihr feigen Schiffschaukelbremser!

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Thomas.Bernhard

Thomas Bernhard schimpft, aber nicht nur das

Google hat eine interaktive Karte mit verlinkten Orten und Städten über die sich Thomas Bernhard in seinem Werk ausgelassen hat. Ich hatte lange überlegt, wer der großartigere Schimpfer ist, Bernhard oder Serdar Somuncu. Beide haben ja ein ähnliches politisches und humanistisches Sendungsbewusstsein, wobei ich glaube dass Bernhard aus einer notwendigeren Notwehr heraus handelte. Muss ziemlich bedrückend gewesen sein, sein engstirniges, katholizistisches und nazistisches Österreich. Somuncu haben wir, die Kartoffeln, zu verdanken, dass das “c” in seinem Namen weder wie “z” noch wie “k”, sondern wie “sch” ausgesprochen wird. So geht Politik richtig, und nicht so wie derzeit bei unseren europäischen Nachbarn. Jedenfalls, weil Bernhards Hasstiraden formvollendeter sind, idiosynkratischer, erratischer (es ist ansteckend) ist er der großartigere Schimpfer. Ist vermutlich aber auch eine Geschmacksfrage, nicht jeder hat was übrig für diesen beckettschen Stil. Großer Tipp: Thomas Bernhard “Auslöschung”. Kleiner Tipp: Alle seine kleinen Texte, zum Beispiel “Gehen”.

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Alles Für Immer 03 – Der Herold

Wie der Herold der Unsichtbaren Hand des freien Marktes des Todes in die Welt spawnt.

Beschreibungen und Links zum verwendeten, CC-lizenziertem, Bildmaterial findet man auf meinem Youtubekanal.

Tilted MF auf Youtube und auf tumblr.

Piraten in der Politik – 100 Tage einer Aufsteigerpartei

Letztes Jahr habe ich an dieser Stelle ein flammendes Plädoyer für die Wahl der Piraten für das Berliner Abgeordnetenhaus gehalten. Auch wenn die Fraktion bisher häufig mit Sperenzien, langatmigen Klein-Klein-Debatten und merkwürdigen Personalentscheidungen von sich Reden gemacht hat, sehe ich das “Experiment: Piraten im Parlament” nach wie vor nicht als gescheitert an. Zumal die Transparenz-Versprechungen alles in allem bisher zu meiner vollsten Zufriedenheit umgesetzt wurden (*uarghh Arbeitszeugnis-Sprech). Auch die ARD beschäftigt sich in einem angenehm differenzierten Beitrag mit den ersten 100 Tagen der Berliner Piratenfraktion:

Von Null auf 15 – Fünfzehn Abgeordnete der Piratenpartei wurden am 18. September 2011 ins Berliner Abgeordnetenhaus gewählt. Ein Erfolg, der seit den Grünen keiner anderen Partei-Neugründung in Deutschland mehr gelungen ist. Innerhalb weniger Wochen liegen sie in den Umfragen bundesweit zwischen 8 und 10 %. Nicola Graef und Torsten Mandalka begleiten vier Abgeordnete während ihrer ersten 100 Tage im Berliner Parlament: Andreas Baum, den Fraktionsvorsitzenden und besonnenen Vermittler zwischen den parteiinternen Strömungen; Susanne Graf, die einzige Frau und die mit 19 Jahren jüngste Abgeordnete; Christopher Lauer, enfant terrible und “Medien-Rampensau’; Schließlich: Martin Delius, der redegewandte parlamentarische Geschäftsführer der Piratenfraktion in Berlin.

Achja, und gerade die Kritik am Lauer habe ich von Anfang an mit ziemlich viel Kopfschütteln verfolgt. Genau solche Leute brauchts auch und gerade in höheren Parteipositionen. Ich würde dann mal tatsächlich so weit gehen und behaupten, dass es mit ihm als Fraktionsvorsitzenden weitaus weniger dieser vermeidbaren Anfangs-Fraktions-Probleme gegeben hätte.

via Netzpolitik

Wahlempfehlung für Berlin 2011: Die Piraten

Wir sind kein Politblog – Und auch, wenn wir ab und zu etwas zu ironisch in politischen Blogposts mit dieser Aussage kokettieren, ist das doch immer wieder ernst gemeint. Insofern fühle ich mich auch in der Pflicht, zu erklären, warum ich an dieser Stelle überhaupt eine Wahlempfehlung für die Berlin-Wahl 2011 abgebe, insbesondere, da ich mich für gewöhnlich selbst im Freundeskreis mit Wahlempfehlungen bzw. Bekundungen meiner eigenen Wahlentscheidungen eher zurückhalte. Also warum jetzt, warum an dieser Stelle?

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Die Partei, die Partei, die hat immer Recht! – Martin Sonneborn stellt sich ‘Klipp und Klar’ zur Berlin-Wahl 2011

Mantrisch wiederholend: “Wir sind kein Politblog, wir sind kein Politblog, wir sind kein…” Jetzt hat Rinko auch noch zum Kampf gegen alle Carnivoren aufgerufen, nachdem ich bei jedem zweiten feministischanarchistischsyndikalistischen Blog-Post auf unseren apolitischen Status hingewiesen habe. Naja, wenn die politische Sau erst in den Brunnen gefallen ist… und außerdem sind in Berlin ja bald Wahlen. Und ich wohne ja auch in dieser wunderschönen Stadt… Und ich werde wahrscheinlich dann doch mal in den nächsten Tagen, vollkommen entgegen der Richtlinien unserer fehlenden Politzentrierung eine kleine Wahlempfehlung abgeben, bzw. posten, was ich am 18.9. wählen gehe… Das hier ist keine Wahlempfehlung sondern politische Satire vom Feinsten. Martin Sonneborn – der letzte lebende Satiriker in Deutschland äußert sich zu den Positionen seiner Partei für Arbeit, Rechtsstaat, Tierschutz, Elitenförderung und basisdemokratische Initiative (Die PARTEI). Die dürfen nämlich allen Neidern, Spöttern und Hatern zum Trotz im September ebenfalls antreten. Ein Kreuzchen werde ich zwar nicht bei ihnen machen, meiner Sympathie und Solidarität dürfen sie sich aber sicher sein. Zum Wahlprogramm von Die PARTEI Berlin:

Die PARTEI Berlin möchte mit Ihrer Stimme ins Abgeordnetenhaus einziehen und sich für Ihre Belange mit allen Kräften einsetzen. Die PARTEI steht für eine Politik der extremen Mitte, die den Stillstand durch Bewegung überwindet. Wir sind bereit, aus der Last der Verantwortung wieder eine Lust der Verantwortung zu machen – und damit wegweisende Politik mit Kopf, Herz, Hand und Verstand für unser Berlin und seine Bürgerinnen und Bürger zu gestalten. In der Regierung wird die PARTEI die Finanzen der Stadt in Ordnung bringen, gleichzeitig aber auch Visionen für die Zukunft entwickeln. Realistische Politik ist Voraussetzung dafür, dass Bürgerinnen und Bürger wieder Vertrauen in die politischen Institutionen Berlins gewinnen. Vertrauen entsteht, wenn Versprechen eingehalten werden. Dafür stehen wir mit unserem Namen.

10 gute Gründe gegen die deutsche Nationalelf zu sein

Jau! Es ist mal wieder geschafft. Deutschland steht im Achtelfinale der Fußball-WM. Seit 2006 ist es ja wieder in Mode der deutschen Elf die Daumen zu drücken (war das im Fußball denn je aus der Mode?)… Bleibt die Frage: Sollte man das überhaupt? Passend zum klassischen Fußballduell gegen England liefern wir all den Unsicheren eine kleine Orientierungshilfe. Den Anfang machen zehn gute Gründe, am Sonntag den Herren von der Insel die Daumen zu drücken. Aber keine Sorge: Rechtzeitig vorm Anpfiff liefern wir noch für alle Fußballpatrioten zehn entsprechende Gründe nach, warum man für die deutsche Nationalelf sein sollte. Wie der Fußballfan sich letzten Endes entscheidet, bleibt ihm natürlich selbst überlassen. Aber zumindest die richtigen Argumente für oder gegen Schlaaaand die deutsche Elf dürfte er hiermit zur Hand haben.

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