…Und dann waren da noch die Handtaschen, die plötzlich an allen möglichen Statuen in Schweden hingen

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Ursprünglich sollte es eigentlich nur eine Statue werden: In Gedenken an die Schwedin Danuta Danielsson, die 1985 einen Neonazi – während eines rechtsextremen Aufmarsches – mit ihrer Handtasche schlug, und so als Nachfahrin von Shoa-Opfern eine schlagkräftiges Zeichen gegen die neue Gefahr von rechts setzte. So schlagkräftig, dass das Foto, das die Situation berühmt machte, festgehalten von Hans Runesson, zum schwedischen Foto des 20. Jahrhunderts gekürt wurde. Einen Entwurf für die Statue, die diesen Moment für die Ewigkeit in Bronze festhalten sollte, gab es auch schon, nämlich von der Künstlerin Susanna Arwin. Also volle Bahn frei für das Denkmal gegen Neonazismus und für Zivilcourage? Nicht, wenn es nach Schwedens Behörden geht. Die hielten das ikonische Bild nämlich für zu gewaltverherrlichend und lehnten so den Antrag für die Statue ab.

…Die Schweden indes reagierten auf ihre eigene, coole Weise auf das “inte!” der Behörden. Und so finden sich seit letzter Woche im ganzen Land Solidaritätsbekundungen diverser Statuen, die ihre neuen Handtaschen stolz zur Schau tragen. Eine großartige Street Art Performance der Öffentlichkeit und ein deutliches Zeichen für Zivilcourage und gegen Neonazismus.

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via Schlecky Silberstein

Eine Nano-Skulptur unter dem Mikroskop

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Der Künstler Jonty Hurwitz hat in seinem neuen Projekt Trust eine menschliche Skulptur gestaltet, die so klein ist, das man sie nur unter einem Mikroskop betrachten kann. Mit 80 x 100 x 20 Mikrometer (ungefähr die Größe eines menschlichen Spermiums) handelt es sich um die kleinste Plastik eines menschlichen Körpers überhaupt. Ein großartiges Remix aus Kunst und Wissenschaft, beeindruckend in seiner Ambition, noch beeindruckender in seiner Ausführung. Size matters sometimes!

We live in an era where the impossible has finally come to pass. We have, in our own little way we have become demigods of creation in our physical world…. The nano works that I present to you here represent more that just a feat of science though. They represent the moment in history that we ourselves are able to create a full human form at the same scale as the sperm that creates us in order to facilitate the creation.

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Trust by Jonty Hurwitz via Beautiful/Decay

Halloween-Content: Giant Stone Sculpture ready to run down Budapest

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Hat so ein bisschen was von zwei großartigen Filmmonstern, die einmal durch den Mixer gejagt wurden Tatsächlich handelt es sich hier allerdings nicht um ein Godzilla/Golem-Mashup sondern um eine Statue von Ervin Loránth Hervé mit dem – auch ziemlich passenden – Namen “popped up”, ursprünglich errichtet für den Art Market Budapest. Egal, jetzt ist Halloween and he’s coming for you.

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photos by László Balkányi / We Love Budapest via Laughing Squid

Gruselige Kinderstatuetten von Maria Rubinke

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Zeit für ein bisschen Halloween-Content: Die traditionellen Porzellan-Skulptürchen der dänischen Künstlerin Maria Rubinke sind putzig, pittoresk, kitschig… und verdammt verstörend. Puppen und Kinder gehen eigentlich immer, wenn man mir einen gehörigen Schrecken einjagen will, diese Teile werden mich aber mit Sicherheit bis in meine Träume verfolgen. Mehr davon gibt es auf Rubinkes Facebook-Seite oder Beautiful Decay zu sehen. Ich wünsche euch eine schöne Woche…

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via Dangerous Minds

Gruselige Marienstatuen sind gruselig

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Ich arbeite gerade noch an meinem Danzig-Reisebericht, diese drei Fotos wollte ich euch allerdings nicht bis zu seiner Fertigstellung vorenthalten.

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Alle drei Plastiken stehen in der Marienburg (Malbork) nahe Danzig und offenbaren die gruseligen Seiten christlicher Ikonik. Ich weiß nur noch nicht, was ich unheimlicher finden soll: Den erwachsenen totgelittenen Jesus, der von seiner Mutter wie ein kleines Kind gehalten wird, oder das deformierte Christkind, das auch eine pointierte Metapher auf den Niedergang des Christentums sein könnte.

Cement Eclipses von Isaac Cordal

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Sie verstecken sich in Bordsteinritzen und in kleinen Kanalrohren. In den kleinen unscheinbaren Einbuchtungen von Mauern und hinter den Überresten der letzten Pflanzen im urbanen Raum sind sie zu Hause. Mitunter wagen sie sich auch auf die Straße, waten durch Pfützen, huschen über Straßen und suchen sich neue Verstecke, während sie die Einsamkeit der Großstadt von unten betrachten.

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Die Cement Eclipses von Isaac Cordal sind beeindruckende, düstere und durch und durch deprimierende Gestalten, die sich im Gegensatz zur üblichen Street Art den urbanen Raum nicht erschließen, die ihn nicht erobern und sich zu eigen machen, sondern ganz im Gegenteil, sich in ihm verstecken, Schlupflöcher suchen und – wie es scheint – ständig Gefahr laufen, in ihm verloren zu gehen. Die Geschichten, die um sie entstehen sind pessimistisch, defätistisch, sie zeichnen Tod und Verfall in den öffentlichen Raum, zwingen zum Innehalten und zum Überdenken der eigenen Perspektive auf die Öffentlichkeit. Isaac Cordal dazu:

Men and women are suspended and isolated in a motion or pose that can take on multiple meanings. The sympathetic figures are easy to relate to and to laugh with. They present fragments in which the nature, still present, maintains encouraging symptoms of survival. The precariousness of these anonymous statuettes, at the height of the sole of the passers, represents the nomadic remainders of an imperfect construction of our society. These small sculptures contemplate the demolition and reconstruction of everything around us. They catch the attention of the absurdity of our existence.

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Cement Eclipses via colossal und pokingsmot

Tätowierte Porzellanfiguren von Jessica Harrison

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Take this, Kitsch! Die Künstlerin Jessica Harrison bemalt klassische unfassbar kitschig idealisierte Porzellanfiguren von Frauen mit genau so klassischen, idealisierten Tätowierungen von Matrosen. Ein großartiges Spiel mit prototypischen, traditionellen Erscheinungsbildern und Stilisierungen: Auf der einen Seite die zarten, fragilen “Püppchen”, auf der anderen Seite die zumindest in der zeitgenössischen Rezeption derben, von Männlichkeit sprühenden Seemann-Tattoos.

Andererseits sind diese ikonischen Bilder von zerstochenen Herzen und holden Seejungfrauen selbst wieder um Kitsch in ihrer reinsten Form, stereotype Männlichkeits-Ikonographien, die in ihrer Schlichtheit nicht weniger plump und sentimental daherkommen, wie die Fläche auf der sie hier verewigt werden. Fight Fire with Fire, dem Kitsch mit Kitsch begegnet und durch diese Multiplikation etwas tatsächlich kitschfreies, originär künstlerisches geschaffen. Groß!

Harrison proposes a multi-directional and pervasive model of skin as a space in which body and world mingle. Working with this moving space between artist/maker and viewer, she draws on the active body in both making and interpreting sculpture to unravel imaginative touch and proprioceptive sensation in sculptural practice. In this way, Harrison re-describes the body in sculpture through the skin, offering an alternative way of thinking about the body beyond a binary tradition of inside and outside.

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Ebenfalls sehenswert: Harrisons noch radikalerer Umgang mit den Porzellan-Frauen, wenn sie auf den Kitsch direkt mit physischer Gewalt reagiert. Diese und andere Werke sind Teil von Harrisons Ausstellung FLASH in der Galerie L.J. in Paris

via Colossal

Lebensechte Skulpturen von Sam Jinks

…fallen wohl in den Bereich: Creepiest Art of the Week. Gleichzeitig sind die lebensechten Skulpturen von Sam Jinks auf ihre ganz eigene Art und Weise wunderschön und poetisch. In ihnen spiegeln sich ebenso Melancholie wie die Schönheit des Hässlichen, die Vergänglichkeit des Lebens und das Außergewöhnliche im Vulgären wider. Ein paar Favoriten sind hier gelandet, den Rest solltet ihr euch aber unbedingt auch ansehen.

Sam Jinks’ sculptural work sustains the briefest and often most private moments in time. Emotional vulnerability is both the subject and result of his work and moves audiences in a way not expected from contemporary art. For Jinks, his works are not literal representations, but are based on the combination of different stages of life.


Sam Jinks from Sullivan + Strumpf on Vimeo.

Weitere Bilder von Sam Jinks Kreaturen via Ignant

Wenn Barbie die Maße einer durchschnittlichen Frau hätte…

Auch schon etwas älter, das. Aber man kommt ja zu nichts, wenn man akademisch arbeitet und gleichzeitig versucht zumindest ein wenig das sommerliche Wetter zu genießen: Künstler Nickolay Lamm hat anhand der Durchschnittsmaße weiblicher US-Teenager aus Kalifornien eine “Normal Barbie” erstellt, die im Gegensatz zum originalen Mattel-Produkt als echtes Lebewesen nicht mit zahllosen Krankheiten zu kämpfen hätte. Macht Sinn.

Some people say that we shouldn’t pay attention to the body proportions of Barbie because she is just a toy. On the surface, that sounds like a valid argument. But a closer look, through research, suggests that Barbie may lead to the following…

Heightened body dissatisfaction among young girls (Dittmar)
Unhealthy eating behaviors (Dittmar)
A desire to achieve a slim body and therefore eat less (Anschutz)

The above Barbie vs “normal” Barbie images were created with the help of a 3D printed model of a normal woman.

This white model was made using measurements that match up closely with CDC measurements of the average 19 year old woman in America.

The end result is what Barbie would look like if she was a healthy, beautiful, 19 year old woman.

What if Barbie looked like a real woman? via One360 und SZ

Les Voyageurs – Zerschredderte Skulpturen

Faszinierende Arbeiten des französischen Künstlers Bruno Catalano. In ihrer Menschlichkeit zerrissen, innerlich und äußerlich fragil wirken die unvollständigen, im wahrsten Sinne des Wortes unvollkommenen, Skulpturen, die Catalano selbst als Les Voyageurs bezeichnet: Wohin reisen diese zerschredderten Menschen? Sind sie auf der Suche nach sich selbst, nach Vervollkommenung. Oder haben sie auf ihrer Reise viel mehr ein Stück von sich selbst verloren oder gar freiwillig aufgegeben, um zu neuen Menschen zu werden? Mehr dieser einsamen, verlorenen und suchenden Kreaturen gibt es bei My Modern Metropolis zu sehen.

via Neatorama

Shadow Dancing by Diet Wiegman

Am Mittwoch habe ich meine mündliche Prüfung und bin dann erst einmal fertig mit philosophischen Gedankenverrenkungen. Aber was kleines fachbezogenes muss ich dann doch noch hier reinhauen: Wir sind mal wieder bei der platonischen Höhle, in die wir uns für die Befriedigung ästhetischer Gelüste nur allzu gerne begeben. Diet Wiegman bastelt an un für sich schon großartige Trash-Art, die aber erst durch ihre tanzenden Schatten zum vollkommenen platonischen Kunstwerk wird. An die Wand projiziert verstecken sich die anamorphen Kreaturen hinter wundervollen, traumhaften Kunst-Epigonien. Würde auch zu dem ganzen nietzscheanischen Thema von dionysischem Abgrund und apollinischer Verzückung passen… Meine Favoriten sind die Venus und der David, wobei der Michael Jackson Epigone auch ziemlich cool ist. Weitere dieser faszinierenden Schattentänze gibt es auf Wiegmanns Blog zu bestaunen, für weitere Informationen lohnt es sich ebenso, zu alafoto zu surfen.


Diet Wiegman via colossal

Sculpture Surgeries by Cao Hui

Arghhh… ist das jetzt Prokrastination oder ein wichtiges Abarbeiten von favorisierten Feeds? Egal, die gr0ßartigen, sezierten Skulpturen von Cao Hui muss ich gerade einfach an dieser Stelle posten. Genau jetzt! Denn ähnlich wie auf den Bildern fühlt sich auch mein Kopf derzeit an, nachdem ich mich die letzten Tage mit Nietzsche, Husserl, Waldenfels, Gehirnen im Tank und postmodernen Moderne-Interpretationen auseinandergesetzt habe: Seziert, verschoben, dissoziiert… und nächste Woche dann hoffentlich wieder frei. Wo ist ein Skalpell?

via whokilledbambi?

From Within A Book

Bibliophile Kunst können wir hier eigentlich nie genug haben… Emma Taylor kreiert aus Bücherseiten wunderschöne, unglaublich detaillierte Figuren und Szenarien, die den Betrachter aus dem Papier heraus scheinbar direkt anspringen und in die visuellen Geschichten hineinziehen. In ihrem persönlichen Etsy-Shop verkauft sie einige der so entstandenen Kunstwerke, die sich ebenfalls in ihrem Tumblr bewundern lassen.

From Within A Book via Visual News

Fallen Astronaut: Denkmal für gefallene Raumfahrer auf dem Mond

Als Gedenken an alle Astronauten und Kosmonauten, die ihr Leben bei der Erkundung des Weltraums gaben, entwarf der Künstler Paul Van Hoeydonck zu Beginn der 70er Jahre eine 8,5 cm große Aluminiumsskulptur, die einen “gefallenen” Weltraumreisenden darstellt. Die kleine Statuette, die laut Wikipedia sowohl gender- als auch rassenneutral gestaltet ist, gehörte mit zum Bordinventar der Apollo 15 Mission von 1971 und wurde von dieser zusammen mit einer Metallplatte, auf der die Namen der Gedachten verewigt sind, auf dem Mond zurückgelassen. Damit ist diese kleine Figur das bis dato einzige menschliche Kunstwerk auf dem Mond und darüber hinaus das einzige Kunstwerk, das speziell für die Repräsentation der Menschheit im Universum angefertigt wurde.

Spannend ist dabei nicht zuletzt, dass sich dies natürlich auch auf Materialität und Symbolik des Werkes auswirkt. Gerade letztere war vom Künstler sogar weiter intendiert als bei der späteren, tatsächlichen Verwendung. Van Hoeydonck glaubte ein Symbol für die Menschheit im Allgemeinen zu entwerfen und nicht bloß eine “Grabesfigur” für die gestorbenen Raumfahrer. Von der “eingeschränkten” Verwendung erfuhr er erst später. Aber auch ohne diese universelle Intention funktioniert die kleine Figur perfekt als schlichte, zurückhaltende und universelle Referenz auf die großen, menschlichen Ambitionen (und im Subtext auch auf das damit verbundene Scheitern). Nur Schade, dass die Statue schließlich auch ihre Einzigartigkeit eingebüßt hat: Auf Wunsch des National Air and Space Museum stellte Van Hoeydonck 1972 ein Replik der Figur her, die heutzutage dort besichtigt werden kann. Walter Benjamin bemühend, erreicht dieses freilich niemals die Aura des Originals, dessen Platz auf dem Mond als Paratext/Kontext integrativer Bestandteil des kleinen Kunstwerks ist.

via pewpewpew

Poetisches für den Sonntag: Gedruckte Skulpturen von Eric Van Straaten

Dass 3D-Drucker als Schnittstelle zwischen digitaler und analoger Welt seit mindestens einem Jahr DAS Thema überhaupt sind, muss wohl nicht extra betont werden. Ebenso wenig, dass immer mehr Digital Artists dieses neue Spiel- und Werkzeug für sich entdecken. Eric Van Straaten nutzt es für wunderbar verspielte, entzückende und zugleich grotesk verschnörkelte 3D-Skulpturen, die Decadence mit Pop mit Disney mit Art déco mit Lolita-Fantasy-Romantik kreuzen. Schick.

via