Dramatik des 19. Jahrhunderts: Georg Büchner

So. Georg Büchner also. Alles was ich in vorangehenden Artikeln für das 18. und 19. Jahrhundert festgestellt habe, die Diskrepanz zwischen Theaterbetrieb und den großen Dramen, die Diskrepanz zwischen zeitgenössischer und späterer Rezeption, die Verdammung der großen Dramen zu Lesedramen etc… gilt für Georg Büchner (1813 – 1837) in extremem Maße. Es existiert nur eine geringe Zahl überlieferter Werke von ihm, er war Zeit seines Lebens ein literarischer Außenseiter, war ganz ähnlich wie Kleist seiner Zeit weit voraus und starb in jungen Jahren. Gleichsam spielt er eine ungemein große Rolle in der späteren und heutigen Rezeption der damaligen Zeit: Zahllose literaturwissenschaftliche Werke beschäftigen sich mit seinem Oeuvre, seinem Leben, seinem Schaffen und er wird vollkommen zurecht als Meister der deutschen Literatur gefeiert und mit den Größen des Sturm und Drang und der Klassik auf eine Stufe gestellt. Gleich mehrere Gründe, sich mit dem Vormärz-Dramatiker und Getriebenen ausführlicher zu beschäftigen.

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Schlingensief-Retrospektive IV: So schön wie hier kanns im Himmel gar nicht sein!

Wenn ein postmoderner Performancekünstler, Satiriker, Provokateur und Extremregisseur wie Christoph Schlingensief ein ganz persönliches Buch veröffentlicht, ist in erster Linie Obacht angebracht. Kann der Mann das überhaupt? Ohne Stilisierung, ohne Abstrahierung, ohne mit sich selbst zu spielen einfach nur sein Inneres nach außen kehren? Immerhin stand Schlingensief schon immer im Ruf, alle Mittel der Inszenierung zu nutzen, alles abzubilden bloß nicht die Realität in Reinform. Unabhängig, ob man dem Künstler nun positiv, negativ oder neutral gegenübersteht, sind doch ernste Zweifel an dessen Fähigkeit zur bloßen Abbildung angebracht… Und dann auch noch bei einem sensiblen Thema wie Krebs… dem eigenen Krebs, mit dem sich Schlingensief im Jahre 2008 durch “So schön wie hier kanns im Himmel gar nicht sein!” in Tagebuchform auseinandergesetzt hat.

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