Wohnzimmerinventar grausam auf Straße hingerichtet

d46c398e7

Die Pariser Objektkünstlerin Lor-K hat sich in ihrer Stadt auf die Suche nach weggeworfenen, liegen gelassenen und ausrangierten Möbelstücken gemacht und aus diesen großartig morbide Objektkunst kreiert. Auf offener Straße ausgeweidete Sofas, hingerichtete Fernseher und in Stücke geschlagene Waschbecken sind dabei herausgekommen: Konsumkritik trifft Thriller-Ästhetik trifft Splatter-Faszination. Fantastisch!

A l’ère de l’obsolescence programmée, le projet Objeticide nous confronte à la fin de vie de nos objets. Le sens de leur mort se retrouve figuré par la consistance organique de leur intérieur et le sang qui s’en écoule. Cette personnification nous offre une vision macabre et insolite. La comparaison au vivant est immédiate, évoquant les relations profondes que nous entretenons avec nos objets… Chaque meurtre vient à acquérir un sens particulier, tout en restant cohérent dans la série. Les Compliscopes réitèrent l’Objeticide et rend comparse celui qui l’active.

2d0be81d5

40b051220

lork-objeticide-art-urbain-lor-k-sculpture-de-rue (10)

Objecticide by Lor-K via citylab

Die Unwahrscheinlichkeit der Dinge

“Unlikely… but not Impossible” nennt der italienische Fotograf Giuseppe Colarusso seine Dekonstruktion alltäglicher Objekte und trifft damit genau ins Schwarze. Unter dem Titel IMPROBABILITA’ inszeniert er Alltagsobjekte mit einem kleinen Twist, der deren Funktionsfähigkeit konterkariert oder gar ins Gegenteil kehrt. Vertraute Dinge werde dadurch zu störrischen Paradoxien, zu abstrakten Eskapismen und surrealen Unsinns-Gegenständen. Dabei wird die Realität nicht nur – wie der Fotograf selbst angibt – überquert, viel mehr sind diese kruden Objekte eine augenzwinkernde Auseinandersetzung mit Ästhetizismus und Designgeilheit in der heutigen Konzeption des Praktikablen: Wann wird der Sinn zu Gunsten des Visuellen geopfert? Was zeichnet ein Objekt aus? Wann verliert es diese Auszeichnung? Und können wir uns angesichts der konzeptionellen, designtechnischen Überrealität überhaupt noch auf die Wirklichkeit der Dinge verlassen? Unwahrscheinlich… aber nicht unmöglich.

IMPROBABILITA’ by Giuseppe Colarusso via Colossal

Wenn Barbie die Maße einer durchschnittlichen Frau hätte…

Auch schon etwas älter, das. Aber man kommt ja zu nichts, wenn man akademisch arbeitet und gleichzeitig versucht zumindest ein wenig das sommerliche Wetter zu genießen: Künstler Nickolay Lamm hat anhand der Durchschnittsmaße weiblicher US-Teenager aus Kalifornien eine “Normal Barbie” erstellt, die im Gegensatz zum originalen Mattel-Produkt als echtes Lebewesen nicht mit zahllosen Krankheiten zu kämpfen hätte. Macht Sinn.

Some people say that we shouldn’t pay attention to the body proportions of Barbie because she is just a toy. On the surface, that sounds like a valid argument. But a closer look, through research, suggests that Barbie may lead to the following…

Heightened body dissatisfaction among young girls (Dittmar)
Unhealthy eating behaviors (Dittmar)
A desire to achieve a slim body and therefore eat less (Anschutz)

The above Barbie vs “normal” Barbie images were created with the help of a 3D printed model of a normal woman.

This white model was made using measurements that match up closely with CDC measurements of the average 19 year old woman in America.

The end result is what Barbie would look like if she was a healthy, beautiful, 19 year old woman.

What if Barbie looked like a real woman? via One360 und SZ

Make Music, Not War!

Der mexikanische Künstler Pedro Reyes hat mit Hilfe von sechs Musikern aus ausrangierten Militärwaffen Musikinstrumente gefertigt. Insgesamt 50 voll funktionsfähige Instrumente sind dabei herausgekommen. Den ganzen Bericht zu der großartigen Aktion gibt es inklusive Fotos bei Designboom zu lesen.

the mexican artist has created a set of 50 fully functioning musical instruments including a flute,
guitar and drum kit fabricated out of a variety of firearms such as revolvers, shot-guns, machine guns…
this video documents the production of the weapons into musical instruments,
a process which was done over the course of two weeks.

via scene360

Pilz-Illustrationen

Gehört in den Bereich einer spezifischen Form von temporärer Kunst, die mir immer wieder ein Schaudern über den Rücken jagt.  Corey Corcoran illustriert Pilze von einer Größe von 15 – 20 cm: Kunst die darauf angelegt ist, mit ihrem Medium irgendwann zu verenden, Kunst die radikal den Gesetzen der Natur unterliegt, Kunst die einfach nur ungemein mitreißend ist und allein schon durch ihre Beschaffenheit nachdenklich stimmt.

via

The Book That Can’t Wait

Dem Bibliophilen in mir, der eben nicht nur den literarischen Inhalt sondern auch die mediale Materialität an Büchern schätzt, blutet dabei schon ein wenig das Herz, auch wenn das Konzept dahinter genial ist: Das argentinische Verlagshaus  Eterna Cadencia hat ein Buch geschaffen, das mit einer speziellen Tinte produziert wurde, die sich peu à peu auflöst, sobald sie zum ersten Mal mit Licht in Berührung gekommen ist. Das Ergebnis ist ein Buch mit einer Haltbarkeit von ungefähr zwei Monaten, während sich sein Inhalt sukzessive verflüchtigt. Ziel des Ganzen ist es natürlich, insbesondere jungen Autoren die Chance zu geben, eben nicht nach dem Kauf monatelang im Regal zu stehen, sondern tatsächlich gelesen und wahrgenommen zu werden. El Libro Que No Puede Esperar, das Buch, das nicht warten kann: Tolle Idee, schicke Umsetzung… aber kaufen könnte ich mir so etwas nie.

via Kotzendes Einhorn

Neue Bücherwelten von Guy Laramée

Den Buch-Künstler Guy Laramee habe ich an anderer Stelle zuvor schon ordentlich abgefeiert. Daher spare ich mir das an dieser Stelle und verweise nur kurz auf sein neues Projekt Guan Yin, das er – beeindruckt von dem Tode seiner Mutter – den geheimen Kräften hinter der Welt widmet. Die textliche Ummantelung des Projekts mag für meinen Geschmack ein wenig zu esoterisch sein, ändert aber nichts daran, dass die dabei entstandenen Werke wieder wundervollste Objektkunst vom feinsten sind. Schaut es euch an…

Everything we know, everything we did, everything we think we are, everything and everyone we love, all this will be wiped out. We would like to think that something will remain, culture, knowledge, or call it “life” if you don’t want to call it God, but of this also, we have no certitude. “No certitude” seems to be the only one we have, but even this is a concept, and concepts are the first thing to go down the drain, aren’t they ?

This project is dedicated to the mysterious forces thanks to which we can traverse ordeals.

Guan Yin by Guy Laramee via Colossal

Die Bank das unbekannte Wesen

Die so genannten Modified Social Benches des dänischen Künstlers Jeppe Hein entwickeln durch Verformungen, ungewöhnliche Winkel un den Aufbruch der bekannten Objektsstruktur beinahe so etwas wie ein Eigenleben. Jede einzelne dieser faszinierenden Körper scheint eine Geschichte zu erzählen, scheint sein eigenes soziales Narrativ zu generieren und die Menschen einzuladen eben an jenem teilzunehmen. Nicht der Mensch kreiert das Objekt, das Objekt kreiert den Menschen…

Weitere Bilder auf Kuriositas und Laughing Squid

Licht- und Schattenspiele

Rashad Alakbarov (hier gehts zu seinem Facebook-Profil) zaubert auf wunderbare Weise aus Alltagsgegenständen fragile Installationen, die für sich allein irgendwo zwischen Design und Trash-Art pendeln… und dann haucht er ihnen Leben ein. Denn die verzweigten Müll-, Glas und Objekt-Installationen dienen nur als Basis für großartige Licht- und Schattenspiele, die komplexe Figuren und Landschaften auf leere Flächen projizieren. Platons Höhle als Weg zum ästhetischen Ausdruck, die Aura des Kunstwerkes als Projektionsfläche, die Imaginationskraft der Rezipienten direkt eingeflossen in den schöpferischen Prozess, das Kunstwerk als Referenz der Referenz der Referenz… nennt es wie ihr wollt, die Ergebnisse sind allemal beeindruckend.

weiterlesen