Schlagwort-Archiv: Novelle

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Lesezeichen: Michel Houellebecq – Unterwerfung

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“Es ist die Unterwerfung”, sagte Rediger leise. “Der nie zuvor mit dieser Kraft zum Ausdruck gebrachte grandiose und zugleich einfache Gedanke, dass der Gipfel des menschlichen Glücks in der absoluten Unterwerfung besteht. 

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Lesezeichen: Tinkers, Herr Mozart wacht auf, Liebe am Ende der Welt

Unser Literaturbereich läuft ja immer ein wenig Gefahr, vor sich hinzudarben. Dabei ist über Literatur zu schreiben, doch eigentlich die Quintessenz des Feuilletons, praktisch wie zu Musik zu tanzen oder zu Architektur zu bauen. Gott sei Dank habe ich in den letzten Wochen mal wieder etwas vermehrt Zeit zum Lesen gefunden. Und das Ergebnis dieser intensiven Lektüre-Beschäftigung bekommt ihr hiermit nachgeliefert: Das lyrische und zugleich authentische Tinkers von Paul Harding, das mit dem Pulitzerpreis 2010 ausgezeichnet wurde, die leichtfüßige Liebeserklärung an die klassische Musik Herr Mozart wacht auf, sowie das dichte Drama zwischen Mystery und Gesellschaftskritik Liebe am Ende der Welt. Dreimal Lektüre um die kommenden kalten Tage etwas wärmer zu machen, und vielleicht ist ja auch das ein oder andere potentielle Weihnachtsgeschenk dabei.

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Am darauffolgenden Tag starb niemand – Rezension zu José Saramagos Roman “Eine Zeit ohne Tod” (2005)

Die Personifizierung des Todes hat eine lange literarische und mediale Tradition. Ob als Gevatter Tod der alle gleich macht im gleichnamigen Märchen der Gebrüder Grimm, als nüchterner schachspielender Sensemann in Ingmar Bergmans “Das siebente Siegel” oder als melancholischer Lebemann Joe Black, sobald der Tod menschliche Züge bekommt, sind einer parabolischen Verwertung Tür und Tor geöffnet. In seinem kleinen Roman “Eine Zeit ohne Tod” (250 Seiten) bediente sich auch José Saramago († 18. Juni 2010) der fabelhaften Möglichkeiten des tödlichen Gleichmachers und schuf damit eine ebenso spröde wie spannende Parabel auf die Grenzen des Lebens und ein originelles “Was wäre wenn…”-Szenario, in dem der Tod gegen seine eigene Profession aufbegehrt, indem er zuerst abwesend, schließlich prophetisch und zu guter Letzt menschlich ist.

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Nackte Existenz – Rezension zu Cormac McCarthys postapokalyptischem Roman "Die Straße" (The Road)

Lange haftete dem amerikanischen Novellisten Cormac McCarthy der Ruf an, dass seine Werke unverfilmbar seien. Mit der kongenialen Coen-Adaption “No country for old men” hat sich dies geändert. Und auch in diesem Jahr erreicht ein Film die deutschen Lichtspielhäuser, dem ein Stoff McCarthys zu Grunde liegt. Das 2007 mit dem Pulitzerpreis ausgezeichnete, postapokalyptische Drama “The Road” wurde 2009 von John Hillcoat beeindruckend auf die Leinwand gebracht (und auch hier bei den besten Science Fiction Filmen des vergangenen Jahrzehnts bereits gewürdigt). Ein guter Grund das Buch vor dem leider immer noch ausstehenden deutschen Kinostart des gleichnamigen Films genauer unter die Lupe zu nehmen…

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Lugspiel, Trugspiel, Schauspiel – Rezension zu Siegfried Lenz' Novelle "Landesbühne" (2009)

Manchmal muss die Wahrheit erfunden werden. Mit dieser Losung legt Siegfried Lenz (Deutschstunde, Fundbüro) bereits den ersten wichtigen Grundstein zu seiner neuen Novelle Landesbühne. In der knappen, 120seitigen Erzählung geht es um das Zusammenspiel – nicht den Gegensatz – von Schein und Sein, die Macht der Freundschaft und unbeugsamen Optimismus. Mehr denn je haftet Lenz seinem Realismus das Attribut magisch an und erzählt dadurch eine Geschichte, die sich weder um Wirklichkeitstreue noch um dramatische Überhöhung kümmern muss.

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Sprachspiele aus Utopia – Die Gelehrtenrepublik von Arno Schmidt (1957)

(Gemäß Interworld=Gesetz Nr. 187, vom 4.4.1996, <Über bedenkliche Schriften>, dessen § 11a die Möglichkeit der Veröffentlichung politisch oder sonst irgend anstößiger Broschüren durch Übertragung in eine tote Sprache, als vereinbar sowohl mit der Staatsraison, als auch etwelchen Belangen der Literatur in Betracht zieht, nach eingeholter Interworld=Lizenz Nr.46, aus dem Amerikanischen des Charles Henry Winer ins Deutsche übersetzt.

(Der Herausgeber der Gelehrtenrepublik)

 

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Gesuchtes und Gefundenes – Rezension zu Siegfried Lenz’ "Fundbüro" (2003)

Dank seines Romans „Deutschstunde“ zählt Siegfried Lenz mit zu den bedeutendsten deutschen Autoren der Nachkriegszeit. In einer nie moralisierenden, aber ethisch trotzdem konkreten Erzählweise setzte er sich oft explizit mit den Folgen des Nationalsozialismus und der Problematik der Konformität und Uniformität in der Bundesrepublik nach 1945 auseinander. Und trotz dieses immens wichtigen Beitrages zur Vergangenheitsbewältigung sind es keineswegs die großen Romane, die ihn so besonders machen: Nein, es sind die kleinen Erzählungen und Novellen, die alltäglichen Beobachtungen und Anekdoten, die nur scheinbar trivial sind, und in Wirklichkeit tief hinab in die Ängste und Sorgen der Menschen blicken lassen. In diesen Geschichten gelingt es Lenz immer, gesellschaftliche Probleme zu thematisieren, jedoch nie mit dem Blick des Zynikers oder gnadenlosen Realisten, stattdessen mit viel Herzenswärme, Sympathie für alle seine Figuren und einer großen Portion Hoffnung, die jedem seiner kleineren, zurückhaltenden Werke immanent ist. Und eben genau in diese Sparte fällt auch der 2003 veröffentlichte Roman „Fundbüro“.

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