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“Gutmenschlichkeit in DeiGsicht” – Interview mit form/prim

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Ich hatte die Tage ein sehr interessantes Interview mit form/prim. Es ging nicht um Deluxe-Boxen, Sneaker und Marken-Klamotten, sondern um Gutmenschlichkeit, Polit-Rap Underground und Diskurs.


Hallo form! Ich habe der “Urknall war ein Inside-Job” angehört und würde es als Polit-Rap einordnen. Kannst du mit dieser Schublade leben?

Ich kann damit leben, sonst wäre ich ja schon tot. Ich habe natürlich etwas dagegen, weil dieser Begriff ganz viele Sachen umfasst, mit denen ich nichts zu tun habe, aber die Leute brauchen ja immer ganz arg viel Hilfestellung, Anhaltspunkte, Unterstützung und Orientierung in dieser crazy bösen, unübersichtlichen, schrecklichen Welt. Wenn sie also sonst weinen, sollen sie sich eben an “Polit-Rap” festhalten. Es trifft halt nicht den Punkt, aber was tut das schon? Ich sag lieber “Powerrap mit der Kraft der Gutmenschlichkeit in DeiGsicht, du Furzknolle”, aber das ist auch wieder zu lang. Und ja, ich habe politische Vorstellungen, aber das thront nicht über allem. Zuallererst muss es geil sein. Künstlerisch interessant, unterhaltsam, innovativ und sowas. Das ist mein Anspruch an Rap. Natürlich hab ich auch einen Anspruch an die Inhalte, aber das darf niemals zu Lasten des Styles gehen. Es gibt ja z.B. gerade in klassisch politischen oder in manchen HipHap-HipHop-Kreisen extrem konservative Vorstellungen davon, was Rap sein soll. Leute, die sonst überall den Fortschritt fordern, sind in Sachen Beats mega hängengeblieben auf New York 1996, wollen, dass sich alles immer schön ordentlich am Ende reimt und heulen rum, wenn ihre Erwartungen nicht erfüllt werden. Das ist wack, das ist rückgratlos, das macht den Fußball kaputt. Das hat vielleicht was mit deren Midlife-Crisis zu tun, aber eben nichts mit Freshness. Und für mich hat HipHop aber viel mehr mit Letzterem gemein. Seid eigen. Traut euch doch mal was, ihr feigen Schiffschaukelbremser!

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R.I.P. Jakob Wich (NMZS) *1984 – †2013

Ich habe keine Ahnung, aber eventuell erinnern sich noch ein paar von euch an meinen Konzertbericht zu dem Open Source Festival. Ich muss ganz ehrlich sagen: Einer meiner schlechtesten Artikel die ich hier je geschrieben habe und als “Krönung” einen Verriss über den Auftritt der Antilopen Gang, die auf ihrer Facebook-Seite folgende schlimme Nachrricht veröffentlicht haben:

Wir machen es kurz: NMZS ist tot. Jakob war schwer depressiv und hat sich vor zwei Tagen das Leben genommen. Wir können das selbst noch kaum fassen. Alle anstehenden Auftritte werden wir bis auf Weiteres absagen. Uns ist klar, dass wir gerne mal Blödsinn erzählen, aber dies hier ist kein dummer antilopentypischer Scherz und alle Kommentare, die in diese Richtung gehen, werden wir löschen.

Ich bin selber depressiv und kann nur sagen das es eine mehr als schlimme Krankheit ist, die das neben dem Herzen wichtigste Organ unseres Körpers befällt und schleichend jeden Antrieb und irgendwann auch den Lebenswillen raubt. Fatalerweise leugnet man so etwas selbst den nächsten Freunden und auch vor sich selber, sei es aus Scham oder falschem Stolz. Zum Krankheitsbild NMZS werde ich jegliche Vermutung sein lassen und kann trotzdem nur jedem raten sich auch bei kleineren Anzeichen einer seelischen Krise Hilfe zu holen und nicht zu vermuten, dass man es komplett alleine schafft. Mein Beleid geht an die Antilopen-Gang und die Verwandten von Jakob.

Hier noch ein paar hilfreiche Links zu dem Thema.