Schlagwort-Archiv: Neuer Deutscher Film

Der Nachtmahr

Lola träumt – Neues vom Deutschen Film

Der Nachtmahr

Carolyn Genzkow in „Der Nachtmahr” (© OOO-Films).

Dem Deutschen Film geht es gut, so gut wie seit langem nicht mehr. Der Erfolg kommt aus zwei Richtungen. Einerseits sind die deutschen Komödien-Produktionen nicht nur an der Kino-Kasse erfolgreich, sondern auch bei den Zuschauern am beliebtesten. Das ergab die im Sommer (2016) veröffentlichte jährliche Studie der Filmförderungsanstalt (FFA). Andererseits feiern die Kritiker und Cineasten das künstlerisch anspruchsvollere deutsche Autoren- und Arthouse-Kino. In diesem Text soll es um Letzteres gehen. Weiterlesen

surrealismus

Die 80er Jahre: Die besten surrealistischen Filme des Jahrzehnts I

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Im Grunde genommen ist Kino des Surrealismus in den 80er Jahren bereits ziemlich am Ende. Mit Luis Buñuel stirbt 1983 der wohl wegweisendste Regisseur des Genres und hinterlässt eine Lücke, die sich so schnell nicht schließen wird. Zwar wies David Lynch mit Eraserhead bereits 1977 einen Weg in die Zukunft des surrealen Films – zwischen Avantgarde und unterhaltsamem Genrekino -, in den 80ern kümmert er sich jedoch eher um “bodenständigere” Projekte wie seinen Elefantenmenschen oder Blue Velvet. Während der neue Surrealismus noch ein wenig in Wartestellung verharrt, lassen aber immerhin die Altmeister mit interessanten Spätwerken aufhorchen: Fellini, Godard, Kluge… die Filmemacher des ersten Beitrags zum surrealen Kino der 80er lesen sich wie ein who is who vergangener Jahrzehnte. Warum sie auch in dieser Dekade begeistern können, lest Ihr hier…

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Die 80er Jahre: Die besten Abenteuerfilme des Jahrzehnts III

So… dann wüten wir also ein letztes Mal durchs Abenteuerkino der Dekade. Das hier ist trotzdem alles andere als eine Resterampe. Auch wenn sich der ein oder andere Film in die Auswahl verirrt haben mag, der bei manchen Lesern Kopfschütteln auslösen dürfte, finden sich auch hier wieder eine Menge Hochkaräter ein… und zwar in einer ziemlich heterogenen Vielfalt: Episches Arthaus-Kino in Werner Herzogs Fitzcarraldo auf der einen, amüsanter Slapstick- und Prügel-Trash mit Bud Spencer und Terrence Hill in Zwei Asse trumpfen auf auf der anderen Seite. Klassische Hollywood-Unterhaltung Auf der Jagd nach dem grünen Diamanten, realistische Wildnis-Impressionen in Der Bär, überbordernde Komik und Achterbahnfahrten in Die Götter müssen verrückt sein II und ästhetisierte, schweigsame literarische Verarbeitungen in Crusoe. Das Abenteuergenre als Spielwiese für überambitionierte Filmmacher, als Ideenraum für cineastische Poeten und als Steilvorlage für großes Action- und Comedykino. All das kompakt und mit fetter Must-See-Empfehlung nach dem Break.

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Die 80er Jahre: Die besten Science Fiction Filme des Jahrzehnts IV

Zum vorletzten Mal ein Sprung durch alle Nischen und Subnischen des fantastischen, prophetischen High-Tech-Genres. Dieses Mal soll   uns nicht nur der Blick auf die verschiedenen, möglichen Spielartendes Science Fiction genügen, zusätzlich wollen wir den Schritt über Ländergrenzen hinaus wagen, uns nicht nur mit dem – in den 80er Jahren sehr dominanten – US-Kino beschäftigen, sondern auch Europa und dem “Osten” einen Besuch abstatten. Wie gewitzt Science Fiction Made in UDSSR aussehen kann, beweist der satirisch offensive Kin-dsa-dsa!, während Kamikaze 1989 schrille Dystopien aus Deutschland präsentiert. Le Dernier Combat inszeniert postapokalyptischen Horror aus französischer Sicht, Outland -Planet der Verdammten lässt unterkühlten britischen Thrill mit Space Western Motiven kollidieren… und dann landen wir doch wieder beim amerikanischen Blockbuster-Kino: Teil drei der Star Wars Reihe, Die Rückkehr der Jedi Ritter steht auf dem Programm, ebenso der unterschätzte Sci-Fi A-Movie Explorers, der alle Zutaten für großes Familienkino besitzt und in den 80ern leider Gottes zwischen Lucas und Spielbergs Blockbustern zerrieben wurde. Back to the Future, nach dem Klick.

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Die 80er Jahre: Die besten Fantasyfilme und Märchen des Jahrzehnts III

Für unsere letzte Fantasy-Retrospektive wagen wir noch einmal den Blick in die Traumfabrik: Mit Spielbergs E.T., Reitmans Ghostbusters und Marshalls Big zeigt Hollywood, wie sich große Mainstream-Fantasy mit gehobener Qualität produzieren lässt. Für das Big Budget Independent-Kino ist aber auch noch genug Platz, und wer könnte dieses in den 80er Jahren besser vertreten als der Meister des Emo Grusels Tim Beetlejuice Burton höchstpersönlich? Der bekommt auch gleich noch Konkurrenz durch die wunderbare, sträflich unterbewertete Klassiker-Fortsetzung Return to Oz. Und wenn es etwas europäischer, arthausiger und anspruchsvoller sein soll… Wim Wenders poetisches Fantasy-Drama Der Himmel über Berlin und das neuseeländische Düster-Epos The Navigator sorgen für die notwendige Abwechslung zum amerikanischen Bombast-Programm. Egal ob Studio-Produkt oder unabhängiges Kunstwerk, sehenswert sind alle hier genannten Filme, auch wenn wir im Anschluss gerne wieder über die ein oder andere Nennung (und Nicht-Nennung) streiten können.

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Mein liebster Feind – Werner Herzog und Klaus Kinski auf Arte+7

 

Seit gestern und damit für die kommenden sieben Tage ist Werner Herzogs herausragender Dokumentarfilm Mein liebster Feind (1999) auf Arte+7 online zu sehen. Werner Herzogs mal rühriger mal bissiger Blick auf den Weggefährten, Freund und Kontrahenten Klaus Kinski wurde ja bereits bei unseren besten Dokumentarfilmen der 90er Jahre ordentlich gewürdigt und ist tatsächlich ein großartiges Zeit- und Personenporträt. Nicht verpassen!

“Ich kann durch ihn hindurchsehen wie durch Wasser”, verrät Herzog. Warum sie zusammenarbeiten, werden sie auf einem Festival gefragt. “Weil er verrückt ist”, erwidert Kinski sofort, “genauso wie ich”. Das unausgesprochene gemeinsame Einverständnis, so weit zu gehen wie möglich, der Größenwahn, den sie sich gegenseitig bescheinigten, kettete sie aneinander. In dem Dokumentarfilm erinnert sich Herzog seines geliebten Feindes, dessen Ausstrahlung von “bedingungsloser Professionalität” ihm manchmal fehle.

Deutsche Filme der 90er Jahre: War da was?

Als ich die Liste für die besten Filme der 90er Jahre – sortiert nach Genres – angelegt habe, hat die ganze Redaktion fleißig mitgeholfen. Rinko hat dann auch ganz euphorisch eine Liste mit den besten deutschen – beziehungsweise deutschsprachigen – Filmen der 90er Jahre angelegt (Artikel von ihm in Arbeit), wovon ich so gut wie gar keinen kannte. Die, die ich kenne und sehr schätze, habe ich dann zu den anderen Genres gelegt… vorerst ohne mir große Gedanken zu machen. Es wäre mühselig jetzt zu grübeln, ob es Sinn macht, eine Best-Of-Liste für nationale Filme aufzustellen: Natürlich hat der Deutsche Film in jedem Jahrzehnt Spezifika, die ihn von anderen Ländern abheben. Und natürlich verdienen es diese Spezifika auch, näher genannt zu werden. Am stärksten kommt dies wohl beim Neuen Deutschen Film der 60er und 70er Jahre zur Geltung. Werner Herzog, Alexander Kluge, Volker Schlöndorff, Rainer Werner Fassbinder… Diesen großen Regisseuren gelang es damals tatsächlich dem Deutschen Film eine besondere Note, ein Alleinstellungsmerkmal im internationalen Kino zu geben. Aber wie sieht es eigentlich in den 90ern aus? Was waren die Momente, die das deutschsprachige Kino von internationalen Produktionen abhob… Und sind diese ein Grund für cineastischen Patriotismus?

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Die 90er Jahre: Die besten Dokumentarfilme des Jahrzehnts II

Der zweite Teil unserer 90er-Doku-Retrospektive. Ich fasse mich mal kurz: Gleich dreimal blicken wir hinter die Kulissen der Filmindustrie, leiden und lachen in American Movie mit unabhängigen Filmemachern, erinnern uns mit Werner Herzog an seinen liebsten Feind Klaus Kinski und betrachten in The Celluloid Closet amerikanische Filmgeschichte aus einem anderen Blickwinkel. Zu den cineastischen Dokumentationen gesellt sich die Schönheit der Natur, in einer kurzen Geschichte der Zeit, die Kosmos, Erde und Mensch in das richtige Verhältnis rückt und in Luc Bessons Atlantis, in dem wundervolle Unterwasseraufnahmen auf einen hypnotischen Score treffen. Einmal dokumentarische Vielfalt bitte, nach dem Klick.

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Die 90er Jahre: Die besten Dokumentarfilme des Jahrzehnts I

Wie schon in der 00er-Filmretrospektive können wir uns, nachdem wir den fiktionalen Stoff hinter uns gebracht haben, der Realität widmen. Es gab einige großartige Dokumentarfilme in den 90er Jahren, aber ich befürchte auch hier habe ich Nachholbedarf. Die zwölf Filme, die jetzt – und im anschließenden zweiten Teil – folgen sind es aber allesamt wert gesehen zu werden. Es geht hinab in die Tiefen und Untiefen der deutschen Filmgeschichte, festgehalten in einem künstlerischen und menschlichen Porträt Leni Riefenstahls, weit hinein in die Befindlichkeiten Amerikas: Legendäre Boxkämpfe beim Rumble in the Jungle, legendäre Comickunst und Exzentrik von Robert Crumb, legendäre Filmgeschichte bei Francis Ford Coppolas Reise in die Hearts of the Darkness… und daneben gibt es auch noch einen Blick auf die kleinen großen Momente, die Glocken aus der Tiefe des russischen Glaubens und Aberglaubens und die Amerikanischen Träume, die an der harten, kapitalistischen Realität scheitern.

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Links fürs Wochenende

Harry Potter vs. Star Wars

Die Gemeinsamkeiten sind einfach zu offensichtlich, als dass sie nicht benannt werden sollten. Hier in einer pointierten Bilderserie der Dit Rebels.

Wir hatten wirklich einen Engel gefunden!

Nachruf von Wim Wenders an Peter Falk und Erinnerungen an ihre Zusammenarbeit bei Himmel über Berlin (1987)

Der Backpfeifen-Picasso

Er prägte ganze Generationen: mampfte, rülpste und verteilte Backpfeifen. Seine Biografie ist ein Beststeller. Aber was können wir von Bud Spencer lernen? Zwei einestages-Redakteure nahmen sich eine DVD-Box mit den Filmen des Haudraufs und wagten ein Experiment – eine Zeitreise in die Jugend.

Seine Jungs

Die Geschichte der Zivildienstleistenden aus der Sicht eines Querschnittsgelähmten, der seit 27 Jahren von Zivis betreut wird.

Ach, Apple!

Vor kurzem hat Apple die neueste Version ihrer Videoschnitt-Software Final Cut Pro X veröffentlicht… und die Reaktionen auf die beschnittene und entprofessionalisierte Software waren vernichtend. Selbst Conan O’Brien stieg in das Apple-Bashing ein, und in professionellen Cut-Communities wurde heftig darüber diskutiert, ob das ehemalige Schnitt-Flaggschiff von Apple damit endgültig zu Grabe getragen wurde. Optimistische Prognosen gab es nur vereinzelt, und so sah sich Apple schließlich selbst zu einer Stellungnahme genötigt, die die User auch eher unschlüssig zurückließ… Und ich habe gerade begonnen, mich in Final Cut Studio zu verlieben. Das Leben ist einfach nicht fair.

Leitwolf im Schafspelz

Es dürfte eigentlich mittlerweile jedem aufgefallen sein, wie sich SPON der Bild annähert und Titanic Autor Stefan Gärtner erklärt uns, wie Spiegel Online sogar Deutschlands erfolgreichstes Boulevard-Medium an Sensationsgeilheit in den Schatten stellt.

Suburban Knights

Jetzt wird’s episch… That Guy with the Glasses feiert sein fünfjähriges Bestehen, und um dies gebührend zu zelebrieren hat Doug Walker (alias The Nostalgia Critic) Freunde, Videopodcaster, Reviewer zu einer großen Queste eingeladen, inklusive Cosplay, inklusive zahlloser Running Gags, inklusive Cheesy, trashy Moments, inklusive alberner Zitate, und… und… und… Vier Teile sind es bereits, und es lässt sich jetzt bereits erahnen, dass dies das epischste Critic-Abenteuer aller Zeiten wird. Trailer unten, den Rest bei That Guy with the Glasses anschauen.

Letztes Jahr auf Seite360:

Weiter gehts in unserer 00er Retrospektive mit den besten Tragikomödien des Jahrzehnts, während wir uns alle anlässlich des großen Fußballsommers die berechtigte Frage stellen, ob man für oder gegen die Deutsche Nationalelf sein sollte.

Kurzfilm der Woche: Das kleine Chaos

Wir alternieren weiterhin: Klassiker, aktueller Film, Klassiker, aktueller Film… und heute sind wir wieder bei einem Klassiker. Das kleine Chaos von 1966 ist einer der ersten Filme Rainer Werner Fassbinders (Angst essen Seele auf) und besitzt doch schon alle Trademarks, die die Ikone des Neuen Deutschen Films auszeichnen: Eine grimmig naturalistische Erzählweise, spröde, aber auch mit einem sympathischen Augenzwinkern. Ernst und Komik schön trocken in Einklang gebracht und trotz ruhigen Schnittes und langsamer dramaturgischen Ausarbeitung mit viel Verve und Vitalität erzählt…

Das kleine Chaos (Deutschland, 1966)

Regie: Rainer Werner Fassbinder

Darsteller: Rainer Werner Fassbinder, Marite Greiselis, Christoph Roser

Laufzeit: 9 Minuten

 

Wim Wenders und der Ring des Nibelungen

Ob es beim Gemunkel bleibt…? Im Moment stehen die Chancen ganz gut, dass aus der Gerüchteküche Realität wird. Zumindest laut der dpa, die Katharina Wagner zitiert, die wiederum bestätigt, dass es Verhandlungen zwischen den Bayreuther Wagnerianern und Wim Wenders um eine kommende Inszenierung des berühmten “Ring des Nibelungen” gibt. Ausgerechnet im Jahr 2013 – zum 200. Geburtstag Richard Wagners – könnte der Regisseur von Filmen wie “Himmel über Berlin” und “Paris, Texas” die Ring-Inszenierung beim immer sowohl amüsanten als auch erschreckenden Bayreuther Treiben übernehmen.

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Schlingensief-Retrospektive II – „Die 120 Tage von Bottrop“ (1997)

Liebe Zuschauer!

Bitte genießen sie den folgenden Film sehr laut und mit vielen Höhen!

Wir danken für ihr Verständnis

Sodom ist die Stadt der Verruchtheit, der Perversion und Sodomie, die als göttliches Exempel schließlich in einem apokalyptischen Feuerregen untergehen sollte. Bottrop ist eine deutsche Stadt im nordwestlichen Ruhrgebiet. Bottrop hat mit diesem Film nichts zu tun. Nachdem sich Christoph Schlingensief in „Terror 2000“ der deutschen TV-Medienlandschaft widmete, ist sein Opfer im 1997 entstandenen „Die 120 Tage von Bottrop“ der deutsche Film. Dabei wäre es allerdings etwas vorschnell, dem Regisseur zu unterstellen, wieder mal alles zu zerfleddern und zu zerreißen, was dieses Medium hergibt. Ganz im Gegenteil: Denn obwohl Schlingenisef, wie es für ihn typisch ist, nach allen Seiten hin ausholt und dabei mehr als scharfe Munition verschießt, ist „Die 120 Tage von Bottrop“ in erster Linie eine Hommage, ein fast schon wehmütiger Film, der einer Zeit nachtrauert, in denen deutsche Regisseure wie Fassbinder und Herzog kein Risiko scheuten, um provokante Meisterwerke auf die Leinwand zu bringen.

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