Schlagwort-Archiv: Netzpolitik

Literarische Auslese: #Netzpolitik und #Landesverrat

Bevor ich es vergesse: Es gibt eine neue Ausgabe der Literarischen Auslese. Dieses Mal eine schonungslose Offendeckung des Landesverrats durch netzpolitik: Sprich, die Lesung des inkriminierten Dokuments: “Technische Unterstützung des Prozesses Internetbearbeitung” aus den Zuschüssen für das Bundesamt für Verfassungsschutz 2013. Wenn ihr an diesem Wochenende irgendwann mal in diesem Internet unterwegs ward, wisst ihr ohnehin schon worum es geht. Hier trotzdem noch mal alle relevanten Links.

https://netzpolitik.org/2015/verdacht-des-landesverrats-generalbundesanwalt-ermittelt-doch-auch-gegen-uns-nicht-nur-unsere-quellen/

https://netzpolitik.org/2015/ueber-pressefreiheit-und-staatliche-ermittlungen-das-schreckt-uns-nicht-ab/

https://netzpolitik.org/2015/geheimer-geldregen-verfassungsschutz-arbeitet-an-massendatenauswertung-von-internetinhalten/

Links fürs Wochenende

re:publica 2012

Da gibt es natürlich massenweise Material zum lesen, schauen, hören, mit dem auch die Daheimgebliebenen so ziemlich alles mitnehmen können, was auf der re:publica dieses Jahr spannend oder interessant war. Interviews von Philip Banse mit verschiedenen Speakern findet ihr wie schon die Jahre zuvor auf dctp.tv, unter anderem Selfpublishing vom Literaturcafé, Britta Riley und ihre Garten-Community windowfarms, Raul Krauthausen von den Sozialhelden zu dem Barrierfree-Tool Wheelmap und Rick Falkvinge über die Piraten in Schweden und im Rest Europas.

Videos von einigen interessanten Sessions gibt es bei Spiegel Online. Um drei herauszuheben: Traditionell ist ja schon der Schlussakt zu Tag 1 von Sascha Lobo. Dieser war dieses Jahr nicht ganz so launig wie 2011. Stattdessen wurde ordentlich geflauscht und viel gelobt: Piraten cool, Blogger cool, Acta-Gegner cool… irgendwie hatte Lobo nicht viel zu ranten und flauschte und prognostizierte sich stattdessen durch einen trotzdem hörenswerten Vortrag, der so etwas wie eine generelle Bestandsaufnahme des (deutschen) Internet 2012 darstellen sollte. Bezeichnend für diesen bleibt jedoch, dass sein Highlight die süßen Igel- und Eulen-Fotos waren.

Sehenswerter ist da schon der Vortrag von Cindy Gallop Make Love not Porn, in dem es einerseits um sexuelle Liberalisierung im und durch das Netz, andererseits aber auch um einen Kontrapunkt zur Pornographisierung der Gesellschaft geht.

Der schrägste Vortrag stammt wohl von den beiden Julias @laprintemps und @zeitrafferin: Trollen oder getrollt werden war die Frage, insbesondere auch im Bezug auf feministische Blogs und die beiden inszenierten das Ganze irgendwo zwischen anstrengender Improvisation, Trollversuch, Performance und (Anti)-Diskurs: Alles andere als leichte Kost, dafür aber umso spannender. Achim Bauer tweete dazu: “Fühle mich, als hätte ich einen Autounfall miterlebt. Weiß nicht, wer das Auto war.” Und das trifft es schon ganz gut. Julia Seeliger gestand, nach der Session erst einmal geheult zu haben (“Nie wieder Vortrag!”) und man glaubt es ihr sofort. Ob das Ganze jetzt verwirrend, genial oder einfach nur ein gescheiterter Trollversuch war, muss wohl offen bleiben. In seiner angenehm schrecklich unangenehmen Art erinnert es strukturell vielleicht am ehesten an Klaus Kinskis Jesus Christus Erlöser… Scheitern? Ja, aber im Großen! Definitiv sehenswert. Passend dazu auch der Kommentar von Anna Sauerbrey: Frauen sichtbar machen!

Und noch ein bisschen unsortierten retrospektiven Lesestoff zur diesjährigen Netzkonferenz.

Gebrauchsanleitung von Nico Lumma: Twittern, Sharen, Twittern, Tweeten, Retweeten, Twittern… und so wird die Veranstaltung persönlich ein voller Erfolg und man gewinnt sogar einige neue Follower.

Viva la re-publica: Thomas Knüwer lobt Organisation, Veranstaltungsort und die Veranstaltung selbst: “Die rp12 hat einen neuen Maßstab gesetzt. Sie ist endgültig der Nummer-1-Treffpunkt des aktiven, digitalen Deutschlands.”

Wo sich Netzaktivisten und Firmengründer verpassen: Anna Sauerbrey über den nach wie vor vorhandenen Dissens zwischen Bloggern und Start Uppern.

Sehr ausführliche, persönliche und zugleich informative Rückblicke zu Tag 1 und Tag 2 von Anke Gröner.

Wenn Mainstreamacts auf Nischenkünstler treffen: Johannes Kuhn über die – viel zu oft vergessene oder bewusst ignorierte – Heterogenität der sogenannten Netzgemeinde.

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Adoptiere deinen Abgeordneten

Der Digitale Gesellschaft e.V. sucht netzpolitische Paten für alle Abgeordneten im Deutschen Bundestag. Politik und Bürger müssen einander näher kommen und in einen dauerhaften netzpolitischen Dialog treten.

Wenn Sohnemann bloggt

Blogger-Urgestein (*sorry for that) Robert Basic setzt seinem Sohn einen eigenen WordPress-Blog auf:

Ich schaue mir das natürlich stolz an und muss sagen, dass es bisher die richtige Entscheidung war. Ich sehe es nicht verbissen, er ebenso wenig. Wenn es für ihn funzt, go, wenn nicht, dann ist es ein Leichtes, das Blog links liegen zu lassen wie ein langweilig gewordenes Spielzeug. Ich habe mich als Blogger natürlich schon zig Male gefragt, wie es wäre, wenn Deine Kinder bloggen würden. Ich dachte nicht, dass ich so schnell eine Antwort auf die Frage bekomme. Es fühlt sich schon sehr cool an. Solange er Spaß und Nutzen dran hat, freut es mich.

Messias 2.0

Lesenswerter Artikel von Sigrid Herrmann-Marschall, die für Esowatch bei einer Veranstaltung des Bruno-Gröning-Freundeskreises war:

Nach Beginn der Veranstaltung sieht man im Raum schon an der eingenommenen Haltung, wer bereits Anhänger und wer neu hinzugekommen ist. Die Anhänger nehmen spätestens beim ersten eingespielten besinnlichen Musikstück eine Stellung ein, die angeblich den „Heilstrom“ fließen lassen soll. Sie sitzen die Augen halb geschlossen, Beine nebeneinander und legen die Hände mit der Handfläche nach oben auf die Oberschenkel.

The Making of an Angry Video Game Nerd Episode

Für alle, die sich schon immer gefragt haben, wie James Rolfe seine AVGN-Episoden zusammen bastelt, gibt es nun ein sehr cooles, 30minütiges Making-of, von der Auswahl des Spiels bis hin zum fertigen Film.

100. Folge retro-tv

Und noch mehr Webvideo-Meta-Material: Anlässlich der Jubiläumsfolge plaudern Paddy und Henning aus dem Nähkästchen, werfen einen Blick hinter die Kulissen und zeigen Outtakes aus älteren Episoden. Nostalgie².

Ungerechtigkeit beim Zitieren (Infografik)

Letztes Jahr auf Seite360:

Immer noch sind die 90er Jahre retrospektiventechnisch brandaktuell: Und so werfen wir einen Blick auf die besten Tragikomödien des Jahrzehnts, und das gleich zwei Mal. Für noch mehr Nostalgie sorgen Francois Truffaut und Jean-Luc Godard, deren Zusammenfinden im Kino dokumentiert wird. Und für die, für die es gar nicht weit genug zurück gehen kann gibt es weitere Rückblicke auf die ersten Jahre des Films. Aktueller sind da schon die erfolgreiche Jagd auf Osama Bin Laden, deren Auswirkungen schon sehr früh auf Twitter feststellbar sind, das Geburtsvideo von Barack Obama, sowie die Tour von Fucked Up und die neue EP von Twilight Sad, die es zur Freude der Fans für lau im Internet gibt.

Links fürs Wochenende

Wie das Internet funktioniert

Die Digitale Gesellschaft hat in Zusammenarbeit mit European Digital Rights eine Broschüre über die Funktionsweise des Internets erstellt, die sich auch dezidiert an Nicht-Natives wendet.

Ein in sich abgeschlossener Mikrokosmos

J. De Lapuente über die Parallelwelt des Fernsehsenders RTL:

Kein deutscher Sender ist in sich so geschlossen, wie es RTL ist. Keiner hat eine derart übergreifende Konzeption. RTL schafft sich einen Mikrokosmos, der rund um die Uhr, quer durchs Programm, in jeder Sparte erhalten bleibt. Selbst Jauch, den man als RTL-Intellektuellen verkauft, kennt die Namen der GZSZ- oder DSDS-Figuren. RTL ist eine abgeschlossene Welt – die dort verbreitete Wirklichkeit ist konzipiert und verbindlich für alle Sendungen. Und die ganze Nation nimmt daran teil – jeder, der nicht RTL schaut, gehört einfach nicht zur RTL-Nation.

Der Aufruf des Verschwörungsrappers

Die sowohl inhaltlich als auch musikalisch schauderhaft schlechte, verschwörungsideologische Band “Die Bandbreite” ist empört, weil eine Hausarbeit über sie an der FH Düsseldorf mit “Mangelhaft” bewertet wurde. Kurios ist nicht nur die aggressive Videobotschaft des Sängers der Band sondern ebenso die – schlicht und ergreifend tatsächlich mangelhafte – Hausarbeit, die die Band selbst ins Netz gestellt und die beiden Autorinnen somit der Lächerlichkeit preisgegeben hat. Bei Reflexion finden sich noch weitere Hintergründe zu der kruden Band aus der Truther-Szene.

Peter Berling: Der Alleszermalmer

Peter Berling ist ein Universaltalent: Filmproduzent, Schauspieler, Autor. Nun hat er seine Biografie geschrieben. Sie erzählt von einem Lebemann, der die Stille sucht.

8 Political Photoshop Fails from 2011

Photoshop Disasters – die ohnehin immer wieder Spaß machen – hat gesammelt: Fliegende Chinesen, wegretuschierte Dissidenten, geklonte Massen, gewachsene Brüste und Geisterfahrer auf der Autobahn. Nicht nur die PR-Branche leistet sich den einen oder anderen Photoshop-Schnitzer, die Politik ist auch gut dabei…

Angst vor der Ungleichheit

Starten wir alle als unbeschriebene Blätter ins Leben? Es sieht nicht so aus. Aber trotzdem hält sich diese Illusion hartnäckig, vor allem aus Angst um die Grundlagen unserer Moral. Aber unsere Moral hängt nicht ab von Erkenntnissen der Genetik.

Clipart Covers

Sehr cooler Tumblr, auf dem populäre Platten-Artworks mit kostenlosen Cliparts nachgestellt werden. Als Typographie dient (natürlich!) Comic Sans. Musikgeschichte + 90er Jahre Feeling = Epic Win!

Pony-Creator

Noch so ein Zeitfresser, der derzeit bei Facebook und durch die Blogs kursiert. Male und gestalte dein eigenes Little Pony, inklusive massig Vorlagen und Farben.

Eine Begegnung der dritten Art

Fräulein Krise wird von einem ehemaligen Schüler über Facebook kontaktiert.

Letztes Jahr auf Seite360:

Rinko findet in Adeles 21 ein uramerikanisches Album. Florian findet wenig Gefallen an der Shyamalan-Produktion Devil und sieht auch Aronofskys Black Swan eher als zwiespältigen Spaß an, begeistert sich dafür aber um so mehr an dem kruden Comic Axe Cop. Wie dieses Jahr bieten die Oscarnominierungen genug Raum um über den Konservatismus der Academy zu lästern. Da tut doch ein Blick in die nähere Vergangenheit gleich viel wohler. Auf dem Programm stehen die besten Tarantinoesken Filme, die besten Thrillerdie besten Thriller und ähmmm ja, die besten Thriller der 00er Jahre. Einen kleinen 2010er Nachschlag gibt es dann aber auch noch, in Form von hervorragenden Mashup- und Bastard-Pop Alben.

Piraten in der Politik – 100 Tage einer Aufsteigerpartei

Letztes Jahr habe ich an dieser Stelle ein flammendes Plädoyer für die Wahl der Piraten für das Berliner Abgeordnetenhaus gehalten. Auch wenn die Fraktion bisher häufig mit Sperenzien, langatmigen Klein-Klein-Debatten und merkwürdigen Personalentscheidungen von sich Reden gemacht hat, sehe ich das “Experiment: Piraten im Parlament” nach wie vor nicht als gescheitert an. Zumal die Transparenz-Versprechungen alles in allem bisher zu meiner vollsten Zufriedenheit umgesetzt wurden (*uarghh Arbeitszeugnis-Sprech). Auch die ARD beschäftigt sich in einem angenehm differenzierten Beitrag mit den ersten 100 Tagen der Berliner Piratenfraktion:

Von Null auf 15 – Fünfzehn Abgeordnete der Piratenpartei wurden am 18. September 2011 ins Berliner Abgeordnetenhaus gewählt. Ein Erfolg, der seit den Grünen keiner anderen Partei-Neugründung in Deutschland mehr gelungen ist. Innerhalb weniger Wochen liegen sie in den Umfragen bundesweit zwischen 8 und 10 %. Nicola Graef und Torsten Mandalka begleiten vier Abgeordnete während ihrer ersten 100 Tage im Berliner Parlament: Andreas Baum, den Fraktionsvorsitzenden und besonnenen Vermittler zwischen den parteiinternen Strömungen; Susanne Graf, die einzige Frau und die mit 19 Jahren jüngste Abgeordnete; Christopher Lauer, enfant terrible und “Medien-Rampensau’; Schließlich: Martin Delius, der redegewandte parlamentarische Geschäftsführer der Piratenfraktion in Berlin.

Achja, und gerade die Kritik am Lauer habe ich von Anfang an mit ziemlich viel Kopfschütteln verfolgt. Genau solche Leute brauchts auch und gerade in höheren Parteipositionen. Ich würde dann mal tatsächlich so weit gehen und behaupten, dass es mit ihm als Fraktionsvorsitzenden weitaus weniger dieser vermeidbaren Anfangs-Fraktions-Probleme gegeben hätte.

via Netzpolitik

PROTECT IP Act Breaks The Internet

Betrifft zwar nur die USA, da Deutschland sich allerdings auch schon längere Zeit netzpolitisch nicht mit Ruhm bekleckert und es wirklich erschreckend ist, wie Industrie und Staat im Bund gegen die Viralität und Medialität der Netzkultur arbeiten, muss ich das jetzt einfach hier reinhauen.

PROTECT-IP is a bill that has been introduced in the Senate and the House and is moving quickly through Congress. It gives the government and corporations the ability to censor the net, in the name of protecting “creativity”. The law would let the government or corporations censor entire sites– they just have to convince a judge that the site is “dedicated to copyright infringement.”

The government has already wrongly shut down sites without any recourse to the site owner. Under this bill, sharing a video with anything copyrighted in it, or what sites like Youtube and Twitter do, would be considered illegal behavior according to this bill.

According to the Congressional Budget Office, this bill would cost us $47 million tax dollars a year — that’s for a fix that won’t work, disrupts the internet, stifles innovation, shuts out diverse voices, and censors the internet. This bill is bad for creativity and does not protect your rights.

via

dctp.tv Interviews auf der re:publica 2011

Da ich die letzten Tage hier quasi inaktiv war, an dieser Stelle kurz, was ich während dieser Zeit angestellt habe. Wie schon zuvor berichtet, war ich auf der re:publica und habe dort bei dctp.tv mitgearbeitet, größtenteils am Sichern und Schneiden der Filme. Die Interviews von Philip sind wie schon im letzten Jahr wieder ganz hervorragend und spannend geworden. Neben den klassischen Vertretern der Netzwelt wie Peter Sunde, Sascha Pallenberg und Markus Beckedahl sind es in diesem Jahr insbesondere die Frauen und Blogger der arabischen Welt, die Aufmerksamkeit verdienen. Das spannendste Gespräch war meiner Meinung nach allerdings mit Philipp Müller, das ich an dieser Stelle daher mal einbette. Aber auch die restlichen Interviews der Schleife sind sehenswert.

–> Zur Themenschleife bei dctp.tv