Moderne

Teil 2 der Reihe: Flo missbraucht sein Blog zur Vorbereitung auf die Abschlussprüfung in Philosophie. Nachdem ich mich das letzte Mal intensiv mit Edmund Husserls Cartesianischen Meditationen beschäftigt habe, mache ich an dieser Stelle einen weiten Sprung. Ich springe sowohl in der Zeit zurück, nämlich ins seelische 19. Jahrhundert, als auch in der Disziplin zur Seite. Ist das, was Husserl selbst als Transzendentalphilosophie und Phänomenologie bezeichnet, primär die philosophische Teildispziplin der Erkenntnistheorie, so widme ich mich bei meinem guten Freund Friedrich Nietzsche der Ästhetik… primär. Dieses “primär” sei an dieser Stelle nicht nur als “relativ” im Sinne von Einschränkung sondern gleich auch als ein “scheinbar” zu lesen. Denn auch wenn es Nietzsche in seiner Schrift Die Geburt der Tragödie aus dem Geiste der Musik (1872) vordergründig um eine Kunsttheorie geht, so verbirgt sich dahinter doch – ziemlich offensichtlich – eine fundamentale metaphysische Theorie, die nicht einfach nur die Geschichte und Beschaffenheit des Dramas durchleuchtet, sondern Aussagen über die Grundlage des Seins an und für sich treffen will. Nietzsches Abgesang auf die Ästhetik Richard Wagners, betrachtet durch die Brille eines vitalistischen Arthur Schopenhauers, ist nicht weniger als ein Rundumschlag gegen vernunftorientierte Ästhetik, die nach Nietzsche zum Niedergang der griechischen Tragödie führte, zugleich aber auch den Diskurs der Dramatik seit der Aufklärung wesentlich bestimmte. Nietzsches Tragödien-Stück ist ein gewaltiges Werk, und auch ein gewalttätiges: Voller Abgründe, voller Pathos, voller großer Gesten. Auch heute noch ein großes Lesesvergnügen.

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Ich mache es schon wieder: Ich missbrauche das Blog hier für meine Prüfungsvorbereitungen. Jetzt aber wirklich zum letzten Mal, vorerst… versprochen. In zwei Wochen habe ich meine schriftliche und mündliche Abschlussprüfung in Philosophie, danach schreibe ich noch meine Magisterarbeit fertig und dann folgt vermutlich erst einmal die große Leere. Naja, das ist vielleicht ein bisschen zu viel Pathos, aber eine gute Überleitung zu meinem ersten Prüfungsthema in Philosophie: Husserls Cartesianische Meditationen (1931), in denen der Godfather der Phänomenologie versucht, die Philosophie ganz allgemein zu einer Wissenschaft aus absoluter Begründung zurückzuführen. Ich werde in diesem Artikel versuchen, Husserls sehr kompakte und zugleich sehr komplexen Gedankengänge nachzuzeichnen, um anschließend – sozusagen als Fingerübung – ein wenig philosophische Kritik an seinem phänomenologischen Weg zu üben. Tatsächlich soll das Ganze dann auch für Leute interessant sein, die so gut wie kein philosophisches Vorwissen mitbringen, denn wenn sich ein Text für den Einstieg in den Fachbereich der Philosophie eignet, dann ist es – vielleicht noch neben Heideggers Was ist Metaphysik (1929) – dann ist es der hier niedergeschriebene Inhalt von Husserls Vorlesungsreihe in Frankreich…

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Ein Duo namens Doug und Mikael hat das Tate Modern und die Saatchi Gallery in London gehijackt, indem die beiden mit zwei Tischtennisbällen im Mund als lebendige Kunstwerke die Ausstellungsräume kaperten. Der Gedanke dahinter ist natürlich – mal wieder – ein Kommentar auf die Absurdität vieler moderner Kunstwerke, nach dem Prinzip: “Ist das Kunst oder kann das weg?”. Den Kommentar, dass diese Form der Anti-Kunst als Meta-Kunst zwangsläufig selbst zur Kunst wird, spare ich mir an dieser Stelle. Das wurde auch bei reddit schon zur Genüge getan. Stattdessen zitiere ich einfach mal Frank Zappa, dessen Meinung ich diesbezüglich fast 100%ig teile (nur noch mal in der Form radikalisiert, dass für das Framing nicht der Künstler sondern der Rezipient verantwortlich ist):

The most important thing in art is the frame. For painting: literally; for other arts: figuratively – because, without this humble appliance, you can’t know where The Art stops and The Real World begins. You have to put a “box” around it because otherwise, what is that shit on the wall?


via visualnews

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Weihnachtsmusik… spezielle Weihnachtsmusik… Weihnachtsmusik, wie sie sein soll; fernab von jedem “Last Christmas”-Generve, jeder “Jingle Bells”-Niedlichkeit und jedem “Stille Nacht, Heilige Nacht”-Kitsch. Vingt Regards sur l’Enfant Jésus (1944) von Olivier Messiaen gilt laut Wikipedia als eine der wichtigsten Kompositionen des 20. Jahrhunderts. In seinen 20 Blicken auf das Jesus-Kind spielt der Avangardist mit dem Menschlichen und dem Göttlichen, variiert Themen und Motive und erschafft so ein eindrucksvolles Klangerlebnis auf dem Klavier. Heraus kommt nach den Worten des Komponisten ein “Komplex von Klängen, bestimmt für ständige Variation, als Folge abstrakt präexistent, dabei sehr konkret und leicht an seinen Farben zu erkennen.” Oder, um es kurz zu fassen: Einfach wundervolle, hochkomplexe und dennoch sehr empathische und mitreißende Musik.

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Dokumentation von Barrie Gavin aus dem Jahr 1982. Für später vorgemerkt… Blog quasi mal wieder als erweiterte Lesezeichenliste missbraucht.

via 

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Das Museum of Modern Art in New York hat endlich (jetzt erst?) seine ständige Ausstellung um Video- und Computerspiele ergänzt. 14 Games sind in die permanente Kollektion gewandert. Mal abgesehen davon, dass es grundsätzlich begrüßenswert ist, wenn das Medium Spiel von etablierten Kulturinstitutionen gewürdigt wird, stellt sich natürlich fast zwingend die Frage: Durch welche Eigenschaften verdient es ein Spiel in den kulturellen Kanon aufgenommen zu werden? Wann ist ein Spiel “museumsreif”? Ist der künstlerische Anspruch entscheidend oder ist es die Historizität bzw. der Einfluss, den das jeweilige Spiel auf das Medium als solches hatte? Ein Blick auf die Liste der aufgenommenen Spiele offenbart, dass die Verantwortlichen des MoMA sich um eine – vielleicht nicht ganz ideale – Zwischenlösung bemüht haben.

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Was viele nicht wissen – und was ich bis vor kurzem auch nicht wusste -, James Dean war nicht nur ein herausragender Schauspieler, Sex-Symbol und Ikone einer ganzen Generation, sondern darüber hinaus auch ein herausragender bildender Künstler. So offenbarte sich das künstlerische Talent Jimmys wohl schon in sehr jungen Jahren, als er als Schüler unter anderem Tonfiguren mit bloßen Händen formte. Später entwarf er dann als Mitglied der Miller Playhouse Theatre Guild Kulissen in Los Angeles und bekam dort sogar den Posten des Bühnenmanagers. Beim Retronauten und Dangerous Minds wurden gerade ein paar der Skizzen, Entwürfe und Zeichnungen Deans zusammengestellt und darunter befinden sich wirklich ganz hervorragende Arbeiten, die auf ein breit gefächertes Talent schließen lassen. Nicht nur für Fans des Rebel without a cause sehenswert.

James Dean: Drawings / Art of James Dean

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Pablo Picasso posiert als Popeye…

via Retronaut

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Der Walter Benjamin war ein Guter, ein wirklich Guter. Dafür, dass sein Aura-Begriff von konservativen Kunst-Metaphysikern vollkommen überintrepretiert wird, kann er jedenfalls nicht, denn über Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit (Partnerlink) hinaus hat er sich immer als kritischer Weiterführer aufgeklärter Gedanken im Geiste eines dialektischen Materialismus verstanden, ohne dabei jemals zu ideologisch zu werden. Ganz im Gegenteil: Benjamin gehörte zu den wenigen Anti-Ideologen, den differenzierten Beobachtern und Kritikern moderner Erscheinungen und ist damit auch in unserer heutigen postpostpostmodernen Zeit immer noch unendlich wertvoll. Ebenfalls in der Rolle des kritischen Aufklärers hat er von 1929 – 1932 in der Jugendstunde des Berliner Rundfunks aus seinen Texten gelesen.

Der Journalist Harald Wiese hat diese Texte wiederentdeckt und unterlegt mit eleganter Musik von Ulrich Mückenberger neu eingelesen. Das Ergebnis sind wunderbare philosophische Kleinode für Kinder und Jugendliche, die man aber auch sehr gut jenseits des 18. Lebensjahres genießen kann… Und das beste: Bei ubu gibt es das alles kostenlos als MP3s zum Downloaden und Hören.

Aufklärung für Kinder von Walter Benjamin (MP3s) via Ruhrbarone

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Lauter gute alte Freunde…

So kann der zweite Hörenswert-Artikel für den Herbst zusammengefasst werden. Ihr wisst schon, die Typen, die man einfach schon immer mochte, die man aber irgendwie trotzdem eine Zeit lang gar nicht mehr auf dem Plan hatte. Und dann sind sie plötzlich wieder da. Man freut sich, quatscht mit ihnen, feiert mit ihnen, und so plötzlich wie sie gekommen sind verschwinden sie auch wieder. Aber zumindest lassen sie ein gutes Gefühl zurück. Vielleicht denkt man sich sogar: “Ja, die könnte ich bei Gelegenheit mal wieder anrufen.” , und vergisst sie dann doch wieder ein wenig… zumindest bis zur nächsten großartigen Zusammenkunft.

John Darnielle sorgt mit den Mountain Goats für gemütliche amerikanische Lagerfeuerstimmung, Dinosaur Jr lassen an die guten alten Zeiten zurückdenken, als alles noch irgendwie easy war, die Swans dagegen erinnern einen daran, dass es immer noch ein Stück abgehobener geht und mit dem Portico Quartet kann man sich schlicht und ergreifend wohlfühlen, wenn auch auf sehr spezielle Weise. Achja, und dann gibt es natürlich Converge, die wieder einmal keine Ruhe, kein Punkt und kein Komma kennen und dich blutend auf dem angesengten Wohnzimmerteppich liegen lassen. “Bis zum nächsten Mal!” ruft man ihnen dennoch fröhlich hinterher, während man einen ausgeschlagenen Zahn ausspuckt und die blauen Flecken zählt. So ist das eben mit guten Freunden…

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Während ich an der Retrospektive der Filmdekaden der 90er Jahre und 00er Jahre jeweils ein gutes Jahr gesessen habe, habe ich jetzt doch tatsächlich zwei Jahrhunderte der Dramatik innerhalb einiger Wochen abgefrühstückt. Ähmmm… ja, irgendwie bin ich da stolz drauf, auch wenn es sich leicht als Kulturbanausentum auffassen ließe. Anyway, das ist erst einmal der letzte Artikel meines historisch/literaturwissenschaftlichen Trips. Ich werde zwar noch was raushauen zur Literatur mit der ich primär gearbeitet habe und auch meine Thesen noch hier reinkloppen, das soll es dann aber auch wirklich gewesen sein. Mit dem Naturalismus endet jetzt jedenfalls diese Epoche der Literatur und es beginnt zugleich auch eine Neue. Der Naturalismus wird gemeinhin als Beginn der literarischen Moderne gewertet, ist weit entfernt von der Dramen- und Theaterpraxis der vorangehenden Jahrhunderte, zugleich aber auch weit entfernt von der Praxis der Expressionisten oder Futuristen. Gleichzeitig gibt es sowohl zu dem einen oder anderen Verbindungslinien, sei es zum Realismus, sei es zum bürgerlichen Theater, sei es zu der Radikalität der Literatur des 20. Jahrhunderts. Insofern kann man zu diesem relativ engen Zeitraum konstatieren: Sonderstellung, ja… Vollkommene Autonomie, eher nicht. Und damit geht es auch gleich hinein in den engen Zeitraum von 1889 bis 1900.

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Ich habe vor der Diversifizität der Dramatik des 19. Jahrhunderts gewarnt… und im so genannten Nachmärz schlägt sie mit aller Brutalität zu. Außer Friedrich Hebbel, mit dem ich mich bereits im letzten Artikel auseinandergesetzt habe und dem österreichischen Schriftsteller Ludwig Anzengruber ist aus dieser Zeit dramatisch tatsächlich nicht viel herauszuholen. Es scheint regelrecht eine riesige Lücke aufzuklaffen zwischen dem Spätwerk Hebbels und dem Beginn des Naturalismus 1889. Die damals in der deutschen Literatur tonangebende Strömung, der Realismus, präferierte die Novelle oder den Roman. Wenn man sich die “großen” Namen anschaut, mit denen sich unsere heutige Literaturwissenschaft befasst, ist im Grunde genommen kein Dramatiker dabei zu finden: Storm, Fontane, Droste-Hülshoff… Nope, nichts, kein Drama. Stattdessen Prosa, Prosa, Prosa. Ein bisschen anders sieht es beim theatralen Betrieb aus. Hier finden wir immerhin die Meiniger, die mit ihren realistischen, akribischen Stücken zumindest in der Aufführungspraxis den Weg zum Naturalismus weisen. Ebenso markant in dieser Zeit, sowohl in Theorie als auch Praxis ist die Verklärung der großen deutschen Dichter: Kleist, Schiller, Goethe, Grabbe… sie werden in dieser Zeit wieder- oder teilweise zum ersten Mal entdeckt, oft gekoppelt an einen deutschen Mythos, in engem Zusammenhang mit der Reichsgründung. Und diesbezüglich kann man natürlich noch zumindest kurz auf Richard Wagner und seine Opern hinweisen. Well, es bleibt dennoch chaotisch und ohne klare Linie. Der folgende Text wird daher relativ kurz sein, soll aber dennoch nicht in allzu große Larmoyanz über eine nicht stattfindende dramatische Epoche ausarten.

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Die literarische Moderne fasziniert mich. Ich finde, dass wir bis so ungefähr jetzt auch eigentlich mit einem modernen Bewusstsein in der Welt rumgetingelt sind, weil ich die Postmoderne für eine Weiterführung der Moderne mit anderen Mitteln halte. Die Postmoderne ist in der Moderne bereits enthalten. Jetzt entern wir gerade in das Informationszeitalter hinein, also in eine Welt in der Informationen den neuen, nie versiegenden Rohstoff darstellen. Aber das sind andere Themen, auf die ich an anderer Stelle zurückkommen werde. Was ich mit modernem Bewusstsein meine, will ich hier darzustellen versuchen und aufzeigen wie man dieses im modernen Erzählen und im modernen Roman wiederfindet. Wenn man davon weiß, ist es nämlich ein besonderes Vergnügen frühere Literatur zu lesen und darin moderne Strukturen und Topoi zu entdecken. Wie zum Beispiel bei Kleist und Büchner, auf die ich dann später, in anderen Texten eingehen werde.

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Wenn wir uns Heinrich von Kleist (1777 – 1811) zuwenden, kommen wir um zwei wichtige Eigenschaften nicht herum, die ihn als klaren Grenzgänger zwischen den Epochen charakterisieren. Offensichtlich ist zum einen, dass Kleists Veröffentlichungen allesamt nach der Jahrhundertwende stattfanden. Sowohl seine Dramen als auch prosaische Werke entstanden nach dem Jahrhundertwechsel, fast alle wurden in einem engen Zeitraum zwischen 1805 und dem Jahr 1811 kurz vor seinem Selbstmord veröffentlicht. Gleichsam starb Kleist aber vor der großen Niederlage Napoleons, vor dem Wiener Kongress und damit auch vor dem Beginn der Restauration und Biedermeier-Zeit, die gemeinhin als Beginn des 19. Jahrhunderts markiert werden. Als zweites fällt auf, dass sich Kleist nicht so richtig einordnen lässt: Zeitlich fällt er irgendwie in die klassisch/romantische Epoche, bei der die Klassik einerseits als Abschluss des 18. Jahrhunderts gelesen werden kann, während die Romantik andererseits bereits den Beginn des 19. Jahrhunderts trägt. Kleists Dramen weisen zwar durchaus eine Nähe zu den Dramen Goethes und Schillers auf, scheinen aber zugleich über diese hinauszugehen, mitnichten den optimistischen Universalismus der Klassik zu tragen. Ich schlage daher vor Kleist nicht nur als epochalen Grenzgänger zu betrachten sondern ebenso als dezidierten Anti-Klassiker, der gerade in seiner Dramatik bereits Motive und Topoi der literarischen Moderne antizipiert.

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Der Kleist-Text ist im Prinzip fertig und muss nur noch korrigiert werden. Bis dahin empfehle ich den großartigen dctp.tv-Beitrag: Ein Gewitter-Leben mit Jens Bisky.

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