Schlagwort-Archiv: Melancholie

Musikvideo der Woche: James Blake – Overgrown

An James Blake führt ja diesen Monat mal gar nichts vorbei. Ein bischen finde ich den Hype um den Slo-Mo-R`n B übertrieben und im Vergleich The Weekend spannender, aber zur Untermalung von düsteren und melancholischen Landschaften ist die Musik mehr als passend.

James Blake – Overgrown (2013)


Regie: Nabil Elderkin
Album: Overgrown

Poetisches für den Sonntag: A closed World – Browsergame mit LGBT-Content

Homosexuelle Themen und Transgender-Topics sind rar in der Computer- und Videospielszene. Das faszinierende Browsergame A Closed World setzt sich ganz offensiv mit sexuellen Orientierungen jenseits der Heteronormativität auseinander und verwirklicht LGBT-Topoi in einem faszinierenden, wunderschönen, poetischen und nachdenklichen Rollenspiel. Auf dem Weg durch den Wald wird der Spieler mit seiner eigenen Geschlechterrolle, seinen sexuellen Bedürfnissen und vor allem den Gefahren konfrontiert, die von der Außenwelt aber auch ihm selbst ausgehen. Im Kampf gegen die inneren und äußeren Dämonen kann er sich mit den Waffen der Logik, Leidenschaft und Moral verteidigen. A closed world ist ungemein berührend, steckt voller Emotionalität und ergreifendem Symbolismus. Spielenswert für jeden Freund experimenteller, origineller Spiele, vollkommen unabhängig von den eigenen sexuellen Präferenzen.

A Closed World was created to be a digital game with LGBTQ-friendly content, something that’s very uncommon in games right now. Game designers and marketing professionals alike have cited a number of reasons for this, ranging from a perception of institutional homophobia in game culture to a genuine desire on the part of game designers to “get it right” and create games with compelling queer content, rather than feeling that the element is merely “tacked on” in the end. The goal of this research was to present the design team with the challenge of creating a game that had this compelling queer content, and to observe the ideas and hardships they considered and encountered along the way, so that we could learn more about how to approach those challenges in other design contexts. The project left the ultimate message of the game open to the creators; what was important to discover were the challenges the team faced trying to include queer content in the game, and the strategies they used to tell the story they wanted to tell. The result is a game that asks us to carefully consider what we think of as “normal,” and what is needed to live in the world and be true to one’s self.

–> Play A closed World online via Indiegames.com

Someone Still Loves You Boris Yeltsin – Tape Club (Stream)

Wow… von denen war schon länger nichts mehr zu hören. Dafür kommt es jetzt um so schöner. Melancholischer, leicht sentimentaler Sommer-Indie-Pop mit schüchternem Experimental-Folk-Einschlag. Tape Club enthält unveröffentlichtes Material von Someone Still Loves You Boris Yeltsin und kommt jetzt genau rechtzeitig zu diesem merkwürdigen Sommer, der sich nicht zwischen unterkühlt, hitzig und schwül entscheiden kann. Versüßt mir gerade doch sehr den Morgen…

via Dressed like Machines

Die 90er Jahre: Die besten Filmdramen des Jahrzehnts I

Wir nähern uns langsam dem Ende unserer 90er Film-Retrospektive und spitzen schon Bleistifte, tauchen Füller und massieren die Schläfen für den kommenden 80er Kanon-Rundumschlag. Aber ein paar 90er-Highlights haben wir noch und diese passen, wie schon die Dramen der 00er Jahre, mal mehr mal weniger zu allen Kategorien und im Grunde genommen zu keiner, außer der, in die sie nun gepackt werden. Dramen sind einerseits die Simpelkategorisierten, die Filme, die bei jeder Oscarverleihung die besten Chancen haben, die Filme, die man am Ende eben doch ganz banal Dramen nennt und ohne schlechtes Gewissen von jeder weiteren Klassifizierung erlöst. Ein bisschen traurig, ein bisschen optimistisch, mitunter tragisch, aber auch lebenslustig, versöhnlich, mitreißend, belastend, erlösend… je nach dem. Und wie schon in den 00er Jahren gibt es zu dieser Nullkategorie auch gleich einen ganzen Haufen von Artikeln. Im ersten verschlägt es uns ins triste Iowa, in Nervenheilanstalten, in unbekümmerte und bekümmerte Jugend, nach Osteuropa, in die französischen Banlieues und ohnehin überall dorthin, wo das Leben etwas Bewegendes zu erzählen hat…

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Animated Short der Woche: Blik

Sehr schöner, melancholischer und herzerwärmender Abschlussfilm der Utrecht School of the Arts von Bastiaan Schravendeel. Auf das gesprochene Wort verzichtet Flik ebenso wie auf die Darstellung von Gesichtern. Stattdessen ist es einzig und allein die Körpersprache, die die Emotionen der beteiligten Personen vermittelt. Die Figuren selbst sind minimalistisch aber lebendig animiert und ihre Texturen besitzen ein holzähnliches Look&Feel, was sehr gut zu der nostalgischen, klassischen und universellen Geschichte passt. In deren Zentrum steht die hoffnungslose Liebe eines kleinen Jungen zu einem älteren Mädchen und deren Beziehung zueinander. Und so einfach dieses Thema auch sein mag, umso ergreifender und schöner ist es in Blik durch den besonderen Stil umgesetzt. Ein kleiner, leiser, zurückhaltender Film, der einfach nur gut tut.

Blik is a short film about a young boy who moves to a new neighbourhood and falls in love for the first time, with the much older girl next door.

The challenge was telling this short story without the use of faces, using only body language to convey often subtle emotion. This required a shading and animation style that would communicate posture and motion very clearly.

The novel techniques and the bulk of animation required a solid and efficient pipeline, which we developed during the production of this movie and in improved form, still use today.

It’s been screened at various animation and film festivals and is now available online.

Blik (Niederlande 2010)

Regie: Bastiaan Schravendeel

Animation: Bastiaan Schravendeel, Sander Kamermans, Jean-Paul Tossings, Piebe van der Storm

Sound: Peter van der Velden

Musik: Alex Debicki

Blik via Seitvertreib

Hörenswertes Juni 2011: Fink, Esmerine, Thurston Moore, 13&God

Okay, okay… es braucht kein langes Drumherumreden. Auch dieses Mal tendieren unsere hörenswerten Alben wieder in Richtung der dunkel schillernden Seite des Sommers. Soll Rinko sich doch um den feuchtfröhlichen Pop kümmern. Hier geht es wieder tief hinein ins Herz der Finsternis, an dessen Ende doch so etwas wie pure Schönheit wartet. So baden wir mit Fink in schwüler Düsterromantik und lassen uns von dem Postrock Esmerines in postapokalyptische Gefilde entführen.  Und weil wir mal wieder etwas hinterher hängen, liefern wir Thurston Moore und 13&God noch zwei Mai-Reviews nach.

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Animated Short der Woche: Madame Tutli-Putli

Ein hochambivalentes, düsteres Meisterwerk stellt der animierte Kurzfilm  Madame Tutli-Putli dar. Herausragende Stop-Motion-Bilder, eine perfekte Integration realer, menschlicher Augen und eine melancholische, ruhige und chiffirerte Geschichte machen den kanadischen Film von 2007 zu einem ganz besonderen Erlebnis.

Madame Tutli-Putli (K 2007)

Regie: Chris Lavis, Maciek Szczerbowski

Darsteller: Laurie Maher

Laufzeit: 17 Minuten