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Buchtipp: “Im Würgegriff des Wanderfalken” von Martin Gotti Gottschild

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Martin “Gotti” Gottschild, die schnauzbärtige Hälfte der Action-Lesungs-Reihe Tiere streicheln Menschen, hat in Berlin schon länger Erfolg und Kultstatus. Im Rest der Republik wird noch daran gearbeitet – mit ausgiebigen Tourneen, selbst in abgelegene Städte wie Kassel.

Wer sich allerdings in dem ganzen Wahnwitz der Lesungen und Gotti-Assoziationsketten bisher nicht mehr zurecht fand und überreizt nach Hause ging, kann nun die Abenteuer des Berliners in Buchform noch einmal nachlesen und seiner eigenen Aufmerksamkeitsspanne anpassen.

Absurde 70er-Jahre-Dias – mit herrlich bekloppten Kommentaren versehen das Finale jeder “Tiere streicheln Menschen”-Show – krönen auch das 196 Seiten umfassende neue Gotti-Werk “Im Würgegriff des Wanderfalken”. Das Material dafür sammelt der Autor tatsächlich liebevoll auf Flohmärkten zusammen. So bekommen wunderbar missglückte Schnappschüsse oder tragikomische Partyfotos doch noch ihre letzte Würde, oder zumindest etwas Relevanz.

Die Frage, wie weit Tragödie und Gottis absurder Humor sich mit dem Privatmenschen vermischen lassen, kann zwar auch die Buchform nicht klären, die Realität hat die Satire aber ohnehin längst abgehängt. Es hilft also nur noch der Sprung ins komplett Absurde als Weltflucht. Im Würgegriff des Wanderfalken ist mit skizzenhaften Stories über Freaks, Familie und Großstadtwahnsinn ein wunderbarer Wegweiser in die Abgründe der dunklen Seite des Gehirns.