Kurzfilm der Woche: Berlin Walk

berlin-walk

Berlin, wie man es als Berliner viel zu selten zu Gesicht bekommt: Entschleunigt, verträumt, magisch realistisch. Scheint mit der Realität der Metropole auf den ersten Blick nicht viel zu tun zu haben. Und doch, wenn man an einem lauen Sommerabend in einer stillen Ecke des Treptower Parks oder des Tempelhofer Felds liegt und die letzten Sonnenstrahlen mit den Augen einfängt, bekommt man ein wenig was von genau dieser urbanen, antiurbanen Magie zu spüren. Und dann merkt man auch: Vielleicht ist weniger die Stadt daran schuld, dass man diese Magie so selten zu greifen bekommt, als viel mehr das eigene Blickfeld. Von Vitùc.

A two day walk through Berlin. Inspiring city, great people, great atmosphere!
Filmed handheld with the 7D + 24m 1.4 (60 fps to 25)
Wonderful music by Reid Willis: April Illuminating

Berlin Walk by Vitùc via Gilly

GHOSTS – Fotoausstellung in Berlin

ghosts

Fotograf und Seite360-Buddy Johannes (der nicht unerheblich beim aktuellen Design unseres Blogs mitgeholfen und in der Vergangenheit auch den ein oder anderen Artikel beigesteuert hat), eröffnet am 20. März in der Morgenrot Gallery in Berlin seine jüngste Fotoausstellung Ghosts, in der er sich mit dem mysteriösen, mythischen und dunklen Gesicht Osteuropas auseinandersetzt. Wir hatten Johannes hier schon ein paar mal gefeatured und das nicht nur aus kollegialem Pflichtgefühl, sondern auch weil seine Fotoprojekte auf verdammt spannende Weise den Grenzbereich zwischen dokumentarischer, reflexiver und märchenhaft überhöhter Fotografie ausloten. Doch, ich glaube Magischer Realismus ist ein recht passendes Label, um seine Fotografie zu beschreiben, die es auf Bildbeute zu bestaunen gibt.

Marcus und ich werden zur Ausstellungseröffnung auf jeden Fall vor Ort sein. Wenn ihr also einen netten Plausch mit einem Drittel der Seite360-Autoren halten oder einfach nur magisch realistische Fotos genießen wollt, kommt vorbei. Um 19 Uhr gehts los.

In seinem Projekt “Ghosts” arbeitet Johannes Franke als Archivar des Vergessens. In ungewohnten fotografischen Perspektiven und Ansichten Osteuropas lenkt er die Aufmerksamkeit des Betrachters auf architektonische Anachronismen, die sich dem alltäglichen Blick entziehen. Dabei konserviert er eine düstere Welt, die, so scheint es, vom Nichts aus Michael Endes unendlicher Geschichte verzehrt wird. Ein fernes, längst obsolet gewordenes Reich, das im Begriff des Schwindens steht, wird in den Kontext der modernen Zivilisation gerückt und erwacht in geisterhafter Ewigkeit zu neuem Leben.

“Ghosts” – Johannes Franke – Fotografien
Laufzeit: 20.3.2015 – 20.4.2015
Eröffnung: 20.3.2015, ab 19.00 Uhr
Kuration: Elena Helfrecht

Galerie Morgenrot, Mainzer Straße 6, 10247 Berlin-Friedrichshain

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Filmabriss (2012er Recap II): Cloud Atlas, Life of Pi, Beasts of the Southern Wild

Auch wenn 2013 mittlerweile schon ziemlich fortgeschritten ist, habe ich mit dem letzten Filmjahr immer noch nicht ganz abgeschlossen. Aber es wird! Und in mir ist dann doch der Gedanke – mittlerweile schon ziemlich weit – gereift hier wirklich in mehreren Portionen 2012 als Film- und Kinojahr genüsslich zu rekapitulieren. Im Mittelpunkt dieser Retrospektive soll das große Wort “Kinomagie” stehen: Filme, die episch waren, Filme, die verträumt waren, Filme die magisch waren und ihr Publikum auf irgendeine Weise verzaubern wollten. Ob sie damit Erfolg hatten, werde ich in den folgenden drei Reviews 100% subjektiv eruieren. Vorhang auf für den gigantomanischen Episodenfilm Cloud Atlas, der den Spagat zwischen Mainstream-Epos und Kunstfilm wagt, Vorhang auf für die fantastische Literaturverfilmung Life of Pi, die Spiritualismus und Exotik auf die Leinwand bringen will, Vorhang auf für den Überraschungsgast Beasts of the Southern Wild, der sozialromantische Botschaft mit fantastischen und surrealen Momenten kreuzt. Vorhang auf für das Kino als Hort des Magischen; mit Sicherheit nicht ohne Pathos und Größenwahn, dafür aber in seiner ureigensten Bestimmung.

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Hypnotische Fotografien von Maria Sardani

Die gerade mal 18 Jahre alte (Verdammt, warum müssen diese Genies alle so jung sein?) Maria Sardani präsentiert in ihrem Portfolio ungemein poetische, kraftvolle und hypnotische Fotos zwischen Magischem Realismus, fragilen Impressionen und hypnotischem Surrealismus. Weitere Bilder findet ihr in ihrem  Flickr oder DeviantArt-Profil.

via

Magische, surreale Fotografien von Brian Oldham

Die fantastischen Fotografien des gerade mal 19 (!)  Jahre jungen Brian Oldham versprühen eine faszinierende Magie, irgendwo zwischen magischem Realismus, Ästhetizismus, Surrealismus und einer dekadenten, androgynen Fragilität, wie man sie aus dem Fin de Siècle kennt. Dabei sprengt Oldham Stereotypien und Klischees auf, wirft einen empathischen Blick auf die Schönheit der Welt und dekonstruiert diese gleichsam mit behutsam eingesetzten Illusionen. Weitere dieser großartigen Fotos findet ihr in seinem Flickr oder auf seiner Website.

via Visual News

Black And White Detroit von Brian Day

Großartige, scharf akzentuierte schwarzweiß Fotos von Brian Day, auf denen Detroit einen abgehobenen, fast magischen Touch erhält. Auf dem Photography Office gibt es neben weiteren Fotos noch ein lesenswertes Interview mit dem Künstler, der nach eigenen Angaben erst seit gerade mal drei Jahren leidenschaftlich fotografiert.

I consider that I am still a student of photography. I suppose the primary characteristics of my photos are that they are generally in black and white, and usually prefer to feature as few subjects as possible. I like the idea of being able to relate somehow to the subject in the photo and thus many of my photos may have only a single subject. However, I do work to construct a visual narrative wherever possible.

Brian Day Photography via Minimal Exposition

Kurzfilm der Woche: Stitches

Angenehm geerdet – unglaublich gut fotografiert – schrammt der crowdfunding-finanzierte Stitches mit seiner Geschichte um Leben und Tod zwar nicht nur am Kitsch vorbei, sondern trifft diesen voll frontal um ihn anschließend dankbar aufzunehmen, ist nichtsdestotrotz allerdings warmherzig und zurückhaltend erzählt: Eine ur-amerikanische, sentimentale, nicht zu sentimentale Geschichte über  Trauer und Trauerbewältigung, perfekt inszeniert als leises, sensibles Drama, das wenige Worte braucht und sich stattdessen ganz auf seine Bilder, Gesten und Momente stützt, um zu berühren und zu verzaubern.

“Some people come into our lives and quietly go. Others stay for awhile and leave footprints on our hearts.”

Stitches centers around Sam, a 13-year-old boy who idolizes his grandfather and shares a passion for baseball. When his grandfather passes away suddenly, Sam must come to terms with the loss.

Stitches (USA, 2012)

Regie: Mike Eisenberg
Darsteller: Steffan Argus (Sam), Art Fox (Grandpa), David Lowenthal (Tim), Rachel Sledd (Lynn)
Kamera und Drehbuch : Mitch Koepp
Based on the short story, “No School Today” by John Mokhtarei

via Filmfreunde

Kurzfilm der Woche: Le Ballon Rouge

Le Ballon Rouge ist ein wunderschöner, befreiend naiver Kurzfilm von 1956, der im Jahr seiner Veröffentlichung auch den Academy Award für den besten Short gewonnen hat. Der nostalgische Fantasyfilm zwischen Kindheitserinnerung und magischem Realismus erzählt die Geschichte eines kleinen Jungen aus Paris, der auf seinem Schulweg einen roten Ballon findet, der eigene Gefühle und einen eigenen Willen hat und den jungen, verträumten Schüler den Rest des Tages begleitet. Der Kinderbuchautor Brian Selznick schrieb 2008 in dem Essay  “The Red Balloon: Written on the Wind” über seine Begeisterung für diesen Kurzfilm-Klassiker:

As a child, I longed for two specific things that I now realize Lamorisse’s movie embodies: the presence of a loving friend and the knowledge that real magic exists in the world. Childhood, in so many ways, is about learning to navigate the world around us, to make sense of what seems overwhelming and gigantic. Having a special companion makes that experience more manageable and less terrifying. To kids, the world of grown-ups is often alien and untranslatable, and so magic becomes a lens through which the incomprehensible universe (as Einstein once called it) becomes comprehensible.

The great children’s stories, which we believe so strongly when we’re young, reveal themselves as rich and beautiful metaphors once we’ve grown up; think of how adults have used J. M. Barrie’s Peter Pan or fairy tales like “Cinderella” to understand themselves and others. An adult watching The Red Balloon will not find it difficult to see the title character as a symbol of spirituality, friendship, love, transcendence, the triumph of good over evil, or any of the countless other things that a simple, round red balloon can represent. But perhaps we’re better off enjoying some things the way a child understands them: not as metaphors but as stories. In the end, I think there’s something nice about allowing the balloon to just be. I guess that’s what you do with good friends—you let them be themselves.

Le Ballon Rouge (Frankreich, 1956)

Regie: Albert Lamorisse

Kamera: Edmond Séchan

Darsteller: Pascal Lamorisse

Musik: Maurice Leroux

via Open Culture

Poetisches für den Sonntag: Multi Exposure by Christoffer Relander

Menschen in denen sich die Natur widerspiegelt, Menschen, die mit der Natur verschmelzen, Bilder die eine impressionistische Melancholie in sich tragen aber Dank der zurückhaltenden Visualisierung im blassen schwarz-weiß nie Gefahr laufen aufdringlich oder kitschig zu werden. Viele weitere dieser wundervollen Multi Exposures gibt es in Christoffer Relanders Portfolio zu sehen. Fotografische Poesie: Nachdenklich, naturverbunden, magisch realistisch… einfach nur wundervoll.

via

Die 80er Jahre: Die besten Teenager-Filme des Jahrzehnts III

Teenager-Filme, die Letzte. Aber noch einmal mit allem, was die 80er so auszeichnet, den Jugendfilm von damals zu großem Kino macht. Für locker entspannte Unterhaltung haben wir Ich glaub’ ich steh im Wald und Lockere Geschäfte im Angebot. Etwas emotionaler, tragischer und authentischer wird es da schon mit Cameron Crowes Regiedebüt Say Anything… sowie dem tragikomischen und realistischen Lucas. Und für die abschließend düstere Note sorgt das prototypische Black Cinema Meisterwerk Do the right thing von Spike Lee. Vom Popcorn bis zum sozialkritischen Blick durch die Hornbrille, der Teenie-Film der 80er hat es einfach drauf…

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Die 80er Jahre: Die besten Liebesfilme des Jahrzehnts III

Einmal greifen wir noch in die Vollen des romantischen Kinos und einmal noch werfen wir dabei auch einen Blick weit über den großen Teich, direkt hinein in die Erzeugnisse der amerikanischen Traumfabrik. Es gab in Hollywood mit Sicherheit bessere Jahrzehnte für Liebesfilme als die 80er Jahre… und doch stammen aus der Zeit so manche zeitlose Klassiker, die auch heute noch die Rezeption wert sind. Ein Offizier und Gentleman ist einer davon, ebenso das große Afrika-Epos Jenseits von Afrika. Auch Die fabelhaften Baker Boys stehen für perfekte amerikanische Filmunterhaltung. Ein wenig europäischer wird es mit der äußerst gelungenen Kundera-Verfilmung Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins und mit dem wundervollen Teenie-Drama Pauline am Strand kommen wir schließlich doch wieder beim herausragenden französischen Kino der 80er Jahre an. And last but not least: Ein schwungvolles, berührendes literarisches Gesellschafts- und Liebesporträt made in Britain in der vorzüglichen Literaturverfilmung Zimmer mit Aussicht. Liebe und Romantik im Zeichen der 80er Jahre, die letzte. Nach dem Klick.

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Die 80er Jahre: Die besten Fantasyfilme und Märchen des Jahrzehnts III

Für unsere letzte Fantasy-Retrospektive wagen wir noch einmal den Blick in die Traumfabrik: Mit Spielbergs E.T., Reitmans Ghostbusters und Marshalls Big zeigt Hollywood, wie sich große Mainstream-Fantasy mit gehobener Qualität produzieren lässt. Für das Big Budget Independent-Kino ist aber auch noch genug Platz, und wer könnte dieses in den 80er Jahren besser vertreten als der Meister des Emo Grusels Tim Beetlejuice Burton höchstpersönlich? Der bekommt auch gleich noch Konkurrenz durch die wunderbare, sträflich unterbewertete Klassiker-Fortsetzung Return to Oz. Und wenn es etwas europäischer, arthausiger und anspruchsvoller sein soll… Wim Wenders poetisches Fantasy-Drama Der Himmel über Berlin und das neuseeländische Düster-Epos The Navigator sorgen für die notwendige Abwechslung zum amerikanischen Bombast-Programm. Egal ob Studio-Produkt oder unabhängiges Kunstwerk, sehenswert sind alle hier genannten Filme, auch wenn wir im Anschluss gerne wieder über die ein oder andere Nennung (und Nicht-Nennung) streiten können.

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Glühwürmchen-Schönheit

Wir beginnen den Tag mit unglaublicher, langzeitbelichteter Schönheit des Fotografen Tsuneaki Hiramatsu. Über dessen Bilder seid ihr bestimmt schon mal in den letzten Wochen irgendwie, irgendwo gestolpert, sind diese doch spätestens seit dem Colossal-Auftritt zu einem kleinen viralen Wunderwerk geworden. In der Wired gibt es einen ganz netten Artikel zum außergewöhnlichen, hochverdienten Netz-Erfolg der Fotos, die Glühwürmchen im langzeitbelichteten Tanz zeigen: Magisch, irreal, verträumt… und tatsächlich einfach nur schön.

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Die besten Fantasyfilme und Märchen der 80er: Paperhouse – Alpträume werden wahr

Dass ich zu Paperhouse jetzt doch noch ein paar Worte über die Kurzrezension der ersten 80er Retrospektive hinaus verlieren muss, liegt daran, dass mich dieser Film als Kind entscheidend geprägt hat. Er war nicht der erste “Horrorfilm”, den ich gesehen habe, aber mit Sicherheit der, der mir auf längere Sicht die meiste Angst eingejagt, ja mich sogar bis in meine Träume verfolgt hat. David Cronenbergs Die Fliege (1986)? Pustekuchen. Die Miniserie Es (1990), die bei so vielen Horror-Zuschauern meiner Generation Ängste ausgelöst und Traumata verursacht hat? Lachhaft. Nein, mein persönliches Grusel-Trauma ist dieser Fantasy/Märchen/Psychoanalyse-Hybrid von 1988, und wenn ich meine Filmrezipienten-Vita durchstöbere, komme ich wohl sogar zu dem Fazit, dass kein Film – davor und danach – mir eine solche Angst eingejagt hat, wie diese Auseinandersetzung mit Traum, Alptraum und der beginnenden Pubertät.

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Happy Birthday François Truffaut

Der Humanist und Romantiker, der leichtfüßige Geschichtenerzähler der Nouvelle Vague, François Truffaut (* 1932; † 1984) würde heute seinen 80. Geburtstag begehen. Surreale Verfremdungen, wie sie bei Louis Malle zu finden sind, und abstrakte Selbstreferenzen à la Jean-Luc Godard lagen Truffaut nicht, stattdessen verstand er sich wie kein zweiter Regisseur der neuen Welle des französischen Kinos darauf, unterhaltsame, spannende und dennoch anspruchsvolle Geschichten zu erzählen, immer mit einem Bein in Hollywood, mit dem anderen in den Traditionen der westlichen Philosophie, der Aufklärung, des Realismus und des magischen Idealismus stehend. Ich glaube, ich habe an der ein oder anderen Stelle hier schon erwähnt, wie sehr ich die Nouvelle Vague liebe und wie sehr mir ebenso Truffaut am Herzen liegt. Ganz gleich, ob das fesselnde Sozialdrama Sie küssten und sie schlugen ihn (1959), die wunderbare Tragikomödie über Liebe und Freundschaft Jules und Jim (1962), die psychedelische Science Fiction Dystopie Fahrenheit 451 (1966) – die nebenbei gesagt tausendmal besser ist als die überschätzte literarische Vorlage von Ray Bradbury -, das humanistische Lehrstück Der Wolfsjunge (1969) oder das cinephile Epos Die amerikanische Nacht (1973)… Truffaut ist einfach einer der größten, bedeutendsten Regisseure des 20. Jahrhunderts.

via Google, die einen netten kleinen Doodle für den großen Regisseur eingerichtet haben.