Schlagwort-Archiv: Literaturwissenschaft

Wissenschaftliche Arbeit: Motivik der Improvisation im Spätwerk Kleists

Ich glaube, ich habe es schon mal kurz angekündigt: Ich wollte meine Magisterarbeit über die Motivik der Improvisation im Spätwerk Heinrich von Kleists auf jeden Fall auf irgendeine Weise der Öffentlichkeit zugänglich machen. Und da ich weiß, dass es utopisch ist, davon auszugehen – ohne finanzielle Investition bei einem obskuren Zuschussverlag – die Arbeit tatsächlich gebunden veröffentlichen zu können, da ich keine Lust habe, damit bei BOD Cent-Beträge zu sammeln und weil ich doch wissenschaftlich relativ idealistisch unterwegs bin, werde ich sie an dieser Stelle einfach mal für lau online publizieren. Wie gesagt, es handelt sich “nur” um eine Magisterarbeit, in der allerdings dennoch viel Herzblut steckt und für die ich immerhin die Bestnote bekommen habe. Vielleicht gibt es ja den ein oder anderen da draußen, der Interesse an dem Inhalt hat, oder ihn auf die ein oder andere Weise für sich verwerten kann.

Fragt mich aber bloß nicht, wie ihr am besten aus einer Onlinequelle zitiert… Wenn ihr in einem wissenschaftlichen Text auf etwas aus der Arbeit zurückgreifen wollt, empfehle ich als Quellenangabe: “Bayer, Florian: Die Verfertigung des Menschen Im Handeln. Motivik im Spätwerk Kleists. Berlin, 2013.” und zusätzlich als Quelle vielleicht den Permalink auf diese Seite, inklusive letztem Abrufdatum. Stellt euch dabei aber auf ein leichtes Stirnrunzeln eurer Prüferin oder eures Prüfers ein. Falls ihr trotzdem Gedanken davon verwerten könnt, oder ihnen vielleicht auch widersprechen wollt, freue ich mich total, wenn ihr mich anschreibt oder mir eine Kopie eurer eigenen Arbeit schickt. Und damit genug der einleitenden Worte. Hier ist das 116-Seiten Dokument:

Die Verfertigung des Menschen im Handeln. Motivik der Improvisation im Spätwerk Kleists (PDF)

Dramatik des 18. und 19. Jahrhunderts: Übersicht, Thesen und Probleme

So… geschafft. Der letzte Artikel zu meiner etwas ausgeuferten Prüfungsvorbereitung. Der chronologische, analystische und interpretatorische Überblick ist selbstverständlich primär die Grundlage für das eigene Prüfungsgespräch. Ich weiß, dass ich in meinen Texten Lücken gelassen habe: Ich hätte auf das ein oder andere Drama, den ein oder anderen Autoren dezidierter eingehen können, ich hätte komplett andere Werke wählen können und wäre damit womöglich zu einer komplett anderen Literaturgeschichtsschreibung gekommen. Die Literaturgeschichte trägt per se in sich schon den Hauch der Willkür: Was wir als wichtig erachten, was kommende Generationen als wichtig erachten, was früher Einzug in den Kanon gefunden hat, was heute kanonisiert ist… all das scheint zumindest bis zu einem gewissen Maße arbiträr.  Aber genau an jenem Punkt möchte ich in der mündlichen Prüfung auch mit meinen Thesen ansetzen, die einerseits begründen, warum ich ausgerechnet auf Lessing, Schiller etc. eingehe, andererseits genau aber jene Konzentration problematisieren soll und damit auch durchaus Fragen zum literaturwissenschaftlichen Feld generell stellt. Im Folgenden also ein kurzer Überblick über die hier veröffentlichten Artikel, dann die Thesen inklusive kurzen Erläuterungen und zum Abschluss schließlich noch einige Literaturempfehlungen sowohl im Bezug auf Quellen als auch Sekundärliteratur. Rock on, Science!

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Dramatik im 18. Jahrhundert: Friedrich Schiller

Warum? Ja warum eigentlich bekommt Friedrich Schiller (1759 – 1805) an dieser Stelle einen eigenen Artikel spendiert? Bei Lessing macht das Ganze noch Sinn, sticht er mit seinen revolutionären Neuerungen wie der Etablierung des bürgerlichen Trauerspiels im deutschsprachigen Raum durch Miss Sara Sampson oder der Konfrontation der bürgerlichen Welt mit dem höfischen Laster in Emilia Galotti aus den Dramaturgen seiner Zeit heraus. Aber Schiller? Klar, der Kanon und so, aber Goethe wurde hier auch nur barsch im Sturm und Drang eingeordnet. Der Grund für die Sonderstellung Schillers ist ein anderer: Schiller ist im Grunde genommen ein zu spät Gekommener. Sein eigentliches Erstlingwerk, Die Räuber (1781), ein Sturm und Drang Drama schreibt er, als der Sturm und Drang längst vorbei ist. Mit Kabale und Liebe (1783) schreibt er ein Bürgerliches Trauerspiel, als diese Gattung längst in der Bedeutungslosigkeit verschwunden ist, und mit seiner Annäherung an Goethe in den 90er Jahren generiert er zwar etwas, was gemeinhin als Weimarer Klassik bezeichnet wird, greift dabei aber auch auf Topoi, Stilistiken und Motive zurück, die Goethe vor ihm bereits etablierte. Schiller als bloßen Epigonen abzutun, würde diesem großen Künstler aber ein gewaltiges Unrecht antun: Schiller ist nicht einfach ein zu spät Kommer, er ist ein Abschließer: Seine Räuber setzen einen Schlusspunkt unter die Zeit des Sturm und Drang, sein Kabale und Liebe rechnet mit dem bürgerlichen Trauerspiel ab, sein Don Carlos (1788) problematisiert das historische Drama… und alle diese Stücke sind so viel wertvoller als viele seiner Quellen und Inspirationen. Leidenschaft, Vernunft, Krisen… in Schillers Dramatik kulminieren die Topoi eines ganzen Jahrhunderts, bis dieses schließlich von ihm in Zusammenarbeit mit Goethe endgültig abgeschlossen wird.

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Dramatik im 18. Jahrhundert: Gotthold Ephraim Lessing II

Als Dramaturg und Berater des Hamburger Nationaltheater begleitete Lessing von 1767 bis 1769 die dort aufgeführten Stücke kritisch kommentierend und ironisch reflektierend. Das dabei entstandene Werk, die Hamburgische Dramaturgie (1767 – 1769) ist ganz ähnlich wie die Reflexion des Trauerspiels im Briefwechsel mit Nicolai und Mendelssohn kein geschlossenes theoretisches Werk. Stattdessen vermischen sich Literaturkritik mit Aufführungskritik mit allgemeinen Beobachtungen und theoretischen Überlegungen zum Drama und Theater. Gerade durch diese offene Form sind die zahllosen Aufsätze jedoch eine stilprägende Innovation der Theaterkritik überhaupt, wenn man so will eine frühe Form des Feuilleton, die Lessing sprachlich und inhaltlich auf dem Höhepunkt seines kritischen Schaffens zeigt.

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Dramatik im 18. Jahrhundert: Versuch einer allgemeinen Strukturierung

Also wie angedroht, nutze ich – während ich gleichzeitig die normale Bloggerei auf ein Minimum zurückschraube – Seite360 jetzt einfach mal kurz, um meine eigene Prüfungsvorbereitung in klare Bahnen zu lenken. Gleich zwei Vorwarnungen zu diesem Artikel: Erstens, das ist ein Experiment. Keine Ahnung, ob das funktioniert, ob es Sinn macht, ob sich überhaupt irgendjemand dafür interessiert. Wenn es nicht klappt, kann es sein, dass das der einzige Artikel zum Thema bleibt und ihr – falls Interesse besteht – auf andere Literatur ausweichen müsst. Zweitens, das ist wahrscheinlich der egoistischste Text, den ich je auf diesem Blog veröffentlicht habe und je veröffentlichen werde. Ich reflektiere hier ziemlich rough meine Recherche, sprich germanistische/literaturwissenschaftliche Fachtexte. Ich will zwar, gerade im Hinblick auf den Zweck als Vorbereitung für die einstündige mündliche Prüfung, versuchen, das alles auch für Laien verständlich und interessant zu gestalten, werde aber nicht um Fachtermini drumherum kommen und an der ein oder anderen Stelle so schreiben, dass ein wenig Backgroundwissen vorausgesetzt wird (auch wenn ich das zu vermeiden versuche).

Trotzdem, wie gesagt, das soll dennoch nicht ganz ohne Mehrwert für euch bleiben. Sprich, wenn ihr Interesse an ein wenig Literaturgeschichte habt, falls ihr vielleicht selbst Literaturwissenschaften studiert oder gerade in der Abi-Vorbereitung seid, kann es durchaus sein, dass ihr hier die ein oder andere nützliche Info hier rausnehmen könnt. Kommentare, Ergänzungen, Kritik etc. eurerseits wären natürlich auch cool. Also viel Spaß oder fröhliches Ignorieren…

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Links fürs Wochenende

Wissen muss frei sein

Interessanter und aufklärender Artikel über die Machenschaften von Wissenschaftsverlagen, insbesondere über den Verlag REED ELSEVIER.

Literatur: Wenn Philosophen Romane lesen

Heute bedienen sich Theoretiker wie Axel Honneth frei in der Literatur, um ihre Diagnosen zu belegen. Dürfen sie das? Oder wird die Kunst zur Magd der Wissenschaft?

David Foster Wallace im ZDF-Interview

Wallace hat “Infinite Jest” (“Unendlicher Spaß”) geschrieben, welches ich bisher nur geschafft habe anzulesen. Hier der Direktlink zu  Teil 1 des Interviews, die anderen Teile findet man ja denn da.

Diesen Kuss der ganzen Welt

Herausragender Text beim Perlentaucher über die Sinnfrage nach dem geistigen Eigentum und dem Urheberrecht:

Ist ein Werk in der Welt, gehört es ihr auch. Thomas Mann kann nicht in die Nationalbibliothek gehen und auf die Herausgabe desZauberbergs” drängen, weil er den Schluss überarbeiten will. Er kann Leser nicht auffordern, das Werk zu vernichten, weil es ihm nicht mehr gefällt. Anders als Prantl behauptet, hat nicht einmal der Urheber ein “richtiges Eigentum” an seinem Werk. Ein Werk ist Übereignung: Diesen Kuss der ganzen Welt.

Passend dazu auch: Acta oder der Schutz der Raubritter.

Bravo, Viva!

Courage von unerwarteter Stelle. Die Social-Media-Redakteuere von Viva gehen auf Facebook gegen homophobe Kommentare vor: “Homophobe Kommentare werden sofort gelöscht! “Schwul” ist keine Beleidigung und sollte auch nicht als eine verwendet werden. In Extremfällen müssen wir User leider bannen und melden”. Siehe dazu auch die Stellungnahme von Viva selbst.

Promises (Browsergame)

Nettes kleines Fünf-Minuten-Rätsel mit bitterer, zynischer Pointe am Schluss…

Wir, die Netzkinder

Der polnische Dichter Piotr Czerski über die Netzkultur, die digitalen Natives und deren Wahrnehmung als eigene Generation.

Falls das an irgendwem vorbei gegangen ist:

Letztes Jahr auf Seite360:

Immer noch stehen die besten Filme der 90er Jahre auf dem Programm: In dieser Woche sind es die besten Mysteryfilme und gleich zwei Mal die besten Zeichentrickfilme, die unter die Lupe genommen werden. Ohnehin sind wir alle ein wenig wehmütig und schwelgen in vergangenen Meisterwerken. Marcus analysiert Jeder stirbt für sich allein von Hans Fallada, Rinko widmet sich den besten elektronischen Alben der 90er Jahre und Florian gedenkt den großartigen Aereogramme sowie Christoph Schlingensief. Aktuell passiert aber auch einiges: Banksy sprayt Hollywood, Kim Jong kuckt Einhörner, Radiohead veröffentlichen The King of Limbs und auch darüber hinaus hat der Februar ein paar hörenswerte, musikalische Perlen zu bieten.