Schlagwort-Archiv: Kulturkritik

Sind Rickrolls homophob, rassistisch und sexistisch?

rickrollJeder, der hier regelmäßig mitliest, weiß, dass ich schon ziemlich stolz bin, zur PC/Gutmenschen-Fraktion von Seite360 zu gehören. Beim Lesen der Überschrift dieses ziemlich ausführlichen Medium-Longreads musste aber selbst ich kurz schmunzeln: Rickrolling is sexist, racist and often transphobic in context. Klingt erst einmal nach ziemlich hartem Tobak gegenüber dem beliebten Internet-Scherz. Setzt man sich allerdings mit dem entsprechenden Text auseinander, kommt man nicht umhin festzustellen: Ja, da ist verdammt viel dran. Klar, man kann alles überinterpretieren, aber die hier zusammengesuchten Fakten sprechen schon eine ziemlich eindeutige Sprache, gerade auch was Ursprung und Verbreiter des Rickrollings betrifft.

Dennoch finde ich, dass dieses Essay etwas über sein Ziel hinausschießt und auch nicht gerade zimperlich ist, wenn es darum geht, die gesamte Netzgemeinde unter Generalverdacht zu stellen. Als wichtigen Diskursbeitrag sollte man ihn aber trotzdem gelesen haben. Was denkt ihr?

Rickrolls sind sexistisch, rassistisch und im Kontext of transphob via boingboing

Deutschrap und so #24: Pyranja – Fremdkörper

Ey, wie Pyranja – und auch mir – dieses joviale Gendermarkieren auf den Sack geht! Eine der besten deutschsprachigen weiblichen MCs? Fuck off! Pyranja ist einer der besten deutschsprachigen MCs. Pyranja ist eine der besten MCs. Punkt. Die Rostockerin dropt ihre nach vorne peitschen Rhymes derart smooth und real, dass auch der Auftritt beim Bundesvision Songcontest, Labelgründung, Diplomarbeit und Babypause nichts an ihrer Rap-Credibility ändern können. Mit dem 2001er Brett Fremdkörper hat sie ihre Wut gegenüber der sexistischen Jovialität im Genre dazu noch so gekonnt der konservativen Hip Hop Bagage ins Gesicht geschissen, dass man sich vor so viel Attitude nur verbeugen kann.

Feinste Line:

So hör’ ich oft: Ey Pü, verzeih’, Du leistest Dir zwar gerad’ ‘n Hype, / doch muss schon sagen, Show war tight und auch in Sachen Flow und Style, für ‘ne Braut ganz nice und cool, dass Du Texte selber schreibst. / Mit anderen Worten: Baby, willkommen im Mittelalter! Und ich nur: Danke für die Blumen, doch Du starrst gerade auf meine Titten, Alter! / Oops! Zu harte Worte? Für die harten Jungs im harten Biz? Die mit Schulterklopfen ankommen und mir dann erklären, was Hip Hop ist? / Ich mein’, man lernt nie aus, doch falls es jemand’ interessiert: Ich hab’ mir erst ma’ “Keep it real” dick auf meinen Hintern tättowiert!

Tropes vs. Women: Ms. Male

Anita Sarkeesian hat diese Woche ein weiteres Video ihrer kickstarterfinanzierten “Tropes vs. Women in Video Games” Reihe veröffentlicht. Nachdem sie sich doch ziemlich umfangreich an der Damsel in Distress abgearbeitet hat, kümmert sie sich in diesem um die Ms. Male, also die weiblich markierte, primär durch ihre Weiblichkeit charakterisierte und in dieser stereotypisierte weibliche Version von männlichen Protagonisten. Wieder informativ, wieder interessant und wieder Offensichtliches benennend, was viel zu viele Gamer einfach nicht sehen wollen. Dank neuem Thema auch mit neuem Schwung und dadurch auf jeden Fall unterhaltsam und sehenswert.

Ms. Male Character – Tropes vs Women

Links fürs Wochenende

Bühne frei für neue Kritiker

Philipp Ramer und Claudio Steiger betrachten neue Wege und Möglichkeiten des Kulturjournalismus, insbesondere der Theaterberichterstattung, im Netz. Dabei setzen sie sich vor allem kritisch mit dem neuen schweizer Portal Theaterkritik.ch auseinander.

Schwarz-Rot-Gold, Fleisch-Fleisch-Fleisch!

Rammstein, Deutschlands international erfolgreichste Band, hat ihr Schaffen kompiliert. Made in Germany 1995-2011 ist das Zeugnis eines Missverständnisses.

Nach Thomas Gottschalk: Serienspaß statt Pumapunkt-Jacketts

Das Ende von „Wetten, dass…“ könnte eine Chance sein. Jahrelang vernachlässigte US-Serien haben sich mittlerweile zu einer eigenen Kunstform entwickelt, die packend Folge für Folge unterhalten. Da braucht man keinen Gottschalk mehr.

Komponistenstile ganz stylisch – wem passt Stockis Schal?

Der Bad Blog of Musick begibt sich auf die Suche nach den Stars der Neuen Musik, und richtet seinen Blick dabei – ganz E-Musik-atypisch, dafür aber an Anlehnung an die Gottschalk-Frage – auf den Kleidungsstil der jeweiligen Protagonisten:

Schon etwas tot, aber nicht totgespielt und immer noch nicht komplett mit „Licht“ realisiert, harrt der Schal Stockhausens auf einen neuen papalen Träger. Die aktuelle Jugend trägt Schals zwar eher in Knoten, aber immerhin.

Hip Hop is deadish

Hip Hop ist nicht tot und riecht auch nicht schlecht. Nur ist es, wie viel zu oft, auch 2011 so, dass die spannenden Indie Scheiben untergehen, während der Mainstream sich an Acts wie Wiz Khalifa und LMFAO erfreut.

Gibbets 3

Nettes, ziemlich schräges Browsergame, bei dem es darum geht, Erhenkte – oder besser gesagt Hängende – von ihrem todbringenden Strick zu befreien. Ein wenig ne düstere Version von Angry Birds….

Letztes Jahr auf Seite360:

Not much… Jahresendzeitstimmung, und so. Rinko wagt auf der Suche nach den vielversprechendsten Newcomern einen Blick in das Jahr 2011 und widmet sich noch einmal den Gallagher-Brüdern, dieses Mal den Oasis-Alben der 00er Jahre.

Links fürs Wochenende

Fehlerhaftes Buch: Mit Kafka die Medien getäuscht

Hinter der fehlerhaften Edition von „Das Schloss“ steht die Aktionsgruppe „The BirdBase“. Sie will auf die schlechte Bildung in Österreich aufmerksam machen.

Gene, Meme und Programme

Marcus Frenkel überträgt Ideen der Genetik und Memtik auf die Funktionalität von Computersoftware.

Heinrich von Kleist: David gegen Goliath

Am 21. November vor 200 Jahren starb Heinrich von Kleist am Kleinen Wannsee bei Berlin. Im Jahr davor gründete er eine Zeitschrift und debütierte als Theaterkritiker, der nur einen Feind kannte: Iffland. Auszüge aus einer Biografie von Peter Michalzik.

An den Rand gestellt

Über die Freude der deutschen Filmlandschaft an historischen NS-Stoffen, Hitler und Co., an Filmen über den Linksterrorismus… und warum, aktuelle rechtsradikale bis rechtsterroristische Sujets fast überhaupt keine Rolle spielen.

Firebug

Ziemlich cooles Browsergame zwischen gediegenem Rätseln und hyperaktivem Nervenkoller.

Städtebauliches Schaufenster

Jürgen Tietz betrachtet interessiert die historischen und aktuellen Veränderungen des Kurfürstendamms in Berlin, der mittlerweile stolze 125 Jahre auf dem Buckel hat.

Was denkt der Internet-Benutzer?

Ich bin empört…

Letztes Jahr auf Seite360:

Ein bisschen in Master of the Universe Nostalgie schwelgen, ein wenig Filmkonzepte jenseits der linearen Erzählweise erkunden, und ein paar ganz geerdete TV-Serien der 00er Jahre schauen… viel mehr war hier nicht los in der dritten Novemberwoche…

George Lucas’ Statement zu Änderungen an Filmklassikern 1988… …und heute

George Lucas fand es ja in den letzten Jahren ganz schnieke, seinen alten Star Wars Teilen zu neuem “Glanz” zu verhelfen. Hineingepflanzte CGI-Teppiche, die der Umgebung neues Leben verleihen sollten, einen kompletten Computer-Yoda, der den liebevollen und mächtigen  Jedi-Ritter zu einem Animationsspielzeug degradiert… und nun ganz frisch bestätigt – und in diesem Fall kann ich den Aufschrei eines jeden Star Wars Nerd verstehen: Darth Vader schreit “Nooo!” in Die Rückkehr der Jedi Ritter (1983 2011), wenn er den Imperator die Brüstung hinunterstürzt.

No, no, nooooo! Wie würdevoll, erhaben und gänsehauterzeugend war doch die stumme Original-Variante im Vergleich zu diesem zusammengebastelteten Quasi-Leak, in dem Darth Vader da weitermachen darf, wo er in Episode I – III aufgehört hat: Als billige Lachnummer, als Witzfigur, als mutierter Schnösel Anakin Skywalker, der nur ein Schatten des grandiosen Darth Vaders aus Episode IV – VI ist… Okay genug gerantet. Viel interessanter als die vergewaltigen Klassiker ist George Lucas’ Statement zur Vergewaltigung von Klassikern. 1988 hielt Lucas eine Rede vor dem amerikanischen Kongress. Es ging um die Diskussion Nachkolorierung von Schwarz-Weiß-Filmen, ja oder nein? und Lucas nahm diesbezüglich eine ziemlich dogmatische Position ein, indem er die Ausbeutung und Veränderung klassischer Kulturgüter – auch von Filmen – als barbarisch bezeichnete:

People who alter or destroy works of art and our cultural heritage for profit or as an exercise of power are barbarians, and if the laws of the United States continue to condone this behavior, history will surely classify us as a barbaric society. The preservation of our cultural heritage may not seem to be as politically sensitive an issue as “when life begins” or “when it should be appropriately terminated,” but it is important because it goes to the heart of what sets mankind apart. Creative expression is at the core of our humanness. Art is a distinctly human endeavor. We must have respect for it if we are to have any respect for the human race.

(…)

In the future it will become even easier for old negatives to become lost and be “replaced” by new altered negatives. This would be a great loss to our society. Our cultural history must not be allowed to be rewritten.

Ganze Rede bei /Film via Nerdcore