Schlagwort-Archiv: Kulturgeschichte

…Und dann war da noch die 150 Jahre alte Mausefalle, die noch einmal ein Mäuseleben vernichten durfte.

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So geschehen im Museum of English Rural Life (MERL), dass neben vielen anderen Gegenständen der englischen Alltagsgeschichte unter anderem eine sehr alte, aber ganz offensichtlich immer noch funktionstüchtige Mausefalle beherbergt. Obwohl sich in der aus den 60er Jahren des 19. Jahrhunderts stammenden Apparatur nicht viel mehr als eine Staubschicht befand, war sie offensichtlich doch verlockend genug, dass sich im Jahr 2016 eine Waldmaus darin verirren und auch darin verenden konnte. Bewiesen ist nun auf jeden Fall der großspurige Aufdruck der Falle: “Will last a lifetime.”

Die Kuratoren überlegen derzeit noch, wie sie mit dem modernen Opfer der klassischen Falle umgehen sollen. Neben einer würdevollen Bestattung besteht auch die Option, die Maus zu präparieren und als permanentes Feature in der Falle zu belassen. Meine Empfehlung, wenn sich das Tier schon so selbstlos für den Kulturbetrieb opfert…

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155-year old mouse trap claims its latest victim via I fucking love science

Lesetipp am Rande: Mausetod! Die Kulturgeschichte der Mausefalle (Amazon-Partnerlink)

Und dann war da noch der mumifizierte Mönch, der in einer Buddha-Statue gefunden wurde…

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Jepp, die haben mittels CT-Scan eine mumifizierte Leiche gefunden. In a fucking Statue of Buddha. Manchmal rockt der – von den europäischen Esos und New Agern zerkaute, wiedergekäute und in klumpiger Form wieder ausgespuckte – Buddhismus doch noch!

This Buddha statue was exhibited earlier this year in an exhibition in the Drents Museum (where it was shown for the first time outside China). The mummified body of the Buddhist master Liuquan, a monk who lived around the year 1100 and who belonged to the Chinese Meditation School, is hidden in this precious reliquary dating from the eleventh or twelfth century.

Buddha Statue with Mummy in Hospital via Nerdcore (Photo by M. Elsevier Stokmans)

“Please applaud with Hands only” – Hinweistafeln aus den Kindertagen des Kinos

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Wenn man heutzutage ins Kino geht, kommt man vor Beginn des Films neben der Werbung und dem Trailerprogramm zumindest an zwei dezenten Hinweistafeln nicht vorbei: Zu einem wäre das “Handys aus!”, mittlerweile in teilweise rührenden, teilweise überraschend cleveren Kurzfilmen unter das Zuschauervolk gebracht. Und zum zweiten der obligatorische – im Ton meistens um einiges rauere – Imperativ “Denk nicht einmal im Traum daran, das Folgende mitzufilmen!”

In der Frühzeit des Kinos gab es weder Handys noch Kompaktkameras, mit denen man cineastisches Raubrittertum hätte begehen können. Dafür gab es allerdings übergroße, für den Kinobesuch offensichtlich nur bedingt geeignete Damenhüte, Fußgetrampel, das den Kinosaal zum Einsturz bringen konnte und zahllose Regenschirme, die in den Lichtspielhäusern vergessen wurden. Davon zeugen jedenfalls diese Kino-Tafeln aus dem frühen 20. Jahrhundert. Weitaus weniger penetrant als jedes “Langnese gibt es auch hier im Kino”, und ein freundliches “Good Night” deutet auch darauf hin, dass die Kinobetreiber anno dazumal weitaus freundlicher zu ihrem Publikum waren.

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20 Years – Happy Birthday, liebe Playstation

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Im Dezember 2014 wird die Sony PlayStation zwanzig Jahre alt. Um genau zu sein, am dritten Dezember 1994 erblickte sie in Japan das Licht der Welt. Die Amis mussten, so wie es damals üblich war, fast ein Jahr länger auf die US-Modelle der Konsole warten, die die Videospielwelt nachhaltig verändern sollte.  Und wir Europäer mussten sogar noch ein bisschen länger auf dem trockenen sitzen. Seit Ende September 1995 stand das Teil auch in deutschen Elektromärkten, und ich könnte jetzt viel über die technischen und historischen Hintergründe der PSX (warum eigentlich das “X”?) schreiben, darüber dass es fast zu einer Nintendo PlayStation gekommen wäre, dass selbst eine Sega PlayStation eine zeit lang eine Option war, aber all das kann man auch ganz gut bei Wikipedia nachlesen und diverse Videospieljournalisten, Vlogger und Blogger haben das schon weitaus ausführlicher und auch besser getan. Daher eher so ein paar persönliche Erinnerungen und Gedanken, garniert mit vielen Glückwünschen an die großartige, graue Kiste:

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Happy Birthday, Naughty Dog

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Die Videospielszene applaudiert gerade ordentlich der Spielschmiede Naughty Dog zum (sehr großzügig gemessenen) 30. Geburtstag… zurecht. Kaum ein anderer Entwickler hat in den letzten 20 Jahren derart konstant gute Qualität in allen möglichen Genres abgeliefert. Nimmt man es genau mit dem Alter des mittlerweile Playstation-exklusiven Softwarelieferanten, kommt man allerdings nicht daran vorbei, auf ihre Anfänge zu sprechen zu kommen. 1984 als Jam Software gegründet, versprühte Naughty Dog in seinen Anfangszeiten nämlich keineswegs den Gaming-Esprit, den man heutzutage von ihnen gewohnt ist. Mit Spielen wie Dream Zone und dem unsäglichen Way of the Warrior waren sie sogar lange Zeit eher ein Garant für durchwachsene Metascores und enttäuschte Spieler, die sich von inspiriert klingenden Game-Beschriebungen und grafischen Extravaganzen täuschen ließen.

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Und dann war da noch der erste dokumentierte Gruppen-Selfie in der Geschichte der Menschheit…

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…Aufgenommen auf einem New Yorker Dach im Jahre 1920. Zu sehen sind fünf Männer, die sich selbst fotografieren, gehalten wird die Kamera von Joseph Byron auf der linken und Ben Falk auf der rechten Seite. Selfies waren damals offensichtlich kein One-Man- und auch kein One-Hand-Job, sondern erforderten Geduld und – nicht zu unterschätzen – Muskelkraft, wie auf dem am selben Tag entstandenen “Behind-the-Selfie”-Foto zu erkennen ist. Beide Bilder gehören zur Kollektion des Museum of the City of New York, und es dürfte sich dabei zumindest um den ersten dokumentierten Gruppenselfie handeln, der zugleich in Verbindung mit seiner Aufzeichnung des Aufzeichnungsprozesses  ein famoses Dokument der schon früh vorhandenen Selbstreflexion der fotografischen Zunft ist. (via)

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Um den ersten tatsächlichen Selfie handelt es sich dabei allerdings nicht. Die Ehre, für diesen verantwortlich zu sein, gebührt dem Fotografen Robert Cornelius und seinem Selbstporträt aus dem Jahr 1839. Eine ganze Minute musste der Künstler still sitzen, um sich auf dem Lichtfilm und in der Geschichte der narzisstischen Fotografie zu verewigen (via).

via Gothamist

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Reisebericht aus Danzig

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Ich bin frisch aus Danzig bzw. Gdańsk zurück und wollte jetzt doch noch kurz meine Reiseeindrücke der letzten fünf Tage hier im Blog festnageln. Generell gilt: Danzig ist auf jeden Fall eine Reise wert, auch eine Reise, die sich über mehrere Tage hinzieht. Obwohl wir vor der Abfahrt relativ wenig konkret geplant hatten, ist es uns ohne Probleme gelungen die Zeit mit Ausflügen vollzupfropfen, mehr noch, zurück in Berlin habe ich das Gefühl, als würde Danzig noch genug Sehenswertes bieten, dass ich auch erneut für eine Woche hinfahren könnte. Dank diverser Ausflugsmöglichkeiten, mehreren Ostseestränden praktisch vor den Stadttoren, einer Menge Kultur und Geschichte, dem Dominikanermarkt sowie den hervorragenden gastronomischen Angeboten, gehört Danzig zu den sehenswertesten polnischen Städten, und wer einem Kurztrip zwischen Stadt-, Strand-, Natur- und Kultururlaub nicht abgeneigt ist, sollte sich das Städtchen definitiv nicht entgehen lassen.

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Aus den Schützengräben… Ein WWI-Magazin von britischen Soldaten (1916)

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Bei der Public Domain Review findet sich derzeit ein Magazin über den Ersten Weltkrieg aus dem Jahr 1916, vollgepackt mit Texten und Illustrationen von britischen Soldaten. Die in relativ geringen Dosen vorhandene Auseinandersetzung mit den tatsächlichen Gräuel des Krieges (stattdessen gibt es eher lexikalische Einträge und einige sogar recht vergnügte Zeichnungen) lässt darauf schließen, dass bei der Publikation der eklektischen Sammelschrift das ein oder andere Mal die Schere beteiligt war, um diese nicht zum Motivationskiller im noch andauernden Krieg werden zu lassen. Dennoch und gerade deswegen ein beeindruckendes Dokument über die Auseinandersetzung des “kleinen Mannes” mit dem Leben an der Front.

Made in the Trenches: a WW1 Magazine Created by Soldiers (1916)

WTF der Woche: Das Katzenklavier

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Bereits im Januar führte der Guardian in einer Liste der zehn schrägsten Musikinstrumente ein ebenso obskures wie grausames Instrument auf, das allem Anschein nach aus dem deutschsprachigen Raum stammt und schmerzhafte Musik mit einer noch schmerzhafteren Performance kreuzt. Das Katzenklavier besitzt sogar einen eigenen Wikipedia-Artikel, in dem allerdings gleich zu beginn eingeräumt wird, dass es sich wohl nur um eine Satire handelt, die in realer Form nie existiert hat. Zugeordnet wird der Entwurf des irren Folter-Instruments dem Jesuiten und Universalgelehrten Athanasius Kircher (1602 – 1680), der mit seinen Plänen für Wasserkraft-betriebene, automatische Orgeln durchaus so etwas wie eine Koryphäe für den Entwurf revolutionärer Musikinstrumente im 17. Jahrhundert war.

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Poetisches für den Sonntag: Klassische französische Filmplakate

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Design, das den Augen und dem cineastischen Geist eines jeden Filmfreundes schmeichelt. Drüben bei 50 Watts gibt es noch weitaus mehr davon zu sehen. Und an der Stelle kann gerne noch einmal betont werden: Was die Franzosen nach dem Krieg filmtechnisch angestellt haben (Stichwort: Nouvelle Vague, Truffaut, Godard, Malle u.a.), war nicht nur damals ein Fest für jeden Kinofreund. Konsequent, dass sich diese Liebe zum Medium selbst in der grafischen Präsentation der Werke – auch ausländischer Herkunft – widerspiegelt.

07-Earth-Versus-the-Flying-Saucers-Columbia--1956-Kerfyser

12-Wages-of-Fear-1953-Rene-Ferracci

26-FOLON-Stalker-Mosfilm--1981

via 50 Watts

The British Library veröffentlicht Tonnen von Bildern auf Flickr

Über 65.000 Bücher vom 17. bis zum 19. Jahrhundert. Über eine Million Scans, alle urheberrechtsfrei: Fotografien, Buchillustrationen, Grafiken… die gerade auf Flickr veröffentlichten Scans der British Library haben durchaus das Zeug zu einer der größten Bilder-Fundgruben im Internet zu werden, zumal offensichtlich zusätzlich geplant ist, eine Oberfläche zu veröffentlichen, auf der User die Bilder kommentieren und ihren Inhalt beschreiben können. Ein großartiges Geschenk für das Internet und zudem ein weiterer wichtiger Schritt, um dieses zu einem gigantischen Archiv der menschlichen Kultur werden zu lassen:

We have released over a million images onto Flickr Commons for anyone to use, remix and repurpose. These images were taken from the pages of 17th, 18th and 19th century books digitised by Microsoft who then generously gifted the scanned images to us, allowing us to release them back into the Public Domain.

A Million First Steps + The British Library Flickr via Creative Review

Links fürs Wochenende

Wahl-O-Mat

Nicht mehr lange bis zur Bundestagswahl 2013… und der auch dieses Jahr wieder von der Bundeszentrale für Politische Bildung herausgegebene Wahl-O-Mat gehört ja mittlerweile zum Pflichtspielzeug eines jeden seiner Stimme bewussten Wählers, einer jeden ihrer Stimme bewussten Wählerin. Ich bin übrigens immer noch unentschlossen (Stand: Freitag, der 30.08.), denke aber, dass ich bei dieser Bundestagswahl aus Gründen die Piraten ankreuzen werde. Die verdienen trotz chaotischer letzter Jahre ihre Chance auf 5%+.

Funktioniert die Wünschelroute?

Crowdfunding für die Postproduction desPSI-Tests 2013, der kostenlos auf YouTube veröffentlicht werden soll. Siehe dazu auch den entsprechenden Aufruf der GWUP

Der Liebespakt

Der Fluter über die Liebesbeziehung zwischen Jean-Paul Sartre und Simone de Beauvoir.

“Das Fernsehen hat das Kino überholt”

DWDL dokumentiert die vielbeachtete Rede Kevin Spaceys über die Zukunft des Fernsehens.

I Have a Character Issue

Anna Gunn, die Skyler White aus Breaking Bad, über ihre Rolle, die differenzierte Charakterzeichnung der Serie und über ihren Umgang mit dem Fan-Hass, dem die von ihr verkörperte Figur oft ausgesetzt ist.

On the Phenomenon of Bullshit Jobs

Ever had the feeling that your job might be made up? That the world would keep on turning if you weren’t doing that thing you do 9-5? David Graeber explored the phenomenon of bullshit jobs for our recent summer issue – everyone who’s employed should read carefully…

The Evolution of Gaming Consoles

Infografik via cinemassacre

Interessante neue Filme auf dctp.tv

Während sich Seite360 so ein bisschen im Sommerloch befindet, geht es dctp.tv, besuchertechnisch, glänzend. Wir haben auch ein paar fantastische Filme reingekriegt die letzten zwei Monate, weswegen ich jetzt mal ohne jegliches schlechte Gewissen ein wenig Werbung in eigener Sache machen muss. Allen kulturhistorisch Interessierten lege ich die News & Stories Sendung vom 16.06.2013 wärmstens ans Herz: Eine Geschichte des Gesichts

Begegnung mit dem Kulturwissenschaftler Hans Belting. Dieser verfolgt in seinem neuen Buch FACES die Phänomene Gesicht, Maske, Portrait, Foto und das Abbild des Gesichts in der Kunst auf subtilen und überraschenden Wegen.

Ebenfalls kulturhistorisch – wenn auch etwas exzentrischer – wird es im Ballett der Macht, angelehnt an die Frage: Wozu braucht die Herrschaft Stechschritt und Parademarsch? Als dritte Empfehlung schließlich ein kleiner Schrägblick Richtung Philosophie: Was ist Erkenntnis? Jochen Hörisch (Theorie-Apotheke, Eine Geschichte der Medien) formuliert eine Kritik der unreinen Vernunft mit Hilfe des Theoretikers der Kritischen Theorie Alfred Sohn-Rethel. Alle drei Filme (jew. zwischen 20 und 45 Minuten) sind absolut sehenswert und füllen das Sommerloch würdig mit ein wenig Kultur und intellektuellem TV-Erlebnis. Embedded Videos nach dem Klick…

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