Schlagwort-Archiv: Krieg

Aus den Schützengräben… Ein WWI-Magazin von britischen Soldaten (1916)

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Bei der Public Domain Review findet sich derzeit ein Magazin über den Ersten Weltkrieg aus dem Jahr 1916, vollgepackt mit Texten und Illustrationen von britischen Soldaten. Die in relativ geringen Dosen vorhandene Auseinandersetzung mit den tatsächlichen Gräuel des Krieges (stattdessen gibt es eher lexikalische Einträge und einige sogar recht vergnügte Zeichnungen) lässt darauf schließen, dass bei der Publikation der eklektischen Sammelschrift das ein oder andere Mal die Schere beteiligt war, um diese nicht zum Motivationskiller im noch andauernden Krieg werden zu lassen. Dennoch und gerade deswegen ein beeindruckendes Dokument über die Auseinandersetzung des “kleinen Mannes” mit dem Leben an der Front.

Made in the Trenches: a WW1 Magazine Created by Soldiers (1916)

#NotABugSplat – Kunst für die Drohnen-Krieger

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Es gab einmal eine Zeit, da war es Common Sense, dass Krieg ein schmutziges Geschäft ist, bei dem es sowohl zu militärischen als auch zivilen Opfern kommt, bei dem man, wenn man eine Waffe in die Hand nimmt, auch dazu bereit ist, Menschen womöglich Angesicht zu Angesicht gegenüber zu stehen, kurz bevor man sie tötet. Ein Geschäft, bei dem man nach vollbrachter Tat das Blut an seinen Händen – mitunter im wortwörtlichen Sinne – noch sehen, den gebrachten Tod noch riechen kann. Diese erzwungene Rezeption für den Soldaten wird im Krieg des 21. Jahrhunderts sukzessive aufgeweicht: Die postmodernen Drohnenkrieger können ihren Krieg wie ein Videospiel steuern, die Leichen auf den Schlachtfeldern werden “Bug Splats” genannt, werden enthumanisiert. Wie soll der Mordende auch anders als mit Zynismus reagieren, wenn von seinen Opfern nicht viel mehr zu sehen ist als ein Fleck auf einem pixeligen Videobildschirm, der einen Ort zeigt, den der Drohnenflieger möglicherweise nie in Realität besucht oder gesehen hat?

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Es gab einmal eine Zeit, in der war Urban Art oder Street Art noch so etwas wie ein Hack der Öffentlichkeit, ein politisches oder soziales Statement, direkt hineingebrannt in den öffentlichen Raum, mit dem Impetus, die Welt tatsächlich zu etwas besserem zu verändern oder zumindest die Menschen aufzurütteln, ohne dass die sich dagegen wehren können, mit der Kunst und ihren Aussagen konfrontiert zu werden. Auch diese Zeit scheint vorbei, wenn Street Art mehr und mehr zum selbstreferenziellen Spiel oder zur von den Galeristen geliebten und geförderten Kunst wird.

#NotABugSplat ist ein großartiges Urban Art Projekt, das nicht im urbanen Raum stattfindet, sondern mitten in der Kampfzone Pakistans. In der permanent von Drohnen angeflogenen und beschossenen Khyber Pukhtoonkhwa Region hat ein Künstler Kollektiv ein riesiges Banner mit einem Kindergesicht installiert. Der Blick von oben, sprich aus einer Drohne, macht deutlich, dass auch dieser ferngesteuerte Krieg alles andere ist als ein Fucking Video Game. Die Drohnenkrieger werden gezwungenermaßen mit ihrem Ziel konfrontiert und die zuvor kleinen Pixel werden rehumanisiert. Öffentliche Kunst als Hack mit tatsächlichem, direkten Impact und Krieg als tatsächliche, direkte Erfahrung des eigenen Mordens. Groß!

In military slang, Predator drone operators often refer to kills as ‘bug splats’, since viewing the body through a grainy video image gives the sense of an insect being crushed.

To challenge this insensitivity as well as raise awareness of civilian casualties, an artist collective installed a massive portrait facing up in the heavily bombed Khyber Pukhtoonkhwa region of Pakistan, where drone attacks regularly occur. Now, when viewed by a drone camera, what an operator sees on his screen is not an anonymous dot on the landscape, but an innocent child victim’s face.

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#NotABugSplat via Nerdcore

Die besten Epen und Historienfilme der 80er Jahre: Fackeln im Sturm?

Ja…. was ist eigentlich mit Fackeln im Sturm (1985)? Viele, die wie ich in den 80ern und 90ern groß geworden sind, werden wohl kaum an diesem TV-Mehrteiler vorbeigekommen sein, sei es, weil die Eltern gebannt vor dem Fernseher saßen, als die epischen 90Minüter über den Bildschirm flimmerten oder sei es, weil man sich von den großartigen Kriegsimpressionen und dem Interesse am amerikanischen Sezessionskrieg verführen ließ. Unglaublich viele Jungs und Mädels meiner Generation haben die Geschehnisse um Nord und Süd in sich aufgesogen, die Serie bis zum bitteren Ende verfolgt und nicht wenige werden mit viel Wehmut und Nostalgie an die großen Ereignisse um Orry Main und George Hazard zurückdenken. Aber hält das gewaltige Drama um Liebe und Hass auch heutigen Sehgewohnheiten Stand…? Oder war es vielleicht sogar damals schon ziemlicher Mist und wird nur durch die rosarote Nostalgiebrille verklärt…? Oder haben wir es gar mit einem unterschätzten Meisterwerk des Historienfilms zu tun? Auf zum Direktcheck.

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Unmanned – Das absolute Kriegsspiel

Krieg ist die Hölle… und die besteht im Falle des Browsergames Unmanned der italienischen Kreativitätsschmiede Molleindustria in schierer Monotonie: Aufstehen, sich rasieren, auf einer öden Wüstenstraße zur Station fahren und dort durch ein Schwarzweiß-Display verdächtige Personen observieren. Nebenbei kann der Spieler lernen die Songs des Autoradios richtig nachzusingen, seine von ihm entfremdete Frau zu Hause beruhigen (in Telefonaten, die gerade mal eine Zigarettenlänge dauern) oder mit der hübschen Copilotin flirten. Die Botschaft dieses depressiven, bitteren Browsergames ist klar: Der Krieg des Westens  in der aktuellen Variante hat nichts mit den Spektakeln eines Call of Duty (2003) gemein. Statt von Action wird der Tag der postmodernen Drohnen-Krieger von Langweile und Monotonie beherrscht. Und eben genau in dieser muss man dennoch stets die Konzentration wahren und sich bemühen, nicht den Kopf zu verlieren… denn trotz der distanzierten Langeweile zum Kriegsgeschehen ist man nur einen Tastendruck davon entfernt, Unschuldige zu töten oder sich selbst in Gefahr zu bringen.

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Marked – Gesichter, die den Krieg erlebt haben

Beeindruckende Bilderserie der Fotografin Claire Felicie: Diese hat von mehreren US-Marines jeweils drei Fotos angefertigt, eines vor dem Einsatz in Afghanistan, eines währenddessen und eines danach. Es ist schon ziemlich beängstigend wie sehr ein Mensch in so kurzer Zeit gezeichnet werden und altern kann.

Marked by Claire Felicie via Doktorsblog

Animated Short der Woche: Paths Of Hate

Huah, schwere Kost am Mittwoch; und die dunkle Stimmung von Paths Of Hate passt ja auch ein wenig zu dem Ekel-Wetter da draußen. Die Story um den Bomber-Piloten ist zwar etwas wirr und ziemlich martialisch, aber ich bin mir gerade sicher solche Effekte und Action im Comic-Stil selten zuvor so detailliert gesehen zu haben. Kein Wunder, dass dieses Werk so ziemlich bei jedem Shortfilm Festival abgeräumt hat.

Paths Of Hate (Polen 2011)

Regie: Damian Nenow

via Mr Honk , via Nerdcore

Die 00er Jahre: Die besten Dokumentarfilme des Jahrzehnts I

Bevor wir unsere 00er-Filmretrospektive endgültig dicht machen, widmen wir uns den großen nonfiktionalen Filmen des Jahrzehnts. Es gab viele spannende, interessante, mal mehr, mal weniger authentische, mal mehr, mal weniger stilisierte Dokumentarfilme in diesem Jahrzehnt. Naturbetrachtungen ebenso wie Medien- und Kulturgeschichtsstunden, Pop-Reflexionen, politisch engagierte Werke und vieles dazwischen. Die besten dieser Filmgattung passen – wie sollte es auch anders sein – nicht in einen Artikel und so gibt es in Kürze noch einen kleinen Nachschlag. Hier auf jeden Fall schonmal die erste Portion Realistisches, Wahres und Dennoch Schönes. Die besten Dokumentarfilme des Jahrzehnts, wie immer nach dem Klick.

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Musikvideo der Woche

Wo wir letztes Mal noch einen absoluten Klassiker der Videoclipkultur präsentierten, haben wir nur einen wortwörtlich brandneuen Clip der britischen Künstlerin M.I.A. (nicht zu verwechseln mit der eher mauen Berliner Electro-Pop-Band Mia) als Video der Woche. Das äußerst kontroverse Video, welches Youtube in seinem Zensurwahn schon gelöscht hat, zeigt in expliziten Einstellungen unter anderem die Exekution eines Minderjährigen durch Kopfschuss und zerfetzten Körper eines Landminenopfers. Regisseur des Videos ist Roman Garvas der auch schon durch sein nicht minder umstrittenes Video zu “Stress” (Justice) auffiehl. Wie immer entzieht er sich einer direkten Aussage und einem Kontext, sondern zeigt auf unironische Weise Dinge die einfach so jeden Tag auf der Welt existieren und damit konträr zur realitätsfernen Hyperwelt des Pop sind.  Aufmerksamkeitsgeile PR einer Künstlerin oder Kunst ? Wie immer entscheidet hier der Betrachter…

M.I.A. – Born Free (2009)

Album: Kala

Regisseur: Roman Gavras

Radiohead:Harry Patch, neuer Song und kein neues Album mehr.

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Im stolzen Alter von 111 Jahren ist Harry Patch (17.06. 1898 – 25.07.2009) von uns gegangen. Wenn wir ganz erhlich sind, hätte uns diese sicherlich traurige Nachricht wohl auch nicht so interessiert, hätten Radiohead nicht zu diesem sicherlich traurigen Anlass einen Song auf ihre Homepage gestellt. Während der Song in typischer und mittlerweile ein wenig vorhersehbarer pathetischer Trauigkeit daher kommt, ist das eigentliche Thema doch wesentlich spannender. Weiterlesen