Schlagwort-Archiv: Jean Luc Godard

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Die 80er Jahre: Die besten surrealistischen Filme des Jahrzehnts I

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Im Grunde genommen ist Kino des Surrealismus in den 80er Jahren bereits ziemlich am Ende. Mit Luis Buñuel stirbt 1983 der wohl wegweisendste Regisseur des Genres und hinterlässt eine Lücke, die sich so schnell nicht schließen wird. Zwar wies David Lynch mit Eraserhead bereits 1977 einen Weg in die Zukunft des surrealen Films – zwischen Avantgarde und unterhaltsamem Genrekino -, in den 80ern kümmert er sich jedoch eher um “bodenständigere” Projekte wie seinen Elefantenmenschen oder Blue Velvet. Während der neue Surrealismus noch ein wenig in Wartestellung verharrt, lassen aber immerhin die Altmeister mit interessanten Spätwerken aufhorchen: Fellini, Godard, Kluge… die Filmemacher des ersten Beitrags zum surrealen Kino der 80er lesen sich wie ein who is who vergangener Jahrzehnte. Warum sie auch in dieser Dekade begeistern können, lest Ihr hier…

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Full Nerd Jacket: Fail Compilation – Inszeniertes Scheitern und Kapitalismus

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Ist inszeniertes Scheitern Scheitern? Ist es nicht vielmehr etwas Geglücktes? Ein Anti-Fail? Spiegelt sich dieses Verhältnis nicht im Kapitalismus wieder? Sind geplante Obsoleszenz und Börsenblasen nicht Sinnbild für dieses Verhältnis? Erfolgreiche Geldakkumulation auf der einen Seite und Arbeitslose, Armut und Schrott auf der anderen. In einem interdisziplinären und kulturtheoretischen Move blicke ich zunächst  auf das (nicht-) Versagen in Kunst und Kultur. Davon dann ableitend wird deutlich, dass das Scheitern nicht nur ein weit größeres Ausmaß hat als uns lieb ist, sondern darüber hinaus uns alle angeht, weil das Failen nicht selten systemimmanent ist.

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Urlaubsgrüße von Jean-Luc Godard, Wim Wenders und Heiner Müller…

Egal was jetzt noch kommt… der Sommer ist einfach mal im Arsch. Nehmen wir das doch einfach zum Anlass, um uns ein wenig in nostalgischer Weltflucht zu üben und schauen uns dieses wunderbare Film-Material von Ira Schneider an. Dieser teilte sich in den 70ern mit Jean Pierre Gorin ein Haus unter der Sonne Kalifornien, in dem allerhand prominente Filmemacher und Künstler der damaligen Zeit zu Besuch waren. A Weekend at the Beach with Jean-Luc Godard (1979)  ist eine zehnminütige Impression der unbeschwerten Tage, die sie damals erlebten. Keine große Kunst, keine artifizielle Dekonstruktion, just The Wonder Years of the Golden Age of Cinema. Allein diese großen künstlerischen Genies, unbeschwert im atypischen Homevideo-Format zu sehen, ist schon ziemlich strange und gerade deswegen ein besonderer Genuss.

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Die 80er Jahre: Die besten Liebesfilme des Jahrzehnts II

Nachdem ich im letzten Artikel ordentlich auf die Arthaus-Kacke gehauen habe, folgen nun die weitaus traditionelleren, romantischeren und auch prototypischeren Liebesfilme, sowohl in Gestalt der Screwball Komödie, als auch in Gestalt des poetischen Liebesdramas, aber auch in Gestalt des abstrakten Kunstfilms. Und ja verdammt, diese Schnulzen können auch heute noch alle ungemein unterhalten. Keine Scham für das entzückte Seufzen zum Balztanz Dirty Dancing, keine Reue über das Lächeln und die Träne im Auge zu den romantischen Komödien Roxanne, Mondsüchtig und Harry und Sally. Und kein schlechtes Gefühl beim Erschlagenwerden von den pathetischen Liebsreflexionen in Liebe bis in den Tod und Vorname Carmen. There will be Kitsch, there will be Romance, there will be Love, Baby!

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Kurzfilm der Woche: Charlotte et son Jules

Ein sehr früher Kurzfilm von Jean-Luc Godard, in dem Jean-Paul Belmondo (gedubbt vom Regisseur selbst) einen endlos scheinenden Monolog abhält, der aus Tiraden gegen seine Noch-Geliebte Charlotte besteht. Das Ganze spielt sich in einem Hotelzimmer ab, arbeitet mit Jump Cuts, Zeitsprüngen und wilden Perspektivwechseln, ganz ähnlich den Hotelraumszenen des im selben Jahr veröffentlichten Nouvelle Vague Klassikers Außer Atem (1960). Inzeniert wurde das monologische Kammerspiel als Hommage an Jean Cocteau’s erfolgreichen Einakter Le Bel Indifférent (1940).

Charlotte et son Jules (Frankreich 1960)

Regie: Jean-Luc Godard

Darsteller: Jean-Paul Belmondo, Gérard Blain, Anne Collette

Musik: Pierre Monsigny

Godard trifft Truffaut – April/Mai 2011 im Kino

Manchmal ärgert es schon ein wenig, das Gefühl etwas verpasst zu haben… Ich rede jetzt nicht unbedingt von dem Film “Godard trifft Truffaut – Deux de la Vague”, der seit ungefähr einer halben Woche im deutschen Programmkino läuft (und von dem ich tatsächlich jetzt erst etwas mitbekommen habe), sondern von der Nouvelle Vague an und für sich. Was hätte ich gerne in der damaligen Zeit gelebt… und natürlich im damaligen Frankreich: Aufbruchsstimmung, große neue Filmideen, Experimentierlust, zeitzersetzende wahnwitzige inszenatorische Ideen, von Jump Cuts über selbstreferenzielle Momente bis hin zu ungewöhnlichen Narrationen. All das und noch viel mehr nutzten die Regisseure der Nouvelle Vague um eindrucksvolle, zeitlose Klassiker des postmodernen Kinos zu kreieren. Zwei der einflussreichsten Regisseure der damaligen Epoche sind Jean-Luc Godard und Francois Truffaut, deren Zusammenarbeit und Auseinanderdriften Emmanuel Laurent mit der Dokumentation “Deux de la Vague” nun ein filmisches Denkmal gesetzt hat.

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Links fürs Jahresende

Die Platten des Jahres 2010

Schöne Zusammenstellung der Zeit-Musikredaktion. Vieles Gutes für auf die Ohren.

Jean-Luc Godard – Revolutionär des Kinos

Ekkehard Knörer würdigt in der Taz den Avantgarde-Regisseur der Nouvelle Vague anlässlich dessen 80. Geburtstags

Momiga – Minimalistische Spielkunst

Zum Jahresabschluss noch einmal Gameminimalism at it best… Ein Piepen, Ein Pixel, eine Taste, ein Ziel… Mehr braucht es bei Momiga nicht, um ein originelles Spielerlebnis zu kreieren. Ein weißer Pixel will von links nach rechts befördert werden… mehrere Male… nur mit der Space-Taste. Warum und wie dies zur Herausforderung wird, sollte der neugierige Spieler dann einfach selbst erleben.

Videotrends in 2010 und 2011

Mehr als interessante und plausible Zusammenstellung von Bertram Gugel, wie die Videotrends im nächsten Jahr aussehen werden.

Der Zugnomade

Faszinierender Artikel zu einem faszinierenden Menschen, der seit über einem Jahrzehnt als Nomade in der deutschen Bahn lebt. Die Züge sind sein Obdach, seine Einkunftsquelle, sein Bad und seine Küche…

Es ist ein Wunder, dass überhaupt was fährt

Jaja, die Bahn und das Wetter… Aber nicht nur der Winter macht dem öffentlichen Fernferkehr zu schaffen,  sondern auch der Frühling, der Sommer und der Herbst. Ein anonymer Mitarbeiter berichtet.

Die Inszenierung der Gewalt

Tal Sterngast über die Dokumentation “Pornographie und Holocaust”, die sich der Verarbeitung der Shoa in israelischen Schund- und Groschenromanen widmet.

Die 00er Jahre: Die besten Episodenfilme und Composite Films des Jahrzehnts

Wir haben auf unserem Weg durch die Kinodekade klar abgegrenzte Genres wie Tragikomödien, Erotikfilme, Thriller und Horrorfilme hinter uns gebracht, aber auch mit  diffusen Kategorisierungen wie Tarantinoeske Filme gearbeitet. Jetzt wirds wieder ein wenig knifflig. Die Genrekategorisierung “Episodenfilm” ist hinreichend bekannt, scheint jedoch ein allzu enges Korsett für so manches cineastisches Werk zu sein. Der klassische Episodenfilm nämlich – wie zum Beispiel Intolerance von D.W. Griffith (1916) – besteht aus in sich geschlossenen Episoden, die durch ein alles verbindendes Thema zusammen gehalten werden. Nun ist aber gerade das postmoderne Kino, was Episodenkonstellationen betrifft, gerne verspielt und alles andere als stringent. Durchgesetzt haben sich hier episodische Prinzipien, die keine kleinen abgeschlosssenen Teilhandlungen erzählen, sondern diese ineinander verzahnen, parallelisieren,  darin wild umher springen oder gar klassische Chronologien komplett aufbrechen. Als Wegfeiler seien nur Robert Altmans Short Cuts von 1993 und Quentin Tarantinos Pulp Fiction von 1994 genannt und es wird offensichtlich, wie unterschiedlich sich Kurzgeschichten jeweils in einem Film anordnen lassen.

Die englische Sprache bietet hierfür den Begriff des “Composite Films” an, der Filme bezeichnet die trotz ihrer Episodenhaftigkeit dicht gewebt sind, und aus deren einzelnen kleinen Plots sich komplexe Gesamtstrukturen bilden. Die deutsche Filmkritik und Theorie arbeitet hier noch öfter etwas ungelenk mit Begriffen wie Ensemble Drama, Sittengemälde oder verzichtet gleich vollkommen auf eine eindeutige Kategorisierung. Wir wollen an der Stelle mit den beiden Begriffen Composite Film und Episodenfilm arbeiten, denn bei den besten Filmen der Dekade finden sich sowohl klar strukturierte, aus einzelnen voneinander getrennten Segmenten bestehende Werke als auch eng ineinander verzahnte Filmkompositionen. Mitunter parallel erzählt (im 2000er Drama Timecode sogar zeitgleich im echtzeitlichsten Sinne des Wortes), mitunter in durchgeschüttelter Chronologie, mitunter scheinbar ohne klare Linie. Und damit wollen wir die Theorie auch Theorie sein lassen. Es folgen die besten vielschichtigen, mehrstimmigen, zusammengesetzten , fragmentierten, komponierten und arrangierten Werke des Jahrzehnts… wie immer nach dem Klick.

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Euphorie, Hype, Fanboys, Kritiker, Nörgler, Quängler, Klugscheißer und der ganze Rest…

Bevor ich anfange, muss ich hier erst einmal was loswerden: Ich halte Tarkowski für ziemlich überschätzt. Viel zu orientierungslos erscheint mir sein Epos Andrej Rubljow, der viel gefeierte Stalker dümpelt in naiven, metaphysischen Fahrwassern und die geniale, komplexe Erzählung von Philip K. Dick “Solaris” hat der russische Avantgarde-Regisseur auf eine simple, spirituelle Botschaft reduziert. Einzig der kaleidoskopische “Spiegel” vermag es, mich wirklich mitzureißen. Aber der Kampf gegen Tarkowski käme einem Kampf gegen Windmühlen gleich: Der russische Autorenfilmer ist eine Ikone und ein immer gerne genommenes Schwert, wenn es um den Kampf gegen die Kritik an aktuellen Kinofilmen geht.

Womit wir beim Thema wären: Weiterlesen

Klassiker des selbstreflexiven Kinos – Klappe die Siebente: David Cronenbergs "Videodrome" (1983)

In den 70ern war Cronenberg ein wichtiger Vertreter des Venereal Horrors, des geschlechtlichen Thrills und schrieb mit Filmen wie „Shivers“ und „Rabid“ Horrorfilmgeschichte. Schon hier kündigte sich sein großes Thema an: Die menschliche Organik und der Verrat des Körpers am Geist. In „Videodrome“ zeigt er in einer explizit verdinglichten Feedbackschleife die Auswirkungen von Fernsehen auf den menschlichen Geist und Körper. Weiterlesen

Klassiker des selbstreflexiven Kinos – Klappe die Fünfte: Francois Truffauts „Die amerikanische Nacht” (1973)

Francois Truffaut gehörte schon immer zu den Leichtgewichten der Nouvelle Vague. Wenn ein Louis Malle bei „Die Liebenden“ eine Dreiecksbeziehung in eine schwere Tragödie münden und am Ende die wahre Liebe in einem pathetischen Ausklang gewinnen lässt, inszeniert Truffaut seine Menage a Trois in „Jules und Jim“ als leichtfüßige Tragikomödie mit viel Savoir Vivre. Wo bei Jean-Luc Godard sich surreale Phantastereien ihren Weg bahnen und das Kino gar für tot erklärt wird, da macht Truffaut keinen Hehl aus seiner Begeisterung für amerikanische Vorbilder und generiert liebevolle Komödien wie „Schießen sie auf den Pianisten“ und Appelle an die Menschlichkeit wie „Der Wolfsjunge“ . Truffaut ist das warmherzige Epizentrum des avantgardistischen Kinos aus Frankreich… und dann gibt es auch noch „Die amerikanische Nacht“, den selbstreflexiven, leichtfüßigen Kontrapunkt zu Godards „Le meprís“ und eine Liebeserklärung an das Kino und seine Schaffenden an und für sich.

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Klassiker des selbstreflexiven Kinos – Klappe die Vierte: Jean-Luc Godards „Week End" (1967)

Godards Week End (eines der wenigen Anglizismen im Französischen) ist zweifellos ein gewagtes Experiment der Geschichte des erzählenden Kinos. In erster Linie ist Week End ein filmisches, kaputtes Etwas. Es gibt wenige selbstreferenzielle Elemente und man könnte meinen, dass Selbstreflexivität nicht im Vordergrund steht. In Wahrheit aber ist dieser Film auf einer poetisch-avantgardistischen Ebene durchaus selbstreflexiv. Godard untersucht hier nicht den Film, sondern stellt die Frage nach dem Sinn von Filmkunst in der zerstörerischen und ausbeuterischen Kapitalgesellschaft der westlich zivilisierten Welt.

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Klassiker des selbstreflexiven Kinos – Klappe die Dritte: Dennis Hoppers „The Last Movie“ (1971)

Bekanntlich beendete bereits Godard 1967 mit „week-end“ das Kino. „The Last Movie“ von 1971 ist nun die finite Sicht eines US-amerikanischen Künstlers auf das Medium Film. Mit „Easy Rider“ konnte Dennis Hopper 1969 einen ersten großen Erfolg des New-Hollywood-Kinos verbuchen. „Bonnie und Clyde“ von Arthur Penn und „Die Reifeprüfung“ von Mike Nichols, beide erschienen 1967, waren nicht ganz so erfolgreich. Mit „The Last Movie“ zieht Hopper einen Schlussstrich unter die goldene Ära des klassischen Hollywoods. Sein Hauptaugenmerk liegt nicht, wie im europäischen Kino, auf der Psychologie. Bei ihm pendelt die Betrachtung des Mediums zwischen der Darstellung eines oberflächlichen Regel- und Machwerks, also wie ein Film funktioniert und gemacht wird und der Tiefenwirkung auf diejenigen, die den Film sehen.

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Klassiker des selbstreflexiven Kinos – Klappe die Zweite: Jean-Luc Godards – „Die Verachtung“ (1963)

Neben Fellinis „Achteinhalb“ ist „Die Verachtung“ („Le mépris“) von Jean-Luc Godard der zweite große Klassiker des selbstreferentiellen Kunstkinos Europas. Während Godard hier den Film, sein Zustandekommen und die Wünsche der am Zustandekommen Beteiligten untersucht, erklärt er ein paar Jahre später in seinem Werk „week-end“ das Kino für tot. Der für seine Progressivität bekannte Godard machte diese Erklärung, zu unserem Glück, für sein Werk nicht  wahr. „Die Verachtung“ zeigt warum Godard nicht anders kann und weitermachen muss. Es dreht sich alles um die Begierde.

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