Der Schrift – Scintilla III von Jie Ma

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Der chinesische Künstler Jie Ma hat hier ein vielerzählendes Werk geschaffen. Was da alles an Gedanken aufploppen. Schrift, Logozentrismus, die Kritik des Selben aber auch dessen Wertschätzung, Exegese, das Kulturmachen durch von Exegese angeregtem Diskurs, Dekonstruktion, die Lupen, das ist zu lesen wie Derrida. Die Farben und die Lupenapparate haben auch so einen steampunkigen Charakter. Die Größe und Weitläufigkeit des Raumes gegen die graue Enge der Stadt. Das Bad in kulturellen Artefakten, ein wenig starrsinnig, aber auch pflichtbewusst, versus systematisierte urbane Einöde.

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Diese Lupen… das Lesen. Das Bild enthält selbst den Akt der Rezeption, Interpretation und Exegese. Wie die eine Lupe den Text verzerrt und die andere preisgibt, dass der Blick nach Draußen ein verzerrter, gemachter Blick ist, plus wie die selbe Lupe die Schrift und damit Kultur in die Stadt reinzerrt. Wie alles eben gesagte sich in der Bildmitte wiederspiegelt. Reflexivtät. Selbstreflexivität. Ich finde es nicht übertrieben zu sagen, dass das Bild die abendländische Kulturgeschichte, bzw. die abendländische Kulturmethode zusammenfasst, bis zu dem postmodernen Punkt der Selbstbezüglichkeit und dem unendlichen Verweisen von Zeichen (Schrift) auf Zeichen. Die Metaphysik der Zeichen.

Dann die Figuren. Ihre Anordnung und was sie tun macht auf mich einen politischen um nicht zu sagen feministischen Eindruck. Der Mann mit graumelierten Haaren sitzt in erhöhter Position auf so eine Art Stuhlapparat. Er ist nur wenig höher platziert als die Frau. Diese Höhersetzung scheint er allein durch den apparatartigen Stuhl zu erlangen. Der Mann hat den Zeigefinger der linken Hand leicht ausgestreckt, sodass er nicht ganz gerade, sondern gekrümmt ist. Außerdem sieht er verbissen aus, seine Augenbrauen sind zusammengezogen. Er macht den Eindruck als beharre er auf etwas. Denn die Situation sieht ein wenig so aus, als ob die Frau, die, mit einem strengen Büro/Sekretärinnenkostüm bekleidet und ein normalgroßes-großes Buch in den Händen, ein Vorschlag machen würde. Gewissermaßen ist die weibliche Figur hier kein Individuum, weil sie kein Gesicht hat, im Gegensatz zur männlichen Figur. Ja anstelle einer individuellen Physiognomie sieht man eigentlich nur einen schwarzen Punkt, der ihre Frisur ist.

Ist das nicht ein Kommentar auf die westliche Kulturgeschichte, die eine von Männern gemachte Geschichte ist? Sind die ganzen aufrechten Linien nicht als Phallussymbole zu lesen, die Stangen der Apparaturen, die die Bücher halten, die aufgetürmten Bücher? Ist die V-Form dagegen, in der die riesigen Bücher angeordnet sind, nicht Symbol der Weiblichkeit? Solche symbolischen Spekulationen sind immer ein wenig hanebüchen, dennoch liest sich diese Schicht des Bildes, vor allem die Zeichenhaftigkeit der Figuren, durchaus als kritischer und feministischer Kommentar zur westlichen Kulturgeschichte.

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Auf der Portfoliowebseite behance gibt es noch mehr von Jie Ma zu sehen.

via this isn`t happiness

Harry Potter, Hitler und Appeasement: Der Zauberlehrling und das britische Trauma

Nicht mehr lange… Bald ist es so weit. Wenn Mitte Juli mit Harry Potter and the Deathly Hollows 2 der endgültig letzte Film über Hogwarts, Harry Potter und Lord Voldemort in den Kinos anläuft, wird damit eine Fantasyserie beendet, die Leser und Kinogänger in den letzten zehn Jahren permanent in Atem hielt. Die Erlebnisse des Schülers, Zauberlehrlings und Auserwählten sind bereits jetzt schon so etwas wie Literaturgeschichte, haben eine riesige Fankultur um sich versammelt, Autorin J.K. Rowling reich gemacht und zahllose Untersuchungen des Phänomens provoziert. Die Mythologie, die Religion, die klassischen Fantasy-Bezüge… Dabei lässt sich Harry Potter problemlos (und mit viel Spaß) ganz konkret beinahe zeitgenössisch lesen: Nämlich als Verarbeitung eines großen britischen Traumas der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts: Vom europäischen Schicksalsjahr 1914 über die Deutschlandpolitik der 30er Jahre, den Zweiten Weltkrieg bis hin zu 1945 und dem Schlussstrich unter die Verwirrungen der europäischen “Moderne”. Harry Potter und Lord Voldemort, Großbritannien und Adolf Hitler, Appeasement und Krieg… Parallelen und Analogien: Spoiler ahead!

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Erich Kästners “Fabian” – der “Man in the mirror”

In seinem 1931 erschienen neusachlichen Roman „Fabian“ beschreibt Kästner das Ende der Goldenen Zwanziger Jahre und den Beginn der Weltwirtschaftskrise. Die satirische, leicht überdrehte Erzählweise kündigt den moralischen Verfall der Gesellschaft an. Kästner skizziert am Horizont eine Fratze der Amoral. weiterlesen

Das Ende von LOST – Ein Interpretationsversuch

Achtung! Dieser Artikel enthält massive Spoiler für sämtliche Folgen und Staffeln von LOST. Wer die Serie noch nicht komplett (!) gesehen hat, aber vorhat dies noch zu tun, sollte es tunlichst vermeiden weiter zu lesen, sofern er sich nicht den Spaß an unzähligen Überraschungen und Mindfucks kaputt machen will. Der Artikel richtet sich an Fans und Zuschauer der Serie und setzt entsprechend Kenntnisse über das Geschehen von LOST voraus.

„It only ends once, anything that happens before is just a progress!“ Es ist vollbracht, LOST ist zu Ende. Nach sechs Jahren und ebenso vielen Staffeln, nach unzähligen Mysterien geht eines der größten Serienereignisse dieses Jahrzehnts dem Ende entgegen. Und was war das für ein Ende! Zahllose Fans diskutieren sich – wie schon bei den Staffeln zuvor – die Köpfe heiß, lästern, weinen, freuen sich einfach oder sind schlicht und ergreifend erbost über den Abgang, der viele Fragen offen und unbeantwortet ließ. Gerade der himmelschreiende Pathos, mit dem die letzten 90 Minuten garniert wurden, sorgt für so manches Kopfschütteln, ebenso die religiöse, spirituelle Metaphorik und Auflösung sämtlicher Ereignisse und natürlich nicht zuletzt auch das Unterlassen vieler Antworten, das Offenlassen vieler Plot-Teile und das Ignorieren vermeintlicher Schlüsselszenen.

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