Schlagwort-Archiv: Indie Pop

Himmel und Hölle – Jonsi und Burzum veröffentlichen neue Alben

Schmerz und Freude, Schönheit und Ekel. Wohl kaum könnten die am meisten erwarteten und gefürchteten Alben dieses Monats weiter auseinander liegen. Gemeinsam haben sie nur ihre nordische Herkunft, der sie sich aus vollkommen verschiedenen Richtungen nähern. Jonsi  zelebriert auf Go eine Hymne an die Schönheit und das Leben an sich und inszeniert sich im Video als  Papageno der Gegenwart. Neben soviel Licht muss es natürlich auch Schatten geben, und mit Burzum begeben wir uns an den trüben Abgrund zur Hölle. Weiterlesen

Verwobene Gesänge, verschrobene Klänge – CocoRosies neues Album "Grey Oceans"

Sie waren schon immer offen für allerlei Musikstile und Genres… CocoRosie die beiden Schwestern aus Frankreich. Das hat sich auch auf ihrem aktuellen Album Grey Oceans (vö: 10.05.) nicht geändert. Ganz im Gegenteil: Mehr denn je schrauben sie die folkigen Pop-Sounds zurück und widmen sich experimentellen, verschrobenen Klangfeldern. Dennoch geht es hier alles andere als stillos zur Sache. Wo andere Bands Schicht auf Schicht legen würden, blitzt bei CocoRosie trotz aller Experimentierfreude immer ein Hang zum raffinierten Nebeneinanderstellen auf. Dieses Konzept äußert sich bei Grey Ocean vor allem im Spiel mit den Kontrasten und Gegensätzen. Hell und dunkel, zurückhaltend und schrill, apokalyptisch und optimistisch, melancholisch und lebenslustig… Wie sich in den einzelnen Songs die Stimmen der Schwestern abwechseln, wechseln auch die Stimmungen und Stile…

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Berlin: Die Ladies erobern den Mai

Berlin: Weiblich musikalisch wird der Mai in unserer Hauptstadt. Gleich zu Beginn des Monats sorgen Rihanna (02.05.), Alicia Keys (07.05.) und Lady Gaga (11.05.) für ein ordentliches Live-Pop-Paket in der o2-Arena. Wem das zu schrill, bunt und mainstreamig ist, der darf sich auf ein Konzert der ehemaligen Lamb-Sängerin Lou Rhodes freuen. Die mittlerweile solo agierende Songwriterin wird am 06.05. ihr neues Folk-Album One Good thing im Lido präsentieren. Ebenfalls folkig kommt Joanna Newsom am 17.05. daher: Im Admiralspalast dürfen sich Freunde der ambitionierten Harfinistin auf ein ganz besonders exquisites Konzerterlebnis freuen. Ein besonderes Konzerterlebnis verspricht auch das US-Duo CocoRosie: Folk an der Schwelle zum Indiepop und Soul, angereichert mit experimentellen Electronica spielen die beiden Schwestern gewohnt virtuos am 18. Mai ebenfalls im Admiralspalast.

Rihanna: 02.05.2010 (o2-World)

Lou Rhodes: 06.05.2010 (Lido)

Alicia Keys: 07.05.2010 (o2-World)

Lady Gaga: 11.05.2010 (o2-World)

Joanna Newsom: 17.05.2010 (Admiralspalast)

CocoRosie: 18.05.2010 (Admiralspalast)


Die 00er Jahre: Die vergessendsten Alben des Jahrzehnts V

Im fünften Teil mit schrägem 80er Retro-Indie-Rock, relaxtem Americana Folk, einem besonderen Tribut an Pavement, experimentellem Pop aus Frankreich, coolem Noir Jazz, absolut unzeitgemäßem Funk und Bluesrock sowie einer mathematisch präzisen Free Jazz Kapelle.

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Traumhochzeit – Eine Rezension zu Broken Social Scene – s/t (2005)

Wir schreiben das Jahr 2005… So unterschiedlich die beiden Genres auch sein mögen, eines haben sie gemeinsam: Sowohl Postrock als auch Indiepop stecken in einer selbst eingebrockten Krise. Während der Indie-Pop sich in kassenträchtige UK-Retro-garage-Rock-Hypes auf der einen Seite und seichte Pop-Boote auf der anderen Seite splittet und dabei jede Innovation vermissen lässt, dümpelt der Postrock im Fahrwasser von unzähligen „Godspeed! You Black Emperor“-Klonen und hilflosen Ambient-Verbrechern, die dem ehemals subversiven Genre einen starken Anstrich von biedermeierschem Konservatismus geben. Da liegt es natürlich nahe, beiden Genres einen Nachruf zu schreiben, sich epitaphischem Wehleiden hinzugeben und eine allgemeine düster, pessimistische Kunstapokalypse heraufzubeschwören. Ausgerechnet Broken Social Scene, das auf mittlerweile zehn Mitglieder angewachsene Künstlerkollektiv, gestartet als Postrock-Projekt mit Tortoise-Anleihen (Feel good lost) und einen Abstecher in trockenen Rock hinter sich habend, geht den genau entgegen gesetzten Weg. Auf dem Opus Magnum der Band, dem berüchtigten Selftitled-Album feierten sie 2005 in elegischen, bunt zusammen gewürfelten, wild ekstatischen Tönen die Wiederauferstehung zweier Genres aus ihrem Dornröschenschlaf und deren innigste Vereinigung.

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Mark Trombino produziert das neue „Jimmy Eat World“ Album

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Dass die Band um Jim Adkins nun zu dem Mann zurückkehrt, der mit „Clarity“ und „Bleed American“ die zwei Perlen der Bandgeschichte schlechthin produzierte, ist ein mehr als nachvollziehbarer Schritt und war eigentlich zu erwarten. Viel zu überladen war das letzte Studioalbum „Chase This Light“, viel zu sehr musste die für „Jimmy Eat World“ so typische Zerbrechlichkeit der Lieder einer zuckrigen Matschproduktion weichen, die das Album phasenweise wie das Erstlingswerk einer 0815-Highschool Band erscheinen ließ. So war irgendwie klar, dass die Zusammenarbeit mit Produzentenlegende Butch Vig keine Fortsetzung finden würde. Weiterlesen