Franz Kafkas Verwandlung gespielt von einem Androiden

Als Gregor Samsa eines Morgens aus unruhigen Träumen erwachte, fand er sich in seinem Bett zu einem ungeheueren Roboter verwandelt…

Regisseur und Dramatiker Oriza Hirata hat gemeinsam mit dem Robotiker Hiroshi Ishiguro Franz Kafkas Parabel “Die Verwandlung” in einer Adaption für das digitale Zeitalter auf die Bühne gebracht. Der Protagonist Gregor Samsa wird in dieser Variante – La Metamorphose version Androide – von einem weißmaskierten, nackten Androiden verkörpert, während die restliche Besetzung aus menschlichen Schauspielern besteht. Das Stück soll auf französisch mit japanischen Untertiteln zuerst in Yokohama, später aber auch in Frankreich aufgeführt werden… und natürlich passt dieses Konzept der Reinterpretation des Kafka-Stoffes perfekt in das beginnende “Cyborg”-Zeitalter.

Hiroshi Ishiguro ist übrigens kein Unbekannter, wenn es um die Auslotung des Uncanny Valley und die Menschlichkeit der Robotik geht. Überzeugen könnt ihr euch davon in dem dctp-Beitrag “Doppelgänger und Avatare”, in dem es unter anderem um Ishiguros “Bühnen-Roboter” Maximal Human geht.

via The Telegraph

Über den schleichenden Wertegewinn der jungen Generationen…

conservatism

Eröffnungsrede zum Kongress der Gesellschaft zum Erhalt des Status Quo und der konservativen Gesinnung (April 2014):

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe konservative Mitstreiter,
seit Jahrzehnten, wenn nicht gar Jahrhunderten sehen wir uns dem schleichenden Wertegewinn der uns folgenden Generationen ausgesetzt. Nicht nur dass dies eine immense Gefährdung für unseren Konservatismus darstellt, auch rückt es uns ältere Generationen immer aufs Neue in ein schlechtes Licht, müssen wir uns doch jedes Mal damit konfrontiert sehen, auf der scheinbar falschen Seite der Geschichte zu stehen. Aber meine liebe Mitstreiter, Larmoyanz – auch wenn wir diese perfekt beherrschen – hilft an dieser Stelle nicht weiter. Viel mehr ist es mir darum gelegen, die Problematik in diesem Vortrag und den folgenden Arbeitsgruppen zu analysieren und Möglichkeiten aufzuzeigen, mit der wir sie nicht nur besser verstehen sondern im besten Falle auch effektiv bekämpfen können.

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Fundraising für die Public Domain Review

Die Public Domain Review gehört zu den größten Online-Publishern von spannendem und interessantem Material, dessen Urheberrecht abgelaufen ist und das dadurch zum kulturellen Allgemeingut der Menschheit geworden ist: Fotos, Bilder, Videos, Musik… zahhlose wertvolle, ältere Kulturgüter, die sich endlich aus Copyright-Hausen und Profit-Ville verabschiedet haben, finden in dem gigantischen Non-Profit-Projekt ein kuscheliges, digitales Zuhause. Und genau dieses Zuhause ist Dank der Tonnen an Material mittlerweile ziemlich teuer geworden. Wenn ihr also in nächster Zeit online etwas Gutes tun wollt – sowohl für euch als auch eure Kinder als auch eure Kindeskinder (und so weiter…) – beteiligt euch bitte an der Fundraising-Kampagne der großartigen Vintage-Fundgrube: 20.000$ werden benötigt, knapp 5000 sind bereits gesammelt, und jeder einzelne Cent wird gebraucht, um auch in Zukunft die digitale Aufbereitung und Präsentation großer, peripherer und auch schräger Kultur zu gewährleisten

With our initial funding now come to an end, we need your support to help us continue our mission – to promote the public domain as an indispensable public good, and to curate and showcase the most interesting out-of-copyright works on the web.


Support the Public Domain Review via BoingBoing

Weihnachtsstimmung VII: Olivier Messiaen – Vingt regards sur l’enfant-Jésus

Weihnachtsmusik… spezielle Weihnachtsmusik… Weihnachtsmusik, wie sie sein soll; fernab von jedem “Last Christmas”-Generve, jeder “Jingle Bells”-Niedlichkeit und jedem “Stille Nacht, Heilige Nacht”-Kitsch. Vingt Regards sur l’Enfant Jésus (1944) von Olivier Messiaen gilt laut Wikipedia als eine der wichtigsten Kompositionen des 20. Jahrhunderts. In seinen 20 Blicken auf das Jesus-Kind spielt der Avangardist mit dem Menschlichen und dem Göttlichen, variiert Themen und Motive und erschafft so ein eindrucksvolles Klangerlebnis auf dem Klavier. Heraus kommt nach den Worten des Komponisten ein “Komplex von Klängen, bestimmt für ständige Variation, als Folge abstrakt präexistent, dabei sehr konkret und leicht an seinen Farben zu erkennen.” Oder, um es kurz zu fassen: Einfach wundervolle, hochkomplexe und dennoch sehr empathische und mitreißende Musik.

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Klassische Musiker… und Action!

Der Fotograf (und Cellist) Nikolaj Lund inszeniert klassische Musiker in aufregenden, spannungsgeladenen Momentaufnahmen und kehrt damit die Pop-Seite der klassischen Musik hervor. Das Spiel mit dem Instrument wird zum Abenteuer, die E-Musik zum unterhaltsamen Sekundenbruchteil… und trotz allem wahren seine Modelle und sein Sujet die Würde. Hochkultur meets Popkultur im schönsten Sinne des Wortes. Weitere dieser tollen Bilder gibt es in Lunds Flickr-Profil zu bestaunen.

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Empathie und Neugierde als Konzept – Alexander Kluge zum Achtzigsten

Ich würde gerne behaupten, dass mein erster Kontakt zu Alexander Kluge im Schauen des Meisterwerks Die Artisten in der Zirkuskuppel: ratlos (1968) bestand, oder im Lesen des Klassikers Öffentlichkeit und Erfahrung (1972). Ich befürchte aber, dass ich wie so viele andere meiner Generation auf Kluge zum ersten mal im Fernsehen gestoßen bin. Und sei das nicht schlimm genug auch noch im Privatfernsehen, irgendwann im Nachtprogramm beim Zappen zwischen Tutti Frutti und Schulmädchen-“Reportagen”… und wahrscheinlich ebenfalls verbunden mit der Frage: “Was soll das? Ich will Stoff für meine frühpubertären Hormone, keinen Mann, der im Mönchskostüm zum fünften Evangelium befragt wird!” Der Mann im Mönchskostüm war Peter Berling, und Alexander Kluge existierte seinerzeit für mich nur als Stimme hinter der Kamera, die mit skurrilen und intelligenten Nachfragen den Historiker in seiner Rolle immer wieder ordentlich in die Bredouille brachte.

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Die klassische Moderne im Science Fiction Gewand

Die Tor-Sammlung Art History Through Sci Fi-Colored Glasses gehört mit zum Besten, was ich in den letzten Monaten an Hoch- und Popkultur Mashups im Netz entdeckt habe. Das obere Bild, C3PO, der durch Marcel Duchamps Nu descendant un escalier no. 2 (1912) stolpert, macht deutlich, wo die Reise hinführt. Neben diesem kleinen Mash-Meisterwerk von John Matto ist das Tor-Blogpost voll von großartigen Ideen und eleganten Umsetzungen: Die Musiker von Mos Eisley als Picasso-Gemälde, der Drache vom Cover von Jo Waltons Tooth and Claw (2003) posiert als Mona Lisa und Wolverine geht in Dalis La persistencia de la memoria (1931) verloren. Viel bleibt da nicht zu sagen, nur: Vorbeisurfen! Unbedingt! Jetzt! Sofort!

Art History Through Sci Fi-Colored Glasses via Clockworker

Geiger reagiert auf Handyklingelton…

Im Kino ist es ja schon schlimm genug, wenn plötzlich nervig, fiepsig der klassiche Telekom-Klingelton ertönt. Unerträglich wird es allerdings, wenn das Ganze während einer Live-Darbietung geschieht, insbesondere dann wenn der auftretende Künstler mit dem respektlosen Geklingel konfrontiert wird. Der Geiger in diesem Video hat seine ganz eigene Art auf den Störenfried im Publikum zu reagieren, weder angepisst noch aggressiv. Just an epic win.

via somehowamusing

Links fürs Wochenende

Museumsführung

Katja Dittrich bloggt über den Wahnsinn eines Louvre-Besuchs.

Are You There, God? It’s-a Me, Mario!

Overthinking darüber, was Videospiele und Kreationismus gemein haben können. Does Mario believe in Shigeru Miamoto? (Englisch)

Porträt: Voll Hardcore

Interview mit der libanesischen Rapperin Malikah:

Malikah ist eine stolze Muslima und rappt wie eine Maschinenpistole. Sie ist überzeugt: HipHop ist auch wichtig für die Demokratisierung der arabischen Welt.

Prothetik und Inklusion sind kein Gegensatz

Enno Park, der früher fast schwerhörig gehörlos war und heute elektrische Implantate trägt über die Frage ob seine Entscheidung für die Prothese dem Inklusionsgedanken zuwiderläuft. Interessant ist auch die Debatte unter dem Artikel.

Hoëcker, Sie sind … im Interview

Hoaxilla, der skeptische Podcast aus Münster hat einen ganz besonderen Gast in seiner Januar-Sendung. Bernhard Hoëcker, nicht nur bekannt aus Genial Daneben sondern ebenso GWUP-Mitglied, äußert sich über 90 Minuten zu seiner Arbeit als Science Kabarettist, zu seiner wissenschaftlichen Leidenschaft und dem Skeptizismus. Hörenswert!

Expertenkultur!!

Johannes Kreidler bricht eine Lanze für Expertentum und Intellektualismus in der Neuen Musik:

Musik ist mehr als Emotion, Groove und Völkerverbindung, Musik kann auch asozial schwer verständlich sein und auch dazu hat sie ihr gutes Recht. Andernfalls nennen wir es künftig eben „ästhetische Akustik“. Übrigens heißt Intellektualisierung überhaupt nicht Verlust von Unmittelbarkeit – es gibt Mathematiker, denen beim Anblick einer Formel Tränen in die Augen treten.

Alternative Atari Games

Sehr coole, weird geeky Fotostrecke beim Retronauten.

YouTube-Rewind: Die beliebtesten Videos des Jahres 2011

Rebecca Black schlägt Nyan Cat…. Naja…

IVE

Mal wieder ein süchtigmachendes Flashgame mit simplem Spielprinzip und großartiger Action. Der Plattformer IVE wird vollständig mit der linken Maustaste gesteuert… und wird trotzdem mit der Zeit verdammt anspruchsvoll: Springen, Boosten und in Quick Time Events gegen Roboter kämpfen. Groß!

Letztes Jahr auf Seite360:

Voller Tatendrang starten wir in das Jahr 2011: Rinko rezensiert Somewhere von Sofia Coppola sowie das 00er Album 19 von Adele und widmet sich der goldenen Stimme Ted Williams. Florian spekuliert über das Potential Wim Wenders in Bayreuth und lauscht den hörenswerten Alben des Januars. Marcus findet derweil  in Erich Kästners Fabian “The man in the mirror”. Außerdem stehen die ersten 90er Jahre Filmretrospektiven im Fokus: Als das wären Die besten Horrorfilme 1 und 2, Die besten Liebesfilme 1 und 2 sowie Die besten Erotikfilme, zu denen laut Florian Basic Instinct aber definitiv nicht gehört. Mit dem Musikjahr 2010 haben wir ebenfalls noch nicht ganz abgeschlossen und so gibt es gleich zwei Nachschläge aus der Heimat, bei denen wir Kristof Schreuf, Hans Unstern und Bratze sowie 1000 Robota, Antitainment und Frittenbude unsere Aufmerksamkeit widmen.

Auf den Spuren von Franz Liszt bei Arte+7

Zum 200. Geburtstag von Franz Liszt habe ich ja gestern bereits was Kleines gebloggt. Auf Arte+7 ist jetzt die 60minütige Dokumentation Auf den Spuren von Franz Liszt zu sehen, die sich im besonderen mit den jungen Jahren des romantischen Klaviervirtuosen und Komponisten auseinandersetzt: Vielleicht ein bisschen zu komprimiert, zu sehr die Fakten abspielend, aber mit – natürlich – wunderschöner Musik und interessanten Bildern unterlegt. Und ein wenig klassische, humanistische Bildung in Sachen Hochkultur, E-Musik und 19. Jahrhundert kann ja auf den Sonntag nie schaden, oder?

Adrienne Krausz und Muza Rubackyté, zwei Pianistinnen mit einer Vorliebe für Liszt, lassen anhand von Grafiken, Gemälden und Fotos der Zeit das Leben des Virtuosen Revue passieren und erzählen die Geschichte seiner Familie, Freunde und Rivalen. Es geht um das Wunderkind Liszt, den faszinierenden Interpreten, den Lehrer und Musiktheoretiker, den produktiven Komponisten und gläubigen Christen – und nicht zuletzt auch um den Frauenliebhaber und Liebling der Frauen. Im Mittelpunkt stehen dabei Liszts Jugendjahre bis 1861.

Superhelden/Kunst-Mashups

Ich hoffe ja immer noch, dass dieser Popkultur/Hochkultur-Mashup-Trend zu etwas richtig Langlebigem wird. Denn nichts ist schöner, als zu gleichen Teilen den inneren Nerd und Kulturhistoriker zufrieden zu stellen. Insofern kommen mir die Mashups von klassischen Superhelden mit noch klassischeren – primär modernen – Kunstwerken gerade recht. Den Dali/Spiderman musste ich auch gleich hier oben hintackern, weil dieser Bastard aus Surrealismus und Comic einfach perfekt funktioniert und nebenbei noch den “Märtyrerstatus” des einsamen Helden in Verbindung mit der Religionsrezeption der absurden Kunst des frühen 20. Jahrhunderts bringt. Aber auch die anderen Bilder sind alle großartig, egal ob der Magritte-Batman oder das Joker-Porträt.

–> Den Rest gibt es beim Retronauten

Links fürs Wochenende

Europa: Entgleist das Jahrhundert?

Ein Gespräch mit Alexander Kluge

Unveröffentlichte “New Yorker Cartoons”

Schlechter Geschmack ist Geschmackssache… und irgendwie sind fast alle dieser fiesen, kleinen, gehässigen – mintunter ungemein intelligenten – Zeichnungen einfach mal unglaublich komisch.

Ausstellung: Als die Kunst ins Leben trat

Warum die Postmoderne mausetot ist – und nie lebendiger war als heute.

Internetabhängig – Ich so

Aus Gründen… und diese wird wohl jeder exzessivere Netzuser auch bei sich feststellen.
Dazu auch passend: Internetsucht – Panikmache statt Information.

Last Meals Project

Makaberes, poetisches, informatives und zugleich ungemein spannendes Projekt, in dem kurz und knapp Henkersmahlzeiten und deren Besteller präsentiert werden.

So könnte Najims Leben aussehen

Axel Brüggemann spekuliert für den Freitag über das Leben des sieben Milliardsten Erdenbürgers…

How Jurassic Park should have ended

Eine Überdosis Rock

Allgemeine, kontextualisierende und persönliche Erinnerungen an das Use your Illusion Doppelpack von Guns N’ Roses, das – wie viele großartige Album – dieses Jahr sein zwanzigjähriges Jubiläum feiert.

Retrozirkel

Wollte ich schon länger mal empfehlen. Hervorragender Audiopodcast mit Videospielklassikern der 80er und 90er Jahre. Diese Woche mit einer – eigentlich wie immer – unglaublich interessanten Betrachtung des NES-Klassikers Metroid.

Diamond Hollow II – Browsergame

THIS…. WILL …. EAT …. YOUR …. TIME!

Letztes Jahr auf Seite360:

Rinko betrachtet verträumt die rosa Indie-Pop-Wolken von Belle & Sebastian und erfreut sich an Newton Faulkners Interpretation von Massive Attacks Teardrop.  Der Trailer zu Tom Tykwers neuem Film Drei entpuppt sich als wahres Kurzfilm-Meisterwerk, und am Historikertag in Berlin wird über die Kulturgeschichte des Tragens referiert.

Die 90er Jahre: Die besten Dokumentarfilme des Jahrzehnts II

Der zweite Teil unserer 90er-Doku-Retrospektive. Ich fasse mich mal kurz: Gleich dreimal blicken wir hinter die Kulissen der Filmindustrie, leiden und lachen in American Movie mit unabhängigen Filmemachern, erinnern uns mit Werner Herzog an seinen liebsten Feind Klaus Kinski und betrachten in The Celluloid Closet amerikanische Filmgeschichte aus einem anderen Blickwinkel. Zu den cineastischen Dokumentationen gesellt sich die Schönheit der Natur, in einer kurzen Geschichte der Zeit, die Kosmos, Erde und Mensch in das richtige Verhältnis rückt und in Luc Bessons Atlantis, in dem wundervolle Unterwasseraufnahmen auf einen hypnotischen Score treffen. Einmal dokumentarische Vielfalt bitte, nach dem Klick.

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