Rap-Lyrics auf berühmten Gemälden

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Muss ich nicht großartig erklären,oder ? Simple und großartige Idee! Hip Hop ist Bildsprache und das hier eine perfekte Symbiose.

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Deutschrap und so #30: Afrob – Reimemonster feat. Ferris MC

Oh Baby ja, verdammt nochmal ja!!! Ist das ein verdammter Klassiker des Deutschen Hip Hop oder was? Das Sirenensignal am Anfang des Tracks hätte es gar nicht gebraucht, um das hier wohl zu dem Hit von 1999 und zum absoluten Tanzboden-Killer zu machen. Sehr schön übrigens auch die Reaktion von Ferris MC, der beim Beats for Life nur noch ungläubig ins Publikum starrte, als eine komplett euphorisierte Menge jede Zeile des Songs auswendig konnte und damit klar machte, dass eine neue Zeitrechnung im der deutschen Musikhistorie begonnen hatte.

Afrobs leicht heisere Stimme und Ferris MC krächziges Organ harmonieren jedenfalls perfekt, und es ist einfach toll, wie sich die beiden auf dem geilen DJ Thomilla-Beat längst zum Kult gewordene Lines wie “Jo, macht euch locker, denn dieser Sound haut euch vom Hocker/Sowas habt ihr nie gesehen, sowas machen Hip-Hopper” um die Ohren hauen. Jepp, gehe ich mit…denn damals war Indie-Rock (mal wieder) am Boden und Nu Metal erst noch auf dem Sprung der nächste dominante Sound der Jugendkultur zu sein.

Deutschrap und so #28: Maeckes – Würgegriff des Glücks

Ich sags mal so, wie es ist: Deutschsprachiger Post Rap ist mein neuer persönlicher Hype, und da kann es mir auch gestohlen bleiben, dass ich derzeit wohl der einzige Mensch bin, der diesen Ausdruck, diese Kategorie, – ja mein Gott! – diese Schublade benutzt. Maeckes sortiert sich hier jedenfalls perfekt ein: Mit seinen nachdenklichen Lyrics, seinen 1/3 poppigen, 1/3 postpunkigen, 1/3 postrockigen Soundteppichen, seinen deepen Beats und seinem Hang zur poetisch/philosophischen Exquisität, die man im deutschsprachigen Hip Hop sonst nur selten findet.

Maeckes hört man nicht beim Bong- sondern beim Pfeiferauchen, nicht beim Dosenbier sondern beim erlesenen Scotch, nicht in den Baggy-Pants sondern im samtenen Morgenmantel. Wem das jetzt zu elaboriert bildungsbürgerlich klingt, der hat vollkommen recht und daher schleudert “Würgegriff des Glücks” dem Verfasser dieser selbstverliebten Beschreibung dann auch gleich mal ein gepflegtes “Fick dich und deine prätentiöse Attitüde” entgegen. Feinste Line: “Lebst du noch oder stirbst du schon? / Wir reden sinnbehaftet, / verlieren während Szenen, nicht blinzeln! / Lassen nichts aus den Augen, bis auf die Tränen eines Cineasten / Wir sind atommüllsicher halt kleinbürgerlich beschützt / vor dem Würgegriff des Glücks.”

Deutschrap und so #26: Casper – Der Druck steigt

Ob dass denn jetzt noch Hip Hop sei, hat man sich gefragt. Ob das nicht einfach nur altbackener Crossover im vermeintlich frischen Düstergewand sei, hat man sich gefragt. Ob dieser Casper nicht einfach mit Emo, Pop und Mainstream flirtet, hat man sich gefragt. Und dieser deutsch-amerikanische Rapper hat – das Album XOXO kommentierend – den Fragenden so wütend einen dogmatischen Knochen hingeworfen…

Wir hatten im Studio viele kleine Zettel hängen. Regel 1: ‚Crossover ist der Feind‘. Alles, was auch nur annähernd nach Crossover erinnerte, haben wir sofort weggeschmissen. Regel 2: ‚Wie-Vergleiche sind verboten‘. Dieses Rappertum wollten wir komplett entfernen.

…dass man sich gar nicht mehr traute mit einem selbstbewussten “Jein” zu antworten. An dieser Stelle sei dieses “Jein” – Caspers Trotzhaltung zum Trotz, Hah! – nachgeliefert. Natürlich ist Der Druck steigt kein klassischer Hip Hop, aber mit seinem aggressiven Sprechgesang stark im ursprünglichen Rap-Gedanken verwurzelt. Natürlich steht der Song mit seinen Samples, seinen harten Gitarren, seinem Pathos, seinem Wechsel aus Metal-Geshoute und Hip Hop Lines in der Traditionslinie des Crossovers. Aber um dieses Jein zu vervollständigen, nicht nur der Opener, sondern das gesamte Album, ist soviel mehr: Die Nachdenklichkeit der Hamburger Schule im Gepäck, den Wut des Punk in den Knochen, die Attitude des Metals in den Beinen, die Monumentalität des Postrock im Herzen, ja sogar den Lidschatten des Emos in den Augen… und dennoch weit entfernt von jeglichem sinnbefreiten Remix, vom unselbständigen Eklektizismus und von der postmodernen Langeweile. Casper macht – und das sollte einmal deutlich honoriert werden – trotz aller Wurzeln, trotz aller Anleihen etwas vollkommen Neues.

Und so seien alle Rezensenten, Feuilletonisten – und der Musiker selbst – verstanden, wenn sie sich nicht trauen, das Ergebnis Hip Hop, Crossover, Indie oder sonstwie zu nennen. Postrap wäre vielleicht eine ganz gute Kategorie – Schubladen rocken halt doch! -, bei Post Emo Hip Hop Core könnte man das ganze mit einem kleinen Augenzwinkern auch einordnen… ich bleibe dann doch beim Deutschrap, denn sonst könnte ich diesen fantastischen Song in dieser Serie nicht posten. Und das wiederum würde ich mir nicht verzeihen.

PS.: Falls hier gerade ein paar PeDüBerLeiGIDA-Deppen hereinstolpern, weil sie sich fragen, was für ein großartiges Hip Hop Werk sie bei ihrem letzten Sonntagsspaziergang begleitet hat, sei denen der keine Frage offen lassende Kommentar des Interpreten selbst entgegengeschmettert:

immer wieder höre ich, dass die pegida-leute »der druck steigt« auf ihren sogenannten abendspaziergängen spielen. grundsätzlich freue ich mich natürlich über jeden, der meine musik mag und hört, aber hiervon möchte ich mich eindeutig distanzieren. denn es ist ja zum glück so: »der druck steigt« tatsächlich, aber nicht so, wie pegida sich das vorstellt. überall in deutschland regt sich widerstand – gegen pegida und ihre ideologie. für ein faires und tolerantes miteinander der ethnien und religionen. kein mensch ist illegal! schreibt und singt eure eigenen lieder, meine bekommt ihr nicht.

Verpisst euch!

Feinste Line: “Der Druck steigt, Atem blockiert. / Wir scheitern immer schöner, sind Versager mit Stil! / Haben nicht viel! Ausgenommen, Leitfiguren. Auf davon! / Sind nicht schön, sind nicht reich, wird harter Kampf da rauszukommen!”

Deutschrap und so #25: Döll – Weit entfernt

So, kommen wir mal nach dem heftigen Nostalgie-Trip meiner letzten Artikel, der immer wieder auch meinen Geschmack etwas beeinflusst, in der Gegenwart an. Deutscher Rap entwickelt sich ja, nach der Übernahme der Muskel-Rapper in den 00er-Jahren, mittlerweile wieder in die Breite, und so kommt wieder auf jeden IschfiggedeinäMuddah-Output zum Glück ein deeper Track.

Weit entfernt ist ein wirklich schönes Ding von Döll, der mit Mann im Mond eigentlich noch einen zweiten Kracher im Repertoire hat, aber mir gefällt der von Dexter produzierte “Weit entfernt”  halt noch besser.

Ich bin ja eh für ein Revival von deepem Rap, der mich zum Nachdenken anregt (gerne auch auch von Haftbefehl) und gegen diese Dümmer-als-der-Türsteher-Soße, die gerade am Niederrhein wohl enorm angesagt ist und auch noch mit Platz 1 in den Charts belohnt wird. Es hat schon seinen Grund, warum hier Doubletime-Gewichse von Kollegah nicht auftaucht, weil der Mann wohl weniger an guten Lyrics als viel mehr an dem Aufbau seines Trainingsprogramms interessiert ist.

“Weit entfernt” beschreibt jedenfalls die Sehnsucht, raus aus den zu eng gewordenen Raum, raus aus dem mitunter selbst gewählten Unmündigkeit, und das Streben nach Abenteuer. So war Hip Hop mal gedacht: Als Sender von Texten, der sich in den Köpfen der Leute festsetzen. Ach so, und Dexter hat das mal wieder astrein produziert!

Deutschrap und so #24: Pyranja – Fremdkörper

Ey, wie Pyranja – und auch mir – dieses joviale Gendermarkieren auf den Sack geht! Eine der besten deutschsprachigen weiblichen MCs? Fuck off! Pyranja ist einer der besten deutschsprachigen MCs. Pyranja ist eine der besten MCs. Punkt. Die Rostockerin dropt ihre nach vorne peitschen Rhymes derart smooth und real, dass auch der Auftritt beim Bundesvision Songcontest, Labelgründung, Diplomarbeit und Babypause nichts an ihrer Rap-Credibility ändern können. Mit dem 2001er Brett Fremdkörper hat sie ihre Wut gegenüber der sexistischen Jovialität im Genre dazu noch so gekonnt der konservativen Hip Hop Bagage ins Gesicht geschissen, dass man sich vor so viel Attitude nur verbeugen kann.

Feinste Line:

So hör’ ich oft: Ey Pü, verzeih’, Du leistest Dir zwar gerad’ ‘n Hype, / doch muss schon sagen, Show war tight und auch in Sachen Flow und Style, für ‘ne Braut ganz nice und cool, dass Du Texte selber schreibst. / Mit anderen Worten: Baby, willkommen im Mittelalter! Und ich nur: Danke für die Blumen, doch Du starrst gerade auf meine Titten, Alter! / Oops! Zu harte Worte? Für die harten Jungs im harten Biz? Die mit Schulterklopfen ankommen und mir dann erklären, was Hip Hop ist? / Ich mein’, man lernt nie aus, doch falls es jemand’ interessiert: Ich hab’ mir erst ma’ “Keep it real” dick auf meinen Hintern tättowiert!

Deutschrap und so #22: Morlockk Dilemma – Ich weiß nicht

Wenn man sich auf die Suche nach gutem, Indie Hip Hop made in Germany begibt, stolpert man früher oder später zwangsläufig über Morlockk Dilemma: Der düstere Leipziger droppt schon seit Ende der 90er mit die spannendsten Battlerap-Lines, die es hierzulande zu finden gibt: Und das auf einem wirklich genuinen Soundteppich zwischen hämmernden Beats, Psychedelic und obskuren Filmmusikschnipseln. Erinnert wohl viele Hörer und Kritiker an den Wu-Tang-Clan. Ich würde wegen der teilweise unfassbar schnell gerappten Rhymes und düsteren Gesamtatmosphäre als US-Referenzen eher so was wie Twisted Insane anführen (aber was weiß ich schon). Und wer jetzt immer noch unsicher ist, ob er Morlockk Dilemma ne Chance geben sollte, der werfe einfach einen Blick auf diese BR-Infografik:

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Noch Fragen?

Feinste Line:

Ich weiß nicht warum ihr denkt, ihr bringt Rap zurück zu Rap,
Mein Rap geht straight nach vorne ihr Cracks.
Ich weiß nicht warum ihr glaubt, ihr schraubt den Rap
Wie von Zauberhand fett – Mein Rap braucht keinen Effekt.
Ich weiß nicht warum ihr, glaubt euch braucht die Crowd,
Macht die Schnauze auf und alle laufen euch weg
Ich weiß nicht warum ihr denkt ihr habt Fans,
Ich kenn keinen einzigen der euch Aufmerksamkeit schenkt.

Deutschrap und so #20: Die Firma – Scheiß auf die Hookline

Die Firma war damals Ende der 90er extrem beliebt in meiner Social Bubble und so habe ich zwangsläufig ziemlich oft in ihre Songs reinhören müssen. Die hatten aber auch was, allein schon weil sie alles anders zu machen schienen als der Rest der damals schon recht vitalen Deutschrap-Szene: Weder Pop-Verliebtheit, noch Weed Gechille, weder Punk- noch Gangsterattitüde. Die Firma spielte ihren eigenen Style, den ich gewillt bin, am ehesten als “Großes Kino” zu bezeichnen: Deep Storytelling, Big Pathos, ein Hauch von Conspiration and Third Eye und eine epische, cineastische Gesamtatmosphäre, die immer mehr von allem demonstrieren und dominieren will . Klar, die Jungs hatten auch ihre Downer, wie das zuckersüße Liebesgedicht in Rap-Dur “Die Eine”, aber es dominierten dann doch die breiten, monumentalen und gewaltigen Sounds.

Ein wenig mehr Selbstironie, ein wenig mehr Bescheidenheit und Augenzwinkern hätte den Kölnern sicher gut zu Gesicht gestanden (und vor allem viel viel weniger Dualismen. Mein Gott, bei denen ging wirklich nichts ohne Dualismen!). Aber mit Scheiß auf die Hookline haben sie alles richtig gemacht. Ein elegischer Abgesang auf die Regeln des Business, ein epischer Bastard aus Rap und Pop, mit einer – Oh, the Irony! – eingängigen Hookline, die von fast experimentellen Dissonanzen zerschossen wird. Passt. Fetzt! Und verleitete mich damals gar dazu, mir das ganze Album zuzulegen, auch wenn mir der Überpathos der Band und die Vorliebe für pathetische, schwere pseudophilosophische Geschichten, Illuminati und Babylon ziemlich schnell auf den Sack gingen. Feinste Line: Was dich interessiert, das ist die Anzahl von verkauften CD’s, / fischst nach Kohle in WC’s, / belanglose LP’s, HipHop Nachwuchs Protegees / und Klischees, wir haben unsere eigenes Konzept, / die Firma, jetzt weißt du, wer hier rappt!”

Deutschrap und so #17: Haftbefehl – Lass die Affen aus’m Zoo

Wenn ich das richtig mitgekriegt habe, war Haftbefehls Ruf in der deutschen Gangster Rap Szene lange Zeit eher umstritten. Egal, was ich vor allem mitbekommen habe, war die Tatsache, dass der Offenbacher mit seinem letzten Album Russisch Roulette im deutschen Feuilleton extrem hofiert wurde. Plötzlich schien das Bildungsbürgertum seinen Vorzeige-Bösen-Bubi (bzw. Baba) der deutschen Hip Hop Szene gefunden zu haben, und kein akademisches Superlativ war zu akademisch, um in den Babo aus Mainhatten hereingelesen zu werden.

Die Songs, die sich auf dieser urbanen antigöttlichen Tragödie finden, sind aber auch ein Brett vor dem Herrn: Astreiner, derber Sozialdarwinismus, inklusive Nihilismus und existenzialistischer Verzweiflung. Antiironisch, brutal und direkt in die Fresse des Publikums, begleitet von den fettesten Beats, die es in den letzten Jahren in dem Genre zu hören gab. Das ist real bis zur Schmerzgrenze, gerade in Lass die Affen aus’m Zoo gnadenlos zwischen Narration, Affirmation und resignativem Zynismus pendelnd, und hat trotzdem immer noch genug Platz musikalisch allen klar zu machen, wer hier der wahre Babo ist. Feinste Line: “Die Freiheitsstatue ist ‘ne Hure und ich fick sie / Blanco pumpt den Beat, ich erschieß’ diesen Swizz Beatz / Sie trinken Hennessy und denken, sie sind 50 Cent / MCs in Germany blasen in Michigan”

Deutschrap und so #15: Tobsucht – Zum Lachen In Den Keller Gehen

Habe ich hier das Wort “Pop” gehört? Oh ja, Pop Baby! Ohne Gangsta-Attitüde, ohne politisches Sendungsbewusstsein, und auch ohne derbe Party-Ideologie und anarchischen Hedonismus. Stattdessen die perfekte Vermählung von Rap-Strophe mit Pop-Hookline, Ohrwurmcharakter, (gedämpfte) Emotionen, überraschend deepe Lyrics und süßes, charmantes Augenzwinkern in Richtung Alternative Rock.

Mit Zum Lachen In Den Keller Gehen landeten Tobsucht Ende der 90er einen fetten g’schnitten Brot Song, der sich auch auf diverse Bravo Hits und The Dome Sampler verirrte. Es blieb jedoch beim One Hit Wonder. Abgesehen von dieser einen Single gab es nicht viel zu hören von den sympathischen Hessen und ihr Wikipediaartikel ist mittlerweile – wegen mangelnder Relevanz – gelöscht worden. Diesen kleinen Sommerhit wird aber niemand, der Ende der 90er in seinen Teenjahren war, vergessen.

Mittlerweile haben sich die Überlebenden des Projekts zu Nekta zusammengefunden und machen in dieser neuen Formation extrem guten Electro Swing, der es sogar bis in die amerikanische TV-Landschaft geschafft hat und auf diversen Tanzflächen national und international ordentlich rockt. Ein Happy End, wie es das Pop Business ruhig öfter vertragen könnte. Feinste Line: “Du sagst die Zeit ist Einheit, Zukunft, Vergangenheit, / Wird sein, mag sein, kann sein, ist so lang vorbei. / Du zeigst mit dem Finger auf die Uhr. / Wie zum Beweis, denn die stimmt immer. / Da bleibst du stur.”

Deutschrap und so #14: Ferris MC – Tanz mit mir

Rap in den 90ern hatte noch Abitur; und so klang vieles ein wenig nach launiger Studenten-Party im Asta-Keller mit Weedgeruch und hier und da politische Diskussion über den Einsatz der Bundeswehr im Balkan-Konflikt.

Ferris, Trouble-Kid aus zerrütteten Familienverhältnissen und aufgewachsen in einem eher wenig schönen Bremer Staddtteil, spielte den längst nötigen Partyschreck, stieß die anderen von der Bowle weg und pöbelte launig herum. Sascha Reimann, der sich als Billy Idol des Rap bezeichnete, stand eben im Zeichen des Freak (und dem seiner Vorgänger-Band FAB) und war schon die erste Ahnung von Street-Credibilty im damals noch sehr harmoniebedürftigen Rap-Biz. Ein von ihm moderierter Event endete in einem sturzbesoffenen Auftritt, nach dem der Hip Hop Punk nur mit Hilfe der Fünf Sterne Deluxe zurück auf die Bühne gebracht werden konnte.

In “Tanz mit mir” thematisiert Ferris seine Weedsucht und den poetischen Totentanz mit den Dämonen, die ihn umgeben. Auch die Mongo Clikke wird am Schluss mit einem tatsächlichen mongoloiden Bandmitglied der kultigen Band Station 17 gefeiert, was damals kurrzeitg zu peinlichen Empörungen führte. Die schön dreckigen Beats steuert DJ Stylewarz bei, der damals die zweite große Welle des Hip Hop maßgeblich beeinflusste.

Deutschrap und so #12: Sookee und Tapete – Pro Homo

Ladies and Gentlemen, Transgenders and Drags, Intersex and Gender Neutral People, Polygenders, F2Ms and M2Fs: Wie befürchtet und wie angekündigt, der soziologische, studierte Intellektuellenrap.Es gäbe durchaus einiges darüber zu sagen, dass Sookees Texte manchmal hölzern und manchmal zu belehrend klingen, vielleicht zu didaktisch sind, dass die Botschaft hier meterhoch über dem Ästhetischen thront etc. pp…

Ich will mich an dieser Stelle aber einfach nur mit der Feststellung begnügen, dass der deutsche Hip Hop genau so etwas verdammt nötig hat (so wie die Videospielszene eine Anita Sarkeesian oder Zoe Quinn verdammt nötig hat; ist aber ein anderes Thema); und dass selbst wenn politisch aktivistischer Rap Bauchgrummeoln hinterlässt, es genau diese Art von Aktivismus innerhalb der deutschen Hip Hop Kultur noch viel zu selten vorkommt. Feinste Line: “wenn es gott wirklich gibt, dann liebt er alle menschen / wenn es gott wirklich gibt, dann sieht sie keine grenzen”.

Deutschrap und so #10: Die Fantastischen Vier – Populär

Wie ich im Ausgangspost zu dieser Serie bereits schrieb: Ich habe in den 90ern echt wenig Hip Hop gehört. Aber unter meinen ersten selbstgekauften CDs stand neben der …And justice for all, Nevermind und Punk in Drublic mit Lauschgift ein Brett von einem Hip Hop Album, das ich täglich einlegen konnte, ohne befürchten zu müssen, dadurch meine Just Guitar Music Realness zu verlieren. Das lag nicht zuletzt an dem darauf befindlichen Rap-Monster Populär, ein Track, der sich auch auf diversen Crossover-Samplern sehr gut gemacht hätte und zu dessen In Your Face Hookline sogar ordentlich gepogt werden konnte (ehrlich, ich habs ausprobiert).

Auch abgesehen von diesem Übersong, von diesem hochkarätigen Rock/Pop/Rap-Bastard ist Lauschgift ein absolutes Meisterwerk; eine Scheibe, die ich auch heute noch gerne einlege und über deren Songs ihr deswegen gezwungenermaßen in dieser Serie noch ein oder zwei mal stolpern werdet. Deal with it, ihr elenden Hip Hop Puristen!

Feinste Line: “Doch irgendwann sind sie dran und dann kennt sie keiner mehr! / Gestern niemand, morgen tot und dazwischen was?  / POPULÄR!”

Deutschrap und so #9: Fettes Brot & James Last – Ruf mich an

Und jetzt ist er weg. Ich bin mit den Platten von James Last aufgewachsen, weil meine Eltern den beruhigenden Easy Listenig-Sound toll fanden und ich das natürlich als langsam immer rebellisch werdendes Kid total blöd.

“Ich mache wozu ich Lust habe”, sagte James Last in einem Interview mit der Zeit und fand zu dieser Einstellung in den Broten Seelenverwandte. Die Hamburger konnten sich eh noch nie auf einen Stil festlegen und irgendwann kam dann folgerichtig auch der leichte Party-Sound des Wahl-Kaliforniers  hinzu, der die Jungs für den Videodreh gleich zu sich  nach Hause einlud.

Heraus kommt ein Song, der nach Lässigkeit und Spaß klingt. Also entspannt euch, legt euch in die Sonne und erhebt ein Glas Richtung Himmel.

Deutschrap und so #7: Absolute Beginner – Gustav Gans


Beginner — Gustav Gans

Muss man wohl nicht viel zu sagen: Der Optimist unter den deutschen Hip Hop Songs. Zaubert einem schnell ein Lächeln auf die Lippen, findet man zum Kotzen, wenn man schlechte Laune hat. Feinste Line: “Und warum nicht alles leichter nehmen / und dafür sorgen dass es weiter geht. / Auch wir kennen die Ups and Downs, / doch heute wollen wir Positives in die Gasse hauen.”