Schlagwort-Archiv: Hamburg

Deutschrap und so #14: Ferris MC – Tanz mit mir

Rap in den 90ern hatte noch Abitur; und so klang vieles ein wenig nach launiger Studenten-Party im Asta-Keller mit Weedgeruch und hier und da politische Diskussion über den Einsatz der Bundeswehr im Balkan-Konflikt.

Ferris, Trouble-Kid aus zerrütteten Familienverhältnissen und aufgewachsen in einem eher wenig schönen Bremer Staddtteil, spielte den längst nötigen Partyschreck, stieß die anderen von der Bowle weg und pöbelte launig herum. Sascha Reimann, der sich als Billy Idol des Rap bezeichnete, stand eben im Zeichen des Freak (und dem seiner Vorgänger-Band FAB) und war schon die erste Ahnung von Street-Credibilty im damals noch sehr harmoniebedürftigen Rap-Biz. Ein von ihm moderierter Event endete in einem sturzbesoffenen Auftritt, nach dem der Hip Hop Punk nur mit Hilfe der Fünf Sterne Deluxe zurück auf die Bühne gebracht werden konnte.

In “Tanz mit mir” thematisiert Ferris seine Weedsucht und den poetischen Totentanz mit den Dämonen, die ihn umgeben. Auch die Mongo Clikke wird am Schluss mit einem tatsächlichen mongoloiden Bandmitglied der kultigen Band Station 17 gefeiert, was damals kurrzeitg zu peinlichen Empörungen führte. Die schön dreckigen Beats steuert DJ Stylewarz bei, der damals die zweite große Welle des Hip Hop maßgeblich beeinflusste.

Deutschrap und so #9: Fettes Brot & James Last – Ruf mich an

Und jetzt ist er weg. Ich bin mit den Platten von James Last aufgewachsen, weil meine Eltern den beruhigenden Easy Listenig-Sound toll fanden und ich das natürlich als langsam immer rebellisch werdendes Kid total blöd.

“Ich mache wozu ich Lust habe”, sagte James Last in einem Interview mit der Zeit und fand zu dieser Einstellung in den Broten Seelenverwandte. Die Hamburger konnten sich eh noch nie auf einen Stil festlegen und irgendwann kam dann folgerichtig auch der leichte Party-Sound des Wahl-Kaliforniers  hinzu, der die Jungs für den Videodreh gleich zu sich  nach Hause einlud.

Heraus kommt ein Song, der nach Lässigkeit und Spaß klingt. Also entspannt euch, legt euch in die Sonne und erhebt ein Glas Richtung Himmel.

ninamc

Deutschrap und so #3 : Nina MC – Doppel X Chromoson

“Ey, mein Name –NINA- MC meine Ambition
Ich hab das Rapfieber trotz doppel X-Chromosom
Ich mach Lieder für jeden hier dem der Sound schmeckt,
sagt ma hat noch irgendjemand was gegen Frauenrap.”

Der Name Nina MC wurde der Öffentlichkeit mit dem ersten Deichkind-Hit “Bon Voyage” bekannt, in welchem die Hamburgerin  einen prominenten Part einnahm und die Leute mit ihrer unbekümmerten Art überzeugen konnte.

Ein wenig später folgte im Jahr 2002 der Solo-Auftritt im lustigen Video zu “Doppel-X-Chromoson”, wo Nina und ihre Crew in dem mittlerweile leider geschlossenen Kult-Klub “Kir” in Hamburg-Ottensen spielen und mit den catchigen Grooves das anfangs pöbelnde Testesteron-Publikum auf ihre Seite ziehen.

Nina Tenges Timbre fand ich damals sehr interessant, weil es zwischen krächziger Frechdachs-Attitüde, einer guten Portion Selbstbewusstein und auch betörender Souligkeit wechselte, angenehm auch der Gegensatz zu sämtlichen nachfolgenden Mutterfickern; Farid Bang und Konsorten waren zu dem Zeitpunkt noch in der Hauptschule. Das Debütalbum “Nikita” ist aber dann leider doch zu brav geraten und knallt leider nicht wie die Single “Doppel-X-Chromoson”.

 

Beginner melden sich zurück…und ab

Woa, selten so eine coole und ehrliche Ansage einer Band gehört. DJ Mad erklärt mal kurz und knackig, warum die neue Pladde von den Beginnern noch länger braucht warum das RockAlbum von Jan Delay ziemlich scheiße ist und die Fans das Album eh nur runtergeladen hätten oder es mit dem Bambule verglichen hätten. Ach Beginners, dafür nen feddes <3 und…YEEP!

Introducing…Binoculers

by Inga Seevers

Uff, ich habe hier doch einiges schleifen lassen. In der Introducing-Rubrik kam ja nun schon länger nichts mehr und ich versuche gerade mal die MP3s auszuchecken, die ich in letzter Zeit bekommt habe. Hier wieder eine interessante Newcomerin aus Hamburg,  die mit dem Debüt-Album “There Is Not Enough Space In The Dark” schönen melancholischen Folk-Pop spielt und gerade genau das Richtige für melancholische Winter-Abende ist.

Neben den verwendeten Instrumenten rückt vor allem diese Bildhaftigkeit Binoculers in die Nähe des Folk, dessen Tradition sie durch behutsame Erneuerung respektiert. Der Rolling Stone nennt sie in seiner Besprechung des Debütalbums “Every Seaman’s Got A Favourite Spaceship” (Labelship, 2010) eine “erstaunliche Künstlerin” und lobt “(…)(sie) verzaubert die Menschen. Mit leisem Indie-Folk, Popmusikminiaturen, Spieluhrmelodien und viel künstlerischer Fantasie.”
Im November 2012 erscheint das zweite Album “There Is Not Enough Space In The Dark”. Die begleitende Tournee wird Nadja mit Band oder im Duo spielen.

Wer Binoculers, alias Nadja Rüdebusch, nicht nur daheim auf Platte sondern auch live erleben möchte, hat im Dezember und Januar ausreichend Möglichkeiten:

09/12/12   Düsseldorf – LAMA Musik Jahresabschlusskonzert

15/01/13 tba
16/01/13   Café Galao – Stuttgart*
17/01/13  Das Modul – Saarbrücken*
18/01/13  Figurentheater – Ravensburg*
19/01/13   Action House – Heidelberg*
20/01/13  tba
21/01/13  Schwarze Katz – Konstanz*
22/01/13 Südstadt – München*
23/01/13 tba
24/01/13  Arsenal Kino/Café Haag – Tübingen

* with Black Ribbon

28/02/13  Aaltra – Chemnitz*

* with Nicolai Schorr

Feist – Video zu “A Commotion” und Tour 2012

Frau Feist und Mastodon haben sich ja unter dem Namen Feistodon für den Record Store Day zusammen getan und nun gibt es eine Art interaktives Video zu dem Song “A Commotion”.

Wieder komplett solo und ohne bärtige Progressive Rocker gibt es den großartigen Indie-Pop von Leslie Feist auf folgenden Events zu bestaunen:

15.08.  –  Hamburg, Stadtpark

21. 08. – Köln, Tanzbrunnen

22.08. – Stuttgart, Freilichtbühne Killesberg

Die 90er Jahre: Die besten deutschen Alben des Jahrzehnts IV

Im vierten Artikel der besten deutschen Alben der 90er gibt es mal wieder viele leckere Fileststücke aus Hamburg, das eigentlich in den 90ern das musikalische Mekka Deutschlands war und erst in den 00er Jahren durch Berlin eingeholt oder sogar abgelöst wurde. Indie Rock und Hip Hop hat der Stadt an der Elbe jedenfalls viel zu verdanken, und somit ist diese nicht ohne Grund auch diesmal mit Fünf Sterne Deluxe, Absolute Beginner, Wolfsheim und Rocko Schamoni vertreten. Kreidler konnten damals aber Düsseldorf ebenfalls weiterhin als Trademark für elektronische Qualitätsmusik etablieren, Freundeskreis sendeten ihre Message über die Stuttgarter Stadtgrenzen und ohne Samba wäre Münster wohl auf ewig nur die Heimatstadt der H-Blockx geblieben. Weiterlesen

Die 90er Jahre: Die besten deutschen Alben des Jahrzehnts III

Hui, das macht langsam richtig Spaß! Wo ich eigentlich die deutschen Alben bewusst ganz nach hinten geschoben habe, fällt mir nun erst wieder auf, was für ein mutiges Jahrzehnt eigentlich die 90er-Dekade in der Heimat war. Da wurde wild rumexpermentiert, da wurden Grenzen aufgebrochen und Deutscher Hip Hop war auf seinem Höhepunkt angelangt. Ein tolles Jahrzehnt für Musik aus deutschen Landen… Hoffentlich liest gerade ein 15 jähriger mit, schmeißt später seinen ganzen Wir sind Julimond-Mist in den Müll (oder löscht ihn von der HD) und fängt wieder an spannende Musik jenseits von kantenlosem Pathos-Rock oder Heuli-Soulpop wie Tim Bendzko zu hören. Und ihr Musikproduzenten und Plattenlabels solltet diesem Beispiel folgen… Ganz ehrlich, liebe Bands aus Deutschland, dann fange ich auch wieder verstärkt an eure Musik zu hören und kaufe mir wieder eure Alben. Versprochen! So, aber nun übertrieben guten Hip Hop von Torch, frühe Qualitätsarbeit von The Notwist, nur das Beste von Mutter, Überraschendes von Grönemeyer und Grenzenloses von Den Goldenen Zitronen und Fischmob.

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Die 90er Jahre: Die besten deutschen Alben des Jahrzehnts I

Deutsche Musik, das waren für mich als Kind Grönemeyer, Westerhagen und die Toten Hosen. Alles Künstler, die ich weniger großartig fand, und überhaupt habe ich englischsprachige Musik bevorzugt, obwohl ich nicht mal die Sprache konnte. Wäre ich damals älter gewesen, wären mir wohl beim ersten Blumfeld Album die Tränen das Gesicht runter gelaufen. Kein aufgesetztes Malocher-Gegröle, sondern feinsinnige Texte, die aber trotzdem den Spirit des Punk atmen und sich mit Krautrock-Anleihen auf die innovativste musikalische Ära berufen, die dieses Land je gehabt hat. Auch wenn das Epizentrum damals in Hamburg lag, entwickelte sich auch abseits der Großstädte eine neue Indie-Kultur. Koblenz, Würzburg und Bentheim klingen vielleicht nicht nach der großen weiten Welt, die Musik von Blackmail, Miles und Jonas hingegen schon.

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Girls – 2 x 2 Tickets zu gewinnen

Herbst finde ich persönlich ja mäßig geil, auch wenn momentan gerade so wunderbar goldendes Sonnenlicht durch meine Wohnung flutet. Für die kommenden Tage ist es aber dann leider vorbei und einer der größten Arschlochmonate überhaupt beginnt. Wäre der November doch nur ein Typ, ich würde ihm für seine kalten, grauen und nassen Tage den Hintern versohlen. Zum Glück sind Herbst und Winter aber auch die Monate mit den schönsten Konzerten und wir laden euch dazu ein. Wie wäre es zum Beispiel umsonst und in Begleitung zu einem Konzert der Girls in Hamburg oder Köln zu gehen? Findet ihr ne gute Idee? Dann schreibt bis zum 07.11.2011 eine Mail mit dem Betreff “Mädchen” an redaktion@seite360.de. Euren vollständigen Namen und Wunschort bitte nicht vergessen!

14.11.2011      Hamburg – Molotow

17.11.2011      Köln – Werkstatt

Die 90er Jahre: Die besten deutschen Filme des Jahrzehnts I

Florian hat sich ja bereits der Thematik Deutscher Film angenommen, und auch ich denke eher mit Graus an Meisterwerke wie “Werner – Das muss kesseln” oder die nervigen Dorris Dörrie Verfilmungen zurück. Es gab aber meiner Meinung nach schon ein paar Perlen des deutschen Kinos der 90er Jahre, die es wert sind erwähnt zu werden und die ich auch heute immer noch sehr gerne schaue, ohne dafür de Nostalgie-Bonus zu bemühen. Mit Lola rennt ist Tom Tykwer sogar ein Film gelungen, der zum Kanon der 90er, nicht nur in Deutschland sondern auch international gehört, und auch die restlichen Provinz-Possen wie Karniggels und Bang Boom Bang (wo sind eigentlich alle die guten Pott-Komödien hin?) machen heute immer noch Spaß. Den Ösis, die auch hier mal wieder zu den Piefkes assimiliert werden, haben wir zu verdanken, dass auch der nötige Schuss schwarzer Humor und Raffinesse Einzug in unsere kleine Heimat-Rückschau fällt.

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Kurzfilm der Woche: Sommersonntag

Bedrückendes unglaublich gut gespieltes Drama, in dem ein klassisches theoretisches Dilemma grausame Realität wird. Der Film mit Axel Prahl in der Hauptrolle hat 2008 zahllose Kurzfilmpreise gewonnen – unter anderem bei den Bamberger Kurzfilmtagen – und wurde mit dem Prädikat “besonders wertvoll” ausgezeichnet.

SOMMERSONNTAG ist die dramatische Geschichte von Bruno Hansen, einem Brückenmeister an der gigantischen Rethehubbrücke im Hamburger Hafen.
Er muß innerhalb von Sekunden entscheiden, ob er einen außer Kontrolle auf die Brücke zurasenden Zug mit etwa 300 Menschen an Bord entgleisen läßt oder das Leben seines gehörlosen Sohnes opfert.

Sommersonntag (Deutschland 2008)

Regie: Fred Breinersdorfer, Siegfried Kamml

Darsteller: Janos Giuranna, Axel Prahl

http://www.sommersonntag.com

Daniel Johnston – Live in Hamburg, Frankfurt und Berlin

Eine Meldung die uns ganz besonders freut: Auf seiner ausgedehnten Europatour mit dem Beam Orchestra legt Daniel Johnston auch in Deutschland einen kurzen Zwischenstopp ein. Zu sehen gibt es ihn sowohl im Astra in Berlin als auch im Monsoumturm in Frankfurt am Main und in der Fabrik in Hamburg. Begleitet wird der exzentrische, eigenwillige Songwriter dabei vom Beam Orchester, mit dem er sein aktuelles Album “Beam me up” aufgenommen hat und das die Klassiker des manisch depressiven Sängers in spannenden Instrumentalversionen vorträgt. Ein Besuch lohnt sich auf jeden Fall.

Deutsche Tourdaten:

05.04. Berlin, Astra Kulturhaus

06.04. Frankfurt am Main, Mousonturm

12.04. Hamburg, Fabrik

Alle weiteren Tourdaten auf hihowareyou.com