Literarische Auslese: Haftbefehl – Ihr Hurensöhne

Passt ganz gut zu unserer aktuellen – derzeit etwas eingeschlafenen – Deutschrap Serie: Es gibt eine neue Literarische Auslese. Dieses Mal mit einem ganz besonderen poetischen Leckerbissen: “Ihr Hurensöhne” des großen Lyrikers Haftbefehl.

Literarische Auslese: Ihr Hurensöhne

Deutschrap und so #17: Haftbefehl – Lass die Affen aus’m Zoo

Wenn ich das richtig mitgekriegt habe, war Haftbefehls Ruf in der deutschen Gangster Rap Szene lange Zeit eher umstritten. Egal, was ich vor allem mitbekommen habe, war die Tatsache, dass der Offenbacher mit seinem letzten Album Russisch Roulette im deutschen Feuilleton extrem hofiert wurde. Plötzlich schien das Bildungsbürgertum seinen Vorzeige-Bösen-Bubi (bzw. Baba) der deutschen Hip Hop Szene gefunden zu haben, und kein akademisches Superlativ war zu akademisch, um in den Babo aus Mainhatten hereingelesen zu werden.

Die Songs, die sich auf dieser urbanen antigöttlichen Tragödie finden, sind aber auch ein Brett vor dem Herrn: Astreiner, derber Sozialdarwinismus, inklusive Nihilismus und existenzialistischer Verzweiflung. Antiironisch, brutal und direkt in die Fresse des Publikums, begleitet von den fettesten Beats, die es in den letzten Jahren in dem Genre zu hören gab. Das ist real bis zur Schmerzgrenze, gerade in Lass die Affen aus’m Zoo gnadenlos zwischen Narration, Affirmation und resignativem Zynismus pendelnd, und hat trotzdem immer noch genug Platz musikalisch allen klar zu machen, wer hier der wahre Babo ist. Feinste Line: “Die Freiheitsstatue ist ‘ne Hure und ich fick sie / Blanco pumpt den Beat, ich erschieß’ diesen Swizz Beatz / Sie trinken Hennessy und denken, sie sind 50 Cent / MCs in Germany blasen in Michigan”

Babo weiß nicht wer der Dada ist

Noch bis Sonntag (15.2.14) in der arte-mediathek. Es gab schon bessere “Durch-die-Nachts”, es gab aber auch schon welche die ich ausgemacht und welche die ich gar nicht erst geschaut hab. Hafti schien mir insgesamt ein wenig unenspannt. Das Format ist aber auch keines in denen Künstler wie Haftbefehl glänzen können. Auch Polak war irgendwie unausgeschlafen. Es kam kein wirkliches Gespräch auf, nur ein paar wichtige Sätze über Depressionen, an die Polak und auch Haftbefehls Vater litten.

Hörenswertes: D’Angelo, J.Cole, Haftbefehl, Run The Jewels, Big K.R.I.T.

Hrmpf, ich will mich gar nicht mit einer Entschuldigung aufhalten. Ich habe es total verpennt und werde die nächste Hörenswertes-Rubrik viel schneller an den Start bringen. Hier also noch der Best of The Rest 2014, während ich Besserung für 2015 gelobe und mich nicht wieder zu sehr…oh, wow ein tanzender Hund in meiner Timeline!

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Links fürs Wochenende

Wie sich René von Nerdcore wünschte wird das Bild vom Rösler-Diekmann-hug gerade fleißig durch den “Meme-Wolf” gedreht. Wie sehr das Originalbild die verkrusteten Zusammenhänge zwischen Politik und traditionellen Medien offenbart spar ich mir an dieser Stelle. Die Blogosphäre bringt schon ganz gut das Wesentliche zum Ausdruck, wie zum Beispiel “Philipp Rösler worshipping evil”, woher auch obiges Bild stammt.

Passend dazu, die wahrscheinlich einzige ehrliche (Nicht-) Wahlwerbung dieses Jahres: Gut gemacht, FDP!

 Der Terminator in unserer Mitte

Apropos böse: Peter Piksa über die Fortschritte in der Militärrobotik und deren mögliche Einsatzgebiete. Die Videos die Piksa als Beispiele zeigt sind zwar schon durch diverse Blogs gegangen, dennoch erzeugt diese Zusammenfassung ein leicht beunruhigendes und weirdes Gefühl.

Verbraucherschutzministerien fordern gesetzliche Verankerung der Netzneutralität

Und noch mal Politik. Laut Netzpolitik.org wird dies von den Verbraucherschutzministern aller Bundesländer einstimmig gefordert.

Schauspieler Stefan Kaminski fasst “Der Ring des Nibelungen” zusammen

Unpünktlich zu Richard Wagners 200. Geburtstag, endlich mal eine für das Internetzeitalter angepasste, also schnelle Erklärung was da eigentlich los ist. Zu jedem Teil der Tetralogie ein kurzes Video, beginnend mit dem Teil über “Das Rheingold”. Nach dem Klick findet ihr dann die anderen drei Teile.

Dass Ich, dass sich duzte

Super interessanter Artikel von Matthias Dell, in welchem er eine neue Tendenz des gegenwärtigen Dokumentarfilms untersucht. Am Beispiel der Dokus “Love Alien”, “Vergiss mein nicht”,   und “More than honey” zeigt er dass der Ich-Erzähler sich von einem “aufrichtigen Bekenner intimer Gefühle”, zu einer “Pose, die die Erzählhaltung des Films stützen soll” gewandelt hat.

Rapper Haftbefehl: Deutschland im Spiegel

Was mich freut ist, dass immer mehr Menschen außerhalb des Rap-Mikro-Makro-Kosmos verstehen was Haftbefehl da eigentlich macht und warum es großartig für Deutschrap und die Kunst ist. Boris M. Peltonen spricht über Hafts einzigartiger Lyrik und findet auch angemessen kritische Worte.

Kickstarting a Banküberfall

Während Haftbefehl den Gangster-Rap-Film fährt, designt Ilona Gaynor einen großen Banküberfall als Kunstprojekt, wofür sie noch (Ironie) dringend Geld braucht. Daraus soll dann auch ein Buch werden oder so.