Schlagwort-Archiv: Grafiken

Lädierte Pokemon von Justin White

Ich bin ja definitiv zu alt, um Pokemon in meiner Kindheit mitgemacht zu haben. Das hat mich allerdings nicht davon abgehalten, mich damals mit der Anime-Serie, den Spielen und dem ganzen Merchandising-Hype drumherum auseinanderzusetzen. Meine Quintessenz als spießiger Erwachsener: Pokemon ist schon so etwas wie die Kinderversion eines Hahnen- oder Hundekampfes. Unschuldige, eigentlich friedliebende Tiere werden von überehrgeizigen Kids eingefangen und in gigantischen Arenen zu brutalen Kämpfen gezwungen. Insofern fangen Justin Whites verspielte Grafiken schon ganz gut das amoralische Moment und den Sadismus ein, der in dieser Franchise verdeckt bis offen propagiert wird.

Natürlich könnte ich jetzt noch über die ganzen Marktmechanismen lästern, die hinter dem Konzept stecken, musste ich doch während meines Zivildiensts immer wieder feststellen, wie Grundschulkinder ordentlich Geld in Sammelkarten etc. investiert haben und beim Feilschen um Pikachu und Konsorten echte marktwirtschaftliche Erbarmungslosigkeit unter Beweis stellten. Aber andererseits hatten wir in unserer Kindheit halt die Panini-Sammelkarten, Murmeln und Stickeralben… und die waren so rein kapitalismustechnisch auch nicht viel anderes. Jetzt aber genug vom Fabulieren: Mein Lieblings-Pokemon war immer Bisasam und diese Bilder sind einfach awesome.

Busted Pokemon by Justin White via Who killed Bambi?

Teofila Reich-Ranicki gestorben

Sie war mehr als nur die Frau an der Seite des berühmten Literaturkritikers Marcel Reich-Ranicki. Die Überlebende des Warschauer Ghettos Teofila Reich-Ranicki veröffentlichte schon vor einiger Zeit, Zeichnungen und Grafiken, die im Ghetto entstanden waren und das dortige Leben ebenso eindrucksvoll wie erschreckend dokumentieren. Die kleinen, einfachen, meist skizzierten Grafiken schildern auf bedrückende Weise die Entbehrungen, die Schrecken und die Wilkür, die das Leben der Juden unter der Herrschaft der Nazis dominierten. Unter großen Anstrengungen konnte Teofila Reich-Ranicki diese Werke zusammen mit ihrem Mann erhalten und aus dem Ghetto herausschmuggeln. Mittlerweile wurden die Werke im jüdischen Museum in Wien ausgestellt und sind darüber hinaus in Buchform veröffentlicht worden (Es war der letzte Augenblick: Leben im Warschauer Getto). Mit Teofila Reich-Ranicki stirbt eine große Künstlerin und wichtige Zeitzeugin der Greuel der NS-Herrschaft.