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Banksy-Interview von 1995

Viele Interviews gibt er ja nicht. Und das hier von 1995, festgehalten auf VHS, dürfte eines der, wenn nicht das erste Interview für Banksy gewesen sein. Es lief damals in der BBC Channel 4 Show namens „Shadow People“. Banksy spricht darin über den Wert seiner Kunst, Geld und über das Malen in der Nacht.

Es scheint zwar so, aber ob das nun wirklich Banksy ist, darüber darf man zweifeln. Um seine wahre Identität ranken sich viele Spekulationen. Zum Beispiel auch die These, dass es sich bei Banksy um ein Künstlerkollektiv handelt. Außerdem lässt sich so eine Doku auch leicht fälschen.

via

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Deutschrap und so #8: Azad – Napalm

Azads “Napalm” erscheint im Jahr 2000 und ist gewissermaßen ein Einschnitt in der deutschen Rapgeschichte. Sowohl inhaltlich als auch videoästhetisch sprengt der Track das Gewohnte. Er ist härter, dunkler, militanter, wütender. Azad spielt eine wichtige Rolle bei der Etablierung eines neuen Styles, der Hip Hop als Kultur ernster nimmt als die 90er Pop Hip Hop Sachen. Diese etwas nuschelnde Raptechnik hat vorher auch noch niemand so gemacht. 2000 jedenfalls ist das etwas, was so noch nie da war. Ich weiß noch, dass ich dieses Video irgendwann nachts in meinem alten Zimmer sehe, und es mich total flasht. (Ich glaube aber, es war 2001.) Sowas lief immer auf Viva Zwei, wo es zu vorgerückter Stunde so unendlich viel mehr zu entdecken gibt, als auf den anderen beiden Musiksendern, auf denen mehr kommerziell ausgerichtete Popsachen laufen.

Azad, den ich erst durch dieses Video kennen- und schätzen lerne, ist eigentlich ein Hip Hop Urgestein. Ich kenne mich in den Anfangsjahren des Deutschraps nicht wirklich aus, sondern konsumiere bis dahin nur das Musiksender- und Bravoangebot, eben die typischen 90er “Hits”. Es gab ja schon in den Achtzigern eine aufkeimende Hip Hop Bewegung, von der auch Azad Teil war. Er machte sozusagen eine Hip Hop Bilderbuchkarriere, in dem Sinne, dass er diese Kultur wirklich gelebt hat. Er hat die berühmten 4 Säulen des Hip Hops, ja ich würde sagen gemeistert. Angefangen mit Breakdance, über Graffiti und DJing hin zum Rappen. Ich habe ja schon in #1 erklärt, dass die bekannteren deutschen Rapproduktionen bis 2000 einfach sehr glatt, nett und auf-schön produziert waren. Azads Beats waren eben nicht so, sie waren wie hier mit Napalm nicht nett sondern wütender, rauer, fast schon bedrohlich. Zu diesem Zeitpunkt, vor allem mit seinem 2001 erscheinendem Album “Leben”, hat Azad definitiv die fettesten Beats. Einerseits. Anderseits schafft er es aber auch allein mit seinen Beats schon soviel zu erzählen, weil sie eben nicht darauf abzielen möglichst nett oder Pop zu sein, sondern was komplett anderes, neues erzählen. Da hört man die Stadt und die Straße, die Hip Hop Geschichte in den Scratches, Azads Verbundenheit mit dieser Geschichte und man hört echte Melancholie, anstatt den Effekt “Melancholie” wie in den üblichen Popproduktionen. Im Zusammenhang mit dem Video ist dieser Track einer derjenigen die so verdammt gut gealtert sind, weil er auch heute noch genauso funktioniert wie vor 15 Jahren. Sein 2001er Album “Leben” sei ausdrücklich zur Anschaffung empfohlen, das war definitiv ein Meilenstein und viele heutige Rapper schwärmen zu Recht davon.

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Deutschrap und so #6: DJ Tomekk und Grandmaster Flash – 1, 2, 3, Rhymes Galore

Wie gesagt grob chronologisch…ein Jahr bevor Dynamite Deluxe mit “Wie Jetzt” unsere Aufmerksamkeit bekommt, erscheint DJ Tomekks “1,2,3, Rhymes Galore”, dessen Hook, gerappt vom quietschigen Flavor Flav, auch instant zu nem weirden Ohrwurm wird: “1,2,3 from New York to Germany”. Bei diesem Track habe ich zum ersten mal das Gefühl, dass HipHop was Großes ist. Diese Kollabo mit den beiden von Public Enemy, Afrob, MC Rene, das Amerikanische vereint mit dem Deutschen, das dynamische Video, schnelle Schnitte, das Malen, das Breaken der B-boys, Scratchen, Auflegen, Zeitraffer … brachten Hip Hop als das rüber, was es für Hiphopper war, ein Movement, eine lebendige Kultur voller Energie, ein Lebensgefühl. So zumindest sieht sich Hip Hop gerne selbst. Auf jeden Fall war es viel einladender als das, was den deutschen Jugendlichen in den Neunzigern vorgereimt wurde. Neunziger Rap-acts sind geschniegelte, abgerundete Produkte, bereitgemacht für den Konsum. Das hier aber zieht einen regelrecht hinein, vermittelt den Eindruck, dass man daran teilhaben könnte, was natürlich an der Videoästhetik liegt. Kurz: Die Musikindustrie hinter Hip Hop ist in diesem Track durch eine ästhetisierte Ideologie (Spaß, Breakdance, Graffiti) unsichtbar gemacht worden.

Am coolsten finde ich tatsächlich den Part von Rene, die schräge Stimme, der Flow, der Singsang, das war ungewöhnlich. Er wird ja dann später Mixery Raw Deluxe auf VIVA moderieren und, ich weiß nicht warum, in Auseinandersetzungen geraten mit Azad, Savas und Eko Fresh, unter der seine Karriere leiden wird. In den letzten Jahren hat Savas in Interviews wiederholt die Vermutung geäußert, dass er Renes Karriere beendet hätte. Ich glaube viel mehr, dass die neue Musik, die immer lauter aus Berlin herausdrängt, ein authentischeres*, echtes und dadurch lukrativeres Angebot gemacht hat. Die haben halt, mehr oder weniger, gesprochen wie wir und King Kool Savas hat dieses Sprechen mit Technik, Witz und einem Flow kombiniert, dem man sich nicht entziehen konnte. Das echte Berlin was calling. Im Video ist übrigens auch Specter zu sehen, der dann später mit Spaiche und Halil das Label Aggro Berlin gründen wird, welches sich diese Streetattitude zu eigen macht. Ein wichtiger Schritt in der deutschen Rapgeschichte.

Mashups von Gajin Fujita

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Der kalifornische Künstler Gajin Fujita remixt traditionelle japanische Blockdrucke und Holzschnitte mit Urban Art und Graffitistyle und zaubert dadurch wirklich spannende Mashups zwischen traditioneller und moderner, zwischen japanischer und amerikanischer Kultur.

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Gajin Fujita via Faith is Torment

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Introducing… POSE

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In den Arbeiten des Chicagoer Künstlers POSE (Jordan Nickel) verschmelzen Comickunst, Pop Art und der kritischen Energie von Graffiti mit der defigurativen Attitüde eines Francis Bacon zu einer angenehmen Aufdringlichkeit. Seine Dekonstruktionen dokumentieren einerseits die beginnende Übermacht des Bildes im 20. Jahrhundert, andererseits unterläuft er die simplifizierten, fast ikonischen Comicbilder, indem er sie mit Facetten ihrer selbst vollstopft. Es ist ein bisschen wie ein Comicstrip minus Strip. Die Bilder sind auf dem ersten Blick nicht sequenziert, ihre Grenzen verwischen, sie selbst fallen ineinander und saugen die Aufmerksamkeit des Rezipienten ein. Damit legt POSE etwas entscheidendes offen: die gravitative Kraft von “Bedeutung”. Auf einer anderen Ebene huldigt er gewissermaßen den Comic- und Pop Art-Figuren, indem er ihnen, entgegen ihrer anfänglichen Einfachheit, eine Komplexität zuspricht. Es sind wirklich tolle Bilder. Auf seiner website hellopose gibt es noch mehr davon.

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via artnau

 

Bad Graffiti – Das Buch

Vor kurzem habe ich hier noch einen Aufruf gestartet, mehr Graffitis und Street Art zu fotografieren, um diese großartige – aber leider Gottes in den meisten Fällen nur temporäre – Kunst für die Nachwelt festzuhalten. Da spricht natürlich der kulturelle Archivar in mir, dem jedes Mal das Herz blutet, wenn Kulturgüter für immer verloren gehen. Mancher Kunstliebhaber mag darüber streiten, ob “schlechte” Kunst ebenfalls für die Nachwelt konserviert gehört… für mich jedoch steht das außer Frage: Natürlich! Zahllose Kulturhistoriker kommender Generationen werden uns unendlich dankbar dafür sein, genug Material und Quellen zu haben, anhand derer  sie ein Bild unserer Zeit nachzeichnen können. Gerade Dank der Möglichkeit der digitalen Langzeitarchivierung sind wir Teil einer Generation, die endlich die Möglichkeit hat, so viel, so genau und so ausführlich wie möglich Kulturgüter unserer Zeit in eine vernünftige Historisierung zu überführen.

Scott Hocking tut in seinem Buch Bad Graffiti genau das: Zahllose schlechte, obskure und dennoch – und gerade deswegen – aussagekräftige ebenso wie auf irgendeine abstruse Weise kulturell wertvolle Street Arts hat der Fotograf in diesem Bildband zusammen gestellt. Die Fotos zeugen von skurrilen, einsamen Anti-Kunstwerken im öffentlichen Raum, die sich verlassen an heruntergekommenen Wänden scheinbar ihrer selbst schämen… und die in 100 Jahren vielleicht weitaus mehr über unsere Zeit aussagen als so manches hochdotierte Banksy-Meisterwerk. Das Buch gibt es für ungefähr 10€ bei blackdogonline.com zu kaufen.

Bad Graffiti is a humorous celebration of the graffiti seen everyday in our cities and often overlooked.

Bad Graffiti looks at the plethora of graffiti that adorns our cities at a ubiquitous, popular cultural level. It is a record of the graffiti of the everyday, not of the named ‘artists’ who have contributed to the many books on graffiti ‘art’ over the past ten years or so.

Scott Hocking has been photographing graffiti since 2007, focusing on the humorous commentary decorating urban landscapes and particularly in areas of decay or abandonment. Hocking’s photographs, collected here for the first time, tell the story of the everyday and showcase the areas or markings so often seen but also overlooked by others.

Bad Graffiti is a funny, informative and at times irreverent look at the urban landscape today, making a great gift for those interested in the city and popular culture.

Bad Graffiti via Creative Review

Links fürs Wochenende

Graffiti: Zwischen Knast und Museum

Street Art hat die Institutionen des Kulturbtriebs erobert. Dass sie dort noch nicht ernst genommen wird, zeigt ein Film zur Austellung im Museum of Contemporary Art

Analyzing the 2012 Oscar Acceptance Speeches

Die von Overthinking schon wieder: Eine quantitative und qualitative Auslese der Reden der diesjährigen Oscar-Nacht.

An autistic savant spent 20 years designing an entire city on paper

The French city of Urville exists in two places: in the mind of Gilles Trehin and in the elaborate drawings Trehin created. But what’s incredible isn’t just the detailed designs he created for the city’s architecture and layout, but the entirely plausible history for his fictional city.

Lou Reed: In Bausch und Drogen

Keine Ahnung, ob ich ihm Lulu schon verziehen habe… aber wenn eine der größten Rockhelden des 20. Jahrhunderts siebzig wird, dann gehört dies auch gewürdigt.

Eine Philosophie des Erotischen

Erotik ist die Kunst das Begehren zu steigern und zu zügeln, mit ihm zu spielen, die Begierde wach zu halten und hin zu halten und den Wahn damit so lang wie möglich auszukosten und auszuhalten.

Letztes Jahr auf Seite360:

Auch 2011 finden die alljährlichen Oscarverleihungen statt. Rinko widmet sich dazu noch einmal dem herausragenden Soundtrack von The Social Network, Florian schenkt seine Aufmerksamkeit den Verlierern des vorausgegangenen Kinojahres und wirft einen Blick auf die Goldene Himbeere 2011. Und früher war ja ohnehin alles besser und folgerichtig veröffentlichen wir einen ersten kleinen Überblick unserer umfangreichen, cineastischen 90er Jahre Retrospektive. Mit einen wenig 90er Jahre Wehmut rezensiert Rinko dann auch den aktuellen Gallagher-Bastard Beady Eye “Different Gear, Still Speeding”.

Hip Hop Dokumentation: Urban Movements

Ausgezeichneter, semi-artifizieller Dokumentarfilm von David Köhlmeyer zu Lifestyle, Kunst und Attitüde rund um die urbanen Hip Hop Communities. Street Art, Rhymes, Rhythms, Breakdance… ist alles drin. Und verdammt schick dokumentiert und fotografiert obendrein.

 

Urban Movements – A HipHop Documentary
by David Köhlmeier. 34 Min. HD. 2010/11

Members of Blumentopf, Texta, AML, Hashtwins, Fovs-Crew, Beathoavenz, Prodigyy-Crew, Permanent-Unit, Tribe Vibes, Weisssgold and many others served as interviewees for the essayistic documentary Urban Movements. BBoys, Djs, Rapper and Graffiti-Writers answer questions about HipHop, the commercialization of it, as well as the sub culture being as a HipHoper. They talk about dreams and struggles for life. At times seriously, sometimes in a cheerful way … The HipHop conversations are accompanied by urban images, by time lapse and slow motion shots of Berlin, Vienna, Frankfurt, Munich, Graz, Linz, Bregenz and other german speaking cities.

Urban Movements via Mururoar

Vernissage “still leben” am 06.05.2011 in Leipzig

Heute der Hinweis auf eine Leipziger Künstlerin, die unter dem Namen „laquaffe“ bereits erste Ausstellungen in Leipzig hatte, unter anderem im Leipziger Szenecafé “Kanal 28″, im “Staubsauger” und im “Westwerk”. Kleinere Ausstellungen waren in Leipziger Clubs und Bars zu sehen. Am 06. Mai eröffnet sie eine neue Ausstellung “still leben” in der sju-Galerie, Könneritzstraße 76 in 04229 Leipzig. Für diese Ausstellung hat sich laquaffe mit einer für sie neuen Kunstform beschäftigt: Nicht wie bisher mit Sprühdose bewaffnet, arbeit sie am heimischen Computer und fasst kritischen Ideen in exakt definierte Vektorgrafiken. Das Thema der Ausstellung ist die Gedankenwelt der Überflussgesellschaft. “Reizüberflutung”, “moderner Egoismus”, “ein kleines Glück” – das sind Schlagworte, die beschreiben, was den Besucher auf den zahlreichen Papierdrucken an den Wänden der sju-Galerie erwartet. Neben Grafiken werden ausgewählte Leinwandbilder in Schablonentechnik präsentiert. Dabei entstehen erste Gemeinschaftsarbeiten mit dem Berliner Graffitikünstler PAOT,  der in Banksy-Manier anonym bleiben möchte und man somit eine seltene Gelegenheit hat ihn live zu erleben.

Alles weitere erfahrt ihr auf ihrer Homepage.

Hier noch ein paar weitere Impressionen, die es dort zu sehen gibt: Weiterlesen

Bildbeute: Castingallee I>

Die berühmt berüchtigte Castingmeile Kastanienallee verläuft vom Prenzlauer Berg bis Berlin Mitte. Neben ihr existieren noch sechs weitere Straßen mit dem Namen Kastanienallee in Berlin…

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