Sind Rickrolls homophob, rassistisch und sexistisch?

rickrollJeder, der hier regelmäßig mitliest, weiß, dass ich schon ziemlich stolz bin, zur PC/Gutmenschen-Fraktion von Seite360 zu gehören. Beim Lesen der Überschrift dieses ziemlich ausführlichen Medium-Longreads musste aber selbst ich kurz schmunzeln: Rickrolling is sexist, racist and often transphobic in context. Klingt erst einmal nach ziemlich hartem Tobak gegenüber dem beliebten Internet-Scherz. Setzt man sich allerdings mit dem entsprechenden Text auseinander, kommt man nicht umhin festzustellen: Ja, da ist verdammt viel dran. Klar, man kann alles überinterpretieren, aber die hier zusammengesuchten Fakten sprechen schon eine ziemlich eindeutige Sprache, gerade auch was Ursprung und Verbreiter des Rickrollings betrifft.

Dennoch finde ich, dass dieses Essay etwas über sein Ziel hinausschießt und auch nicht gerade zimperlich ist, wenn es darum geht, die gesamte Netzgemeinde unter Generalverdacht zu stellen. Als wichtigen Diskursbeitrag sollte man ihn aber trotzdem gelesen haben. Was denkt ihr?

Rickrolls sind sexistisch, rassistisch und im Kontext of transphob via boingboing

Über die queere Maskulinität von Stealth Games

Riley MacLeod hat einen Text auf BoingBoing gedroppt. Darin beschreibt er, dass mit den Männerkörpern der Protagonisten von Stealth Games (Deus Ex, Thief, Splinter Cell etc.) eine alternative Version von Maskulinität gezeigt wird:

In games, men´s bodies often represent brute strenght. Stealth games are the focal point for an alternative masculinity; sleek, illusory, sensitive, and self-reflective.

MacLeod hat auf YT auch einige LetsPlays in denen er über Genderthemen und Religion in Bezug auf Games philosophiert.

LEGO in den 70ern: The urge to create is equally strong in all children

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Henry Warren bringt es auf Twitter auf den Punkt: “Lego had it nailed in the 70’s”. Jo, die waren ihrer Zeit ein gutes Stück voraus. What happened?

To Parents

The urge to create is equally strong in all children. Boys and girls. It’s imagination that counts. Not skill. You build whatever comes into your head, the way you want it. A bed or a truck. A dolls house or a spaceship. A lot of boys like dolls houses. They’re more human than spaceships. A lot of girls prefer spaceships. They’re more exciting than dolls houses. The most important thing is to put the right material in their hands and let them create whatever appeals to them. 

Und auch LEGO Deutschland hat sich diesem Aufruf angeschlossen:

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Daran sollte man denken, wenn man LEGO kauft

Jedes Kind betätigt sich schöpferisch und hat eine bestimmte Art, sich auszudrücken, Kinder malen, reiten, klettern, verkleiden sich, bauen im Sand oder spielen mit Bausteinen. LEGO kommt dem Tatendrang der Kinder entgegen. Man kann mit den kleinen fabenfrohen Steinen bauen, was man will, was einem gefällt. Ob Junge oder Mädchen, LEGO setzt der Phantasie keine Grenzen. Ein Mädchen baut ein Raumschiff. Ein Junge spielt mit der Puppenstube; weil eine Puppenstube menschlicher ist. Das Spiel mit einem Raumschiff ist dagegen interessanter und spannender. Aber das wichtigste ist, daß man das richtige Spielmaterial in die Hände bekommt. Erst dann kann man nach Herzenslust schaffen und spielen. 

LEGO zeigt, was Kinder können.

Ich kann mich nur wiederholen: Was ist passiert?

via Nerdcore

Damsel in Distress: Part 2 – Tropes vs Women in Video Games

Und bevor ichs vergesse, hier reinzuhauen: Anita Sarkeesian hat Teil 2 ihrer großartigen, kickstarterfinanzierten Reihe über Tropes vs. Women in Video Games veröffentlicht. Die Gamerszene ist dieses Mal nicht ganz so nervig Amok gelaufen wie beim letzten Video, auch wenn es nach wie vor ein paar Vollhorsts da draußen gibt. Ich finde das Projekt immer noch sehr interessant und Sarkeesians Statements haben auch wirklich Hand und Fuß, allerdings würde ich mir einen “netzkompatibleren” Veröffentlichungsrhythmus wünschen, und irgendwie wäre es auch ganz nett, wenn Anita sich ein wenig von ihrer – vor allem für den Einstieg sinnvollen – exemplifizierenden Methodik entfernen und etwas mehr in die Tiefe gehen würde. Aber das kommt vielleicht auch noch mit den kommenden Filmen. Stay tuned!

Tropes vs. Women in Video Games: Damsel in Distress

Anita Sarkeesian aka feministfrequenzy hat endlich ihr erstes Video zu der mehrteiligen Serie Tropes vs. Women in Video Games veröffentlicht (von deren Kickstarter-Kampagne ich an früherer Stelle schon mal berichtet habe) und wie zu erwarten war gab es auch schon die ersten hysterischen Reaktionen aus der Videospielszene. Das Video selbst ist erwartungsgemäß verdammt gut geworden und behandelt das klassische Klischee der “Damsel in Distress”, wie es vor allem in Nintendo-Spielen der 80er und frühen 90er Jahre im Grunde genommen bis heute tausendmal durchgekaut wurde. Und eigentlich könnte es mir auch egal sein, was ein paar pubertierende Gamer – die sich nie mit Feminismus, Gender- und Kulturwissenschaft auseinandergesetzt haben – dazu für geistige Diarrhö absondern müssen, aber dafür liegt mir das Thema “Videospiele als Kulturgut” dann doch irgendwie zu sehr am Herzen, als dass ich dieses großartige Medium den gedankenlosen Zockern überlassen wollte. Anyway, im 4players-Forum ist mir schließlich der Kragen geplatzt und den (etwas längeren) Rant, den ich da abgefeuert habe, will ich euch nicht vorenthalten. Den gibt es nach dem Klick, jetzt erstmal das großartige 20minütige Video und die Bitte an alle Gamer, sich das Teil vorurteilslos anzuschauen und bevor sich der Schaum vorm Mund entwickelt zu bedenken: Niemand will euch euer Hobby kaputt machen, aber zu der Akzeptanz eines Mediums als Kulturgut (und genau dahin sollen mMn. Videospiele kommen) gehört nun mal auch die kritische Auseinandersetzung mit den Inhalten dieses Mediums. Und auch wenn ich Sarkeesian hier zu 100% zustimme, kann ich die ganze Mario- und Zelda-Franchise immer noch mit viel Begeisterung spielen. So viel dazu.

This video explores how the Damsel in Distress became one of the most widely used gendered clichés in the history of gaming and why the trope has been core to the popularization and development of the medium itself.

As a trope the Damsel in Distress is a plot device in which a female character is placed in a perilous situation from which she cannot escape on her own and must then be rescued by a male character, usually providing a core incentive or motivation for the protagonist’s quest.

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Links fürs Wochenende

“DESTINO”

Wooaa. Ich bin grad hin und weg, weil ich ENDLICH “Destino” schauen kann!!! Destino ist eine Zusammenarbeit von Salvador Dali und Walt Disney aus den Jahren 1945 und 46. Vor Jahren hab ich mal Ausschnitte davon auf ARTE (oder so) sehen dürfen. Den werde ich mir jetzt erstmal genüßlich anschauen und ob seiner Schönheit plus weil man hier ja kein YT-Vollbild schauen kann gibs den wenn ihr auf den Titel klickt.

Illegal Superheroes

Um auf die Einwanderungspolitik der USA aufmerksam zu machen, hat Neil Rivas eine Posterserie gestaltet die zeigt, dass selbst viele Superhelden, Sinnbild amerikanischer Popkultur, einst Einwanderer waren. Wenn ihr auf den Link klickt, gelangt ihr zur Slideshow, neben der noch auf einzelne Illegal-Superhelden-Schicksale eingegangen wird. Tolle Metaebene.

Beim pinken Überraschungsei geht es nicht um Mädchen sondern um Jungen!

Antje Schrupp auf ihrem Blog “Aus Liebe zur Freiheit” über das Kuriosum, dass Mädchen mit Autos spielen dürfen und dabei ihre Weiblichkeit nicht gefährden würden, während Jungs nicht mit Puppen spielen dürfen, weil sie ihre Männlichkeit (fälschlicherweise) nur bewahren können, in dem sie sich von allem als “weiblich” Identifizierte abgrenzen.

Sieben Gründe warum Facebook fertig hat.

Dass Facebook kurz vor dem Aus steht hört man ja in letzter Zeit immer häufiger. Hier sieben kurze Gründe, warum das der Fall sein könnte.

Wenn das Netz mächtig macht. Ein Politberater über die Methoden der US-Wahl.

Der Text könnte tiefer gehen, aber er deutet an worauf Wahlkampf bald hinauslaufen könnte: die Instrumentalisierung des Web um Wahlen zu gewinnen, anstatt Menschen mit Konzepten wie Liquid Democracy vertraut zu machen um Politik als Politik zu betreiben,  gemäß Hannah Arendt: Politik ist nur Politik wenn alle daran teilhaben.

Pretty Ugly. Manifest für Anti-Design.

Ich mag dieses ganze durch-designte, abgeleckte, auf shininess getrimmte Zeug einfach nicht, weil es unmenschlich ist, es fehlt einfach ein Kontrapunkt um schön und menschlich zu sein. Wenn man sich die Bilder von Pretty Ugly anschaut, bemerkt man zwar, dass sich das ganze mehr ugliness herausnimmt als es eigentlich ist, aber dennoch begrüße ich die Tendenz.

Lieber Dr. Sommer

Übersexualisierung. Unter einem Interview der ZEIT mit “Life- und Sexcoach” Vanessa del Rae zum Thema “Shades of Grey” stand das in den Kommentaren:

2. Lieber Dr. Sommer…

…ich habe noch nie davon geträumt, mich verhauen zu lassen oder eine eine Frau zu schlagen, nicht mal ein bisschen, und von Fesseln halte ich auch nix. Muss ich mir jetzt Sorgen machen? Bin ich ein unterdrücktes Individuum? Verpasse ich etwas Wichtiges?

Romney Girl

Lustig aber wahr.

 

Letztes Jahr auf Seite360:

Florian fasste die besten Filmdramen der 90er Jahre in 3 Teilen zusammen (Teil 1, Teil 2 und 3) und passend dazu überlegt er wer wer John J. Rambo eigentlich ist.  Rinko stellt ein tolles Mid-2011-Mixtape für lau zusammen und zeigt uns ein tolles Sigur Ros Video. Und ich mache die ganze Zeit a kind of music or so.

Tropes vs. Women in Video Games – Kickstarter-Projekt über Sexismus in Videospielen und die misogynen Reaktionen der Gamer-Szene

Um ganz ehrlich zu sein, bis zu diesem Wochenende war mir der Name Anita Sarkeesian nicht geläufig. Um so mehr freue ich mich jetzt darüber, diesen Schatz an analytischen, akribisch recherchierten und unterhaltsamen Schatz an YouTube-Filmen vor mir zu haben. Schon seit einiger Zeit analysiert Sarkeesian auf großartig pointierte Weise Sexismus und Misogynie in Kultur und Medien, von den Schlümpfen über LEGO bis hin zum großen Blockbuster-Kino. Auch ihr neustes Projekt ist eine ambitionierte Angelegenheit. In der Serie Tropes vs. Women in Video Games möchte sie Stereotypien, Klischees und Sexismus anhand von Videospiel-Charakteren untersuchen.

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Links fürs Wochenende

As such, washroom signs are very telling of the way societies construct gender. They identify the male as the universal and the female as the variation. They express expectations of gender performance. And they conflate gender with sex.

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