Friedrich Nietzsche – Die Geburt der Tragödie aus dem Geiste der Musik

Teil 2 der Reihe: Flo missbraucht sein Blog zur Vorbereitung auf die Abschlussprüfung in Philosophie. Nachdem ich mich das letzte Mal intensiv mit Edmund Husserls Cartesianischen Meditationen beschäftigt habe, mache ich an dieser Stelle einen weiten Sprung. Ich springe sowohl in der Zeit zurück, nämlich ins seelische 19. Jahrhundert, als auch in der Disziplin zur Seite. Ist das, was Husserl selbst als Transzendentalphilosophie und Phänomenologie bezeichnet, primär die philosophische Teildispziplin der Erkenntnistheorie, so widme ich mich bei meinem guten Freund Friedrich Nietzsche der Ästhetik… primär. Dieses “primär” sei an dieser Stelle nicht nur als “relativ” im Sinne von Einschränkung sondern gleich auch als ein “scheinbar” zu lesen. Denn auch wenn es Nietzsche in seiner Schrift Die Geburt der Tragödie aus dem Geiste der Musik (1872) vordergründig um eine Kunsttheorie geht, so verbirgt sich dahinter doch – ziemlich offensichtlich – eine fundamentale metaphysische Theorie, die nicht einfach nur die Geschichte und Beschaffenheit des Dramas durchleuchtet, sondern Aussagen über die Grundlage des Seins an und für sich treffen will. Nietzsches Abgesang auf die Ästhetik Richard Wagners, betrachtet durch die Brille eines vitalistischen Arthur Schopenhauers, ist nicht weniger als ein Rundumschlag gegen vernunftorientierte Ästhetik, die nach Nietzsche zum Niedergang der griechischen Tragödie führte, zugleich aber auch den Diskurs der Dramatik seit der Aufklärung wesentlich bestimmte. Nietzsches Tragödien-Stück ist ein gewaltiges Werk, und auch ein gewalttätiges: Voller Abgründe, voller Pathos, voller großer Gesten. Auch heute noch ein großes Lesesvergnügen.

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Dramatik des 19. Jahrhunderts: Nachmärz und Gründerzeit

Ich habe vor der Diversifizität der Dramatik des 19. Jahrhunderts gewarnt… und im so genannten Nachmärz schlägt sie mit aller Brutalität zu. Außer Friedrich Hebbel, mit dem ich mich bereits im letzten Artikel auseinandergesetzt habe und dem österreichischen Schriftsteller Ludwig Anzengruber ist aus dieser Zeit dramatisch tatsächlich nicht viel herauszuholen. Es scheint regelrecht eine riesige Lücke aufzuklaffen zwischen dem Spätwerk Hebbels und dem Beginn des Naturalismus 1889. Die damals in der deutschen Literatur tonangebende Strömung, der Realismus, präferierte die Novelle oder den Roman. Wenn man sich die “großen” Namen anschaut, mit denen sich unsere heutige Literaturwissenschaft befasst, ist im Grunde genommen kein Dramatiker dabei zu finden: Storm, Fontane, Droste-Hülshoff… Nope, nichts, kein Drama. Stattdessen Prosa, Prosa, Prosa. Ein bisschen anders sieht es beim theatralen Betrieb aus. Hier finden wir immerhin die Meiniger, die mit ihren realistischen, akribischen Stücken zumindest in der Aufführungspraxis den Weg zum Naturalismus weisen. Ebenso markant in dieser Zeit, sowohl in Theorie als auch Praxis ist die Verklärung der großen deutschen Dichter: Kleist, Schiller, Goethe, Grabbe… sie werden in dieser Zeit wieder- oder teilweise zum ersten Mal entdeckt, oft gekoppelt an einen deutschen Mythos, in engem Zusammenhang mit der Reichsgründung. Und diesbezüglich kann man natürlich noch zumindest kurz auf Richard Wagner und seine Opern hinweisen. Well, es bleibt dennoch chaotisch und ohne klare Linie. Der folgende Text wird daher relativ kurz sein, soll aber dennoch nicht in allzu große Larmoyanz über eine nicht stattfindende dramatische Epoche ausarten.

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Parameter Moderner Literatur I – Äußere Parameter

Die literarische Moderne fasziniert mich. Ich finde, dass wir bis so ungefähr jetzt auch eigentlich mit einem modernen Bewusstsein in der Welt rumgetingelt sind, weil ich die Postmoderne für eine Weiterführung der Moderne mit anderen Mitteln halte. Die Postmoderne ist in der Moderne bereits enthalten. Jetzt entern wir gerade in das Informationszeitalter hinein, also in eine Welt in der Informationen den neuen, nie versiegenden Rohstoff darstellen. Aber das sind andere Themen, auf die ich an anderer Stelle zurückkommen werde. Was ich mit modernem Bewusstsein meine, will ich hier darzustellen versuchen und aufzeigen wie man dieses im modernen Erzählen und im modernen Roman wiederfindet. Wenn man davon weiß, ist es nämlich ein besonderes Vergnügen frühere Literatur zu lesen und darin moderne Strukturen und Topoi zu entdecken. Wie zum Beispiel bei Kleist und Büchner, auf die ich dann später, in anderen Texten eingehen werde.

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X-Ray Violin

Die Natur, künstlerisch abgeschätzt, ist kein Modell. Sie übertreibt, sie verzerrt, sie lässt Lücken. Die Natur ist der Zufall. Das Studium „nach der Natur“ scheint mir ein schlechtes Zeichen: es verräth Unterwerfung, Schwäche, Fatalismus, — dies Im-Staube-Liegen vor petits faits ist eines ganzen Künstlers unwürdig. Sehen, was ist — das gehört einer andern Gattung von Geistern zu, den antiartistischen, den Thatsächlichen. Man muss wissen, wer man ist…

Friedrich Nietzsche – Götzen-Dämmerung (via)

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Achtung: Friedrich Nietzsche enthält Spuren von Bullshit!

Zumindest laut dem BlaBlaMeter von Ilse Burisch. Dort heißt es zur “Geburt der Tragödie aus dem Geiste der Musik”:

Bullshit Index :0.25
Ihr Text zeigt erste Hinweise auf ‘Bullshit’-Deutsch, liegt aber noch auf akzeptablen Niveau.

Ausgewählte Seite360-Texte sind übrigens hiermit offiziell bullshitfrei, auch wenn es ganz interessant wäre, die Bewertungskriterien des Bots zu kennen, der Goethe sowie seinen eigenen Aufmachungstext für komplett bullshitlos hält. Der obige Screenshot entstammt übrigens einer Analyse von Sarrazins “Deutschland schafft sich ab”, dessen Text laut Blablameter Anzeichen heißer Luft enthält und dem daher geraten wird, noch etwas an der eigenen Schreibe zu feilen. Um das zu wissen, hätte es allerdings freilich keine automatisierte Analyse gebraucht.

[gefunden bei 6vor9]

Update: Auch dieser Text enthält wenige Anzeichen von Bullshit.

Wim Wenders und der Ring des Nibelungen

Ob es beim Gemunkel bleibt…? Im Moment stehen die Chancen ganz gut, dass aus der Gerüchteküche Realität wird. Zumindest laut der dpa, die Katharina Wagner zitiert, die wiederum bestätigt, dass es Verhandlungen zwischen den Bayreuther Wagnerianern und Wim Wenders um eine kommende Inszenierung des berühmten “Ring des Nibelungen” gibt. Ausgerechnet im Jahr 2013 – zum 200. Geburtstag Richard Wagners – könnte der Regisseur von Filmen wie “Himmel über Berlin” und “Paris, Texas” die Ring-Inszenierung beim immer sowohl amüsanten als auch erschreckenden Bayreuther Treiben übernehmen.

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Lyrik der Woche: Friedrich Nietzsche – Das trunkene Lied

Der Unregelmäßigkeit ein Schnippchen schlagen… Passend zum Wochenende ein hedonistischer Wehgesang Friedrich Nietzsches aus “Also sprach Zarathustra”:

O Mensch! Gib Acht!

Was spricht die tiefe Mitternacht?

“Ich schlief, ich schlief -,

“Aus tiefem Traum bin ich erwacht: -

“Die Welt ist tief,

“Und tiefer als der Tag gedacht.

“Tief ist ihr Weh -,

“Lust – tiefer noch als Herzeleid:

“Weh spricht: Vergeh!

“Doch alle Lust will Ewigkeit -,

“- will tiefe, tiefe Ewigkeit!”

Bildbeute: Nele J.>

Take this promise for a ride
You saw the forest, now come inside

You took the legend for its fall

You saw the product of it all
No televisions in the air
No circumcisions on the chair

You made the weapons for us all

Just look at us now

(System of a Down – Forest)

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