Schlagwort-Archiv: Free Jazz

Die 90er Jahre: Die besten Progressive Rock Alben des Jahrzehnts IV

Ich befinde mich gerade in so einer Art unheimlichem Progressive Rock Rausch, Dank dem ich die entsprechenden Artikel beinahe in einem Rutsch runter geschrieben habe. Ich hoffe mal, dass sich meine derzeitige Begeisterung für die Art Rock Nische auch ein wenig in den Texten Lobeshymnen auf die Genre-Alben der 90er Jahre niedergeschlagen hat. Wie bei jedem guten Rausch wird früher oder später der Kater folgen und diesen werde ich mit den Stooges, Ramones und Sex Pistols dann auch hoffentlich erfolgreich bekämpfen. Bis dahin gibt es aber noch einmal eine volle Ladung Prog-Rock der letzten Dekade des 20. Jahrhunderts. Morte Macabre laden zum düsteren Tanz ein, Mats / Morgan versetzen dem Fusion neue Stromschläge, Tool weiden sich in Undertow in einer Mischung aus Stoner, Alternative und Art Rock, während Bondage Fruit und Simon Steensland den Zeuhl erfolgreich in eine neue Epoche transferieren. Auch Buckethead und Tenhi klingen alles andere als nach klassischem RetroProg und mixen stattdessen Ambient, Postrock, Gothic, Metal, Experimental und was ihnen sonst noch in den Kram passt in ihren originellen, ungewöhnlichen Sound. Schubladenzertrümmerung erfolgreich, würde ich sagen: Der Patient lebt.

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Die 90er Jahre: Die besten Progressive Rock Alben des Jahrzehnts III

Die Schublade ist weiterhin der Feind. Und so dürfen in diesem Artikel Radiohead vom Brit-Pop aus Richtung Progressive Rock schielen, wie es mit Sicherheit einige britische Rocker in den 90ern getan haben, wenn auch kein einziger so konsequent wie Thom Yorke und seine Mannen. Vom Art Pop und Postrock kommt Mark Hollis hereingeschneit und selbst Pallas, Robert Fripp und David Sylvian durchbrechen ihre Traditionen, während zumindest  Höyry-Kone den Banner des klassischen Progressive oben halten (Und wie sie das machen!). Achja, und ein klein wenig Jahre Reminiszenz an die 80er Jahre – oder wie ich sie nenne: “Die dunkle Ära des Prog” – hat sich auch hierher verirrt; mit Collage, die den Neo Prog Sound von Marillion gekonnt in die nächste Dekade  transferieren. Progressive Rock, Art Rock, Art Pop, Post- irgendwas? Die Schublade ist tot, es lebe die Schublade!

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Hörenswertes April 2012: The Shins, The Mars Volta, Meshuggah, Les Discrets

Okay… ich stolpere mal wieder den aktuellen Veröffentlichungen hinterher. Und daher gibt es auch bei diesem Hörenswert-Artikel nur Material, das irgendwie so März 2012 ist. Macht aber nichts, da die kurzrezensierten Alben allemal hörenswert und zudem mit prominenten Namen besetzt sind. The Shins schielen schon mal Richtung Sommer, Meshuggah bolzen Richtung Herbst und Winter und The Mars Volta sind sowieso wieder komplett abgehoben irgendwo da oben im Weltraum. Etwas gediegener und für ein letztes Auskosten der Wintergefühle empfehlen sich die französischen Shoegazer Les Discrets, indem sie mit sphärischen, dunklen und mysteriösen Klängen ein letztes Mal gegen die Frühlingssonne rebellieren.

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Nightmare Before Christmas – Mixtape von Caribou

Amtliches, düsteres, schräges und von avantgardistischen Tönen zersetztes Mixtape von Caribou. Dieser ist einer der Kuratoren des Nightmare Before Christmas Festivals, das vom 9. bis zum 11. Dezember in Minehead stattfindet. Das dazu passende einstündige Mixtape featured unter anderem Four Tet und Sun Ra und bewegt sich an den Schnittpunkten von Electro, Free Jazz und Experimental. Ziemlich kaputtes Zeug mitunter…aber soooo gut!

Please enjoy this amazing mix put together by Dan Snaith (Caribou), who has created an intense hour long journey through the artists chosen for his day of the event, highlighted by a new and previously unreleased remix of Improve Me by Junior Boys.

Caribou – Nightmare Before Christmas Mix by All Tomorrows Parties

via Musikexpress

Im Kopf eklektisch, im Herzen frei – Das neue Album des Jazzpianisten Jason Moran: Ten

Déja-Vu-Alben sind im postmodernen Jazz keine Seltenheit. Man hat eben seine Ikonen und Vorbilder und scheut sich auch nicht diese zu verarbeiten, mit ihnen sie zu spielen und ihren Meisterwerken zu huldigen. So auch zu hören bei dem Pianisten Jason Moran, der nach Art in Residence (2006) satte vier Jahre gewartet hat, um neues Material zu präsentieren. Auf Ten tut er genau das. Und auch wenn sich der Begriff “neu” ohne Schwierigkeiten relativieren lässt, angesichts der zahlreichen Cover-Versionen, Reminiszenzen und Motivreanimationen, so ist Ten trotz allen Eklektizismus  doch ein fantastisches, frisches und originelles Album geworden.

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In the Fishtank 5: Tortoise & The Ex (1999)

Ruppig wirds beim fünften In The Fishtank. Ruppig und selbst für diese Reihe ungewohnt experimentell. Außerdem gibt es eine weitere Revolution. Der fünfte Ausflug in die Fishtanksession ist der erste, in dem das mittlerweile berühmte Konzept einer ungewohnten Kollaboration zum Tragen kommt. Die Postrocker von Tortoise krallten sich 1999 die Progressive Punkband The Ex und zogen sich für zwei Tage ins Studio zurück. Herausgekommen ist ein wüster, experimenteller Bastard aus glasklarer Komposition, schrillen Impromanierismen, Jazz, Rock, Noise und Postrockklängen.

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Soundgewänder – Rezension zu dem neuen Album von Kayo Dot: ‘Coyote’

Wohin soll denn die Reise gehen…? Die Avantgarde-Metaller Kayo Dot haben nach dem gefeierten Postrock-Metal-Bastard Dowsing Anemone with Copper Tongue einen extremen Wandel durchgemacht. Weg von den deftigen Postmetalgitarren, weg vom Geschreie und Gekeife, weg von der Agression hin zu einem fast schon anschmiegsamen experimentellen Postjazzgewaber auf ihrer dritten Langspielplatte Blue Lambency Downward. Das verschreckte die Fans der avantgardistischen Band gar nicht so sehr, was im Nachhinein betrachtet aber nur allzu logisch erscheint. Immerhin waren Kayo Dot schon immer weit entfernt von wüstem Testosteron-Geballer. Stattdessen wohnte ihrem harten, kompormisslosen Sound seit jeher etwas Fragiles, Melancholisches und auch Schönes inne. Da schien es nur konsequent, die Härte zurück zu fahren und sich mehr auf die zerbrechlichen Soundkonstruktionen zu fokussieren. Aber damit war die Reise noch nicht zu Ende, wie das nun 2010 veröffentlichte, konsequent weitergedachte “Coyote” unter Beweis stellt.

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Brumm und Blech – Die Krautrockikonen Faust veröffentlichen ein neues Album

Alle Jahre wieder… Wenn es eine Krautrockformation gibt, die die Wirren der Zeit überstanden hat, dann Faust. Seit fast 40 Jahren mit wechselndem Gesicht und unterschiedlicher Besetzung veröffentlichen die deutschen Progressive- und Avantgarde-Urgesteine Album um Album. “Faust is Last” heißt der neuste von Joachim Irmler und seinen Mannen komponierte Streich. Faust sind die Letzten? Die letzten Überlebenden? Die letzten Avantgardisten? Die Letzten, die den Krautrockhimmel bevölkern, das tote Genre irgendwie am Leben halten? Mäßigung ist hier jedenfalls nicht angesagt: Nicht im Titel, nicht im Artwork – das eine offene geröntge Hand ziehrt – und auch nicht in der Musik, die sich auf 2CDs wie ein Mahlstrom der Avantgardegeschichte über den Hörer wälzt.

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Jazz an der Schwelle… – "Isla", das neue Album vom Portico Quartet

Dieser Text könnte ebenso gut bei den vergessenen Alben des letzten Jahrzehnts stehen, wie er ein Hinweis auf eine interessante Neuveröffentlichung abseits gängiger Konventionen sein könnte. Gegen Ende des letzten Dezenniums, gerade mal vor einem halben Jahr erschien mit dem zweiten Album des Portico Quartets „Isla“ ein Jazz-Output, der sich konsequent vom Jazz wegbewegt und sich allen möglichen Arten und Abarten postmoderner Musik, vom Pop über den Postrock bis hin zu avantgardistischer E-Musik öffnet. Isla ist nicht nur ein einzigartiges Stück Post Jazz, sondern beweist auch, dass die klassischste Form der U-Musik (eine Kategorisierung die in diesem Fall mehr als unangebracht ist) immer noch überraschen und mitreißen kann.

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Die 00er Jahre: Die vergessendsten Alben des Jahrzehnts V

Im fünften Teil mit schrägem 80er Retro-Indie-Rock, relaxtem Americana Folk, einem besonderen Tribut an Pavement, experimentellem Pop aus Frankreich, coolem Noir Jazz, absolut unzeitgemäßem Funk und Bluesrock sowie einer mathematisch präzisen Free Jazz Kapelle.

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Melodie als Option – The Dillinger Escape Plans neustes Album "Option Paralysis"

Es ist nichts neues, dass bei Dillinger Escape Plan das Chaos Methode hat. Es ist aber auch nichts neues, dass diese Methode von Album zu Album nicht nur verfeinert wurde sondern mit der Zeit auch immer weitere Nuancen dazugewonnen hat. Spätestens seit Miss Machine spielen die Avantgarde Metaler aus New Jersey weitaus mehr als den brutalen Chaoscore der Anfangstage, für den sie so berühmt und berüchtigt waren. Mathematik ist hinzugekommen, die Zusammenarbeit mit Multitalent Mike Patton (Faith No More, Fantomas) hat ebenfalls ihre Spuren hinterlassen und hin und wieder durfte sogar eine Form von pervertiertem Pop in den letzten Alben vorbeischauen. Dem Konzept von Chaos und dessen Filterung, von Krach und dessen Aufweichung, halten DEP auch auf ihrer nun erscheinenden gerade mal vierten Langspielplatte (der immerhin fünf EPs gegenüberstehen) die Treue.

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