Pflanzen im Weltall

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Zeit für puren Eskapismus: Der japanische Künstler Makoto Azuma hat sich für sein Projekt Exobiotanica mit JP Aerospace zusammengetan, einem amerikanischen Unternehmen, das sich darauf spezialisiert hat, diverse Objekte in den Orbit zu befördern. Gemeinsam haben sie einen Bonsai-Baum und ein Blumen-Bouquet mit Hilfe eines Helium-Ballons in über 25 Kilometer Höhe fotografiert. Extraterrestrisches Leben, entstanden aus terrestrischem Leben, Mutter Erde küsst den Himmel und das Ergebnis sind einfach nur atemberaubende Fotos. Wer angesichts dieser Bilder “Kitsch!” ruft, wird gleich mit der nächsten Rakete in den Orbit geschossen.

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EXOBIOTANICA via amusing planet

Lying in your own Garbage

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Großartiges Fotoprojekt von Gregg Segal: In “7 Days of Garbage” liegen Menschen in ihrem eigenen Müll, den sie über eine Woche lang angestaut haben. Eigentlich finde ich Kunstprojekte mit Holzhammer-Öko-Botschaft immer eher so meeh… das hier funktioniert aber sehr gut, zum einen weil es inszenatorisch auf eine all zu große Wertung verzichtet, zum anderen, weil die Bilder wunderbar zwischen Tragik und schulterzuckendem Alltag oszillieren: We’ve made our bed and in it we lie. 

7 Days of Garbage at The Fence via Dangerous Minds

Die traurigen Seiten des Berliner Zoo

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Großartige Bilder des Münchner Fotografen Elias Hassos aus dem Zoologischen Garten in Berlin. Mit viel emphatischen Gespür, einem ausgezeichneten Blick für kleine Details und wundervollen, deprimierenden Kompositionen deckt dieser die traurigen Seiten eines Zoos auf: Isolation, Gefangenschaft, Einsamkeit und Trauer… Natürlich ist das letzten Endes weniger dokumentarische als viel mehr artifizielle, stilisierte Fotografie – inklusive anthropomorphisierender Perspektive -, aber gerade in ihrer Stilisierung der traurigen Momente heben sich Hassos’ Bilder aus der Reihe Zoo auf sehr angenehme Weise von klassischer “Don’t worry, everything is fine”-Tier-Fotografie ab. Oder anders gesagt: Die besten Zoo-Fotos, die ich je gesehen habe.

Die Bilder begleiten den Greenpeace Artikel Verloren hinter Gittern, der sich mit der Frage nach der Rechtfertigung von Zoos auseinandersetzt.

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Zoo von Elias Hassos via Testspiel

Banksy in Lego

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Der kanadische Fotograf Jeff Friesen hat Dioramen gestaltet und fotografiert, die die ikonographischsten Urban Arts von Banksy in ein Lego-Set-up transformieren. Nach dem Banksy über den Indie- und Hipster-Kult schließlich vollkommen im Pop-Hype angekommen ist (ob gewollt oder nicht) und mehrfach monetarisiert wurde (ob gewollt oder nicht), finde ich das nur konsequent. Gerade in seinem Fall hat sich die Popkultur derart brutal die Outsider Kultur gekrallt, dass der letzte Rettungsweg nur in einer noch radikaleren, noch konsequenteren Okkupation zu liegen scheint.

Jepp, diese Kuh muss jetzt so lange gemolken werden, bis ihre popkulturelle Verremixung als Symbol für die Macht des Pops selbst zum Kunstwerk wird. Next Steps: Banksy-Art als Disneyfilm, als Pixar-Animation, als Background für ein Lady Gaga Musikvideo, als Werbespot für Coca Cola und Mc Donalds… und die gesamte Verwertungs- und Adaptions-Maschinerie wird wiederum selbst zum großen Kunstwerk. Ehrlich, ich freu mich drauf.

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Bricksy at The Brick Fantastic via Amusing Planet

Erotisches für den Sonntagabend: Carré Blanc von Eric Marrian

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Stilvolle, minimalistische schwarzweiße Erotik-Fotografie, die genug andeutet, um sinnlich und betörend zu sein, zugleich aber nie zu viel von sich preisgibt. Eric Marrian zaubert mit der Anatomie des menschlichen Körpers…

Carré Blanc via Glaserei

Stencil Street Art von Jana & JS

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Sehr schöne  Schablonenkunst von einem Künstlerduo aus Österreich, das sich Jana & JS nennt. Am besten gefällt mir ihre Stencil-Art auf Holz. Aber auch ihre traditionelle Street Art auf der urbanen Leinwand kann so einiges…

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Jana & JS via Colossal

Art and Understatement: Rinkos Fotografie-Tumblr

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Mit-Blogger Rinko versteckt seinen Tumblr “Art and Understatement” derzeit so zurückhaltend, dass dessen Titel schon beinahe symptomatisch klingt. Dabei verdienen seine Fotos weitaus mehr, als nur kurz auf unserer Wer bloggt hier? Page genannt zu werden. Minimalistische, nur scheinbar einfache Fotografien, die in der Leere des Raums immer die wesentlichen Spots finden, dadurch nie trostlos wirken, sondern von großem Gespür für Visualität und Atmosphäre zeugen. Ich will an dieser Stelle jetzt echt nur ein wenig teasern, denn um einen wahren Eindruck von der Vielfalt der Heidrich’en Fotokunst zu erlangen, müsst ihr schon selbst in seinem Tumblr vorbeisurfen. Zu finden gibt es dort großartige Pott-Impressionen, melancholische Struktur-Studien und verspielte, eskapistische Foto-Kunst, die nie prätentiös sondern immer stilsicher, zurückhaltend und verdammt arty daherkommt. Ich hoffe ja noch drauf, dass Rinko auch die Seite360-Leser zumindest ab und zu an seinen Bildern teilhaben lässt… Bis dahin führt kein Weg an diesem großartigen Foto-Tumblr vorbei.

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Art and Understatement by Rinko Heidrich

Die Honigjäger Nepals – Beeindruckende Fotos von Andrew Newey

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Folgt unbedingt diesem Link zu den atemberaubenden Fotos, die Andrew Newey von den so genannten Honey Hunters in Nepal gemacht hat. Zwei Wochen verbrachte Newey beim nepalesisch/tibetischen Volk der Gurung und begleitete diese auf der Jagd nach dem Honig der weltgrößten Bienen. Die entstandenen Fotos scheinen fast zu fantastisch, um wahr zu sein. Gigantische Bienenschwärme in riesigen Waben, waghalsige Kletteraktionen, und das ganze vor einem Panorama, das einem einfach nur den Atem verschlägt. Ein wenig Text zu den Bildern findet ihr noch im Guardian. Just stunning!

The Honey Hunters of Nepal via BoingBoing 

Beeindruckende vertikale Kirchenpanoramen von Richard Silver

Punkt 1: Ich bin Atheist. Und zwar durch und durch. Ich versuche gar nicht erst den Umweg über halbgaren Agnostizismus oder seine Derivate. Wenn es um Glauben geht bezeichne ich mich liebend gerne als gottlos, nicht glaubend, glaubend, dass es keinen Gott gibt… und jede terminologische Spielerei, ob das eine denn nun gleich dem anderen ist, kann mir dabei gestohlen bleiben. Maximal, sobald ich mich auf dem wissenschaftlichen Parkett bewege – und damit so weit weg vom Glauben, wie es nur irgendmöglich ist – greife ich ganz gerne auf die Selbstbezeichnung Ignostiker zurück. Das sind die Agnostiker, die eine Diskussion über Gott sinnlos halten, bis der Begriff  ”Gott” überhaupt klar sprachlich eingegrenzt ist (ein gutes Mittel gegen die pantheistischen Schwärmer, für die Gott einfach alles ist, womit der Gottesbegriff schlicht zur leeren Hülle wird und durch beliebige andere spirituelle Begrifflichkeiten ersetzt werden könnte). Aber da ist auch immer viel Koketterie dabei. Im Grunde genommen bin ich Atheist und es müsste schon sehr viel passieren, dass sich das in diesem Leben noch ändert.

Punkt 2: Trotz meines Atheismus liebe ich Kirchen. Ich kann nicht genug bekommen von diesen opulenten, oft größenwahnsinnigen Orten, in denen Menschen Tempel für ihren eigenen Glauben errichtet haben. Meinetwegen sind es Gefängnisse oder Gräber Gottes, meinetwegen Symbole des pervertierten Glaubens und der Dekadenz des Christentums… beeindruckend sind sie dennoch. Und wenn ich unterwegs bin, egal ob in Deutschland, Europa oder sonstwo, komme ich an diesen Gebäuden einfach nicht vorbei, ohne zumindest kurz einen Blick hineinzuwerfen: Diese erhabene Atmosphäre, das Alter, die Detailverliebtheit, die mitunter schwindelerregende Höhe… und der Geruch. Gott, allein dieser fantastische Geruch! Und als Kirchenliebhaber muss ich einfach mal konstatieren: Ich habe noch keine so beeindruckenden fotografischen Impressionen der Gotteshäuser gesehen wie die vertikalen Panoramen von Richard Silver. Es ist so naheliegend, Kirchen genau in dieser Form auf das Medium Bild zu bannen, wandert bei einem Besuch in einer Kirche der Blick doch automatisch viel eher von oben nach unten als von links nach rechts. Schwindelig kann einem bei diesen Panoramafotos dann freilich auch werden, ein gottesfürchtiger Mensch würde ihnen vielleicht sogar eine transzendentale Kraft zuschreiben. In diesem Fall begnüge ich mich einfach mit dem ästhetischen Urteil: Fantastisch! Näher kann man einem realen Kirchenbesuch fotografisch wohl kaum kommen.

Bei my modern metropolis gibt es weitere Bilder + ein spannendes Interview mit Richard Silver.

Website von Richard Silver

Loop Portraits von Romain Laurent

Unter dem Label One Loop Portrait a Week veröffentlicht der Fotograf Romain Laurent derzeit enorm spannende Cinemagramm-Miniaturen in seinem Tumblr. Hier wurden die Cinemagramm-Möglichkeiten tatsächlich auch mal sinnvoll eingesetzt. Die minimalen Bewegungen der Porträtierten stehen immer in einem Kontext der körperlichen Externalisierung und Interaktionen mit der “Dingwelt”. So werden Blätter aus Röcken aufgewirbelt, aus den Mündern bilden sich enorme Rauchschwaden, Luft wird aufgewirbelt und Objekte werden manipuliert. Mit einem Hauch von Surrealismus, vor allem aber höchst lebendig und weltumarmend. Hinsurfen lohnt sich

One Loop Portrait a Week via Interweb3000

Just the two of us – Cosplayer zu Hause

Ganz und gar fantastische Fotoserie von Klaus Pichler, der enthusiastische Cosplayer in ihren Kostümen alleine zu Hause ablichtet. Und so fallen dann auch folgerichtig gleich mehrere Ebenen in seinen Fotos zusammen: Auf der ersten Ebene die nahezu kindliche Begeisterung der Porträtierten für ihre aufwändigen, epischen Verkleidungen. Auf der zweiten Ebene der Transfer des Fantastischen in den Alltag. Das Kostüm wird nicht einfach als Lebensmittelpunkt dargestellt, sondern kontrastiert mit der gewöhnlichen bis pittoresken Einrichtung der dargestellten Wohnungen. Und schließlich als drittes Moment, die Auflösung des Dissoziativen, das einerseits durch den Titel “just the two of us” betont, andererseits durch die Kadrage der Fotografien in eine harmonische, nahezu meditative Einsamkeit überführt wird.

Auf seiner Website stellt Pichler klar, dass die Bilder beides porträtieren sollen: Sowohl die Kostüme als auch die Personen dahinter. Und das gelingt diesen intimen Impressionen zweifellos, offenbaren die menschlichen, komplett hinter den Kostümen verborgenen Stillleben doch weitaus mehr Humanismus, als jedes direkte Foto es jemals könnte: Die abgelichteten Personen werden weder als Freaks noch ausgestoßene, aber auch nicht als verspielte Kinder inszeniert; stattdessen als reale Menschen, mit all dem Facettenreichtum, der Tiefe und der Nachdenklichkeit, die einen Menschen auszeichnet. Groß.

For the photo series ‘Just the two of us’ I visited owners of elaborate costumes in their own homes. The choice of location is not a coincidence: Nowhere else is the (abstract) link between the person behind the mask and his or her alter ego as visible as in their own home. Nowhere else would it have been possible to portray the mask and, figuratively speaking, the person behind it on the same picture. The costume usually full body costumes, which completely conceal the ‘private’ person represents the alter ego whilst the surrounding living space, so to speak, the ‘backdrop’ or stage design cautiously impart information about the person behind the costume.

Just the two of us via beautiful decay

Die Unwahrscheinlichkeit der Dinge

“Unlikely… but not Impossible” nennt der italienische Fotograf Giuseppe Colarusso seine Dekonstruktion alltäglicher Objekte und trifft damit genau ins Schwarze. Unter dem Titel IMPROBABILITA’ inszeniert er Alltagsobjekte mit einem kleinen Twist, der deren Funktionsfähigkeit konterkariert oder gar ins Gegenteil kehrt. Vertraute Dinge werde dadurch zu störrischen Paradoxien, zu abstrakten Eskapismen und surrealen Unsinns-Gegenständen. Dabei wird die Realität nicht nur – wie der Fotograf selbst angibt – überquert, viel mehr sind diese kruden Objekte eine augenzwinkernde Auseinandersetzung mit Ästhetizismus und Designgeilheit in der heutigen Konzeption des Praktikablen: Wann wird der Sinn zu Gunsten des Visuellen geopfert? Was zeichnet ein Objekt aus? Wann verliert es diese Auszeichnung? Und können wir uns angesichts der konzeptionellen, designtechnischen Überrealität überhaupt noch auf die Wirklichkeit der Dinge verlassen? Unwahrscheinlich… aber nicht unmöglich.

IMPROBABILITA’ by Giuseppe Colarusso via Colossal

Poetisches für den Sonntag: Otherscapes – Erotische Landschaften

Der Fotograf und Künstler Carl Warner arrangiert menschliche Körper zu faszinierenden Landschaften, in denen Natur und Kultur aufeinandertreffen. Wohl kaum notwendig, zu erwähnen, dass seine Bilder sowohl hocherotisch als auch wunderschön, eskapistisch sind. Und ein wenig humanistische Grundgedanken gibt es dann auch noch mit in die Landschaft:

An alternative portrait of a human being whose body becomes a landscape of themselves and plays on the sense of space in which we dwell. The external view of ourselves therefore becomes a more abstract and perhaps more intimate reflection of our inner being when viewed as a landscape or given a sense of place.

Otherscapes by Carl Warner via Faith is torment