Fotos aus dem frühen 20. Jahrhundert als surreale, eskapistische Traumwelten

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DAS ist wirklich so wunderschön, so wundervoll, so fantastisch, dass ich auf der Stelle losheulen könnte. Die australische Künstlerin Jane Long transferiert Vintage-Fotos aus der Zeit des ersten Weltkriegs in surreale, pittoreske und vor allem farbenfrohe Traumwelten, irgendwo zwischen Wizard of Oz, René Magritte und Terry Gilliam.

Dancing with Costica nennt sie die Serie, bei der sie auf Fotos des rumänischen Fotografen Costică Acsinte zurückgreift. Die Kollaboration schlägt eine unglaublich intensive Brücke zwischen der – selbst auf Abbildungen – hart und kalt scheinenden Realität der damaligen Epoche und der kreativen Verspieltheit postmoderner Fotokunst. Irgendwie eskapistisch, irgendwie ästhetizistisch, irgendwie Remix… und doch ganz eigen. Ihr seht mich eine Träne abwischen.

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Dancing with Costica via Colossal

Abandoned Barock

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Der irische Künstler Ted Pim nutzt verlassene und heruntergekommene Gebäude, um in diesen seine barocken Malereien zu verewigen und diese anschließend auf zwischen Klaustrophobie und Offenheit pendelnden, zentralsperspektivischen Fotos festzuhalten: Dunkel, mysteriös, monumental.

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Die Kunst von Ted Pim via Faith is Torment

Bitte anthropomorphisieren Sie jetzt!

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Beeindruckende Fotografien des belgischen Künstlers Vincent Legrange: In der Serie Animal Portraits werden sowohl domestizierte als auch wildlebende Tiere in eindringliche Porträts gebannt, die derart stilisiert und zugleich hyperrealistisch scheinen, dass die Menschwerdung immer nur einen Katzensprung oder Hundesprung entfernt ist.

In einem Interview mit Yatzer sagt der Fotograf zu seiner Herangehensweise: “I tried to photograph the animals as humans, depicting their emotion and human-like characteristics in a sombre way.”

Animal Portraits by Vincent Lerange via My Modern Metropolis

Klassische Gemälde im urbanen Setting

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Diese Mashups von Personen von Gemäldeklassikern und aktuellen urbanen Räumen sind schon länger in meiner Internetbubble unterwegs und ich stolpere immer wieder in Feeds und Tweets über sie. Nachdem ich echt lange mit mir gekämpft habe, ob ich sie nun cool oder platt finden soll, gebe ich mich final geschlagen und klebe sie in unser Blog:

Alexey Kondakov hat es aber auch wirklich drauf, das pittoreske Moment der Malerei vergangener Jahrhunderte mit einer spezifischen Großstadteinsamkeit zu kreuzen. Herausragend sind dabei mit Sicherheit nicht alle seiner Mashup-Werke, einige von ihnen sind aber schlicht genial, insbesondere dann wenn sie weniger ironisch und viel mehr tragikomisch, wenn nicht gleich ganz komplett tragisch daherkommen. Und genau diese kleinen Remixperlen will ich dann doch nicht ungepostet lassen.

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Alexey Kondakov (Facebook) via detailverliebt

(Ich setze das mal in eine Klammer…

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…denn so macht es auch Gregory Edelein mit so ziemlich allem, was er auf freier Wildbahn findet. Uns wurde irgendwann mal (zumindest soweit ich mich erinnere in der Schule) erklärt, dass Klammern meist ein schlechtes Stilmittel in einem Text sind (und meist auch ein Zeichen dafür, dass der Autor seine Gedanken nicht richtig sortieren kann). Ich sehe das anders: Klammern sind ein perfektes (Stil-)Mittel, um Einschübe vorzunehmen, ohne mit diesen einen ganzen Text zu überrennen (das haben sie übrigens auch mit ihrem – möglicherweise etwas eleganteren, poetischen – Pendant, den einschiebenden Gedankenstrichen gemeinsam).

Im Grunde genommen kann die akademische und kulturelle Welt gar nicht genug Klammern und Gedankeneinschübe besitzen (ganz zu schweigen von großartigen Denkern wie Derrida, die (zumindest scheint es mitunter so) ihre gesamte Philosophie einzig auf Klammern aufbauen). In diesem Sinne: Danke, Herr Edelein.

Interventions Paysage via Kulturtechno )

Die Paletten der großen Meister

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Wenn es nach dem Fotografen Matthias Schaller geht, spiegelt sich die Kunst der großen Maler bereits in ihren Arbeitsutensilien, in diesem Fall ihren Farb- und Malpaletten wider. In der Tat, wenn man sich die Fotografien anschaut, auf denen Schaller die Werkzeuge berühmter Maler verewigt hat, kann man kaum zu einem anderen Urteil kommen: Der wilde, expressive Farbrausch eines Wassily Kandinsky, die verträumten und zugleich erdenen Töne eines Claude Monet, die herbstlichen Töne eines Edgar Degas, die natürlichen Gewalten eines William Turner, das kreative Chaos eines Pablo Picasso, oder die Farbdichte eines Vincent Van Gogh, all das zeichnet sich mal mehr mal weniger deutlich auch im jeweiligen Werkzeug ab.

Oben seht ihr in trauter Eintracht Pablo Picasso neben Henri Matisse. Unten folgen zuerst William Turner und dann Marc Chagall. Weitere großartige (und entlarvende) fotografische Funde gibt es in Schallers Serie Das Meisterstück zu bestaunen.

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Das Meisterstück via Colossal

Send in the Clowns. Fear the Clowns.

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Kleiner, pflichtschuldiger Verweis auf die Coulrophobie, die krankhafte Angst vor Clowns, die es bis dato zwar nicht ins ICD-10 geschafft hat, aber durchaus schon Inhalt psychologischer Untersuchungen war. Als Nichtbetroffener möchte ich an dieser Stelle meine schiere Liebe zu allen düsteren, traurigen, makaberen und einfach andersartigen Darstellungen der berühmten, prototypischen Spaßmacher zum Ausdruck bringen. Und logischerweise finde ich dann diese mitunter doch sehr bösartigen (teilweise NSFW) Clown-Fotografien von Eolo Perfido einfach nur großartig. Die dunklen Seiten der Zirkuskultur perfekt auf den Punkt gebracht. Send in the scary Clowns!

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Clownville by Eolo Perfido via Crack Two

Make up im Plakatstil

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Es ist ein hartes Los, sein Leben als Gesicht auf einem Werbeplakat zu führen: Nicht nur, dass man von vornherein meistens gestaltet ist wie eine leblose, generische Puppe, darüber hinaus ist man auch noch den Gezeiten der Großstadt hilflos ausgeliefert: Street Artists, Tag-Kiddies, Schnurrbartvandalen und der Zahn der Zeit nagen an jedem Lächeln im urbanen Raum. Die Künstlerin Lydia Cambron hat sich genau jenem Schicksal eines jeden Werbeplakates angenommen. In ihrem Projekt Makeup Transit Authority stellt sie in augenzwinkernden, tragikomischen Selfies das Schicksal von unter Vandalismus leidenden Werbeplakaten nach. Auch eine Möglichkeit Street Art und Urbanität zurück ins Studio zu bringen… und eine ziemlich grandiose noch dazu.

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Makeup Transit Authority via Beautiful/Decay

Tutorial: 9 simple Tricks für bessere Fotos

In spontanem Übermut habe ich mir – als unkomplizierte, eierlegende Wollmilchsau für Film und Fotografie – letztes Jahr eine Panasonic Lumix DMC-FZ1000 gekauft (wenn ihr das jetzt partnerlinkshoppt, werde ich reich). Bedacht habe ich dabei allerdings nicht, dass zum guten Fotografieren mehr gehört, als bloß ne teure Kamera in den Händen zu halten (*neidisch zu Rinko rüberschiel).

Anyway, Fotograf Steve McCurry ist hier mit einigen erstklassigen Basic-Tipps am Start, die jedem, der Lust aufs Fotografieren hat, in Fleisch und Blut übergehen sollten. Aber dabei trotzdem nie vergessen: “Rules are meant to be broken!”

via Kotzendes Einhorn

Life Is Strange Ep. 1 – Das Spiel über Adoleszenz von Square Enix

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Mit seinem Antihelden Holden Caulfield hat J.D. Salinger die Zeit der Adoleszenz wohl wie kaum ein anderer Autor so treffend und zugleich schmerzhaft wiedergegeben. Der “Fänger im Roggen” ist vollkommen zurecht in den Literaturkanon aufgenommen worden und nicht ohne Zufall der Namensgeber für die Protagonistin des neuen Spiels von Square Enix.

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Poetisches für den Sonntag: Silence Effects by Yuliana Mendoza

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Abgesehen davon, dass ich die Fotos von Yuliana Mendoza einfach nur fantastisch finde, kann ich sie immer noch nicht zu 100% einordnen: Werden hier Körper dekonstruiert und transzendiert, oder werden Träume und Visionen verkörperlicht? Auf jeden Fall sind das ganz und gar großartige Bilder zwischen erotischer Sinnlichkeit und traumwandlerischer Selbstentfremdung. Und sie erinnern nicht selten an die – ebenfalls fantastischen – Bilder von Elena Helfrecht, die wir hier vor kurzem gefeatured hatten.

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Silence Effects via artfucksme

And without a doubt the most impressive picture of this year’s solar eclipse…

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…was taken by the ISS. It’s getting dark down there.

What does the Earth look like during a total solar eclipse? It appears dark in the region where people see the eclipse, because that’s where the shadow of the Moon falls. The shadow spot actually shoots across the Earth at nearly 2,000 kilometers per hour, darkening locations in its path for only a few minutes before moving on. The featured image shows the Earth during the total solar eclipse of 2006 March, as seen from the International Space Station. On Friday the Moon will move in front of the Sun once again, casting another distorted circular shadow that, this time, will zip over part of the north Atlantic Ocean.

Astronomy Picture of the Day (NASA) via boing boing

GHOSTS – Fotoausstellung in Berlin

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Fotograf und Seite360-Buddy Johannes (der nicht unerheblich beim aktuellen Design unseres Blogs mitgeholfen und in der Vergangenheit auch den ein oder anderen Artikel beigesteuert hat), eröffnet am 20. März in der Morgenrot Gallery in Berlin seine jüngste Fotoausstellung Ghosts, in der er sich mit dem mysteriösen, mythischen und dunklen Gesicht Osteuropas auseinandersetzt. Wir hatten Johannes hier schon ein paar mal gefeatured und das nicht nur aus kollegialem Pflichtgefühl, sondern auch weil seine Fotoprojekte auf verdammt spannende Weise den Grenzbereich zwischen dokumentarischer, reflexiver und märchenhaft überhöhter Fotografie ausloten. Doch, ich glaube Magischer Realismus ist ein recht passendes Label, um seine Fotografie zu beschreiben, die es auf Bildbeute zu bestaunen gibt.

Marcus und ich werden zur Ausstellungseröffnung auf jeden Fall vor Ort sein. Wenn ihr also einen netten Plausch mit einem Drittel der Seite360-Autoren halten oder einfach nur magisch realistische Fotos genießen wollt, kommt vorbei. Um 19 Uhr gehts los.

In seinem Projekt “Ghosts” arbeitet Johannes Franke als Archivar des Vergessens. In ungewohnten fotografischen Perspektiven und Ansichten Osteuropas lenkt er die Aufmerksamkeit des Betrachters auf architektonische Anachronismen, die sich dem alltäglichen Blick entziehen. Dabei konserviert er eine düstere Welt, die, so scheint es, vom Nichts aus Michael Endes unendlicher Geschichte verzehrt wird. Ein fernes, längst obsolet gewordenes Reich, das im Begriff des Schwindens steht, wird in den Kontext der modernen Zivilisation gerückt und erwacht in geisterhafter Ewigkeit zu neuem Leben.

“Ghosts” – Johannes Franke – Fotografien
Laufzeit: 20.3.2015 – 20.4.2015
Eröffnung: 20.3.2015, ab 19.00 Uhr
Kuration: Elena Helfrecht

Galerie Morgenrot, Mainzer Straße 6, 10247 Berlin-Friedrichshain

Veranstaltungsseite auf Facebook

Abandoned Berlin – Das Buch zum Blog

91UuwpzM4ILCiarán Fahey, der mit Abandoned Berlin eines meiner liebsten Erkundungs- und Fotografieblogs betreibt, veröffentlicht im Februar die Trophäen seiner Touren in Buchform. Im Grunde genommen ein Must-Buy für jeden Abenteurer, Fotografen und Berlinliebhaber, habe ich doch im gleichnamigen Blog so manche großartige Inspiration für Großstadtbesichtigungen abseits der üblichen Touristenpfade gewonnen und mich mehr als einmal von Faheys fantastischen Fotos der verlassenen und vergessenen Orte begeistern lassen. Faheys Blog begeistert mit einer genialen Mischung aus Erlebnisberichten, Insidertipps für Wagemutige und Tonnen an Fotos, die Lust auf eigene Erkundungen wecken, garniert mit interessanten historischen Fakten und unterhaltsamen Anekdoten. Für mich besteht daher kein Zweifel, dass das Buch auch ein Großstadtabenteuer-Schmuckstück fürs Bücherregal wird. Zu finden gibt es den etwas anderen, zweisprachigen Touristenführer unter anderem für knapp 20 € bei Amazon (Partnerlink), und der wandert dort jetzt auch gleich mal in meinen Einkaufswagen.

Abandoned Berlin- There shall be a book!