Schlagwort-Archiv: Experimental

Die 90er Jahre: Die besten Progressive Rock Alben des Jahrzehnts III

Die Schublade ist weiterhin der Feind. Und so dürfen in diesem Artikel Radiohead vom Brit-Pop aus Richtung Progressive Rock schielen, wie es mit Sicherheit einige britische Rocker in den 90ern getan haben, wenn auch kein einziger so konsequent wie Thom Yorke und seine Mannen. Vom Art Pop und Postrock kommt Mark Hollis hereingeschneit und selbst Pallas, Robert Fripp und David Sylvian durchbrechen ihre Traditionen, während zumindest  Höyry-Kone den Banner des klassischen Progressive oben halten (Und wie sie das machen!). Achja, und ein klein wenig Jahre Reminiszenz an die 80er Jahre – oder wie ich sie nenne: “Die dunkle Ära des Prog” – hat sich auch hierher verirrt; mit Collage, die den Neo Prog Sound von Marillion gekonnt in die nächste Dekade  transferieren. Progressive Rock, Art Rock, Art Pop, Post- irgendwas? Die Schublade ist tot, es lebe die Schublade!

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Die 90er Jahre: Die besten Progressive Rock Alben des Jahrzehnts II

Wie schon im letzten Artikel mit der Aufnahme von The Gathering angedeutet, lässt sich durchaus darüber streiten, was zum Progresive Rock gezählt werden darf und was nicht. Aber das Streiten mit Dogmatikern nervt und Hand aufs Herz: Der Prog gehört zu den Genres mit den konservativsten Anhängern, ausgerechnet die Musik, deren Attribut vom lateinischen progressus = Fortschritt abstammt, hat Fans, die sämtliche Neuerungen am liebsten für nichtig erklären und sich in engen Genre-Grenzen am wohlsten fühlen, gerade wenn es um die Verteidigung der Nische gegenüber dem so genannten Mainstream geht. Insofern dürfte die Aufnahme von Muse für einiges Kopfschütteln unter den True Proggern sorgen. Auch dass The Tea Party hier reingehören, wird mit Sicherheit so mancher Prog-Jünger verneinen. Dagegen dürften sowohl The Flower Kings als auch Spock’s Beard und Änglagård einhellig Zustimmung ernten, während Happy Family mit ihrem what the fuckigen Zeuhl-Sound wiederum am anderen Ende des Spektrums angesiedelt sind und all jenen ans Herz gelegt werden können, die schon immer die freakigen, andersartigen und abseitigen Momente der Schublade bevorzugten.

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Hörenswertes Mai/Juni 2012: Sigur Ros, Die Toten Hosen, Laurel Halo, Japandroids, Maximo Park

Ich verzichte mal auf einen größeren Einstieg zu einem der leider momentan seltenen Hörenswert-Artikel und nutze die Pause zwischen dem hochklassigen Spanien/Italien Spiel und trabe danke akuter Biernot für einen Ausflug zur nächsten Tanke (Anmerkung des Lektors: Das kommt davon, wenn man die Einleitung zu früh schreibt und den Artikel erst einige Zeit nach dieser veröffentlicht ;- ) ). Ich wünsche viel Spaß mit den nicht mehr irdischen Sigur Ros, den ungestümen Japandroids, der wunderlichen Laure Halo und den bodenständigen Hosen. Selbst Maximo Park haben sich leicht verändert, was allerdings in diesem Fall weniger das Album selber betrifft.

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Update or Die! – 365 Tage Belichtungszeit

Ich bin im Urlaub und haue ein paar Artikel nach dem Prinzip “Update or Die!” in den wordpress-eigenen Update-Planer (und nichts davon ist sonderlich aktuell, yeah!). Sprich, wenn ihr das hier lest, sitze ich mit Sicherheit nicht vor dem Computer, sondern genieße stattdessen in der guten alten Heimat ein wenig Ruhe vor diesem Internet… auch wenn mir das mit Sicherheit nicht 100% gelingen wird. Für die wirklich aktuellen Fundstücke und haufenweise Live-Updates sind dann für die nächsten Tage hoffentlich Rinko, Marcus und/oder Johannes zuständig. Achja, zu dem Bild sollte ich auch noch was schreiben: So sieht ein Foto aus, das 365 Tage Belichtungszeit hinter sich hat. Verantwortlich dafür ist Michael Chrisman und weitere Infos zu dem Bild findet ihr bei The Star:

“Time is always a major component in photography, but is usually dealt with in fractions of a second,” writes Chrisman, explaining his interest in lengthy exposures. “Exploring the limits of the medium is part of what drew me to attempting this photograph.

via Bitrebels

Hörenswertes April 2012: The Shins, The Mars Volta, Meshuggah, Les Discrets

Okay… ich stolpere mal wieder den aktuellen Veröffentlichungen hinterher. Und daher gibt es auch bei diesem Hörenswert-Artikel nur Material, das irgendwie so März 2012 ist. Macht aber nichts, da die kurzrezensierten Alben allemal hörenswert und zudem mit prominenten Namen besetzt sind. The Shins schielen schon mal Richtung Sommer, Meshuggah bolzen Richtung Herbst und Winter und The Mars Volta sind sowieso wieder komplett abgehoben irgendwo da oben im Weltraum. Etwas gediegener und für ein letztes Auskosten der Wintergefühle empfehlen sich die französischen Shoegazer Les Discrets, indem sie mit sphärischen, dunklen und mysteriösen Klängen ein letztes Mal gegen die Frühlingssonne rebellieren.

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Hörenswertes März 2012 II: Grimes, Gazpacho, Islet, Xiu Xiu, Terry Malts

Jetzt habe ich doch noch ausführlich und mehrmals Grimes gehört, einfach um wirklich was aktuelles bei den zweiten Hörempfehlungen für März dabei zu haben. Denn ansonsten stammen die rezensierten Alben doch primär aus den Vormonaten (was deren Qualität freilich nicht im geringsten schmälert). Ob der hippe Electro-Pop auf Visions hält, was der Hype verspricht, könnt ihr nach dem Klick lesen. Ergänzt werden kann so viel Trendyness nur durch knallharte Anti-Trends: Obwohl Neo-Prog irgendwie ziemlich tot ist, hatte ich eine gute Zeit mit Gazpacho, die irgendwo zwischen Anathema, Porcupine Tree und Dredg nach den verlorenen Höhen des neoprogressiven Himmels suchen. Terry Malts spielen 70er Fuzzie-Punk, wie er traditioneller nicht sein könnte, Xiu Xiu besinnt sich ebenfalls auf seine Experimental-Wurzeln, während die einzig wirklich, wirklich – verdammt so was von wirklich – originellen Klänge dieser Hörnswert-Runde von den grandiosen Islet stammen. Aber auch Unoriginelles kann hörenswert sein, wie eigentlich alle folgenden Alben unter Beweis stellen. Achja, es ist März, die Sonne scheint und es wird echt mal wieder Zeit für großartige Musik. Das Folgende dürfte die notwendige Ladung sein, um den Frühling würdevoll zu begrüßen…

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Links fürs Wochenende

SPOTIFY

Wahrscheinlich der überflüssigste Link, den wir hier jemals als Link fürs Wochenende gepostet haben. Falls ihr also die letzten Tage durchgeschlafen, auf dem Mond oder in einer Zeitkapsel verbracht habt, here we go. Ich benutze Spotify mittlerweile schon ein paar Tage und werde mit Sicherheit auch noch etwas Längeres dazu schreiben. Nur so viel schon mal vorab: Es lohnt sich! Sowohl als Musik-Stream-Portal als auch Organisations-Tool für die lokale Musikbibliothek. Es ist schlank, verdammt sexy und macht süchtig.

Passend dazu auch: Ein erster Rundgang durch Spotify beim Musikexpress, Spotify scheucht die Konkurrenz mit Gratisangebot auf, Darf ich die Musik mitschneiden? + Replik: Ist das Rippen bei Spotify zulässig?, Im Schatten von Spotify: Rdio mit großem Redesign, Kritik am Datenschutz von Spotify, Interview mit Axel Bringéusdem Director of International Growth für Spotify

Westberlin

Sehr cooler Tumblr, der die Vergangenheit der geteilten Hauptstadt in schicken Fotografien wieder aufleben lässt.

Fantasy Ja! Aber bitte ohne Freaks!

Sehr schöner Rant von Michael Erle über unangenehme Begleiterscheinungen der Popularisierung der Nerdkultur:

von A wie Alderaan bis Z wie Zwerg hat der Mainstream so ziemlich jedes Element einer Gedankenwelt, die früher noch Geeks, Dorks und Freaks gehörte, aufgesogen. Vampire als bevorzugte Lektüre von Teenagermädchen waren sozusagen der letzte Nagel im Sarg des Nischendaseins unseres Lieblingsgenres. Spätestens die Spekulationen über das „Next Big Thing“ (Zombies? Werwölfe? Zeitreisende Cowboys?) sollten uns einen Schrecken eingejagt haben: unser schönes, verschrobenes und geistreiches Hobby leidet unter dem Gesetz des Freien Marktes und seines Marketings.

Die Facepalmisierung des Internet

Warum muss ich täglich auf Twitter lesen “Wer noch einmal Wort xy schreibt, wird entfolgt”? Wozu die ganzen abwertenden Vokabeln, warum andere lächerlich machen, anstatt einfach mit ihnen zu reden? Wie wäre es denn, der betreffenden Person, die etwas so unsägliches gebloggt/getwittert/gesagt hat, einfach mal in Ruhe zu erklären, was mir nicht passt? Anstatt sie durch einen abwertenden Tweet zu verhöhnen?

dys4ia (Browsergame)

Ungemein persönliches Browsergame von ‘Pixel Provocateur’ Auntie Pixelante, die ihren Weg zur Frau, von der gesellschaftlichen Ablehnung über die Hormontherapie bis heute spielerisch aufarbeitet.

Nelly (Browsergame)

Wenn es nicht ganz so artifiziell sein soll: Nelly ist ein spannender Plattformer zwischen jugendlichem Alptraum, Gothic Novel und Burton-Ästhetik. Narration und spielerische Herausforderung behindern sich hier nicht gegenseitig sondern ergänzen sich zu einem fantastischen, dunklen Anti-Märchen.

Meinungsmacher 2012: Hacker-Interviews

Schafft Leverkusen den Klassenerhalt?

Eine mathematische Problemlösungsstrategie für Fanhoffnungen und Fanängste.

Warum ich nie mit etwas fertig werde…

Infografik

Letztes Jahr auf Seite360:

Der März wird endlich etwas hörenswerter, mit J Mascis, dem Esbjörn Svensson Trio, den Strokes, The Pain of being pure at heart, Earth und anderen… und dann gibt es natürlich auch noch die wundervolle neue Songcollage von R.E.M. Collapse into now und der musikalische Frühling ist gerettet. Cineastisch läuft eher weniger und so rezensiert Florian schon etwas weiter zurückliegende Filme wie Revanche und Hot Tub Timemachine.

Kurzfilm der Woche: SOLIPSIST

Ich werde jetzt nicht das ganze Gerante wiederholen, das Rinko von sich gegeben hat, während wir gemeinsam (nein, nicht händchenhaltend) diesen Kurzfilm von Andrew Thomas Huang genossen haben. Ja, SOLIPSIST kann man durchaus vorwerfen prätentiös, selbstverliebt, esoterisch, Kunstkunstkunst zu sein. Und ja, das erinnert in seiner Ästhetik stark an Björk-Videoclips (sucht euch einen Regisseur aus), hat ne Menge spirituelles Gewaber an Bord und sucht nach einem Sinn in allem. Aber diese Bilder, diese verspielte, verquere Erotik, dieser Farbentanz und diese wunderbaren Animationen! … Jepp, die reichen in diesem Fall, um endlich mal wieder Montags einen Kurzfilm der Woche nach oben zu tackern. Nach dem Klick gibt es noch das Making of zu sehen.

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Air – Le voyage dans la lune (Stream)

Ist es möglich, dass wir gerade so ne Hoch,- Pop,- Subkultur-Kurve im Blog haben, die munter Achterbahn fährt? Gestern Nacht hat Marcus nochmal ein paar abseits liegende Soundcloud-Fundstücke abgefeiert, und sich damit tief in subkulturellen Nischen bewegt. Davor gabs Pop aus Suberbowl Halbzeit, davor kulturhistorisches von Francois Truffaut und davor wiederum (Indie)-Pop von Nada Surf und Deichkind. Munter hoch und runter und zur Seite weg… Ich bleib diesem Prinzip mal treu und lande wieder beim Pop, aber wirklich von der experimentellsten, stilverliebtesten und schönsten Sorte. Die Stummfilm-Reminiszenz Le voyage dans la lune von Air gibt es ab sofort bei NPR im Stream… und der Tag kann kaum schöner beginnen.

Le voyage dans la lune (Stream) via Stereogum

The Flaming Lips with Yoko Ono/Plastic Ono Band – Joint EP (Stream)

Hach… The Flaming Lips… immer für ein wenig WTF gut. Hach Yoko Ono… immer für ziemlich viel WTF gut. Was dabei herauskommt, wenn sich die avantgardistischen Indie Rocker mit der Experimentalmusikerin und John Lennon Witwe zusammentun, kann man sich eigentlich denken. Die auf 2000 Stücke limitierte Split-EP der Flaming Lips und Yoko Ono/Plastic Ono Band ist ein ziemlich konfuser Ambient/Experimental/Rock-Hybrid, der zum Glück für alle offenen Musikhörer und Masochisten dieser Welt nun ins Netz gelangt ist. Vier Tracks, die für mindestens vier WTFs gut sind. Weiter gehts nach dem Klick…

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Die 90er Jahre: Die besten deutschen Alben des Jahrzehnts VII

So, jetzt aber zum wirklich allerletzten Mal Musik aus der Heimat der 90er Jahre… Heimatliche Klänge gibt es hier gleich mehrmals zu hören. Sowohl Element of Crime als auch Fink spielen ihre ganz eigene Interpretation deutscher Liedermacherkunst und übernehmen damit den Barden-Thron, der von den in den 90ern schwächelnden, klassischen Chansonniers verwaist zurückgelassen wurde. Immerhin Franz Joseph Degenhardt macht mit schlichten und zugleich effektiven Klängen auf sich aufmerksam. Ansonsten dominiert der Nachwuchs: Störrischer Punk von …But Alive, Folkpunk mit einem Augenzwinkern von Mutabor, großer Alternative von The Notwist… Und dann gab es da noch eine kleine, schüchterne, zurückhaltende und unglaublich sympathische Sängerin, Judith Holofernes, die auf ihrem Debüt einige wunderbare Deutschpophymnen versammelt, die später in gepimpter – aber nicht unbedingt besserer – Form ihren Weg zu Wir sind Helden finden sollten.

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