Schlagwort-Archiv: Düsterromantik

Send in the Clowns. Fear the Clowns.

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Kleiner, pflichtschuldiger Verweis auf die Coulrophobie, die krankhafte Angst vor Clowns, die es bis dato zwar nicht ins ICD-10 geschafft hat, aber durchaus schon Inhalt psychologischer Untersuchungen war. Als Nichtbetroffener möchte ich an dieser Stelle meine schiere Liebe zu allen düsteren, traurigen, makaberen und einfach andersartigen Darstellungen der berühmten, prototypischen Spaßmacher zum Ausdruck bringen. Und logischerweise finde ich dann diese mitunter doch sehr bösartigen (teilweise NSFW) Clown-Fotografien von Eolo Perfido einfach nur großartig. Die dunklen Seiten der Zirkuskultur perfekt auf den Punkt gebracht. Send in the scary Clowns!

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Clownville by Eolo Perfido via Crack Two

Die Schönheit “böser” Menschen – Zeichnungen von Sean Lewis

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Ja, ich sehe es eigentlich ganz ähnlich wie Amber Frost von Dangerous Minds: Allein wenn ich schon höre, dass jemand Serienkiller oder sonstige Gewaltverbrecher auf Gemälden verewigt, setzt bei mir ein bestimmter Widerwille ein. Es geht nicht darum, dass ich ein Problem damit hätte, mit der Ästhetisierung des Bösen könnte eine Gewalt-Apologie oder gar -Glorifizierung einhergehen, viel mehr birgt diese Form der Kunst bereits im Ansatz die Gefahr zu irgendeinem Dark Gothic Kitsch Schmu ohne Substanz zu werden. Bei den Zeichnungen von Sean Lewis sieht das anders aus. Dieser versucht nämlich gar nicht erst eine kitschige Ästhetik des Bösen, Dunklen, metaphysisch Abgründigen zu entwerfen, sondern konzentriert sich stattdessen voll und ganz auf die Einsamkeit, Traurigkeit, die Melancholie und daraus auch resultierend die allermenschlichste Schönheit seiner Vorlagen und Sujets.

Die Bandbreite seiner Motive reicht von anarchistischen Paranoikern wie dem Una-Bomber (oberstes Bild) über psychotische Killer wie Andrea Yates (Bild Nr. 2) oder Phil Spector (Bild Nr. 3) und klassische Serienkiller wie Ed Gain oder Aileen Wuornos (Bild Nr. 4) bis hin zu historischen Gewalttätern wie der Ku Klux Klan Koryphäe George Gordon (Bild Nr. 5). Bei Juxtapoz findet sich noch ein ziemlich spannendes Interview mit dem mMn. äußerst humanistischen Künstler:

Most of the figures I focused on are bastardized figures in society and adding to that condemnation didn’t seem like a particularly interesting angle to take. Especially after researching their lives I came away feeling sorry for them and their circumstances. Unchecked mental illness, negligent and manipulated upbringings, they’re all sad stories and I felt it was really important to step back and show some empathy for people that never really got any.

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Sean Lewis’ Blog via Dangerous Minds

Lost Houses by Jared Small

Dem in Memphis aufgewachsenen Künstler Jared Small sind verlassene und verfallene Häuser einer einstigen bürgerlichen Idylle made in USA keine Unbekannten. Das Faszinosum am verrottenden Groß- und Kleinbürger-Glück hat er in seinen Malereien auf großartige Weise verarbeitet. Die “Decaying Houses” die dabei entstanden sind, symbolisieren eine Form der pittoresken Apokalypse und zugleich eine Apokalypse des Pittoresken. Nicht nur die Häuser fallen in sich zusammen, ihr Niedergang wird zudem noch externalisiert, überträgt sich auf die Leinwand, indem an den Rändern der Gemälde die Farbe abblättert wie die Illusion des Glücks im Mikrokosmos der traditionellen US-Südstaaten: Ein metamedialer Albtraum, dessen Kadrierung vom umschlossenen Inhalt ergriffen wird, ein düsterer und zugleich melancholischer Abgesang aus Farbe, realistischem Impressionismus und abstraktem Gedankengang. Groß.

Paintings by Jared Small via Faith is Tornment

Filmabriss: Stoker, Lore, Ginger & Rosa, Vielleicht lieber morgen

Mal wieder ein kleiner Überschlag an Filmen, die ich in den letzten Tagen, Wochen, Monaten gesehen habe. Was die vier Filme eint: Sie fallen allesamt irgendwie – mitunter auf sehr merkwürdige Weise – in den Bereich des Coming-of-Age Dramas: Teenagernöte, Teenagersorgen, Teenagergefühle… in allen vier Filmen relativ erfolgreich auf erfrischend klischeefreie Weise erzählt: So nutzt Stoker die Adoleszenz als Leinwand für einen düsteren Psychothriller, Lore setzt sich in ihr mit der deutschen Geschichte auseinander, Ginger & Rosa versucht sich gleich in einem universellen Generationenporträt der 60er Jahre, und last but not least entfaltet Vielleicht lieber Morgen auf dem Hintergrund einer rührenden Indie-Komödie die kraftvolle Erzählung eines Traumas und dessen Konsequenzen.

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Die 80er Jahre: Die besten Horrorfilme des Jahrzehnts IV

In Teil vier darf es wieder etwas bissiger, gehässiger und auch blutiger zugehen… Für eine ganze Ladung Innereien und blutiger Schockeffekte sorgen der Kultfilm-Zwillingsbastard The Evil Dead sowie seine Fortsetzung Evil Dead 2, die hierzulande wohl am ehesten unter dem Titel Tanz der Teufel bekannt sein dürften. Ebenfalls bizarr und mit ner Menge Blut arbeitet die Gothic Novel Adaption Docteur Jekyll et les femmes, die alles andere ist als bloß eine weitere Schauergeschichte der Düsterromantik. Etwas ruhiger und subtiler hingegen ist John Carpenters Geister-Märchen The Fog – Nebel des Grauens, während Gremlins – Kleine Monster den Horror vergnügt zum Mainstreampublikum führt. And last but not least, An American Werewolf in London, der der eigentlich abgegessenen Werwolf-Thematik nicht nur neue Seiten entlockt, sondern darüber hinaus auch als verflucht guter Horrorschocker zu unterhalten weiß.

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Die 80er Jahre: Die besten Horrorfilme des Jahrzehnts I

Während es bei den Fantasyfilmen der 80er Jahre die schräge Albernheit ist, die die Filme von damals aus heutiger Sicht mitunter sehr befremdlich und lächerlich wirken lässt, ist es beim Horror-Genre mitunter der plastische und überzeichnete Gewaltanteil. Brutalität hatte diese Nische zwar schon in den 70ern zu bieten, aber erst in den 80er Jahren kam es – zumindest im Independent-Bereich – zu einer wahren Welle an Gore- und Splatter-Flicks. Während die Gewalt des 70er Jahre Kinos vor allem durch den Terror dominiert war, der in Filmen wie Texas Chainsaw Massacre (1974) weniger visueller als viel mehr inhaltlicher Natur war, standen im folgenden Jahrzehnt vor allem die explizite Darstellung im Mittelpunkt. Dabei ist diese Dekade keineswegs brutaler als die vorhergehende, viel mehr wurde das dystopische Moment der Gewalt zurückgeschraubt, um dafür blutigen, organischen Visualisierungen – vom gnadenlosen Realismus bis hin zur comichaften Überzeichnung – Platz zu machen. Gerade Letztere wiederum wirkt aus der heutigen Sicht mitunter albern, unseriös und alles andere als gruselig. Neben den zahllosen dreckigen Independent-Flicks gab es aber auch den ein oder anderen subtilen, traditionellen Horrorfilm. Ein Recht auf Beachtung verdienen beide Auslegungen des Genres und so pendeln wir in den folgenden Retrospektiven munter zwischen intelligenten Schauergeschichten und blutrünstigen BPjM-Zensur-Kandidaten.

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Die 90er Jahre: Die besten Gothic Metal Alben des Jahrzehnts I

Das Genre, das neben dem klassischen Death und dem Doom dem Melodic Death Metal am nächsten stehen dürfte, ist wohl der Gothic Metal, der – mal aus der “Gruftie-Richtung”, mal aus der schweren Metall-Richtung – zu Beginn und Mitte der 90er einen Missing Link zwischen atmosphärischem Dark Rock und tiefen, harten Metal-Sounds generierte. Bevor ich angefangen habe, für die 90er Retrospektiven in meiner musikalischen Vergangenheit zu wühlen, war mir gar nicht bewusst, wie stark ich von den Bands dieses Subgenres geprägt wurde… Gerade habe ich sogar das Gefühl, dass der Gothic Metal für mich eine Art ganz persönlichen Link darstellte: Vom klassischen Metal hin zu Death, Doom-, Black- und anderen extremen Metal-Spielarten, von denen ich eine Zeit lang nicht genug bekommen konnte. Die meisten der hier genannten Alben habe ich mir als Pimpf wöchentlich in der Bibliothek meines Vertrauens ausgeliehen (die musikalisch erstaunlich gut aufgestellt war), ohne überhaupt zu wissen, in welches Genre sie fallen könnten. Geliebt habe ich sie trotzdem, und sie haben mir so manchen Horizont fernab des damals so populären Grunge, Punk und Alternative Rock eröffnet. In der ersten Fuhre soll es um die Klassiker des Gothic Metal gehen, im zweiten Teil werden wir uns die Bands zu Gemüte führen, die das Genre sukzessive erweiterten und damit unter Beweis stellten, wie flexibel der Gothic Metal der 90er Jahre sein kann.

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Frankenfont – Literaturklassiker aus fehlerhaften PDF-Fonts zusammengebastelt

So wie Dr. Frankensteins Schöpfung in Mary Shelleys Frankenstein oder Der Moderne Prometheus (1818) aus den Körperteilen unterschiedlicher, toter – wenn man so will, fehlerhafter – Menschen zusammengesetzt ist, so ist auch diese Ausgabe des Literaturklassikers aus den Schriftarten 64.076 fehlerhafter PDFs zusammengesetzt. Das Ergebnis ist ein gruseliges typographisches Chaos: Schriftarten wechseln sich seitenweise, zeilenweise und auch zeichenweise ab, tiefe Font-Tintenkleckse beherrschen ganze Abschnitte, gefolgt von Leerstellen und typographischen Brüchen… aber, in dieses tote Chaos ist die Lebendigkeit des Urtexts dennoch eingeschrieben, genau so wie sich in Frankensteins “Monster” Leben und Gefühle finden lassen. Ein faszinierendes metatextuelles Experiment, in dem das Material, die Signifikantenträger selbst zum signifikaten Inhalt werden.

Frankenfont via welikethat

Hörenswertes Juni 2011: Fink, Esmerine, Thurston Moore, 13&God

Okay, okay… es braucht kein langes Drumherumreden. Auch dieses Mal tendieren unsere hörenswerten Alben wieder in Richtung der dunkel schillernden Seite des Sommers. Soll Rinko sich doch um den feuchtfröhlichen Pop kümmern. Hier geht es wieder tief hinein ins Herz der Finsternis, an dessen Ende doch so etwas wie pure Schönheit wartet. So baden wir mit Fink in schwüler Düsterromantik und lassen uns von dem Postrock Esmerines in postapokalyptische Gefilde entführen.  Und weil wir mal wieder etwas hinterher hängen, liefern wir Thurston Moore und 13&God noch zwei Mai-Reviews nach.

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Victorian Surrealism – Bilder von Jeffrey Harp

Großartige Bilderserie von Jeffrey Harp. Zu sehen sind düsterromantische, diffuse, surreale Bildverfremdungen, die zwischen H.P. Lovecraft, Decadence, David Lynch und Monty Python oszillieren. Krude, verspielt, ziemlich unheimlich, jedoch nicht ohne einen feinen Hauch von Ironie bishin zu derbem Dekonstruktivismus. Nach dem Klick folgen noch ein paar Bilder, den Rest gibt es in Jeffrey Harps Flickr-Set. Seine Website dagegen ist leider ziemlich verwaist.

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Nerdfilmabriss: Scott Pilgrim gegen den Rest der Welt, Sucker Punch, Kick-Ass

Üblicherweise kommen die Filme bei unseren Abrissen ja aus den verschiedensten Genres und haben keinen direkten Zusammenhang untereinander. Das ist in diesem Fall anders. Die drei Filme, die ich hier rezensieren möchte, fallen nicht nur in ein gemeinsames vages Genre, das man mit Fug und Recht als Nerdfilm bezeichnen könnte, sie leiden auch alle drei genau deswegen – mal mehr, mal weniger – unter dem selben Problem: Dem forcierten Awesomeness-Faktor, der in einem Fall die Qualität des Films eher steigert, in dem anderen die gute Grundidee torpediert und im dritten Fall schließlich für ein peinliches Beinahe-Disaster sorgt. Scott Pilgrim vs. the World, die Verfilmung eines in Nerdkreisen kultig verehrten Comics, Kick-Ass die Reinterpretation von Superheldenmythen in Zeiten des Nerds und Sucker Punch, das versuchte und gescheiterte Metastatement sind für sich jeweils Filme, die direkt am Puls der Zeit sitzen, den aktuellen kulturellen Diskurs der Popmoderne – oder eben Nerdkultur – widerspiegeln und zugleich für ihre eigene Vermarktung ausnutzen. Aber wie viel steckt tatsächlich hinter diesen Streifen?

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Animated Short der Woche: Neomorphus

Wunderbar skurriler, schaurig schöner und düsterromantischer Stop-Motion-Surrealismus-Trip, der sich zwischen frühen Tim Burton Anti-Märchen und Jan Svankmajers verstörenden filmischen Installationen bewegt. Das Making-Of gibt’s nach dem Break.

Neomorphus (Brasilien 2011)

Regie: Animatorio

Transformation trough mutations stages. Evolution as a function gain is called neomorphic. Imaginary creatures adapt into an Ecosystem and the transformation of these habitats for these creatures generates a fantastic cycle. The mutation symbolism is part of our experiences in that trajectory, changing places, finding a new spectrum, a new phase, evolving.

Neomorphus is the second movie created for the series of free mini-shorts named Praepostere, the first being “Adiantum pedatum” – made with stop-motion technique with the theme of unusual developments in a morbid visionary.

via misterhonk

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Die 90er Jahre: Die besten Animationsfilme des Jahrzehnts

Der Trickfilm der 90er Jahre war noch ganz und gar vom klassischen Zeichentrick geprägt. Computeranimationsfilme, wie sie im nachfolgenden Jahrzehnt zu Hauf zu finden sind, waren noch Mangelware. Aber es gab sie schon, die kleinen und großen Vorreiter für den Durchbruch des digitalen Trickfilmzeitalters. Und es gab auch ein paar klassische Stop-Motion-Meisterwerke, ebenso wie erlesene Puppenspiele. Es folgen die schönsten Trickfilme, bei denen nichts gezeichnet, sondern alles auf die ein oder andere Weise animiert ist.

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