Dramatik im 18. Jahrhundert: Empfindsamkeit, Subjektivismus, Sturm & Drang und die Geniezeit

Spätestens jetzt, wenn wir zu den Empfindsamen, den Stürmern, den Drängern und den Verfechtern eines radikal autonomen Subjekts kommen, wird es ganz schön schwer, die Strukturierung der Epoche einigermaßen aufrecht zu halten. Das beginnt schon mit der Kategorisierung: Sturm und Drang? Geniezeit? Genieepoche? Subjektivismus? Anything Else? Das geht weiter mit der Datierung dieser Epoche: Wo setzen wir an? Bei der empfindsamen Literatur eines Klopstock? Bei den Irrationalisten? Bei der Philosophie und Ästhetik Herders? Oder greifen wir ganz weit zurück und finden den Appell an die Leidenschaften und die Ablehnung des Gottsched’schen Formbegriffs schon bei Nicolai und Mendelssohn (exemplarisch im Briefwechsel über das Trauerspiel mit Lessing)? Nicht minder kompliziert wird es, wenn wir uns die Gleichzeitigkeit der Ereignisse anschauen: Der Beginn des Sturm und Drang wird gerne auf Goethes Reise nach Straßburg im Jahre 1770 datiert, gerne auch ein bisschen vorgegriffen auf die Jahre 1767 oder 1768. In dieser Zeit etablierte sich gerade das Hamburger Nationaltheater, das voll und ganz dem Sinne der bürgerlichen Dramatik und des bürgerlichen Lust- und Trauerspiels diente. Lessing veröffentlichte Emilia Galotti 1772, seinen Nathan gar 1779 als der eigentliche Sturm und Drang schon fast am Ausklingen war. Ferner veröffnetlichten die Stürmer und Dränger auch bürgerliche Trauerspiele, der Spät-Stürmer Schiller zum Beispiel Kabale und Liebe (1784), Lenz den Hofmeister und die Soldaten. Im Folgenden will ich versuchen diesem Kuddelmuddel ein wenig Herr zu werden. Über Schiller (der einen eigenen Text spendiert bekommt) will ich mich dann zur Klassik und zum Ende des Jahrhunderts vorwurschteln.

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Dramatik im 18. Jahrhundert: Gotthold Ephraim Lessing II

Als Dramaturg und Berater des Hamburger Nationaltheater begleitete Lessing von 1767 bis 1769 die dort aufgeführten Stücke kritisch kommentierend und ironisch reflektierend. Das dabei entstandene Werk, die Hamburgische Dramaturgie (1767 – 1769) ist ganz ähnlich wie die Reflexion des Trauerspiels im Briefwechsel mit Nicolai und Mendelssohn kein geschlossenes theoretisches Werk. Stattdessen vermischen sich Literaturkritik mit Aufführungskritik mit allgemeinen Beobachtungen und theoretischen Überlegungen zum Drama und Theater. Gerade durch diese offene Form sind die zahllosen Aufsätze jedoch eine stilprägende Innovation der Theaterkritik überhaupt, wenn man so will eine frühe Form des Feuilleton, die Lessing sprachlich und inhaltlich auf dem Höhepunkt seines kritischen Schaffens zeigt.

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Dramatik im 18. Jahrhundert: Gotthold Ephraim Lessing (1729 – 1781)

Für die deutsche Dramatik des 18. Jahrhunderts nimmt Gotthold Ephraim Lessing gleich in zweierlei Hinsicht eine exponierte Stellung ein. Anhand seiner dramatischen Theorie sowie zweier exemplarischer Werke sorgt er an zwei markanten Schwellenjahrzehnten mindestens für eine Reformation wenn nicht gar Revolution der dramatischen Theorie und Praxis. Die erste dieser beiden Reformen ist die Etablierung einer bürgerlichen Tragödie, in der nicht nur das Publikum als bürgerlich vorausgesetzt wird, sondern auch die Protagonisten selbst zumindest ethisch und strukturell aus dem Bürgertum stammen. Dies programmatisch im Briefwechsel über das Trauerspiel (1757/1756) mit Moses Mendelssohn und Friedrich Nicolai bestimmt, findet seine Umsetzung in der ebenso prototypischen wie bereits problematisierenden und differenzierenden Tragödie Miss Sara Sampson (1755). Die zweite große Reformation Lessings ist die Kontrastierung des bürgerlichen Ethos im Zusammenstoß mit der Welt des Adels. Dies geschieht mit Emilia Galotti (1772) und liefert neue Impulse für ein dahin festgefahrenes, zur Formel verkommenes bürgerliches Trauerspiel. Neben diesen beiden Schwellenwerken stechen auch seine Theoretischen Schriften Hamburgische Dramaturgie (1767 – 1769) und Laokoon (1766) sowie seine Dramen Nathan der Weise (1779) und Minna von Barnhelm (1767) aus den Werken der damaligen Zeit hervor. Betrachtet man daneben noch seine Verdienste für die deutsche Shakespeare-Rezeption sowie seine Impulse für ein Nationaltheater, steht es außer Frage, dass er zu den wichtigsten Theoretikern und Praktikern der damaligen Zeit gehört. Das verdient natürlich mehr als einen Artikel, und so widme ich mich hier erst einmal seiner frühen Dramaturgie und Miss Sara Sampson um in einem folgenden Text zu den späteren Werken zu gelangen.

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Dramatik im 18. Jahrhundert: Das bürgerliche Trauerspiel

Während die normative Dramentheorie Gottscheds wichtige Impulse für die Etablierung eines bürgerlichen Theaters lieferte und diese auch in den rührenden Lustspielen und bürgerlichen Komödien der Gottschedin oder von Gellert umgesetzt wurden, findet die eigentliche Einkehr des bürgerlichen Protagonisten sowie der bürgerlichen Topoi in das Drama in Deutschland erst gute zwanzig Jahre später statt. Erst die Öffnung der Tragödie für bürgerliche Protagonisten sorgt auch für eine tatsächliche Öffnung dieser Gattung für ein bürgerliches Publikum. In Folge der Vorreiter dieser Dramenform entsteht eine ganze Reihe bürgerlicher Trauerspiele, die mal mehr, mal weniger formell gehalten sind und sich in Motiven, Topoi und Stilistiken stark ähneln. Natürlich spielt hierbei vor allem der Dreiklang Lessing, Lenz, Schiller eine exponierte Rolle, aber auch andere Dramatiker der Zeit wenden sich diesen Themen zu. Im Folgenden will ich mich vor allem auf die gemeinsamen Charakteristika des bürgerlichen Trauerspiels konzentrieren und auf einige Prototypen näher eingehen. Den großen, kanonisierten Dichtern werde ich zu einem späteren Zeitpunkt einzelne Artikel widmen.

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Dramatik im 18. Jahrhundert: Die bürgerliche und rührende Komödie

In der literaturhistorischen Rezeption des Theaters des 18. Jahrhunderts nimmt das bürgerliche Trauerspiel eine exponierte Stellung ein.  Ob dies nun daran liegt, dass die am stärksten kanonisierten Stücke der Zeit Miss Sara Sampson, Emilia Galotti, Der Hofmeister, Kabale und Liebe etc. bürgerliche Trauerspiele sind, oder ob gerade diese Stücke kanonisiert wurden, weil das bürgerliche Theater in der Rezeption durch das Bürgertum einen besonderen Stellenwert zugewiesen bekam (und bekommt) soll an dieser Stelle offen bleiben. Fest steht, dass die Beurteilung der Dramatik des 18. Jahrhunderts in der heutigen Literaturwissenschaft ohne eine Exponierung des bürgerlichen Theaters nicht auskommt. Auf die Diskrepanz zwischen zeitgenössischer Rezeption und heutiger Kanonisierung habe ich bereits in der strukturellen Übersicht des damaligen Theaters hingewiesen. Dazu gehört auch die Tatsache, dass in der damaligen Zeit ungleich mehr geschah als in der heutigen Rezeption der Ikonen wie Lessing, Schiller und Lenz gerne dargestellt wird. Im Folgenden werde ich mich daher auf allgemeine Charakteristika des bürgerlichen Theaters konzentrieren, in diesem Artikel vorerst der bürgerlichen, rührenden Komödie der 40er Jahre. Dem bürgerlichen Trauerspiel, sowie der Dramatik der großen drei (oder großen vier) werde ich mich in kommenden Artikeln dezidierter nähern.

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Dramatik im 18. Jahrhundert: Johann Christoph Gottsched (1700 – 1766)

Ich werde zum ersten großen, kanonisierten Dramatiker des 18. Jahrhunderts Johann Christoph Gottsched (1700–1766) etwas weniger schreiben als zu den folgenden Personen, da er zwar am Anfang einer Kette von Dramatikern steht, deren Ziel es war, ein Theater für den Bürger zu etablieren, allerdings selbst keine Tragödien mit bürgerlichen Protagonisten entwarf. Im Gegensatz zu dem ihm folgenden Vertretern eines bürgerlichen Trauerspiels steht das Tragödien-Konzept Gottscheds noch ganz in der Tradition der französischen Klassik, arbeitet noch mit der Ständeklausel (Tragödien mit adligen Protagonisten, Komödien mit bürgerlichen) und ist bei weitem nicht so stark auf ein emanzipiertes, bürgerliches Theater ausgerichtet wie das seiner Nachfolger. Ohnehin ist Gottsched weniger ein genuiner Dramatiker wie Lessing oder Schiller als viel mehr Theoretiker und vor allem Übersetzer. Sein berühmtestes Stück Sterbender Cato (1731) stammt zum Großteil nicht aus seiner eigenen Feder sondern ist eine Mischung verschiedener Übersetzungen und Inspirationen, was Lessing zu dem ätzenden Kommentar veranlasste, Gottsched habe hier “mit Kleister und Schere” gearbeitet. Dennoch ist Gottsched für viele Impulse für das Theater der Aufklärung verantwortlich und somit ein wichtiger Baustein zum Verständnis der Dramatik des 18. Jahrhunderts überhaupt.

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Dramatik im 18. Jahrhundert: Versuch einer allgemeinen Strukturierung

Also wie angedroht, nutze ich – während ich gleichzeitig die normale Bloggerei auf ein Minimum zurückschraube – Seite360 jetzt einfach mal kurz, um meine eigene Prüfungsvorbereitung in klare Bahnen zu lenken. Gleich zwei Vorwarnungen zu diesem Artikel: Erstens, das ist ein Experiment. Keine Ahnung, ob das funktioniert, ob es Sinn macht, ob sich überhaupt irgendjemand dafür interessiert. Wenn es nicht klappt, kann es sein, dass das der einzige Artikel zum Thema bleibt und ihr – falls Interesse besteht – auf andere Literatur ausweichen müsst. Zweitens, das ist wahrscheinlich der egoistischste Text, den ich je auf diesem Blog veröffentlicht habe und je veröffentlichen werde. Ich reflektiere hier ziemlich rough meine Recherche, sprich germanistische/literaturwissenschaftliche Fachtexte. Ich will zwar, gerade im Hinblick auf den Zweck als Vorbereitung für die einstündige mündliche Prüfung, versuchen, das alles auch für Laien verständlich und interessant zu gestalten, werde aber nicht um Fachtermini drumherum kommen und an der ein oder anderen Stelle so schreiben, dass ein wenig Backgroundwissen vorausgesetzt wird (auch wenn ich das zu vermeiden versuche).

Trotzdem, wie gesagt, das soll dennoch nicht ganz ohne Mehrwert für euch bleiben. Sprich, wenn ihr Interesse an ein wenig Literaturgeschichte habt, falls ihr vielleicht selbst Literaturwissenschaften studiert oder gerade in der Abi-Vorbereitung seid, kann es durchaus sein, dass ihr hier die ein oder andere nützliche Info hier rausnehmen könnt. Kommentare, Ergänzungen, Kritik etc. eurerseits wären natürlich auch cool. Also viel Spaß oder fröhliches Ignorieren…

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In eigener Sache: EWE – Kurzfilmpremiere am dritten August in Berlin

Joa… ich habe da ja schon vor einiger Zeit ein Drehbuch geschrieben und das Ganze zusammen mit Johannes (der hier auch ab und zu, in letzter Zeit viel zu selten, etwas schreibt) verfilmt. Dieser Film kommt nun nach diversen Screenings auf Festivals und bei Ausstellungen zu seiner ganz hochoffiziellen Premiere in Berlin. Wir zeigen den 20minütigen, dytopischen Thriller am 3. August  im Theater Verlängertes Wohnzimmer in Friedrichshain. Eintritt ist frei und ich würde mich auch freuen wenn einige von den Lesern und bloggenden Kollegen vorbeischauen würden.

Näheres erfahrt ihr auch in der Veranstaltungsankündigung auf Facebook sowie auf der offiziellen Website zum Film. Kommt reichlich!

Nachdem der Gone-Astray-Film EWE letztes Jahr erfolgreich auf drei Festivals gelaufen ist und wir fast ausschließlich positives Feedback erhalten haben, wollen wir dem finalen Schnitt nun endlich auch zu seiner offiziellen, verdienten Kino-Premiere verhelfen.

Hierfür steht uns das Theater “Verlängertes Wohnzimmer” (Frankfurter Allee 91, 10247 Berlin) zur Verfügung. Dort bekommen wir einen ordentlichen Bühnenraum inkl. Rückprojektionsleinwand, sowie einen Bar-Bereich (mit Getränken zu moderaten Preisen) und schöne Café-Atmosphäre. Es kann also ordentlich gefeiert werden. Der Eintritt ist selbstverständlich frei.

Los gehts um 19 Uhr. Den Film werden wir wahrscheinlich so gegen halb 8 screenen. Danach gibt es noch ne kleine Aftershow-Party und das Screening von Zusatzmaterial und ein paar anderen Filmen…

EWE

EWE erzählt die Geschichte eines Staates, in dem Überwachung zum Alltag gehört. Jeder Mensch ist sowohl Überwacher als auch Überwachter, Opfer und Täter zugleich… Und alle haben sich mit dieser Art zu leben arrangiert. Auch Nicolai, ein erfolgreicher Journalist, hat schon lange die Kameras um sich herum vergessen. Seinem Beobachtungssoll geht er gewissenhaft nach – bis er zum ersten Mal in seinem Leben einen Blick hinter die Fassade der ganzheitlichen, demokratischen Überwachung wirft…

Erzählt wird der Film durch in sich ruhende Standbilder, die filmische Bewegungen ahnen lassen, andeuten und ansetzen ohne sie allerdings vollkommen auszureizen.
EWE entwirft auf dokumentarische Weise die düstere und zugleich ironische Dystopie einer Welt, in der die Verletzung der Privatsphäre Bürgerpflicht ist.

Länge: 22 Minuten

www.ewe-der-film.de
www.theater-verlaengertes-wohnzimmer.de

Theater “Verlängertes Wohnzimmer”
Frankfurter Allee 91, 10247 Berlin

PS.: Wenn ihr kommen wollt, sagt bitte in dieser Gruppe zu, damit wir einen Überblick über die Anzahl der Gäste haben.
Lg, Florian und Johannes

Browsergame: Personal Trip to the Moon

Lust auf ein ungewöhnliches Spielerlebnis? Personal Trip to the Moon ist ein ungewöhnlicher Trip, der irgendwie zwischen metaphysischer Reise, interaktiver Geschichte und nostalgischem, schwarz-weißen Retrogame oszilliert. Ist natürlich Kunst… also so richtig Kunst. Medium Spiel als Experimentierraum und so weiter. Und an manchen Stellen für meinen Geschmack etwas zu sehr nebulös, transzendental selbstverliebt. Unabhängig davon ist der Trip zum Mond aber ein faszinierendes, interaktives Abenteuer mit netten SciFi-Reminiszenzen und einer schönen, poetischen Gesamtatmosphäre.

Personal Trip to the Moon via Pixellevel

Die 80er Jahre: Die besten Actionfilme des Jahrzehnts I

Okay… genug mit den weniger schönen Seiten des US-Actionkinos der 80er Jahre auseinandergesetzt. Jetzt geht es an die Highlights. Und die kommen zwar auch hauptsächlich – aber nicht ausschließlich – aus dem Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Mit dem asiatischen Genre-Vertreter A Better Tomorrow revolutioniert John Whoo das Hongkong-Kino und kreiert mal eben noch auf eigene Faust ein autonomes Subgenre, den Heroic Bloodshed Movie. Mit Klischees des Asiatischen Lifestyles und einer ordentlichen Eastern-Hommage erschafft John Carpenter in Big Trouble in Little China einen schrillen Fantasy/Action-Hybriden, während er in Die Klapperschlange unter Beweis stellt, dass auch dystopische, düstere, morbide Töne durchaus in das Genre passen können. Ebenfalls fantastisch geht es im furiosen Die Reise ins Ich zu, während uns Auf dem Highway ist die Hölle los uramerikanische, nostalgische Action-Unterhaltung präsentiert, die noch tief in den 70er Jahren verwurzelt ist.

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Animated Short der Woche: OBEN

Wow! Ich habe selten einen animierten Kurzfilm erlebt, der so gekonnt mit der Kadrierung des Mediums arbeitet. Gerade in den ersten Minuten ist dieser schwindelerregende Wechsel von Cinemascope zu Vertical Video zu 16:9 schon über-episch. Aber auch darüber hinaus ist Oben einfach nur fantastisch: Dramaturgie, Storytelling, die Bilder, das Sounddesign…. einfach nur groß und mitreißend. Unbedingt im Vollbildmodus genießen und entführen lassen.

Erzählt wird die Geschichte eines Sterbenden in einer großartigen Montage aus Krankenhaus-Szenen und Bergbesteigung, allegorisch für den Weg zum Ende des Tunnels. Mag abgedroschen klingen, aber dank der fantastischen Umsetzung mehr als würdevoll und ehrfurchtseinflößend.

OBEN (Frankreich, 2012)

Graduation film of EMCA (animation school/ FRANCE) by

Thierno Bah – bahthierno.blogspot.fr/
Noé Giuliani – coprolitre.blogspot.fr/
Pierre Ledain – lamaingauche.blogspot.fr/
David Martins da Silva – martinsdasilvadavid.blogspot.fr/

Sound design by Prince N’Gouda Ba
EMCA 2012

via

Kurzfilm der Woche: Stitches

Angenehm geerdet – unglaublich gut fotografiert – schrammt der crowdfunding-finanzierte Stitches mit seiner Geschichte um Leben und Tod zwar nicht nur am Kitsch vorbei, sondern trifft diesen voll frontal um ihn anschließend dankbar aufzunehmen, ist nichtsdestotrotz allerdings warmherzig und zurückhaltend erzählt: Eine ur-amerikanische, sentimentale, nicht zu sentimentale Geschichte über  Trauer und Trauerbewältigung, perfekt inszeniert als leises, sensibles Drama, das wenige Worte braucht und sich stattdessen ganz auf seine Bilder, Gesten und Momente stützt, um zu berühren und zu verzaubern.

“Some people come into our lives and quietly go. Others stay for awhile and leave footprints on our hearts.”

Stitches centers around Sam, a 13-year-old boy who idolizes his grandfather and shares a passion for baseball. When his grandfather passes away suddenly, Sam must come to terms with the loss.

Stitches (USA, 2012)

Regie: Mike Eisenberg
Darsteller: Steffan Argus (Sam), Art Fox (Grandpa), David Lowenthal (Tim), Rachel Sledd (Lynn)
Kamera und Drehbuch : Mitch Koepp
Based on the short story, “No School Today” by John Mokhtarei

via Filmfreunde

Teen Spirit – Dokumentation über amerikanische Teenagerfilme auf Arte+7

Rinko hat gestern auf eine ziemlich interessante ARTE-Doku mit dem Titel “Teen Spirit” aufmerksam gemacht. Passt an dieser Stelle natürlich perfekt rein, nicht nur, weil wir vor kurzem den besten Teenager-Filmen der 80er Jahre ganze drei Artikel gewidmet haben, sondern auch als Ergänzung zum The Kids aren’t allright-Filmabend. Umso besser, dass das Teil – so wie es sich gehört – heute morgen bei ARTE+7 aufgetaucht ist, wo es die kommenden sieben Tage genossen werden kann. Anschauen!

Das amerikanische Genre der Teeniemovies hat der Pubertät, dieser Zeit des körperlichen und geistigen Umbruchs, eine Ausdrucksmöglichkeit verliehen. Die Filme sind gekennzeichnet durch eigene Codes, eine bestimmte Sprache und Struktur sowie leicht identifizier- und übertragbare Handlungsorte. Ein Teeniemovie bietet Momente des reinen Vergnügens, verleitet zum kritischem Nachdenken, löst Lachsalven aus und regt zum Träumen an.
Den zentralen Kern der meisten Teeniemovies bildet Verlangen – das sexuelle, aber auch das nach Emanzipation – und Frustration – man fühlt sich von den Eltern unverstanden, schafft den Übergang zum Erwachsenwerden nicht. Häufig muten die Filme wie eine Anhäufung von dummen Streichen und Albernheiten an, die meist jedoch gut ausgehen und weder Karikatur noch Übertreibung scheuen. Aber unter dem Strich haben sie auch eine Moral: Sie erklären, was es konkret bedeutet, in Amerika als Junge oder als Mädchen, mit weißer oder schwarzer Hautfarbe, reich oder arm geboren worden zu sein.
Eine Dokumentation zur Entdeckung eines faszinierenden, komplexen Genres mit seinen zahlreichen ästhetischen, gesellschaftlichen und politischen Verästelungen. Was ist über Amerika zu erfahren, wenn man sich seine Jugendlichen ansieht? Und vor allem: Warum kann sich die ganze Welt mit ihnen identifizieren?

(Frankreich, 2009, 52mn)


Teen Spirit auf ARTE+7

I want to see the big, wide world

Sehr gelungener Stop-Motion Filmvon Isabel Garrett, der wie eine schräge Version der Teletubbies startet und dann doch noch einen ziemlich düsteren, fast verstörenden Turn of Events spendiert bekommt.

A short animated film about a creature called Lolo, who lives with his mother in their own little cave. One day his boredom leads him to explore outside…

Shot on a Canon 500D and edited in After Effects
Direction and animation by Isabel Garrett, Sound design by Pete Cudmore

via

Trailerprogramm: Django Unchained, Monster University, 360, The Master, Looper, Beyond: Two Souls, ZombiU

Django Unchained [Quentin Tarantino]

Okay, okay… dürfte wohl schon so ziemlich jeder gesehen haben. Trotzdem noch schnell meine 2 cents zum neuen Streifen von Quentin Tarantino. Das Mashup-Prinzip seiner letzten Filme scheint das Spielkind des postmodernen Exploitation-Kinos hier auf jeden Fall fortzuführen. Nachdem er Martial Arts und Comic (Kill Bill), Action und Giallo (Death Proof) sowie Kriegsfilm und Spaghetti-Western (Inglorious Basterds) zusammengeführt hat, steht im Falle Django Unchained die Hochzeit von Spaghetti-Western und Blaxploitation auf dem Programm. Wie schon bei den letzten Flicks, gelingt es Tarantino – zumindest dem Trailer nach zu urteilen – die beiden so unterschiedlichen Genre-Ansätze so perfekt zusammen zu führen, dass sie wie eine untrennbare, homogene Einheit erscheinen. Jepp, dieser Django ist nicht nur ein dunkler Racheengel, sondern obendrein ein ziemlich cooler Blaxploitation-Prototyp, der einen tödlichen Schuss auch mal mit einem launischen Oneliner – unterlegt von funkigen Klängen – kommentiert. Sieht natürlich alles schick aus und so weiter… auch wenn ich ein bisschen das Gefühl habe, dass Tarantino sich dieses Mal allzu uninspiriert bei sich selbst bedient haben könnte. Außerdem wird Django sich wohl oder übel mit der letzten – noch gar nicht so alten – Western-Revitalisierung der Coens True Grit messen lassen müssen. Gegen deren intelligente, düstere und charmante Auseinandersetzung mit dem Genre könnte Tarantinos Spiel-Exzess ziemlich alt aussehen. Ist aber nicht das erste Mal, dass ich nach Sichtung eines Trailers des Großmeisters kritisch bin; und bisher hat mich der Quentin doch jedes Mal wieder positiv überrascht. Auch zuletzt mit Basterds, den ich für eine der besten Exploitation-Hommagen der letzten zehn Jahre und einen der originellsten Kriegsfilme überhaupt halte. We’ll see… (via)

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