Deutschrap und so #25: Döll – Weit entfernt

So, kommen wir mal nach dem heftigen Nostalgie-Trip meiner letzten Artikel, der immer wieder auch meinen Geschmack etwas beeinflusst, in der Gegenwart an. Deutscher Rap entwickelt sich ja, nach der Übernahme der Muskel-Rapper in den 00er-Jahren, mittlerweile wieder in die Breite, und so kommt wieder auf jeden IschfiggedeinäMuddah-Output zum Glück ein deeper Track.

Weit entfernt ist ein wirklich schönes Ding von Döll, der mit Mann im Mond eigentlich noch einen zweiten Kracher im Repertoire hat, aber mir gefällt der von Dexter produzierte “Weit entfernt”  halt noch besser.

Ich bin ja eh für ein Revival von deepem Rap, der mich zum Nachdenken anregt (gerne auch auch von Haftbefehl) und gegen diese Dümmer-als-der-Türsteher-Soße, die gerade am Niederrhein wohl enorm angesagt ist und auch noch mit Platz 1 in den Charts belohnt wird. Es hat schon seinen Grund, warum hier Doubletime-Gewichse von Kollegah nicht auftaucht, weil der Mann wohl weniger an guten Lyrics als viel mehr an dem Aufbau seines Trainingsprogramms interessiert ist.

“Weit entfernt” beschreibt jedenfalls die Sehnsucht, raus aus den zu eng gewordenen Raum, raus aus dem mitunter selbst gewählten Unmündigkeit, und das Streben nach Abenteuer. So war Hip Hop mal gedacht: Als Sender von Texten, der sich in den Köpfen der Leute festsetzen. Ach so, und Dexter hat das mal wieder astrein produziert!

Hörenswertes: Coldplay, Lana del Rey, Alt-J, Royksopp & Robyn, Mastodon, Honeyblood, Dexter

Ja ich war faul und habe trotzdem direkt noch eine zweite Ausrede im Gepäck: So richtig große Sachen sind ja in in den letzten Monaten nicht raus gekommen. Jungle wurden mir empfohlen, aber haben einfach nicht überzeugt, La Roux finde ich im zweiten Versuch nach dem nervtötenden Debüt auch nicht besser und überhaupt…ach nee, wir wollen ja nicht meckern, hat sich doch letzten Endes was Altbewährtes Hörenswertes gefunden. Rise Against sind immer noch die Könige unter den Stadion-Punkern, Lana Del Rey zeigt uns die Welt hinter dem schönen Schein, Coldplay sind wieder traurig und zum Ende gibt es sogar Blut, Schweiß und Honig. Wohl bekommt`s!

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