Und dann ist da dieser Moment, wo Money Boy mal ernsthaft bleibt…

monyb
Money Boy bedient ja eigentlich bevorzugt die schrillen Lifestyle-Magazine, wie zum Beispiel Vice. Die haben bestimmt schon ne eigene Abteilung für das Self-Empowerment von dem Wahl-Berliner aufgestellt, der gefühlt im Wochen-Takt eine neues Mixtape und einen kleinen Social Media-Skandal raushaut.

Das hinter der Kunstfigur auch noch ein Künstler steckt, der ein Magister in Sachen Kommunikationswissenschaft in der Tasche hat, ist zwar mittlerweile bekannt, aber ging doch im Overflow der Releases und verdrogten Interviews unter.

Das kurze und sehenswerte Interview mit Pulse zeigt einen überraschend disziplinierten Sebastian Meisinger, der reflektiert über den Wert von Musik redet. Der Song als Vehikel zum Marketing und umgekehrt dürfte wohl perfekt den Stand des Musikbiz im Jahr 2016 erklären.

Hörenswertes: Suede, SSIO, Rihanna, Beach Slang, Hey Ruin

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Lange Zeit, kurze Ansage. Ich liefere euch den feinsten Stoff mit SSIO, auch wenn er mal wieder neue Nummern hat. Suede waren mal eine große Nummer im Britpop und könnten es dank einem tollen Album wieder werden. Rihanna hat wahrscheinlich mehr Nr1.-Hits als Suede, aber möchte jetzt Anti sein. Beach Slang haben die Melodien, Hey Ruin trauen sich noch nicht und sind zu wütend.

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Wie “Der beste Tag meines Lebens” von Kool Savas entstand – Interview mit den Clip-Regisseuren

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Unsere Rap-Chronologie liegt ja schon ein wenig zurück, aber auf “Bester Tag meines Lebens” haben wir uns irgendwie alle einigen können. Und ich persönlich zähle es noch heute zu den ästhetisch herausragendsten Rap- bzw. Musikvideos der 00er-Jahre.

Ich hatte das große Glück, dass sich die Regisseure des Videos, Niklas Weise und Matthias Freier, für ein Interview über die Entstehungsgeschichte des Clips bereit erklärt haben. Ich danke den Jungs sehr für ihre Kooperationsbereitschaft und: Mein Angebot, Euch dafür mit einer Pizza-Runde zu belohnen, steht immer noch!

Link zu dem Video

Ihr habt Videos für Smudo, Samy Deluxe und Kool Savas gedreht – also ganz offensichtlich eine Affinität zu Hip-Hop. Ist das der Sound Eurer Jugend oder seid Ihr eher durch Zufall mit der deutschsprachigen Rap-Szene in Kontakt gekommen?

Matthias: Ich habe immer viel Hip-Hop gehört, aber eher A Tribe Called Quest, The Goats, Pharcyde, Freestyle Fellowship etc. Mein erster Kontakt mit deutschem Hip-Hop waren tatsächlich die Fantastischen Vier, die ich dann durch einen Job beim Fernsehen kennengelernt habe. Das war Anfang der 90er. Als deutscher Hip-Hop Mitte der 90er explodierte, war ich gar nicht im Lande, sondern in New York. Ich bin erst 2000 wieder nach Hamburg zurückgekehrt und habe dann für  Smudo das “Rudi”-Video gedreht. Das fand wiederum Samy Deluxe gut. So ging das bei mir mit den deutschen Hip-Hop-Videos los. Niklas und ich haben uns bei einer Produktion in Hamburg kennenlernt und auch er war eine Zeit in New York auf der selben Schule gewesen. Wir haben uns gleich gut verstanden und zusammen “Sneak Preview” von ASD und eben “Beste Tag deines Lebens” gedreht. Niklas hat wiederum die ersten Videos für Deichkind gemacht, aber das kann er ja selbst erzählen. weiterlesen

Deutschrap und so #14: Ferris MC – Tanz mit mir

Rap in den 90ern hatte noch Abitur; und so klang vieles ein wenig nach launiger Studenten-Party im Asta-Keller mit Weedgeruch und hier und da politische Diskussion über den Einsatz der Bundeswehr im Balkan-Konflikt.

Ferris, Trouble-Kid aus zerrütteten Familienverhältnissen und aufgewachsen in einem eher wenig schönen Bremer Staddtteil, spielte den längst nötigen Partyschreck, stieß die anderen von der Bowle weg und pöbelte launig herum. Sascha Reimann, der sich als Billy Idol des Rap bezeichnete, stand eben im Zeichen des Freak (und dem seiner Vorgänger-Band FAB) und war schon die erste Ahnung von Street-Credibilty im damals noch sehr harmoniebedürftigen Rap-Biz. Ein von ihm moderierter Event endete in einem sturzbesoffenen Auftritt, nach dem der Hip Hop Punk nur mit Hilfe der Fünf Sterne Deluxe zurück auf die Bühne gebracht werden konnte.

In “Tanz mit mir” thematisiert Ferris seine Weedsucht und den poetischen Totentanz mit den Dämonen, die ihn umgeben. Auch die Mongo Clikke wird am Schluss mit einem tatsächlichen mongoloiden Bandmitglied der kultigen Band Station 17 gefeiert, was damals kurrzeitg zu peinlichen Empörungen führte. Die schön dreckigen Beats steuert DJ Stylewarz bei, der damals die zweite große Welle des Hip Hop maßgeblich beeinflusste.

Deutschrap und so #11: Freundeskreis – Leg dein Ohr auf die Schiene der Geschichte

Erinnert sich noch jemand an die Kolchose? Der Zusammenschluss aus Stuttgarter Rappern war eine zeitlang neben Hamburg einer der wichtigsten Motoren des Deutschrap, während Berlin praktisch bis Ende der Neunziger gar nicht stattfand (was sich erst in den 00ern dramatisch ändern sollte).

Gangsta-Rap war zu dem Zeitpunkt, bis auf den eher witzigen Versuch aus Frankfurt, eine Untergrund-Sache, und es waren Bands wie Freundeskreis, die das große Hip Hop-Movement mit 1999 als kommerziellen Höhepunkt dominierten. Auf dem 1997 erschienen Debüt-Album “Quadratur des Kreises” gab es weniger Schellen von der Straße als viel mehr Geschichtsbewusstein und Sozialkritik. Auch waren nicht die üblichen G´s aus der Hood die Vorbilder, sondern die jazzigen Tribe Called Quest und Bob Marley.

Die naive Che Gueverra-Studenten-Romantik und die doch mitunter sehr dumpf vorgetragene Kapitalismus-Kritik wirken heute weitaus weniger großartig als in meinen frühen Jugendtagen, aber trotzdem war es einer der ersten Momente im deutschen Hip Hop, wo Arsch und Gehirn gleichzeitig bewegt wurden. “Leg dein Ohr auf die  Schiene der Geschichte” war extrem gut abgehanger Conscious Rap, der ja gerade heute gerade mit Sicht auf die nicht wirklich positive Weltlage viel zu kurz kommt.

Von Freundeskreis ist seit 2007 nichts mehr zu hören und Max Herre hat sich leider für eine Karriere entschieden, die mir mit ihren Popkonserven Kopfschmerzen bereitet.

Deutschrap und so #2: Äi-Tiem – All das mag ich

Ich habe ja in den 90ern echt wenig Hip Hop gehört (war damals eher so auf der Gitarrenschiene), aber Äi-Tiem habe ich in meiner anarchischen Phase sehr abgefeiert. Feinster, minimalistischer Rap mit Zecken-Attitüde und weit entfernt von den Hochglanzprodukten der fantastischen Vier. All das mag ich verzichtet zumindest vordergründig auf die Zeckenattitüde und liefert stattdessen puren musikalischen Sex mit einem fetten Augenzwinkern; einen solchen Song feiert man dann als pubertierender Teenie ebenso ab; halt nur aus anderen Gründen als das Anarchozeug; und selbst wenn mann nicht so ganz verstanden hat worum es geht.

Also hier kurz die poststudiale Nachlese zu meinem pubertären “Hihi”: All das mag ich räumt derbe auf mit dem maskulinen Sex(ismus) im Genre, lange bevor dieser in der deutschen Szene ein großes Thema sein wird. Wenn die orgasmisch herrlich egozentrische SONY-A den imaginären Zuhörer zu diversen sexuellen Handlungen auffordert und ihren Genuss mit den Worten “All das mag ich. Und ganz doll mich!” kommentiert, erlebt der genreimmanente Sexismus nicht nur einen fetten Twist, sondern wird auch gleich pervertiert, bis mann sich in den 5 Minuten von Sodom wähnt. Feinste Line: “Ich mag’s wenn du mich zärtlich beißt, während ich dir auf den Brustkorb scheiß.” So geht gerapptes, sexuelles Empowerment.

Neue Serie: Deutschrap und so…

hiphop

Vor ungefähr einer Woche ist der massive Hip-Hop-Chronologie-Hip-Hop-Track von Böhmermann und Dendemann inklusive zahlreicher Cameos diverser deutscher Hip Hop Größen durch so ziemlich alle – aber auch wirklich alle – deutschsprachigen Blogs gegangen. Und, hmmm, naja…. so cool ich Dendemann finde, und so cool ich Böhmermann finde, so sehr ich ihre musikalische Kollaboration abfeiern wollte, im Gegensatz zu allen anderen – aber auch wirklich allen anderen – hat mich diese Performance dann doch ein wenig unterwältigt. Liegt vielleicht auch daran, dass alle – aber auch wirklich alle – so sehr davon geschwärmt haben, dass ich eine absolute Sternstunde des deutschen TVs und der deutschen Hip Hop Kultur erwartet habe. Folgerichtig konnte ich nur enttäuscht werden von einer großartigen Idee und einem daraus resultierenden leider nur netten Ensemble-Track, bei dem mit Sicherheit mehr drin gewesen wäre.

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Antilopen Gang – Verliebt

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Zu leugnen, dass die deutsche Hip Hop Kultur ein ernstes Homophobie-Problem hat, ist wahrscheinlich noch schwieriger, als zu leugnen, dass die Videospielszene ein ernstes Sexismusproblem hat. Anyway, Ende Februar gab es diese Geschichte von Bass Sultan Hengzt und seinem neuen Albencover, auf dem sich (*shocking!) zwei Männer küssen. Dass so etwas homophobe Dreckskommentare anzieht, war irgendwie abzusehen. Eher nicht abzusehen war, dass es für das Artwork unmittelbar darauf Rückendeckung von einer anderen Hip Hop Combo geben würde: Die Antilopen Gang, die letztes Jahr schon mit ihrem extrem coolen Hit Beate Zschäpe hört U2 positiv aufgefallen sind, haben für ihren neusten Videoclip “Verliebt” nicht nur Fettes Brot sondern auch Feine Sahne Fischfilet und die Goldenen Zitronen zum Dreh eingeladen und knutschen dann auch mal gleich zu Beginn des Clips ordentlich gegen Intoleranz und Engstirnigkeit.

Auch abgesehen davon gilt: Coole Lyrics, eine saubere Mischung aus Pop, Hip Hop und Punk, eine schöne Freundeskreis-Reminiszenz und dazu noch ne lässige, undogmatische, antiideologische und zugleich herrlich anarchische Polit-Attitüde. Gangster, Gepose und Street Credibility nerven. So geht guter Deutschrap!

via Testspiel

Hörenswertes: D’Angelo, J.Cole, Haftbefehl, Run The Jewels, Big K.R.I.T.

Hrmpf, ich will mich gar nicht mit einer Entschuldigung aufhalten. Ich habe es total verpennt und werde die nächste Hörenswertes-Rubrik viel schneller an den Start bringen. Hier also noch der Best of The Rest 2014, während ich Besserung für 2015 gelobe und mich nicht wieder zu sehr…oh, wow ein tanzender Hund in meiner Timeline!

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Hörenswertes: Coldplay, Lana del Rey, Alt-J, Royksopp & Robyn, Mastodon, Honeyblood, Dexter

Ja ich war faul und habe trotzdem direkt noch eine zweite Ausrede im Gepäck: So richtig große Sachen sind ja in in den letzten Monaten nicht raus gekommen. Jungle wurden mir empfohlen, aber haben einfach nicht überzeugt, La Roux finde ich im zweiten Versuch nach dem nervtötenden Debüt auch nicht besser und überhaupt…ach nee, wir wollen ja nicht meckern, hat sich doch letzten Endes was Altbewährtes Hörenswertes gefunden. Rise Against sind immer noch die Könige unter den Stadion-Punkern, Lana Del Rey zeigt uns die Welt hinter dem schönen Schein, Coldplay sind wieder traurig und zum Ende gibt es sogar Blut, Schweiß und Honig. Wohl bekommt`s!

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Musik aus der Heimat I: Messer, Alligatoah, Love A, The Ocean, Feine Sahne Fischfilet, Die höchste Eisenbahn

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Schland steht Kopf. Die Onkelz sind wieder zurück und erfreuen uns mit Männergeheule, Patrioten-Geprolle und ausgelutschten Rocker-Fantasien aus der Steinzeit. Ein Glück, dass es in unserer Heimat genug Alternativen und eine Menge großartiger Newcomer gibt, die es allesamt wert angehört zu werden, allein schon weil sie teils mit viel Charme, aber auch mit genügend Wut im Bauch auf sich aufmerksam machen. Hier also nach längerer Pause wieder eine kleine Auswahl wirklich spannender Bands aus der ganzen Republik. Tja, Raab und BuViCo never made it happen…

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Hörenswertes Herbst 2013: Travis, Nine Inch Nails, MGMT, Moderat,The Field,Casper, Darkside

Somme, Sonne, Kaktus ist leider vorbei. Schlecht für das Gemüt, schlecht für das Immunsystem, gut für die Musikliebhaber. Der Herbst gehört schon traditionell zu den Monaten mit einer enormen Veröffentlichungswelle an interessanten Alben, auch wenn aus purer Faulheit ein paar Alben aus dem Spätsommer reingerutscht sind, aber mal ganz ehrlich: Travis waren doch schon immer eine Herbst-Band, der grummelige Industrial von NIN was für verregnete Scheißtage, MGMT haben schon lange die Schnauze voll von ihren Party-Hits und Moderat waren ja schon immer eher die Melancholiker unter den Berliner Elektronikern. Bei all dem Anflug von Schwermut hat sich Casper zum Glück für den Aufbruch entschieden und geht mir großen Elan seinen Weg als Freidenker weiter.

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Hörenswertes Juni 2012 II: The Smashing Pumpkins, DIIV, Hot Chip, Cro,The Gaslight Anthem, Frank Ocean

Schuldig. Es ist allein meine Schuld das hier gerade in der Hörenswertes-Rubrik kaum noch was läuft. Leute, ich verspreche euch wieder jede Menge Rezis am laufenen Band, sobald ich meinen Jahresurlaub angetreten habe und wieder halbwegs fit in der Birne bin. Bis dahin gibt es das eventuelle Comeback der Smashing Pumpkins, schlaue Sexyiness von Hot Chip, Gutgelauntes von Cro, Geniales von Frank Ocean, Sommerliches von Diiv und für handgeriebenen Käse sind The Gaslight Anthem zuständig.

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Casper – Splash 2011 (Stream)

Casper geht ja momentan mit seinem Album XOXO sowohl bei den Kritikern als auch in den Charts ziemlich steil. Die Anzahl der Hater (“Grauenhafte Emotexte auf Silbermond-Niveau”) ist ungefähr genauso groß wie seine Fanboys, die sowas wie den Retter des deutschen Hip Hop in ihm sehen. Wer sich von den Livequalitäten von Casper überzeugen möchte kann dies in der ZDF Mediathek tun, in der sein kompletter Auftritt vom Splash als Stream bereit steht.

Stream

Casper

Das Album ist das Lebewohl einer ganzen Generation von Perspektivlosigkeit, Stress und Resignation. Musik zum Fesselnsprengen, Aufbegehren sich Freibrechen. Caspers Album bedeutet das Loslösen, Brechen und Neuschreiben von alten Regeln. Es ist das letzte Aufbäumen und der erste Hoffnungsschimmer. Ein Neuanfang mit dem Bewusstsein für das, was hinter einem liegt. Der Aufbruch zu neuen Ufern. Casper will das zurückholen, was ihm und seiner Generation gehört — denn er ist einer von ihnen.

(Jan Wehn, April 2011)