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Deutschrap und so #14: Ferris MC – Tanz mit mir

Rap in den 90ern hatte noch Abitur; und so klang vieles ein wenig nach launiger Studenten-Party im Asta-Keller mit Weedgeruch und hier und da politische Diskussion über den Einsatz der Bundeswehr im Balkan-Konflikt.

Ferris, Trouble-Kid aus zerrütteten Familienverhältnissen und aufgewachsen in einem eher wenig schönen Bremer Staddtteil, spielte den längst nötigen Partyschreck, stieß die anderen von der Bowle weg und pöbelte launig herum. Sascha Reimann, der sich als Billy Idol des Rap bezeichnete, stand eben im Zeichen des Freak (und dem seiner Vorgänger-Band FAB) und war schon die erste Ahnung von Street-Credibilty im damals noch sehr harmoniebedürftigen Rap-Biz. Ein von ihm moderierter Event endete in einem sturzbesoffenen Auftritt, nach dem der Hip Hop Punk nur mit Hilfe der Fünf Sterne Deluxe zurück auf die Bühne gebracht werden konnte.

In “Tanz mit mir” thematisiert Ferris seine Weedsucht und den poetischen Totentanz mit den Dämonen, die ihn umgeben. Auch die Mongo Clikke wird am Schluss mit einem tatsächlichen mongoloiden Bandmitglied der kultigen Band Station 17 gefeiert, was damals kurrzeitg zu peinlichen Empörungen führte. Die schön dreckigen Beats steuert DJ Stylewarz bei, der damals die zweite große Welle des Hip Hop maßgeblich beeinflusste.

ninamc

Deutschrap und so #3 : Nina MC – Doppel X Chromoson

“Ey, mein Name –NINA- MC meine Ambition
Ich hab das Rapfieber trotz doppel X-Chromosom
Ich mach Lieder für jeden hier dem der Sound schmeckt,
sagt ma hat noch irgendjemand was gegen Frauenrap.”

Der Name Nina MC wurde der Öffentlichkeit mit dem ersten Deichkind-Hit “Bon Voyage” bekannt, in welchem die Hamburgerin  einen prominenten Part einnahm und die Leute mit ihrer unbekümmerten Art überzeugen konnte.

Ein wenig später folgte im Jahr 2002 der Solo-Auftritt im lustigen Video zu “Doppel-X-Chromoson”, wo Nina und ihre Crew in dem mittlerweile leider geschlossenen Kult-Klub “Kir” in Hamburg-Ottensen spielen und mit den catchigen Grooves das anfangs pöbelnde Testesteron-Publikum auf ihre Seite ziehen.

Nina Tenges Timbre fand ich damals sehr interessant, weil es zwischen krächziger Frechdachs-Attitüde, einer guten Portion Selbstbewusstein und auch betörender Souligkeit wechselte, angenehm auch der Gegensatz zu sämtlichen nachfolgenden Mutterfickern; Farid Bang und Konsorten waren zu dem Zeitpunkt noch in der Hauptschule. Das Debütalbum “Nikita” ist aber dann leider doch zu brav geraten und knallt leider nicht wie die Single “Doppel-X-Chromoson”.